Das Eindringen der Transplantationsmedizin in die Intensivstationen: Die Entwicklung der Transplantationsgesetzgebung in Deutschland

Zusam­men­fas­sung

Der Arti­kel stellt die deut­sche trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ni­sche Gesetz­ge­bung und die damit ver­bun­de­nen medi­zin­ethi­schen Kon­flikt­fel­der vor. Er beleuch­tet, wie sich ein wesent­li­ches Merk­mal seit dem Durch­bruch der Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin als neue The­ra­pie­form in den 1960er Jah­ren her­aus­ge­bil­det hat: Der Gesetz­ge­ber stand von Anfang an vor der Auf­ga­be, immer erst im Nach­hin­ein, teil­wei­se Jahr­zehn­te spä­ter, recht­li­che Grau­zo­nen schlie­ßen zu müssen.

Die­se Beson­der­heit liegt in einem viel­schich­ti­gen Dilem­ma begrün­det: Die Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin ist auf den Kör­per ande­rer Pati­en­ten ange­wie­sen. Dar­aus resul­tiert ihre Abhän­gig­keit von einer unse­rer kul­tu­rel­len Todes­vor­stel­lung dras­tisch abwei­chen­den Defi­ni­ti­on des Ster­bens und des Todes (‚Hirn­tod‘). Zudem muss eine künst­li­che lebens­ver­län­gern­de Behand­lung von ‚hirn­to­ten‘ Pati­en­ten nach der Hirn­tod­fest­stel­lung wei­ter­ge­führt wer­den. Denn nur aus ihrem leben­di­gen Kör­per gewon­ne­ne Orga­ne sind ver­pflanz­bar. Zum allei­ni­gen Zweck der ‚Organ­spen­de‘ darf die inten­siv­me­di­zi­ni­sche Maxi­mal­the­ra­pie von Pati­en­ten mit einem Hirn­ver­sa­gen im doku­men­tier­ten Toten­sta­tus (Hirn­tod­pro­to­koll) selbst Ope­ra­tio­nen oder eine kar­dio­pul­mo­n­a­le Reani­ma­ti­on (Herz-Lun­gen-Wie­der­be­le­bung) umfassen.

Die nicht mehr dem Wohl des betref­fen­den Pati­en­ten die­nen­de soge­nann­te organ­pro­tek­ti­ve The­ra­pie prägt ent­schei­dend den medi­zi­ni­schen und sozia­len Umgang mit einem ster­ben­den Men­schen am Ende sei­nes Lebens. Vor dem Hin­ter­grund die­ser ethisch heik­len Behand­lungs­stra­te­gie ist der Gesetz­ge­ber mit der Auf­ga­be betraut, Aus­nah­me­re­ge­lun­gen für die fremd­nüt­zi­ge The­ra­pie von poten­zi­el­len ‚Organ­spen­dern‘ zu fin­den. Denn es sind die zu lega­li­sie­ren­de Spen­der­re­kru­tie­rung und die einer Sek­ti­on glei­chen­den Mul­ti­or­gan- und Gewe­be­ent­nah­men mit den Richt­li­ni­en zur ärzt­li­chen Ster­be­be­glei­tung sowie Grund­sät­zen der medi­zi­ni­schen Ethik zu vereinbaren.

Zudem wider­spricht eine auf die Organ­ge­win­nung ori­en­tier­te Behand­lung von poten­zi­el­len ‚Organ­spen­dern‘ den Grund­prin­zi­pi­en der auf Inten­siv­sta­tio­nen eta­blier­ten Pal­lia­tiv­me­di­zin (lat. ‚pal­lia­re’: mit einem Man­tel umhül­len): Eine Pal­lia­ti­on ver­zich­tet bereits in der Pha­se eines sich abzeich­nen­den Hirn­ver­sa­gens auf sinn­los gewor­de­ne, lebens­er­hal­ten­de medi­zi­ni­sche Maß­nah­men. Sie macht somit eine aus­schließ­lich für die Organ­ent­nah­men erfor­der­li­che Hirn­tod­fest­stel­lung hin­fäl­lig. Die pal­lia­ti­ve Sor­ge rich­tet den Fokus auf eine lei­dens­min­dern­de The­ra­pie und hat eine medi­zi­ni­sche, spi­ri­tu­el­le sowie psy­cho­so­zia­le Betreu­ung des ster­ben­den Men­schen, aber auch sei­ner Ange­hö­ri­gen im Blick.

Die seit 2012 erfolg­ten Refor­men der deut­schen Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz­ge­bung bet­ten die ‚Organ­spen­de‘ in den Per­spek­tiv­wech­sel von einem pater­na­lis­ti­schen Arzt-Pati­en­ten-Ver­hält­nis zu einem neu­en Selbst­ver­ständ­nis der Medi­zin ein: Dabei geht es um die Betei­li­gung der Pati­en­ten als selbst­ver­ant­wort­li­che Sub­jek­te an medi­zi­ni­schen Ent­schei­dungs­pro­zes­sen. Die­se kön­nen auch Situa­tio­nen der Nicht­ein­wil­li­gungs­fä­hig­keit am Lebens­en­de betref­fen (‚End-of-Life-Decis­i­ons‘). Eine zen­tra­le Säu­le der Pati­en­ten­au­to­no­mie stellt ein per­sön­li­ches, ärzt­li­ches Auf­klä­rungs­ge­spräch der geplan­ten Dia­gno­se­ver­fah­ren und kör­per­li­chen Ein­grif­fe dar.

Auf die­ses Selbst­be­stim­mungs­ide­al bezie­hen sich alle letz­ten Novel­lie­run­gen des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes – aller­dings ohne eine fun­dier­te Pati­en­ten­in­for­ma­ti­on zur ver­pflich­ten­den Vor­aus­set­zung einer Organ­spen­de­er­klä­rung zu machen. Damit erlaubt der Gesetz­ge­ber gro­ße Wis­sens­lü­cken in der Bevöl­ke­rung. Mit der Ein­füh­rung der soge­nann­ten Ent­schei­dungs­lö­sung kann nun­mehr die zum Zweck der ‚Organ­spen­de‘ durch­zu­füh­ren­de ‚spen­de­zen­trier­te The­ra­pie‘ exklu­siv als Rea­li­sie­rung des Pati­en­ten­wil­lens gel­ten. Ohne Berück­sich­ti­gung des all­ge­mein herr­schen­den Infor­ma­ti­ons­de­fi­zits soll nur noch die zuvor ein­mal indi­vi­du­ell nie­der­ge­leg­te Doku­men­ta­ti­on der Organ­spen­de­be­reit­schaft als ethisch sau­be­re Hand­lungs­an­lei­tung für eine nicht mehr auf das Pati­en­ten­wohl aus­ge­rich­te­ten ‚organ­pro­tek­ti­ven Behand­lung‘ am Lebens­en­des dienen.

In dem Arti­kel wird nach­ge­zeich­net, wie die gesetz­ge­be­ri­sche Ambi­ti­on, das Span­nungs­feld zwi­schen der fremd­nüt­zi­gen The­ra­pie von ‚Organ­spen­dern‘ und den Grund­sät­zen der Medi­zin­ethik aus­zu­ba­lan­cie­ren, geschei­tert ist. Rechts­lü­cken wur­den nicht geschlos­sen, indes­sen die im Trans­plan­ta­tions­ge­setz (TPG) vor­ge­schrie­be­ne Tren­nung von Inten­siv- und Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin auf­ge­weicht. Zudem ste­hen die in der Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz­ge­bung und die im Bür­ger­li­chen Gesetz­buch (BGB) ver­an­ker­ten, medi­zin­recht­li­chen Rege­lun­gen zur Behand­lungs­ein­wil­li­gung nicht mit­ein­an­der in Ein­klang. Gesetz­li­che Vor­schrif­ten für die ‚Organ­spen­de‘ (TPG) und Rege­lun­gen zur Durch­füh­rung medi­zi­ni­scher Maß­nah­men (BGB) erschei­nen wie zwei von­ein­an­der getrenn­te Rechts­ge­bie­te. Auch hat der Gesetz­ge­ber kei­ne Prio­ri­sie­rung bei­der Berei­che vorgenommen.

Die gel­ten­de ärzt­li­che Auf­klä­rungs­pflicht bei kör­per­ver­let­zen­den Ein­grif­fen und das soge­nann­te Pati­en­ten­ver­fü­gungs­ge­setz (BGB) sind für die Behand­lung von Pati­en­ten mit einem dro­hen­den Hirn­ver­sa­gen zwar nicht auf­ge­ho­ben. Doch die Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz­ge­bung behan­delt den medi­zi­ni­schen und sozia­len Umgang mit poten­zi­el­len ‚Organ­spen­dern‘ wie einen vom BGB unab­hän­gi­gen Rege­lungs­be­reich. Auf­grund die­ser dop­pel­deu­ti­gen Rechts­la­ge sind z.B. nur voll­jäh­ri­ge Per­so­nen dazu befugt, eine rechts­wirk­sa­me Pati­en­ten­ver­fü­gung nie­der­zu­le­gen (BGB). Das Trans­plan­ta­tions­ge­setz hin­ge­gen erlaubt die Ein­wil­li­gung zur ‚Organ­spen­de‘ von Min­der­jäh­ri­gen ab dem 16. Lebensjahr.

Key­words: Nürn­ber­ger Kodex; Gen­fer Gelöb­nis; ‚Hirn­tod‘; Ent­nah­me­kran­ken­häu­ser; ‚Spen­der­ma­nage­ment‘; ‚organ­pro­tek­ti­ve The­ra­pie‘; Pati­en­ten­ver­fü­gung; Organ­spen­de­aus­weis; Palliativmedizin.

Abs­tract

The exten­ded role of trans­plan­ta­ti­on medi­ci­ne in inten­si­ve care units: The deve­lo­p­ment of trans­plan­ta­ti­on legis­la­ti­on in Germany

This artic­le pres­ents Ger­man trans­plan­ta­ti­on medi­ci­ne legis­la­ti­on and the asso­cia­ted are­as of con­flict in medi­cal ethics. It sheds light on how an essen­ti­al fea­ture has deve­lo­ped sin­ce the breakth­rough of trans­plan­ta­ti­on medi­ci­ne as a new form of the­ra­py in the 1960s: from the very begin­ning, legis­la­tors were faced with the task of having to repea­ted­ly cla­ri­fy legal gray are­as in retro­s­pect, some­ti­mes deca­des later.

This is due to a com­plex dilem­ma: trans­plan­ta­ti­on medi­ci­ne is depen­dent on the bodies of pati­ents. This results in its depen­dence on a defi­ni­ti­on of the dying pro­cess and death (‚brain death‘) that dif­fers dra­sti­cal­ly from our cul­tu­ral con­cept of death. Inten­si­ve care tre­at­ment to pro­long the life of organ donors must also be con­tin­ued after ‘brain death’ has been deter­mi­ned. This is becau­se organs can only be trans­plan­ted from a living body. The maxi­mum inten­si­ve care tre­at­ment of ‘organ donors’ may include sur­gery or car­dio­pul­mo­na­ry resus­ci­ta­ti­on even in the docu­men­ted death sta­tus (brain death pro­to­col) exclu­si­ve­ly for the pur­po­se of ‚organ donation‘.

