Medizin

Tot ist tot, aber nicht hirntot

Die Bere­itschaft zur Organspende sinkt, daher wird die Wider­spruch­slö­sung propagiert. Der Wider­stand dage­gen ist jedoch beträchtlich. Leser ver­lan­gen mehr Aufk­lärung im Organspendeausweis über die Bedin­gun­gen der Orga­nent­nahme. Mit dabei sind zwei Mit­glieder des KAO Vor­standes.

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Eine feine Linie — Ist es an der Zeit, die „dead-donor-rule“ neu zu bewerten?

Der „Uni­form Deter­mi­na­tion of Death Act“, auch als UDDA beze­ich­net, wurde zu Beginn der 1980er erlassen und von allen 50 Bun­desstaat­en ver­ab­schiedet und bestätigte die Entschei­dung des Komi­tees, den Hirn­tod als eine von zwei juris­tis­chen Voraus­set­zun­gen für den einge­trete­nen Tod aufzuführen, neben der tra­di­tionellen Def­i­n­i­tion des irre­versiblen Still­stands von Kreis­lauf und Atmung.

Diese bei­den Regelun­gen, zusam­men mit der Zus­tim­mung der Ange­höri­gen, ermöglicht­en es den Ärzten, bei juris­tisch für tot erk­lärten Patien­ten die lebenser­hal­tenden Maß­nah­men zu been­den, wodurch sie wed­er einen Mord beg­in­gen noch son­st etwas Ille­gales tat­en. Somit legit­imierten diese Fes­tle­gun­gen ein Lager von zur Spende geeigneten Orga­nen, die immer noch ernährt und mit Sauer­stoff ver­sorgt wur­den.

Ob die Teil­nehmer des Beech­er-Komi­tees oder des UDDA-Komi­tees durch das Ziel angetrieben wur­den, den Vor­rat an ver­füg­baren Orga­nen zu steigern und ob sie die Def­i­n­i­tion des biol­o­gis­chen Todes so zurecht­bo­gen, dass es dazu passte, bleibt eine Kon­tro­verse.

Einige wenige Prak­tik­er wie Truog sagen, dass das Komi­tee dif­feren­ziert­er hätte sein kön­nen. Sie hät­ten sagen kön­nen, dass Patien­ten ohne autonomen Kreis­lauf oder Atem­funk­tion und ohne Aus­sicht darauf, ihr Bewusst­sein wieder zu erlan­gen, tech­nisch gese­hen noch am Leben sind, und es ethisch gerecht­fer­tigt sei, ihre vital­en Organe zu ent­nehmen, wenn eine Zus­tim­mung vor­lag. Für die meis­ten Medi­zin­er jedoch beste­ht kein Zweifel daran, dass sowohl der Hirn­tod als auch der Tod nach Kreis­lauf-Still­stand den wahren Tod bedeuten.

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Daniel Kersting: Was bedeutet „Aufklärung“ im Kontext der Organspende?

Son­ja Schäfer, Organspende­beauf­tragte des Lan­des Bre­men, hat­te für den 15.11. zu einem Vor­trag in das Klinikum Bre­men-Mitte ein­ge­laden. Titel des Vor­trags von Daniel Ker­st­ing vom Insti­tut für Philoso­phie an der Uni­ver­sität Jena war: Was bedeutet „Aufk­lärung“ im Kon­text der Organspende?
Geb­hard Focke, Schrift­führer von KAO berichtet über diesen hörenswerten Vor­trag.

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KAO fordert Einhaltung des geltenden Rechts

Liegt keine Ken­nt­nis zum Patien­ten­willen vor, muss von ein­er Hirn­tod­di­ag­nose Abstand genom­men wer­den, erst recht von fremd­nützi­gen Maß­nah­men, da auch hier der Grund­satz allen ärztlichen Han­delns – nicht zu schaden – gilt. Ein möglich­er Schaden kann auch nicht durch den Nutzen für eine andere/dritte Per­son (Organempfänger) aufge­wogen wer­den.

Dr. Stahnke stellt fest : “Für die inten­sivmedi­zinis­che Behand­lung bzw. den Behand­lungsab­bruch ist die Hirn­tod­di­ag­nos­tik nicht notwendig. Dafür reicht es aus, dass die behan­del­nden Ärzte zu der Ein­schätzung gelan­gen, dass die Prog­nose für den Patien­ten aus­sicht­s­los ist und er nicht mehr von ein­er weit­eren Ther­a­pie prof­i­tiert. Dann ist in Absprache mit den Ange­höri­gen ein Behand­lungsab­bruch möglich. die Hirn­tod­di­ag­nos­tik muss bei einem noch leben­den Men­schen nur zum Zweck der Orga­nent­nahme durchge­führt wer­den.“

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Robert D. Truog, MD: Sollte eine informierte Zustimmung verpflichtend sein bei der Durchführung eines Apnoe-Tests bei Patienten, deren Hirntod vermutet wird? — Ja

Ist es erforder­lich, dass eine informierte Zus­tim­mung der Bevollmächtigten eines Patien­ten vor­liegen muss, wenn ein Apnoe-Test als Bestandteil der Hirn­tod-Unter­suchung durchge­führt wird? Diese Frage stellt sich ger­ade jet­zt, nicht nur weil die rechtlichen Entschei­dun­gen bei dieser Frage derzeit unter­schiedlich aus­fall­en, son­dern auch wegen ein­er Anzahl von Fällen, in denen die Fam­i­lien die Hirn­tod-Diag­nose abgelehnt haben, nach­dem sie getrof­fen wor­den war, und die auch die Hirn­tod-Unter­suchung unter­sagt hät­ten, wenn man sie danach gefragt hätte.

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PDFKAO OrganspendeWIDERSPRUCH

In Deutsch­land ist wie in den meis­ten Län­dern Wider­spruch erforder­lich, wenn man kein Organspender sein will. Denn wer nicht selb­st für sich entschei­det, über den entschei­den andere.

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