The so-cal­led ‚organ-pro­tec­ti­ve the­ra­py‘, which no lon­ger ser­ves the wel­fa­re of the pati­ent con­cer­ned, has a decisi­ve influence on the medi­cal and social care of a dying per­son at the end of life. Against the back­ground of this ethi­cal­ly con­tro­ver­si­al form of tre­at­ment, legis­la­tors are faced with the task of fin­ding excep­ti­ons for the non-bene­fi­ci­al tre­at­ment of poten­ti­al ‘organ donors’. This is becau­se donor recruit­ment, which must be lega­li­zed, and the rem­oval of organs and tis­sue, which is equi­va­lent to a dis­sec­tion, must be recon­ci­led with the gui­de­lines on medi­cal end-of-life care and the prin­ci­ples of medi­cal ethics.

Final­ly, the non-bene­fi­ci­al tre­at­ment of poten­ti­al ‘organ donors’ con­tra­dicts the basic prin­ci­ples of pal­lia­ti­ve care, which also takes place in inten­si­ve care units: pal­lia­ti­on nor­mal­ly dis­pen­ses with all life-sus­tai­ning medi­cal mea­su­res that have beco­me point­less alre­a­dy in the pha­se of immi­nent brain fail­ure. It also ren­ders obso­le­te the deter­mi­na­ti­on of ‘brain death’, which is only nee­ded for organ har­ve­s­t­ing. Pal­lia­ti­ve care con­cen­tra­tes on tre­at­ment that mini­mi­zes suf­fe­ring and focu­ses on medi­cal, psy­cho­lo­gi­cal, spi­ri­tu­al, and social care for dying per­sons and their relatives.

The reforms appli­ed to the Ger­man Trans­plan­ta­ti­on Act sin­ce 2012 embed ‚organ dona­ti­on‘ in the chan­ge of per­spec­ti­ve from a pater­na­li­stic doc­tor-pati­ent rela­ti­onship to a new self-image of medi­ci­ne: This invol­ves the par­ti­ci­pa­ti­on of pati­ents as self-respon­si­ble sub­jects in medi­cal decis­i­on-making pro­ces­ses. The­se can also con­cern situa­tions of inca­pa­ci­ty of giving con­sent at the end of life (‘End-of-Life-Decis­i­ons’). A cen­tral pil­lar of pati­ent auto­no­my is a per­so­nal, informing medi­cal dis­cus­sion of all plan­ned dia­gno­stic pro­ce­du­res and phy­si­cal interventions.

All recent amend­ments to the trans­plan­ta­ti­on law refer to this ide­al of self-deter­mi­na­ti­on, wit­hout, howe­ver, making well-foun­ded pati­ent infor­ma­ti­on a man­da­to­ry pre­re­qui­si­te for an organ dona­ti­on decla­ra­ti­on. The legis­la­tor is thus allo­wing lar­ge gaps in the population’s know­ledge. With the intro­duc­tion of the so-cal­led decis­i­on solu­ti­on (‘Ent­schei­dungs­lö­sung), the ‚dona­ti­on-cen­te­red the­ra­py‘ to be car­ri­ed out for the pur­po­se of ‚organ dona­ti­on‘ can now be regard­ed exclu­si­ve­ly as the rea­liza­ti­on of the patient’s will. Wit­hout taking into account the gene­ral­ly pre­vai­ling lack of infor­ma­ti­on, only the pre­vious­ly indi­vi­du­al­ly recor­ded docu­men­ta­ti­on of the wil­ling­ness to dona­te organs should ser­ve as an ethi­cal­ly clean gui­de to action for ‚organ-pro­tec­ti­ve tre­at­ment‘ at the end of life that is no lon­ger ori­en­ted towards the patient’s welfare.

This artic­le traces the fail­ure of the legis­la­ti­ve ambi­ti­on to balan­ce the con­flic­ting inte­rests of ‘organ-pro­tec­ti­ve inten­si­ve care’ in organ donors and the prin­ci­ples of medi­cal ethics. Legal loopho­les have not been clo­sed, and the strict sepa­ra­ti­on of trans­plan­ta­ti­on and inten­si­ve care medi­ci­ne has been blur­red. In addi­ti­on, the Ger­man Trans­plan­ta­ti­on Law (Trans­plan­ta­tions­ge­setz: TPG) has not been coör­di­na­ted with the legal medi­cal regu­la­ti­ons on con­sent to tre­at­ment as sta­ted in the Ger­man Civil Code (Bür­ger­li­ches Gesetz­buch: BGB). So that legal regu­la­ti­ons for ‚organ dona­ti­on‘ and regu­la­ti­ons for the imple­men­ta­ti­on of medi­cal mea­su­res appear to be two sepa­ra­te sub­ject issues. Nor has the legis­la­tor prio­ri­ti­zed the two areas.

The cur­rent medi­cal obli­ga­ti­on to pro­vi­de infor­ma­ti­on in the case of inter­ven­ti­ons that cau­se bodi­ly harm as well as the so-cal­led ‘Pati­en­ten­ver­fü­gungs­ge­setz’ (BGB) have not been repea­led for the tre­at­ment of pati­ents with impen­ding brain fail­ure. Howe­ver, trans­plan­ta­ti­on legis­la­ti­on regards the medi­cal and social tre­at­ment of poten­ti­al ‚organ donors‘ as a regu­la­to­ry area out­side the Civil Code (BGB). Due to this ambi­guous legal situa­ti­on, for exam­p­le, only per­sons of legal age are aut­ho­ri­zed to make a legal effec­ti­ve living will (BGB); the Trans­plan­ta­ti­on Act (TPG), on the other hand, allows minors from the age of 16 to con­sent to ‚organ donation‘.

Key­words: Nurem­ber­ger Code; Decla­ra­ti­on of Gen­e­va; brain death; donor manage­ment; organ-pro­tec­ti­ve inten­si­ve care; donor pre­con­di­tio­ning; donor manage­ment; end-of-life decis­i­ons; organ donor card; pal­lia­ti­ve care.

1. Die trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ni­sche Pra­xis seit den 1960er Jah­ren bis zum ers­ten Trans­plan­ta­tions­ge­setz 1997 in der BRD und die Wider­spruchs­re­ge­lung von 1975 in der DDR 

1967 wur­de die Euro­trans­plant Inter­na­tio­nal Foun­da­ti­on (ET) im hol­län­di­schen Lei­den gegrün­det und 1969 als eine pri­va­te, gemein­nüt­zi­ge Stif­tung eta­bliert. Die Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (BRD) war die­ser Pri­vat­stif­tung ange­glie­dert. Unter der Lei­tung von Euro­trans­plant wur­de damit begon­nen, in West­deutsch­land die Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur des neu­ar­ti­gen Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tems auf­zu­bau­en und eine kon­se­quen­te Wer­bung für ‚Organ­spen­den‘ in Gang zu set­zen. Zwi­schen der Grün­dung die­ser Stif­tung im hol­län­di­schen Lei­den und der in der BRD 1997 erfolg­ten Lega­li­sie­rung der trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ni­schen Pra­xis lie­gen 30 Jahre.

Euro­trans­plant reprä­sen­tiert welt­weit die ers­te län­der­über­grei­fen­de Orga­ni­sa­ti­on für die lega­le Gewin­nung und Zutei­lung von Orga­nen. Anfäng­lich koor­di­nier­te sie in Bel­gi­en, Luxem­burg, Öster­reich, den Nie­der­lan­den und in der BRD die Ent­nah­me sowie Ver­tei­lung aus­schließ­lich von Nie­ren, die aus dem Kör­per von bis zu 45 Jah­re alten Spen­dern stamm­ten. Seit den 1980er Jah­ren erwei­ter­te ET sein Auf­ga­ben­feld um die Gewin­nung und Zuord­nung von Herz, Leber, Bauch­spei­chel­drü­se, Lun­gen und Darm. Auch wur­de 1999 die Alters­gren­ze für Organ­spen­der gänz­lich auf­ge­ho­ben. Mitt­ler­wei­le befin­den sich acht Län­der in dem ET-Staatenverbund.

Bemer­kens­wert ist: Die Grün­dung von Euro­trans­plant im Jah­re 1967 erfolg­te zu einem Zeit­punkt, als es für Organ­ent­nah­men in kei­nem sei­ner Mit­glied­staa­ten eine Rechts­ba­sis gab. Inso­fern beweg­te sich lan­ge bevor der bun­des­deut­sche Gesetz­ge­ber die Gewin­nung und Ver­pflan­zung von Orga­nen recht­lich gere­gelt hat­te, die dama­li­ge trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ni­sche Pra­xis in einer Grau­zo­ne. Eben­so erhielt die ver­pflan­zungs­chir­ur­gi­sche Organ­ge­win­nung erst nach der Eta­blie­rung von ET eine medi­zin­ethi­sche Legi­ti­ma­ti­ons­grund­la­ge, auf die sich die Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin welt­weit bezie­hen konn­te: 1968 führ­te das Ad Hoc Com­mi­tee der Har­vard Medi­cal School (USA) die Hirn­tod­de­fi­ni­ti­on ein,[1] die in der Fach­öf­fent­lich­keit jedoch hef­ti­ge Kri­tik aus­lös­te.[2] Wie­der­um im Nach­hin­ein – teil­wei­se Jahr­zehn­te spä­ter – kam es zu natio­nal unter­schied­li­chen Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz­ge­bun­gen in den ein­zel­nen ET-Verbundländern.

Eine wei­te­re Beson­der­heit von Euro­trans­plant ist: Sein Ent­schei­dungs­spiel­raum in der Funk­ti­on einer inter­na­tio­na­len Ver­mitt­lungs­stel­le von Orga­nen blieb ver­fas­sungs­recht­lich umstrit­ten. Denn die­se pri­va­te gemein­nüt­zi­ge Stif­tung nie­der­län­di­schen Rechts trägt den Cha­rak­ter einer nicht­staat­li­chen inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on. Sie hat gegen­über den natio­na­len Rech­ten ihrer Mit­glied­staa­ten den Vor­rang – so auch hin­sicht­lich deut­scher Befug­nis­se und Rech­te. Ihre Tätig­keit unter­liegt kei­ner aus­rei­chen­den Kon­trol­le durch die ein­zel­nen Ver­bund­län­der.[3] Die­se Stif­tung dürf­te, wie der Rechts­wis­sen­schaft­ler Mathis Bader die „rechts­staat­lich bedenk­li­che Intrans­pa­renz“ kri­ti­siert, „für den Durch­schnitts­bür­ger […] weit­ge­hend undurch­schau­bar blei­ben“[4].

ET agiert grund­sätz­lich unab­hän­gig von den natio­na­len Gesetz­ge­bun­gen sei­ner Ver­bund-Staa­ten im Sin­ne eines selbst orga­ni­sier­ten Sys­tems. Die­se rechts­po­li­ti­sche Beson­der­heit macht es mög­lich, dass nicht nur die Richt­li­ni­en für die Hirn­tod­fest­stel­lung des jewei­li­gen Lan­des, wo ein poten­zi­el­ler Organ­spen­der unter­sucht wird, von denen eines ande­ren ET-Ver­bund­staa­tes abwei­chen kön­nen (z.B. Schmerz­pro­vo­ka­tio­nen Tri­ge­mi­nus­nerv; Hirn­tod­kri­te­ri­en im Zuge eines soge­nann­ten kon­trol­lier­ten Herz­to­des [Non Heart Bea­ting Donors]). Viel­mehr dür­fen selbst Explan­ta­ti­ons­ver­fah­ren mit unter­schied­lich zugrun­de geleg­ten Kri­te­ri­en für die Todes­de­fi­ni­ti­on in dem einen Euro­trans­plant-Ver­bund­land ille­gal, in einem ande­ren wie­der­um recht­lich legi­ti­miert sein: Bei­spiels­wei­se ist in Deutsch­land die Organ­ex­plan­ta­ti­on von Inten­siv­pa­ti­en­ten, deren Leben nicht mehr zu ret­ten ist und bei denen im Rah­men eines Behand­lungs­ab­bruchs ein soge­nann­ter kon­trol­lier­ter Herz­still­stand her­bei­ge­führt wird, als Tötung ver­bo­ten und ethisch ver­wor­fen.[5] In Bel­gi­en, Öster­reich sowie den Nie­der­lan­den hin­ge­gen ist sie erlaubt, wenn­gleich in all die­sen Län­dern die Organ­ge­win­nung und –ver­tei­lung durch die eine pri­va­te gemein­nüt­zi­ge Stif­tung Euro­trans­plant orga­ni­siert wird.

Nen­nens­wert ist eine Aus­nah­me: Euro­trans­plant ver­mit­telt kei­ne Orga­ne in ande­re ET-Ver­bund­staa­ten, die z.B. auf Grund­la­ge der seit 2002 in Bel­gi­en lega­li­sier­ten ‚Eutha­na­sie‘ in Kom­bi­na­ti­on mit einer ‚Organ­spen­de‘ gewon­nen wer­den. Aber auf dem ET-For­mu­lar, das ein­zel­ne Organ­spen­der erfasst, sind drei Kate­go­rien unter dem Stich­wort „Cada­ver type“ ankreuz­bar: „Heart Bea­ting“ ([‘Hirn­to­te‘] mit schla­gen­den Her­zen), NHB cate­go­ry“ (Non Heart Bea­ting ([Spen­der] ohne schla­gen­de Her­zen) und „Eutha­na­sia“ (Eutha­na­sie).[6]

Nach dem Vor­bild von Euro­trans­plant ent­stan­den in Euro­pa, den USA und den Ost­block­staa­ten wei­te­re Orga­ni­sa­tio­nen die­ser Art (z.B. Aar­hus: Scan­dia­trans­plant 1969; Richmond/​Virginia: United Net­work for Organ Sha­ring 1984). Für Län­der des ehe­ma­li­gen Ost­blocks (z.B. Volks­re­pu­blik Polen, Sowjet­uni­on) über­nahm Inter­trans­plant in Prag seit 1980 bis zu sei­ner Auf­lö­sung (1991) das Manage­ment der Spen­der­re­kru­tie­rung und Organ­ver­tei­lung.[7] Auch die Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin der DDR stand unter der Ägi­de von Intertransplant.

Im Zuge der deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung und der poli­ti­schen Umbrü­che in Euro­pa 1989/91 wur­den die Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren der DDR, Kroa­ti­ens, Slo­we­ni­ens und Ungarns Euro­trans­plant ange­schlos­sen. Wie in den auto­ri­tä­ren Regi­men der Ost­block­staa­ten mit einem eta­blier­ten Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tem galt auch in der DDR-Dik­ta­tur seit 1975 die Wider­spruchs­lö­sung (Ver­ord­nung über die Durch­füh­rung von Organ­trans­plan­ta­tio­nen vom 4. Juli 1975). Jeder Mensch vom Säug­lings­al­ter an war ein poten­zi­el­ler Kan­di­dat für eine Explan­ta­ti­on, es sei denn, er hat­te „zu Leb­zei­ten ander­wei­ti­ge Fest­le­gun­gen getrof­fen“[8]. Die Wider­spruchs­re­ge­lung wur­de eben­falls in meh­re­ren west­eu­ro­päi­schen Staa­ten ohne jede öffent­li­che und par­la­men­ta­ri­sche Dis­kus­si­on ein­ge­führt – so z.B. in Frank­reich 1976, Spa­ni­en 1979 oder in den zwei Euro­trans­plant-Ver­bund­län­dern: Öster­reich 1982 und Bel­gi­en 1986.[9]

In den Nie­der­lan­den wie­der­um, wo Euro­trans­plant mit Sitz in Lei­den ange­sie­delt ist, war zwi­schen 1996 und 2018 die erwei­ter­te Zustim­mungs­lö­sung rechts­wirk­sam: Eine Organ­ent­nah­me setz­te die Ein­wil­li­gung des betrof­fe­nen Pati­en­ten oder sei­ner Ange­hö­ri­gen vor­aus. Die­ses Bei­spiel ver­deut­licht ein wei­te­res Mal: Das von Euro­trans­plant errich­te­te Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tem konn­te von Anfang an gänz­lich los­ge­löst von natio­na­len, medi­zin­ethi­schen Ver­ein­ba­run­gen und recht­li­chen Rege­lun­gen in sei­nen ver­schie­de­nen Ver­bund-Staa­ten agieren.

In die­sem Zusam­men­hang ist wie­der­um beach­tens­wert: Die Wahl des Stand­orts für die­se Stif­tung fiel 1967 nicht auf die BRD, obwohl sie bis heu­te das größ­te Tätig­keits­feld mit dem deut­lich höchs­ten Anteil der von die­ser Zen­tra­le zu orga­ni­sie­ren­den Organ­ent­nah­men und deren Ver­tei­lung dar­stellt. Den Hin­ter­grund dafür dürf­ten die medi­zi­ni­schen Ver­bre­chen im Natio­nal­so­zia­lis­mus bil­den, die 20 Jah­re vor der ET-Grün­dung im Nürn­ber­ger Ärz­te­pro­zess (1946/47) ver­han­delt wor­den waren und 1947 zur Ver­ab­schie­dung von inter­na­tio­nal ver­bind­li­chen medi­zin­ethi­schen Grund­sät­zen geführt hat­ten (Nürn­ber­ger Kodex). Die­ser Kodex stell­te strengs­te Richt­li­ni­en für die Durch­füh­rung von medi­zi­ni­schen Men­schen­ver­su­chen auf, um nicht den wis­sen­schaft­li­chen Fort­schritt durch ein gene­rel­les Ver­bot von Human­ex­pe­ri­men­ten (heu­te: ‚Stu­di­en‘) zu gefährden.

Zwar unter­lag auch die inter­na­tio­na­le Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin dem Nürn­ber­ger Kodex. Nur geriet sie in den 1960er Jah­ren anläss­lich ihrer töd­li­chen Ver­pflan­zungs­ver­su­che in die Kri­tik.[10] Der beson­de­re expe­ri­men­tel­le Cha­rak­ter der Trans­plan­ta­ti­ons­chir­ur­gie seit ihrer Begrün­dung im 19. Jahr­hun­dert und auch zwi­schen den 1950er und 1980er Jah­ren spie­gelt sich in der von Euro­trans­plant selbst erklär­ten For­schungs­funk­ti­on wider: Gleich in ihrem Grün­dungs­jahr 1967 stell­te die­se pri­vat­recht­li­che Stif­tung eigens durch­zu­füh­ren­de Stu­di­en in den Mit­tel­punkt ihrer Auf­ga­ben­stel­lung. Damit bezweck­te sie, die expe­ri­men­tel­le Pha­se der Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin ver­las­sen und ihre äußerst schlech­ten Resul­ta­te mit vie­len töd­li­chen Ver­läu­fen ver­bes­sern zu kön­nen. [11]

Zeit­nah zum Nürn­ber­ger Kodex wur­de 1948 das Gen­fer Gelöb­nis als eine moder­ne Fas­sung des Hip­po­kra­ti­schen Eides ein­ge­führt. Die­se Dekla­ra­ti­on des Welt­ärz­te­bun­des ver­pflich­te­te ärzt­li­ches Han­deln dar­auf, aus­schließ­lich für die Gesund­heit und das Wohl­erge­hen des ein­zel­nen Pati­en­ten Sor­ge zu tra­gen.[12] Medi­zi­ni­sche Maß­nah­men, die nicht am Wohl der anver­trau­ten Pati­en­ten ori­en­tiert und von Fremd­in­ter­es­sen gelei­tet sind, wur­den ethisch verworfen.

Das Gen­fer Gelöb­nis steht in gewis­ser Wei­se im Wider­spruch zur trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ni­schen The­ra­pie­form, solan­ge die zu ver­pflan­zen­den Orga­ne von Inten­siv­pa­ti­en­ten mit einem Hirn­ver­sa­gen gewon­nen wer­den. Denn die­ses chir­ur­gi­sche Ver­fah­ren ist auf die Nut­zung des Kör­pers ande­rer, ster­ben­der Men­schen ange­wie­sen. Somit kamen im Zuge des in den 1960er Jah­ren erfolg­ten Auf­baus des Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tems unum­gäng­lich Fremd­in­ter­es­sen gegen­über Pati­en­ten mit einer schwe­ren Hirn­schä­di­gung ins Spiel: Das beson­de­re inten­siv­me­di­zi­ni­sche Behand­lungs­kon­zept vor der Explan­ta­ti­on (‚Spen­der­kon­di­tio­nie­rung‘, organ­pro­tek­ti­ve The­ra­pie‘) und die auf­wän­di­gen, mehr­stün­di­gen Organ­ent­nah­men die­nen nicht den betrof­fe­nen Pati­en­ten. Viel­mehr sol­len die ‚spen­de­zen­trier­ten‘ medi­zi­ni­schen Maß­nah­men und die mit einer Sek­ti­on ver­gleich­ba­ren Ope­ra­tio­nen (Mul­ti­or­gan­ent­nah­me) ganz allein Drit­ten (Emp­fän­gern) zugu­te kom­men. Die soge­nann­te spen­de­zen­trier­te The­ra­pie von Men­schen mit einem dro­hen­den oder bereits ein­ge­tre­te­nen Hirn­ver­sa­gen (‚Hirn­to­te‘) unter­gräbt die ärzt­li­che Schutz­funk­ti­on zum Woh­le des Pati­en­ten, auf die das Gen­fer Gelöb­nis medi­zi­ni­sches Han­deln verpflichtet.

Für den beson­de­ren medi­zi­ni­schen und logis­tisch zu bewäl­ti­gen­den Ablauf einer in hohem Gra­de arbeits­tei­lig orga­ni­sier­ten ‚Organ­spen­de‘ hat man den Beruf des Trans­plan­ta­ti­ons­ko­or­di­na­tors geschaf­fen. Er schlägt die Brü­cken zwi­schen Euro­trans­plant und den All­ge­mein­kran­ken­häu­sern, wo sich poten­zi­el­le ‚Organ­spen­der‘ auf Inten­siv­sta­tio­nen befin­den. Und er wur­de mit­un­ter zustän­dig für das Manage­ment der Hirn­tod­dia­gnos­tik, des Ange­hö­ri­gen­ge­sprächs, der inten­siv­me­di­zi­ni­schen ‚Spen­der­kon­di­tio­nie­rung‘ (‚organ­pro­tek­ti­ve The­ra­pie‘) sowie für die Bereit­stel­lung von Bet­ten- und OP-Kapa­zi­tä­ten, das Timing der anrei­sen­den, exter­nen Chir­ur­gen für die ein­zel­nen Organ­ent­nah­men und für die wie­der­um län­der­über­grei­fen­den Trans­port­diens­te zur Ver­tei­lung der Orga­ne in ande­re Regio­nen oder Län­der. Der Trans­plan­ta­ti­ons­ko­or­di­na­tor ist in dem jewei­li­gen ET-Ver­bund­staat in einer wie­der­um natio­na­len pri­vat­recht­li­chen Stif­tung tätig – in Deutsch­land ist dies die Deut­sche Stif­tung Organ­trans­plan­ta­ti­on (DSO)

Schon 13 Jah­re vor dem ers­ten bun­des­deut­schen Trans­plan­ta­tions­ge­setz (1997) wur­de in der BRD 1984 die pri­vat­recht­li­che und aus Kran­ken­kas­sen­gel­dern finan­zier­te DSO für die­ses Auf­ga­ben­feld gegrün­det.[13] Aber noch vor ihrer Eta­blie­rung hat­te das seit 1969 bestehen­de Kura­to­ri­um für Heim­dia­ly­se e.V. und 1987 umbe­nann­te Kura­to­ri­um für Dia­ly­se und Nie­ren­trans­plan­ta­ti­on e.V. (KfH) als gemein­nüt­zi­ge Kör­per­schaft mit dem Auf­bau des zunächst auf Nie­ren­ver­pflan­zun­gen und im Rah­men der Gewe­be­ge­win­nung auf Augen­horn­häu­te und Gehör­knö­chel­chen begrenz­ten Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tems begon­nen.[14]

Wäh­rend die von der DSO ange­stell­ten Trans­plan­ta­ti­ons­ko­or­di­na­to­ren und die Organ­ent­neh­mer von außen in die Kli­ni­ken der Spen­der kom­men, fin­den die Ver­pflan­zun­gen auf die Emp­fän­ger durch spe­zia­li­sier­te Chir­ur­gen in soge­nann­ten Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren mit dafür eigens ein­ge­rich­te­ten Sta­tio­nen statt. Die­se befin­den sich über­wie­gend in Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken, wo auch die expe­ri­men­tel­le Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin ver­an­kert ist. Mitt­ler­wei­le ver­mit­telt Euro­trans­plant die in Kran­ken­häu­sern mit Inten­siv­sta­tio­nen gewon­ne­nen Orga­ne an sei­ne 79 asso­zi­ier­ten Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren aus acht Län­dern (Bel­gi­en, Deutsch­land, Kroa­ti­en, Luxem­burg, Nie­der­lan­de, Öster­reich, Ungarn, Slo­we­ni­en). Davon befin­den sich auf­grund sei­nes an der Spit­ze lie­gen­den Anteils der Organ­spen­der­zah­len allein 46 in Deutsch­land.[15]

Euro­trans­plant: Ver­wen­de­te „post­mor­ta­le Spen­der“ nach Jahr und Her­kunfts­land der Spen­der 1990 – 2022. Euro­trans­plant: Decea­sed donors used, by year, by donor coun­try 1990 – 2022[16]

Damit ein mög­lichst gro­ßer ‚Spen­der­pool‘ zur Ver­fü­gung steht, mach­te es sich Euro­trans­plant von Anfang an zur Auf­ga­be, einen Men­ta­li­tä­ten­wan­del ein­zu­lei­ten. Um den Weg für eine sol­che kul­tu­rel­le Wen­de zu berei­ten und die fremd­nüt­zi­ge Organ­ge­win­nung zu ent­ta­bui­sie­ren, wur­de wie­der­um lan­ge vor der ers­ten bun­des­deut­schen Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz­ge­bung (1997) der Arbeits­kreis Organ­spen­de (AKO) 1979 gegrün­det. Unter der Schirm­herr­schaft des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums (Horst See­ho­fer) trat er für die „Ver­brei­tung des Gedan­kens der unei­gen­nüt­zi­gen Organ­spen­de nach dem Tode”[17] in Funk­ti­on. Seit der Ent­ste­hung des Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tems waren kost­spie­li­ge Wer­be­kam­pa­gnen für die Akzep­tanz einer ver­eng­ten Todes­vor­stel­lung in der Bevöl­ke­rung ein zen­tra­les Auf­ga­ben­feld die­ser für nur weni­ge Pati­en­ten in Betracht kom­men­den Therapieform.

Für die Erfül­lung des kos­ten­in­ten­si­ven Popu­la­ri­sie­rungs­auf­tra­ges waren dem AKO 31 Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen, etwa Ver­bän­de und Insti­tu­tio­nen ange­schlos­sen – z. B. der Deut­sche Pari­tä­ti­sche Wohl­fahrts­ver­band, ADAC oder der Bun­des­ver­band der Motor­rad­fah­rer. Sie sorg­ten für eine sys­te­ma­ti­sche Ver­brei­tung des 1971 in Deutsch­land ein­ge­führ­ten Doku­ments unter dem Namen ‚Organ­spen­de­aus­weis‘.[18] Zudem wur­de 18 Jah­re vor der ers­ten bun­des­deut­schen Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz­ge­bung (1997) eine wei­te­re staat­li­che Behör­de mit der Auf­ga­be betraut, eine gesell­schaft­li­che Akzep­tanz für die Organ­spen­de durch­zu­set­zen: die Bun­des­zen­tra­le für gesund­heit­li­che Auf­klä­rung (BZgA).

Par­al­lel zur Grün­dung des AKO hat­te sich auch seit 1979 die Bun­des­ärz­te­kam­mer (BÄK) als die berufs­po­li­ti­sche Inter­es­sens­ver­tre­tung der Ärz­tin­nen und Ärz­te in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land dem Auf­trag ver­schrie­ben: die neu­en Prak­ti­ken der Organ­ge­win­nung in der Ärz­te­schaft zu popu­la­ri­sie­ren. In dem von der Kas­sen­ärzt­li­chen Bun­des­ver­ei­ni­gung her­aus­ge­ge­be­nen Deut­schen Ärz­te­blatt erschien der „Auf­ruf der Bun­des­ärz­te­kam­mer an alle Ärz­te“. Dar­in wand­ten sich der Prä­si­dent der BÄK Kars­ten Vil­mar und der Vor­sit­zen­de des Wis­sen­schaft­li­chen Bei­ra­tes der BÄK Hanns Peter Wolff an Kran­ken­haus­ärz­te sowie prak­ti­zie­ren­de Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen. Sie baten um deren „akti­ve Mit­ar­beit, um so direkt zur Gewin­nung geeig­ne­ter Orga­ne bei­zu­tra­gen“.[19]

Wie­der­um bemer­kens­wert ist: Die Bun­des­ärz­te­kam­mer als die bun­des­deut­sche Berufs­ver­tre­tung der Ärz­te han­del­te hier in der Funk­ti­on ‚nur‘ einer Arbeits­ge­mein­schaft der Lan­des­ärz­te­kam­mern und eines nicht rechts­fä­hi­gen Ver­eins.[20] Den­noch stell­te sie sich in den Dienst des Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tems und über­nahm die Auf­ga­be einer norm­set­zen­den Instanz für trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ni­sche Zwecke.

So plä­dier­te 1979 der Vor­stand der BÄK im Deut­schen Ärz­te­blatt für die Ein­füh­rung der Wider­spruchs­re­ge­lung, ohne die damals inter­na­tio­nal hef­tig umstrit­te­ne Gleich­set­zung des Todes eines Men­schen mit dem Hirn­ver­sa­gen von Inten­siv­pa­ti­en­ten auch nur mit einem Wort zu erwäh­nen.[21] Obwohl sich die Organ­ge­win­nung auf einem rechts­un­si­che­ren Boden beweg­te, ver­öf­fent­lich­te die BÄK in der­sel­ben Num­mer des Ärz­te­blatts den Arti­kel: „Organ­spen­de – Kurz­in­for­ma­tio­nen für den Arzt“.[22] Dar­in ver­trat sie ein ein­di­men­sio­na­les, auf das Gehirn redu­zier­tes Men­schen­bild, das damals von Ver­tre­tern der Hirn­tod­kon­zep­ti­on zur Kenn­zeich­nung von Pati­en­ten mit einem Hirn­ver­sa­gen (‚Hirn­to­te‘) mit­un­ter auf den ent­mensch­li­chen­den Begriff „mensch­li­ches Herz-Lun­gen­prä­pa­rat“[23] gebracht wur­de. Den Maß­stab für eine sol­che medi­zi­ni­sche Todes­kon­zep­ti­on bil­de­te in die­ser BÄK-Kurz­in­for­ma­ti­on „die Befun­dung durch einen neu­ro­lo­gisch kom­pe­ten­ten Arzt“[24]. Er habe ins­be­son­de­re das „Feh­len zere­bra­ler Refle­xe“ fest­zu­stel­len, ein Null-Lini­en EEG und „gege­be­nen­falls den Nach­weis einer nicht mehr vor­han­de­nen Hirn­durch­blu­tung“[25] zu erbrin­gen. Außer­dem for­der­te die Bun­des­ärz­te­kam­mer ihre Kol­le­gen dazu auf, den von ihr und dem KfH ver­trie­be­nen Organ­spen­de­aus­weis zu bestel­len und zu ver­brei­ten.[26]

Auch gelang es Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­nern lan­ge vor der ers­ten bun­des­deut­schen Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz­ge­bung die pro­tes­tan­ti­sche und katho­li­sche Kir­che für die Organ­spen­der­wer­bung zu gewin­nen, um der ‚Organ­spen­de‘ eine christ­li­che Sinn­ge­bung zu ver­lei­hen. Die reli­gi­ös norm­set­zen­de Erklä­rung der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz und des Rates der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land[27] wur­de zu einem Bestand­teil der AKO-Wer­be­borschü­ren. Die­se Schrift hat­te eine 15 Mit­glie­der umfas­sen­de Arbeits­grup­pe for­mu­liert – dar­un­ter fünf der pro­mi­nen­tes­ten bun­des­deut­schen Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ner,[28] ein evan­ge­li­scher und sie­ben katho­li­sche Theo­lo­gen. In die AKO-Rekla­me wur­de die von den Bischö­fen Mar­tin Kru­se und Karl Leh­mann unter­schrie­be­ne Erklä­rung „Kir­chen sagen Ja zur Organ­spen­de“ ein­ge­fügt. In der Wer­bung für ‚Organ‘- und ‚Gewe­be­spen­den‘ bie­tet sie bis heu­te eine unver­zicht­ba­re Legi­ti­ma­ti­ons­grund­la­ge. „Aus christ­li­cher Sicht ist die Bereit­schaft zur Organ­spen­de nach dem Tod ein Zei­chen der Nächs­ten­lie­be“,[29] hieß es in die­ser Grundsatzerklärung.

Aller­dings blie­ben die in Deutsch­land dazu kon­tro­vers ver­tre­te­nen theo­lo­gi­schen Posi­tio­nen igno­riert, die ins­be­son­de­re eine auf phy­sio­lo­gi­sche Vor­gän­ge redu­zier­te Vor­stel­lung über Ster­ben und Tod hin­ter­frag­ten. Zu ihren Ver­tre­tern zäh­len z.B. der Pro­fes­sor für prak­ti­sche Theo­lo­gie Klaus-Peter Jörns, der katho­li­sche Moral­theo­lo­ge Pro­fes­sor Man­fred Bal­ken­ohl oder der Prä­ses der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land und Vor­sit­zen­der des Rates der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land Man­fred Kock. Die­ser erklär­te: „Wir sagen als Kir­che: Der Hirn­tod ist nicht der Tod des Men­schen“[30]. Eine Rei­he von Theo­lo­gen pro­ble­ma­ti­sier­te die Hirn­tod­ver­ein­ba­rung[31] – dar­un­ter auch die pol­ni­sche Pro­fes­so­rin und als Pas­tor­al­me­di­zi­ne­rin täti­ge Dr. med. Wan­da Pół­taws­ka (1921 – 2023) in ihrem Vor­wort zu dem Buch „Organ­spen­de – letz­ter Lie­bes­dienst oder Eutha­na­sie“. Vor dem Hin­ter­grund ihrer Erfah­run­gen in dem Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ravens­brück und als Über­le­ben­de der dort an ihr vor­ge­nom­me­nen medi­zi­ni­schen Expe­ri­men­te erklär­te sie: „Der Mensch ist mehr als […] nutz­ba­re Mate­rie, mehr als Organ­bank, er ist Eben­bild Got­tes, bis zum letz­ten Atem­zug, sei die­ser nun künst­lich unter­stützt oder nicht.“[32]

2. Das Gesetz über die Spen­de, Ent­nah­me und Über­tra­gung von Orga­nen (Trans­plan­ta­tions­ge­setz – TPG) vom 5. Novem­ber 1997: Die erwei­ter­te Zustim­mungs­re­ge­lung[33]

Bis zur Ver­ab­schie­dung des ers­ten bun­des­deut­schen Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes (1997) hat­ten in West­deutsch­land Akteu­re wie Euro­trans­plant, KfH, AKO, DSO und in der DDR Inter­trans­plant über meh­re­re Jahr­zehn­te hin­weg den trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ni­schen Zugang zu den Kran­ken­häu­sern und die Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur zur Gewin­nung und Ver­tei­lung von Orga­nen eta­bliert. Die Errich­tung des Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tems und alle Ver­su­che, eine gesell­schaft­li­che Akzep­tanz für die Nut­zung von Inten­siv­pa­ti­en­ten mit einem Hirn­ver­sa­gen als ‚Organ­spen­der‘ durch­zu­set­zen, war bis dahin von staat­li­chen Behör­den (Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit, BZgA), der Bun­des­ärz­te­kam­mer, aber auch den christ­li­chen Kir­chen unter­stützt wor­den. Ange­sichts die­ses lang­wie­rig erfolg­ten Auf­baus des Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tems rela­ti­viert sich die dama­li­ge gesetz­ge­be­ri­sche Auf­ga­ben­stel­lung, die trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ni­sche Pra­xis recht­lich ‚neu‘ zu regeln. Viel­mehr ging es in ers­ter Linie dar­um, die wäh­rend der zurück­lie­gen­den 30 Jah­re geschaf­fe­nen Struk­tu­ren des Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tems zu legalisieren.

Und doch bean­spruch­te der Gesetz­ge­ber ange­sichts der ethisch heik­len Pro­ble­ma­tik der Organ­ge­win­nung einen jahr­zehn­te­lan­gen kon­flikt­rei­chen Ent­schei­dungs­pro­zess bis zur Ver­ab­schie­dung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes. Immer­hin berüh­ren die Organ­ent­nah­men das Tötungs­ta­bu und die Gewe­be­ge­win­nung das Recht auf Pie­tät sowie auf Totenruhe.

So stand in Exper­ten­an­hö­run­gen des Deut­schen Bun­des­ta­ges die wis­sen­schaft­lich kon­tro­vers beur­teil­te und ver­eng­te Hirn­tod­de­fi­ni­ti­on als Vor­aus­set­zung der Organ­ent­nah­me zur Dis­po­si­ti­on, die ein Hirn­ver­sa­gen mit dem Tod des gan­zen Men­schen gleich­setzt. Sie war 1968 von weni­gen Spe­zia­lis­ten ent­wi­ckelt und auf die Bedürf­nis­se der expe­ri­men­tel­len Ver­pflan­zungs­the­ra­pie zuge­schnit­ten wor­den: Die Hirn­tod­ver­ein­ba­rung der Har­vard Kom­mis­si­on von 1968 fixier­te erst­mals den Tod eines Men­schen ohne vor­aus­ge­gan­ge­nen Ster­be­pro­zess abs­trakt auf ein ein­zi­ges Organ und einen ein­zi­gen Moment. Ent­spre­chend gilt die auf dem Hirn­tod­pro­to­koll zuletzt geleis­te­te Unter­schrift des Arz­tes als Todes­zeit­punkt des betref­fen­den Men­schen.[34]

Hirn­to­te‘ gel­ten als ver­stor­ben, obwohl ihr Herz schlägt und sie für den Zweck der Organ­spen­de bis zum Ende der Explan­ta­tio­nen inten­siv­me­di­zi­nisch am Leben erhal­ten wer­den müs­sen. Denn das Hirn­tod­kon­zept beruht auf der Tei­lung eines Men­schen mit Hirn­ver­sa­gen in eine ‚tote Per­son‘ und einen ‚leben­den Kör­per‘. Es dient als ethi­sche, reli­giö­se und vor allem recht­li­che Legi­ti­ma­ti­on der Organ­ge­win­nung.[35]

Trotz meh­re­rer Refor­men sind bis heu­te gro­ße Tei­le des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes von 1997 rechts­gül­tig, so auch der Kern der ‚erwei­ter­ten Zustim­mungs­lö­sung‘: Wenn kei­ne schrift­li­che Ein­wil­li­gung für eine ‚Organ­spen­de‘ vor­liegt (gül­tig ab dem voll­ende­ten 16. Lebens­jahr), sind die nächs­ten Ange­hö­ri­gen von Pati­en­ten mit einem dia­gnos­ti­zier­ten Hirn­ver­sa­gen (‚Hirn­tod‘) unter Berück­sich­ti­gung sei­nes mut­maß­li­chen Wil­lens befugt, eine Zustim­mung zur Organ­ent­nah­me zu geben.[36]

Das TPG von 1997 ent­hält meh­re­re recht­li­che und medi­zin­ethi­sche Besonderheiten:

Ers­tens: Wie der Rechts­wis­sen­schaft­ler Wolf­ram Höf­ling her­vor­hebt, wur­de in die­sem Gesetz der Tod zu „einem zen­tra­len nor­ma­ti­ven Kri­te­ri­um für die Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin“[37]. Immer­hin hat­te das Par­la­ment nichts Gerin­ge­res zu ent­schei­den als: ent­we­der den Tod von poten­zi­el­len Organ­spen­dern auf den Zeit­punkt des Hirn­ver­sa­gens vor­zu­ver­le­gen oder aber Explan­ta­tio­nen von inten­siv­me­di­zi­nisch am Leben erhal­te­nen Pati­en­ten mit einem Hirn­ver­sa­gen als medi­zi­ni­sche Tötung zu ver­bie­ten. Denn das Grund­ge­setz (GG) garan­tiert einem ster­ben­den Men­schen das Recht auf Leben, eben­so auf kör­per­li­che Unver­sehrt­heit, und zwar unab­hän­gig von sei­nen beson­de­ren Eigen­schaf­ten (Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG). Her­vor­zu­he­ben ist: das Grund­ge­setz schließt jeg­li­che Kate­go­ri­sie­rung von mensch­li­chem Leben als ‚lebens­un­wert‘ aus.[38]

Um nicht in den Tötungs­ver­dacht zu gera­ten, poch­ten Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ner in drei Exper­ten­an­hö­run­gen vor dem Gesund­heits­aus­schuss des Deut­schen Bun­des­ta­ges auf eine juris­ti­sche Gleich­set­zung des Hirn­ver­sa­gens mit dem Tod des gan­zen Men­schen. Ansons­ten gel­te ein ‚hirn­to­ter‘ Pati­ent noch als ein im Ster­ben begrif­fe­ner, also leben­der Mensch, so dass sie sich künf­tig jeg­li­cher Trans­plan­ta­ti­on ver­wei­gern müss­ten.[39] Die­ser For­de­rung ent­sprach der Gesetz­ge­ber nur impli­zit: Unter der Über­schrift „Organ­ent­nah­me bei toten Spen­dern“ heißt es: „Die Ent­nah­me von Orga­nen ist […] nur zuläs­sig, wenn […] der Tod des Organ­spen­ders nach Regeln, die dem Stand der Erkennt­nis­se der medi­zi­ni­schen Wis­sen­schaft ent­spre­chen, fest­ge­stellt ist.“[40] (§ 3 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 TPG) Die Vor­be­din­gung für die Organ­ge­win­nung ist somit ‚der Tod‘. Nun folgt der ent­schei­den­de Satz, der das Hirn­tod­kon­zept ins Spiel bringt. Dar­in wird die Defi­ni­ti­ons­ho­heit über Ster­ben und Tod rest­los an die medi­zi­ni­sche Wis­sen­schaft dele­giert und nur noch ein Hirn­ver­sa­gen zur Min­dest­vor­aus­set­zung für die Explan­ta­ti­on gemacht: Organ­ent­nah­men sind gesetzeswidrig,

wenn nicht vor der Ent­nah­me bei dem Organ­spen­der der end­gül­ti­ge, nicht beheb­ba­re Aus­fall der Gesamt­funk­ti­on des Groß­hirns, des Klein­hirns und des Hirn­stamms nach Ver­fah­rens­re­geln, der Tod des Organ­spen­ders, die dem Stand der Erkennt­nis­se der medi­zi­ni­schen Wis­sen­schaft ent­spre­chen, fest­ge­stellt ist“.[41] (§ 3 Abs. 2 Nr. 2 TPG)

Die Bun­des­ärz­te­kam­mer wur­de im TPG damit betraut, die Richt­li­ni­en für Kri­te­ri­en und Regeln zur Fest­stel­lung des ‚Hirn­to­des‘ sowie die dazu jeweils erfor­der­li­che ärzt­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on auf­zu­stel­len. Nicht zuletzt hat­te sie schon Ende der 1970er Jah­re Organ­spen­de­aus­wei­se ver­brei­tet, im Deut­schen Ärz­te­blatt Instruk­tio­nen zur Hirn­tod­dia­gnos­tik erteilt und „Kran­ken­haus­ärz­te um akti­ve Mit­ar­beit […] zur Gewin­nung geeig­ne­ter Orga­ne“[42] gebe­ten. Vor allem aber erklär­te sie bereits 1982 unter dem Titel „Ent­schei­dungs­hil­fen zur Fest­stel­lung des Hirn­to­des“: „Der Hirn­tod ist der Tod des Men­schen“[43]. Im Rah­men ihrer neu­en gesetz­li­chen Auf­ga­be bekräf­tig­te 1997 die Bun­des­ärz­te­kam­mer in ihren Richt­li­ni­en die­se Gleich­set­zung. Damit hob sie den gra­vie­ren­den Unter­schied zwi­schen dem Hirn­ver­sa­gen eines für den Zweck der Organ­spen­de inten­siv­me­di­zi­nisch wei­ter­be­han­del­ten Koma­pa­ti­en­ten und sei­nem Tod expli­zit auf.[44]

Zwei­tens: Eine wei­te­re Beson­der­heit ist: Alle der im Rah­men einer Organ­ent­nah­me durch­zu­füh­ren­den medi­zi­ni­schen Ein­grif­fe unter­lie­gen nicht der mitt­ler­wei­le im Deut­schen Bür­ger­li­chen Gesetz­buch (BGB) ver­an­ker­ten ärzt­li­chen Infor­ma­ti­ons­pflicht. Sie ist durch eine zeit­na­he, per­sön­li­che und umfas­sen­de Auf­klä­rung über die Trag­wei­te sowie mög­li­che Kom­pli­ka­tio­nen der Maß­nah­men zu erfül­len.[45] Vor jedem chir­ur­gi­schen und auch dia­gnos­ti­schen Ein­griff muss ein Infor­ma­ti­ons­ge­spräch geführt wer­den. Die­ses ist aus­schließ­lich von einem Arzt wahr­zu­neh­men, d.h. nur ärzt­li­ches Per­so­nal ist dazu befugt (§§ 630c Abs. 2 S. 1, 630e Abs. 1, Abs. 2 S. 1 Nr. 1 BGB). Denn Ope­ra­tio­nen und selbst die Gabe von Medi­ka­men­ten gel­ten als Ein­grif­fe in die kör­per­li­che Unver­sehrt­heit. Aus der ärzt­li­chen Auf­klä­rung lei­tet sich die Befä­hi­gung zur indi­vi­du­el­len Selbst­be­stim­mung ab, und sie bil­det die Grund­la­ge für eine schrift­li­che Ein­wil­li­gung.[46]

Im Fal­le einer erklär­ten Bereit­schaft zur ‚Organ­spen­de‘ hin­ge­gen gilt die ärzt­li­che Infor­ma­ti­ons­pflicht zur Auf­klä­rung über alle beson­de­ren medi­zi­ni­schen und sozia­len Bedin­gun­gen einer Organ­ent­nah­me nicht. Statt­des­sen wur­de die­se Auf­ga­be der BZgA und den Kran­ken­kas­sen über­tra­gen (§ 2 Abs. 1). Außer­dem blieb die Wer­bung um ‚Organ­spen­der‘ wei­ter­hin der pri­vat­recht­li­chen und von trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ni­schen Inter­es­sen gelei­te­ten DSO über­las­sen. Soge­nann­te Auf­klä­rungs­bro­schü­ren rich­ten sich an die ‚All­ge­mein­be­völ­ke­rung‘ und haben seit den 1970er Jah­ren den Cha­rak­ter von Wer­be­kam­pa­gnen durch­weg bei­be­hal­ten. Wie auch der Medi­zin­ethi­ker Gio­van­ni Maio her­vor­hebt, geht es dabei „nicht um Auf­klä­rung der Bür­ger“. [47]

Nie­mand, der auf dem Organ­spen­de­aus­weis sei­ner Organ- und Gewe­be­ex­plan­ta­ti­on das Jawort erteilt, muss prä­zi­se über die viel­schich­ti­gen, ein­zel­nen Schrit­te einer Organ­ent­nah­me ärzt­lich auf­ge­klärt wer­den.[48] Er muss nichts wis­sen über

– das ‚spen­de­zen­trier­te‘ Behand­lungs­kon­zept (‚organ­pro­tek­ti­ve The­ra­pie‘; ‚Spen­der­kon­di­tio­nie­rung‘), das eine pal­lia­ti­ve, medi­zi­ni­sche Ster­be­be­glei­tung mit einer Schmerz­the­ra­pie ausschließt;

– die in der Regel zwei­fach durch­zu­füh­ren­de, den Koma­pa­ti­en­ten her­aus­for­dern­de und teil­wei­se gewalt­tä­ti­ge Hirn­tod­dia­gnos­tik (z.B. Schmerz­pro­vo­ka­ti­on des Tri­ge­mi­nus­ner­ves etwa durch einen Stich in die Nasen­wur­zel, Eis­was­ser­spü­lung der Ohren, Knei­fen etc.);

– die nach der Hirn­tod­fest­stel­lung fort­ge­führ­te, lebens­ver­län­gern­de ‚spen­de­zen­trier­te‘ Maxi­mal­the­ra­pie für den Zweck der Organ­ent­nah­me, die höchst inva­si­ve medi­zi­ni­sche Ein­grif­fe beinhal­ten darf (z.B. eine medi­ka­men­tö­se, elek­tri­sche und mecha­ni­sche Wie­der­be­le­bung; Aus­tausch von min­des­tens einem Blut­vo­lu­men; Ope­ra­tio­nen; Organ­er­satz­the­ra­pien etwa für Nie­ren, Leber)[49];

– die unter der Gabe von Medi­ka­men­ten zur Unter­drü­ckung von Bewe­gun­gen (Mus­kel­re­la­xan­zi­en) oder auch einer Nar­ko­se[50] von Anäs­the­sis­ten betreu­te gro­ße Ope­ra­ti­on der Mul­ti­or­gan­ent­nah­me. Sie wird von meh­re­ren, aus ande­ren Kli­ni­ken anrei­sen­den chir­ur­gi­schen Teams durch­ge­führt und macht ein ärzt­lich sowie fami­li­är betreu­tes Ster­ben unmöglich;

– den Unter­schied zwi­schen einem Leich­nam mit den Zei­chen des Todes (z.B. Atem­still­stand, Toten­fle­cke, Lei­chen­star­re) und den auch nach der ‚Hirntod‘-Feststellung inten­siv­me­di­zi­nisch wei­ter­be­han­del­ten Pati­en­ten, der den Herz­tod erst im Zuge der Organ­ent­nah­men erleidet;

– die Pro­ze­dur einer Gewe­be­ent­nah­me (z.B. Menis­kus, Kno­chen, Knor­pel) nach dem Herz­ver­sa­gen und die Kom­mer­zia­li­sier­bar­keit der ‚Gewe­be­spen­den‘.

Drit­tens: Min­der­jäh­ri­ge, die nicht dazu befugt sind, eine rechts­gül­ti­ge Pati­en­ten­ver­fü­gung zu erstel­len, auch nicht geschäfts­fä­hig und wahl­be­rech­tigt sind, wur­den mit dem TPG von 1997 ab ihrem voll­ende­ten 16. Lebens­jahr dazu auto­ri­siert, einen Organ­spen­de­aus­weis als rechts­wirk­sa­mes Doku­ment aus­zu­fül­len. Auch bei ihnen ist die ärzt­li­che Auf­klä­rungs­pflicht auf­ge­ho­ben.[51] Statt­des­sen ver­brei­tet bei­spiels­wei­se die BZgA unter dem Titel „Organ­spen­de macht Schu­le“ eine Map­pe und einen Doku­men­tar­film für den Unter­richt von Schü­lern ab der neun­ten Klas­se (14. Lebens­jahr).[52]

Vier­tens:1997 leg­te der Gesetz­ge­ber größ­ten Wert auf eine strik­te Tren­nung zwi­schen dem medi­zi­ni­schen Auf­ga­ben­feld auf Inten­siv­sta­tio­nen: einer­seits der Behand­lung von Inten­siv­pa­ti­en­ten, die ärzt­li­ches Han­deln unter das Gebot des Gen­fer Gelöb­nis­ses (1948) ‚pri­mum nil­hil noce­re’ (‚ers­tens nicht scha­den’) stellt und ande­rer­seits der im Diens­te von Fremd­in­ter­es­sen gelei­te­ten trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ni­schen Organ­ge­win­nung. Daher schrieb das TPG vor, dass Aus­künf­te über mög­li­che ‚Organ­spen­der‘ an die organ­ent­neh­men­de Sei­te erst nach Abschluss der Hirn­tod­dia­gnos­tik gestat­tet (§ 7 Abs. 1) sind und die an der Unter­su­chung zur Todes­fest­stel­lung betei­lig­ten Ärz­te nicht an der Ent­nah­me und Über­tra­gung der Orga­ne mit­wir­ken dür­fen (§ 5 Abs. 2).

Aber der Gesetz­ge­ber konn­te das ethi­sche Dilem­ma der Organ­spen­de, also den Inter­es­sen­kon­flikt zwi­schen Inten­siv­me­di­zin und Organ­be­schaf­fung, nicht wirk­lich aus dem Weg räu­men. Denn die Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin ist in höchs­tem Maße davon abhän­gig, dass Inten­siv­ärz­te eine Bereit­schaft zei­gen, ihre Pati­en­ten als poten­zi­el­le ‚Organ­spen­der‘ über­haupt zu ‚ent­de­cken‘ und sie an Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren (DSO, Trans­plan­ta­ti­ons­ko­or­di­na­tor) zu mel­den. Somit kommt ihnen bei der Organ­ge­win­nung eine Schlüs­sel­funk­ti­on zu. Aus die­sem Grun­de ver­pflich­te­te 1997 der Gesetz­ge­ber die Kli­ni­ken zur Betei­li­gung an der „gemeinschaftliche[n] Auf­ga­be der Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren und der ande­ren Kran­ken­häu­ser in regio­na­ler Zusam­men­ar­beit“[53] (§ 11 Abs. 1 S. 1 TPG).

Die­ser Para­graf ent­spricht der schon 1979 von der BÄK zu einer „gemein­sa­men Auf­ga­be der Ärz­te­schaft“[54] erklär­ten Organ­be­schaf­fung und dem an alle Kran­ken­haus­ärz­te gerich­te­ten Appell. Dar­in wur­den alle ärzt­li­chen Kol­le­gen dazu auf­ge­for­dert, Pati­en­ten auch unter dem Aspekt einer mög­li­chen ‚Organ­spen­de‘ wahr­zu­neh­men, sie gege­be­nen­falls dem regio­na­len Trans­plan­ta­ti­ons­zen­trum anzu­ver­trau­en und alle wei­te­ren Schrit­te zur Rea­li­sie­rung der ‚Organ­spen­de‘ ein­zu­lei­ten. Nach­dem die BÄK schon 1979 die Ärz­te­schaft dazu auf­ge­ru­fen hat­te, im Fal­le „eines sich abzeich­nen­den dis­so­zi­ier­ten Hirn­to­des“ früh­zei­tig Kon­takt „mit dem nächst­ge­le­ge­nen Trans­plan­ta­ti­ons­zen­trum“[55] auf­zu­neh­men, waren es jedoch nur zwi­schen zehn und 20 Pro­zent aller Kran­ken­häu­ser mit Inten­siv­sta­tio­nen, die die­sem Appell folg­ten. 1996 erstat­te­ten etwa 35 Pro­zent der Inten­siv­sta­tio­nen Spen­der­mel­dun­gen.[56] Um die Betei­li­gung der Inten­siv­me­di­zin an der Organ­be­schaf­fung zu erhö­hen, wur­den im TPG pau­schal „die Kran­ken­häu­ser“ dazu ver­pflich­tet, im Anschluss an die Hirn­tod­dia­gnos­tik „Pati­en­ten, die nach ärzt­li­cher Beur­tei­lung als Spen­der ver­mitt­lungs­pflich­ti­ger Orga­ne in Betracht kom­men, dem zustän­di­gen Trans­plan­ta­ti­ons­zen­trum mit­zu­tei­len, das die Koor­di­na­ti­ons­stel­le unter­rich­tet“[57] (§ 11 Abs. 4 S. 1 TPG).

Aber die bereits in den 2000er Jah­ren gän­gi­ge Pra­xis, „mobi­le neu­ro­lo­gi­sche Teams“ der DSO bereit­zu­stel­len, um die behan­deln­den Ärz­te von Inten­siv­pa­ti­en­ten bei der „Hirn­tod­dia­gnos­tik zu unter­stüt­zen“,[58] ver­letzt die im Trans­plan­ta­tions­ge­setz von 1997 noch ver­si­cher­te Unvor­ein­ge­nom­men­heit der ärzt­li­chen Betreu­ung von Men­schen mit einer schwe­ren Hirn­schä­di­gung bei der ‚Hirntod‘-Feststellung.

3. Gesetz zur Ände­rung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes vom 21. Juli 2012[59]

Um Mani­pu­la­tio­nen mög­lichst aus­zu­schlie­ßen und Inten­siv­pa­ti­en­ten sowie die Ange­hö­ri­gen vor Fremd­in­ter­es­sen zu schüt­zen, soll­te nach dem TPG von 1997 die The­ra­pie von Inten­siv­pa­ti­en­ten mit einer schwe­ren Hirn­schä­di­gung bis zur abge­schlos­se­nen Hirn­tod­fest­stel­lung in den Hän­den der behan­deln­den Ärz­te lie­gen. Gleich­zei­tig aber wur­den die Kran­ken­häu­ser zu einer Koope­ra­ti­on mit den Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren für die Mel­dung von poten­zi­el­len Organ­spen­dern verpflichtet.

Doch im kli­ni­schen All­tag vie­ler Inten­siv­sta­tio­nen kam es nicht zur erwar­te­ten Umset­zung der gesetz­li­chen Vor­schrift: die gene­rel­le akti­ve Teil­nah­me von Inten­siv­ärz­ten an den Spen­der­mel­dun­gen blieb aus. 1999 waren es 35 und 2001 44 Pro­zent der Inten­siv­sta­tio­nen, die mit den Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren koope­rier­ten.[60] Ver­tre­ter der DSO monier­ten die nied­ri­ge inten­siv­me­di­zi­ni­sche Betei­li­gung an „der ver­pflich­ten­den Gemein­schafts­auf­ga­be“: Denn „ledig­lich 40 Pro­zent aller 1.379 Kran­ken­häu­ser mit Inten­siv­sta­tio­nen durch die Mit­tei­lung min­des­tens eines poten­zi­el­len Organ­spen­ders“[61] waren ihrer Ver­pflich­tung nach­ge­kom­men. 60 Pro­zent der deut­schen Kli­ni­ken mit einer inten­siv­me­di­zi­ni­schen Ver­sor­gung hat­ten gar kei­ne Mel­dun­gen von ‚hirn­to­ten‘ Pati­en­ten gemacht.[62]

Auch Dr. med. Ben­no Fol­tin zählt zu jenen Inten­siv­me­di­zi­nern, die ihre Pati­en­ten mit einer schwe­ren Hirn­schä­di­gung von sich aus nicht dem Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tem anver­trau­ten. 22 Jah­re lei­te­te er als Fach­arzt für Anäs­the­sie die Inten­siv­sta­ti­on eines Unfall­kran­ken­hau­ses. Der Chef­arzt betrach­te­te sei­ne Koma­pa­ti­en­ten mit einem Hirn­ver­sa­gen nicht als tot, obwohl er selbst zahl­rei­che Hirn­tod­fest­stel­lun­gen durch­füh­ren muss­te: „Für mich per­sön­lich ist ein Mensch tot, wenn er einen Atem-Herz­still­stand hat. Hirn­tod ist für mich unbe­frie­di­gend. […] Wir kön­nen ja den wirk­li­chen Indi­vi­du­al­tod abwar­ten.“[63]

Außer­dem hat­te er die leid­vol­le Gefühls­si­tua­ti­on der Fami­li­en sei­ner Pati­en­ten im Blick. Und so gab es „eine Men­ge Grün­de […], wo ich zum Bei­spiel gesagt habe: Nein, bei die­sen Ange­hö­ri­gen kann ich mir von vorn­her­ein nicht vor­stel­len, dass wir sie in ihrer Trau­er ver­let­zen. Und dann spre­che ich erst gar nicht mit ihnen über die­ses The­ma. Es sei denn, sie kom­men von selbst.“[64] Dr. Fol­tin schil­dert, dass auch auf sei­ner Sta­ti­on die Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz­ge­bung von 1997 zu kei­ner Ver­hal­tens­än­de­rung führ­te: „Es pas­sier­te nichts, weil wir es nicht getan haben. Und des­we­gen sind die Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ner auch so sau­er und woll­ten här­te­re Rege­lun­gen. Aber wie soll das durch­ge­setzt wer­den? Dafür geht doch kei­ner von uns ins Gefäng­nis.“[65]

Dr. Fol­tin spricht damit die viel­fach gestell­ten For­de­run­gen nach Sank­tio­nen die­ser Kli­ni­ken an, wie bei­spiels­wei­se 2010 vor­ge­schla­gen: „Ange­sichts der Nicht­er­fül­lung ihrer gesetz­li­chen Pflich­ten ste­hen die Kran­ken­häu­ser zu Recht in der Kri­tik. Über eine ver­bes­ser­te Imple­men­tie­rung des § 11 Abs. 4 TPG durch ver­stärk­te Kon­trol­le der Kran­ken­häu­ser und v.a. die Ein­füh­rung von Sank­tio­nen für den Fall des Pflicht­ver­sto­ßes soll­te nach­ge­dacht wer­den.“[66] Aber sol­che Über­le­gun­gen wur­den nicht in die Pra­xis umge­setzt, und das beklag­te ‚Mel­de­de­fi­zit‘ blieb ein Hin­der­nis der Organ­ge­win­nung: 2007 waren es immer noch 54 Pro­zent der All­ge­mein­kran­ken­häu­ser, die kei­nen Kon­takt mit den Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren auf­nah­men.[67]

Ange­sichts die­ser Ent­wick­lung hat­te schon 2005 der DSO-Vor­stand Prof. Dr. med. Gün­ter Kirs­te in einer Exper­ten­an­hö­rung des Deut­schen Bun­des­ta­ges grü­nes Licht für die Ein­mi­schung der Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin in die The­ra­pie von Pati­en­ten mit einer schwe­ren Hirn­schä­di­gung ver­langt: „Nur dann näm­lich, wenn man koope­ra­tiv vor­geht, kann man errei­chen, dass mehr Orga­ne zur Ver­fü­gung ste­hen, mehr Leu­te zur Organ­spen­de bereit sind […] Das heißt aber für die DSO auch, dass sie sich sehr inten­siv in den Bereich der Inten­siv­the­ra­pie ein­mi­schen muss.“[68]

Kirs­ten poch­te auf eine recht­lich erlaub­te Inter­ven­ti­ons­mög­lich­keit der DSO in die Behand­lung von ‚hirn­tod­ver­däch­ti­gen‘ Pati­en­ten auf Deutsch­lands Inten­siv­sta­tio­nen. Sei­ner For­de­rung, die zwei ‚Wel­ten‘, also die Inten­siv­me­di­zin einer­seits und die Organ­be­schaf­fung ande­rer­seits, nicht mehr von­ein­an­der strikt zu tren­nen, kam 2012 der Deut­sche Bun­des­tag mit der Novel­le des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes nach.

Durch die Ein­füh­rung eines neu­ar­ti­gen Kon­troll­sys­tems wur­den Kli­ni­ken mit Inten­siv­sta­tio­nen dazu gedrängt, mit dem Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tem zu koope­rie­ren: Umbe­nannt in „Ent­nah­me­kran­ken­häu­ser“ (§ 11 Abs. 1 S. 1 TPG), muss seit Inkraft­tre­ten des Geset­zes am 1. Novem­ber 2012 in jeder Kli­nik mit Inten­siv­bet­ten min­des­tens ein von der Kran­ken­haus­lei­tung zu bestel­len­der und durch Fort­bil­dun­gen zu qua­li­fi­zie­ren­der Arzt als Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ter tätig sein. Er ist für sei­ne Auf­ga­ben frei­zu­stel­len[69] und hat seit­her eine spe­zi­el­le Über­wa­chungs­funk­ti­on zu erfül­len. So wur­de ihm die Ver­ant­wor­tung über­tra­gen, „dass die Ent­nah­me­kran­ken­häu­ser ihrer Ver­pflich­tung […] nach­kom­men“ (§ 9b Abs. 2 Nr.1 TPG). Mit die­ser Neu­re­ge­lung ist die Gren­ze zwi­schen exter­nen trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ni­schen Inter­es­sen und der inter­nen Behand­lung von Inten­siv­pa­ti­en­ten end­gül­tig auf­ge­ho­ben wor­den. Denn der Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­te ist „ins­be­son­de­re für die Iden­ti­fi­ka­ti­on poten­zi­el­ler Organ­spen­der“[70] zustän­dig. Er soll Inten­siv­ärz­te über­wa­chen, ob sie ihrer gesetz­li­chen Ver­pflich­tung zur Spen­der­mel­dung nach­kom­men. Außer­dem hat er Ange­hö­ri­ge zu ‚betreu­en‘ und auch das im Haus ange­stell­te anäs­the­sio­lo­gi­schen Per­so­nal bei den Organ­ent­nah­men zu ‚unter­stüt­zen‘. Schließ­lich ist er für den gesam­ten Ablauf des soge­nann­ten Organ­spen­de­pro­zes­ses zustän­dig.[71] (§ 9a, 9b TPG)

4. Gesetz zur Rege­lung der Ent­schei­dungs­lö­sung im Trans­plan­ta­tions­ge­setz vom 12. Juli 2012[72]

Im Jah­re 2012 erfolg­ten zwei Ände­run­gen der Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz­ge­bung: Neben der Ein­füh­rung eines von Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten zu rea­li­sie­ren­den, inter­nen Über­wa­chungs­sys­tems in ‚Ent­nah­me­kran­ken­häu­sern‘ wur­de die ‚erwei­ter­te Zustim­mungs­re­ge­lung‘ durch die Ent­schei­dungs­lö­sung ersetzt. Die­se Ände­rung bezog sich auf pri­va­te Hand­lungs­struk­tu­ren hin­sicht­lich der Organ­spen­de­be­reit­schaft. Das Prin­zip der Selbst­be­stim­mung rück­te jetzt als stra­te­gi­scher Ansatz­punkt für die Umset­zung die­ses staat­li­chen Vor­ha­bens in den Vor­der­grund, so dass die Organ­ge­win­nung von der Zustim­mung der Fami­lie weit­ge­hend unab­hän­gig wer­den sollte.

Bemer­kens­wert an die­ser Novel­lie­rung ist: Der Gesetz­ge­ber ließ 2012 sei­ne neu­tra­le Posi­ti­on gegen­über Men­schen fal­len, die sich nicht zu Organ­spen­dern erklär­ten. So wur­de gleich im ers­ten Para­gra­fen die norm­set­zen­de Absicht der „Ent­schei­dungs­lö­sung“ fest­ge­schrie­ben: „Ziel des Geset­zes ist es, die Bereit­schaft zur Organ­spen­de zu för­dern.“[73] (§ 1 Abs. 1 S. 1) Mit einer sol­chen Pro­kla­ma­ti­on mach­te sich der Gesetz­ge­ber erst­mals expli­zit zum Inter­es­sen­ver­tre­ter der Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin. Die in den 2000er Jah­ren von der Fach­öf­fent­lich­keit inten­siv geführ­ten inter­na­tio­na­len Debat­ten um die unter­schied­li­chen Para­me­ter der umstrit­te­nen Hirn­tod­de­fi­ni­tio­nen blie­ben im Rah­men die­ser Geset­zes­no­vel­le weit­ge­hend igno­riert.[74]

Im Fokus des „Geset­zes zur Rege­lung der Ent­schei­dungs­lö­sung“ stand die bei der Organ­ge­win­nung als Stör­fak­tor wahr­ge­nom­me­ne Abhän­gig­keit von den Ange­hö­ri­gen poten­zi­el­ler Organ­spen­der. Denn eines hat­te sich her­aus­ge­stellt: Das Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tem war auf die Zustim­mung der Fami­lie zu sehr ange­wie­sen. So befan­den sich 2012 unter den Organ­spen­dern nur 10,3 Pro­zent, die ihre Bereit­schaft schrift­lich fixiert hat­ten.[75] Folg­lich waren es über­wie­gend Ange­hö­ri­ge, die einer Explan­ta­ti­on ihres Fami­li­en­mit­glieds einwilligten.

Die Ent­schei­dungs­lö­sung soll­te die­se Rela­ti­on ver­än­dern, so dass sich am Ende mög­lichst jeder ein­zel­ne Bür­ger über sei­ne Organ- und Gewe­be­spen­de­be­reit­schaft eigen­stän­dig äußert. Unter der Über­schrift „Ziel und Anwen­dungs­be­reich des Geset­zes“ (§ 1) heißt es: „Um eine […] unab­hän­gi­ge Ent­schei­dung jedes Ein­zel­nen zu ermög­lich­en, sieht die­ses Gesetz eine brei­te Auf­klä­rung der Bevöl­ke­rung zu den Mög­lich­kei­ten der Organ- und Gewe­be­spen­de vor.“[76] (§ 1 Abs. 1 S. 2 TPG) Für die Umset­zung die­ses poli­ti­schen Auf­trags wur­den die Kran­ken­ver­si­che­run­gen als Erhe­bungs- und Daten­spei­che­rungs­in­stanz gesetz­lich dazu ver­pflich­tet, ihre Ver­si­cher­ten ab dem 16. Lebens­jahr alle zwei Jah­re anzu­schrei­ben, ihnen Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al und Organ­spen­de­aus­wei­se zuzu­schi­cken, um sie zu einer schrift­li­chen Ent­schei­dung zu bewegen.

Soll­te der Unter­schrif­ten­auf­ruf im Papier­korb ver­schwin­den oder aber in der kon­kre­ten Situa­ti­on auf der Inten­siv­sta­ti­on kei­ne Doku­men­ta­ti­on für eine Spen­de­be­reit­schaft vor­lie­gen, ist bis heu­te die Fami­lie wei­ter­hin auto­ri­siert, unter Berück­sich­ti­gung des mut­maß­li­chen Wil­lens des betref­fen­den Pati­en­ten über eine ‚Organ­spen­de‘ ihres Ange­hö­ri­gen zu entscheiden.

Der dama­li­ge ärzt­li­che Direk­tor der Ber­li­ner Uni­ver­si­täts­kli­nik Cha­ri­té Prof. Dr. Ulrich Frei kom­men­tier­te die Geset­zes­re­form und erläu­ter­te die hohe Bedeu­tung für das Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tem, von der fami­liä­ren Ent­schei­dung unab­hän­gig zu wer­den. Auf die Fra­ge, ob die Geset­zes­re­form die Organ­spen­de­be­reit­schaft erhö­hen kön­ne, ver­wies Frei auf die auch in der Begrün­dung des Gesetz­ent­wur­fes genann­te Umfra­ge der BZgA, wonach 75 Pro­zent der deut­schen Bevöl­ke­rung ‚organ­spen­de­be­reit‘ sei­en.[77] Frei setz­te auf die Ent­schei­dungs­lö­sung anhand fol­gen­der Rechnung:

Wenn man aber näch­tens [Explan­ta­tio­nen fin­den in der Regel nachts statt] Ange­hö­ri­ge befragt, dann sagen 50 Pro­zent ‚Nein!’. Das spricht dafür, dass in einem Vier­tel der Fäl­le der Wil­le des Ver­stor­be­nen nicht voll­zo­gen wird. Und durch die­se Selbst­be­stim­mungs­lö­sung […] soll die­ses Vier­tel, das übli­cher­wei­se ‚Ja!’ sagt, wo aber die Ange­hö­ri­gen eine fal­sche Ent­schei­dung tref­fen, die­ses Vier­tel soll als mög­li­che Spen­der hin­zu­kom­men.“[78]

Die Ent­schei­dungs­re­ge­lung soll­te künf­tig gewähr­leis­ten, so Frei, „jedem ein­zel­nen Bür­ger in die­sem Lan­de die Ent­schei­dung, ob er Orga­ne spen­den will oder nicht, zu über­tra­gen und weg­zu­neh­men von den über­for­der­ten Ange­hö­ri­gen, die im Ange­sicht des Todes sol­che Ent­schei­dun­gen tref­fen müs­sen“ [79].

Mit die­sem Selbst­be­stim­mungs­kon­zept mach­te sich die Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin eine Ent­wick­lung zu eigen, mit der eine lang­fris­ti­ge Abkehr von einer pater­na­lis­tisch ori­en­tier­ten Arzt-Pati­en­ten-Bezie­hung ein­ge­lei­tet wur­de. Im Lau­fe der 2000er Jah­re mün­de­te die­ser Wan­del in die Ver­an­ke­rung des soge­nann­ten Pati­en­ten­ver­fü­gungs­ge­set­zes (2009: § 1901 a BGB; seit 2023 § 1827 BGB). Dar­an ist das neue Ide­al der Pati­en­ten­au­to­no­mie geknüpft, mit dem sich Begrif­fe wie ‚Selbst­be­stim­mung‘, ‚Ent­schei­dungs­frei­heit‘ ‚infor­med con­sent‘ und ‚End-of-Life-Decis­i­ons‘ ver­bin­den.[80]

Im Zuge der Ein­füh­rung der ‚Ent­schei­dungs­lö­sung‘ wur­de das Aus­fül­len des Organ­spen­de­aus­wei­ses in das neue Leit­bild des ‚selbst­be­stimm­ten Pati­en­ten‘ ein­ge­floch­ten. Die Ver­bin­dung des Ide­als vom auto­no­men Pati­en­ten mit der seit 2012 gesetz­lich neu ver­an­ker­ten Ent­schei­dungs­re­ge­lung kommt aber einem Täu­schungs­ma­nö­ver gleich. Denn die eigent­li­che Befä­hi­gung zur indi­vi­du­el­len Selbst­be­stim­mung lei­tet sich aus dem ärzt­li­chen Infor­ma­ti­ons­ge­spräch ab. Es bil­det die Grund­la­ge für das schrift­li­che Ein­ver­ständ­nis zu medi­zi­ni­schen Ein­grif­fen oder einer The­ra­pie­zie­län­de­rung am Ende des Lebens, das in Pati­en­ten­ver­fü­gun­gen nie­der­ge­legt wird.

Zudem trennt die von Ulrich Frei so begrün­de­te ‚Selbst­be­stim­mungs-Lösung‘ inten­siv­me­di­zi­nisch behan­del­te, ster­ben­de Koma­pa­ti­en­ten vom Fami­li­en- und Freun­des­kreis und kon­stru­iert sie ent­ge­gen ihrer beson­de­ren sozia­len und medi­zi­ni­schen Schutz­be­dürf­tig­keit als selbst­be­stimm­te Wesen.

Mit der Reform des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes von 2012 hat man recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen für das trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ni­sche Tätig­keits­feld von inner­kli­nisch ange­stell­ten Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten geschaf­fen. Seit­her sind die ursprüng­lich von­ein­an­der getrenn­ten trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ni­schen und inten­siv­the­ra­peu­ti­schen Zustän­dig­keits­be­rei­che bun­des­weit mit­ein­an­der ver­knüpft. Im Zuge die­ser Ver­net­zung wur­de ein neu­es Begrün­dungs­mus­ter für die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ne Tätig­keit der Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten hin­zu­ge­zo­gen und ideo­lo­gisch mit dem Pati­en­ten­in­ter­es­se gerecht­fer­tigt: Vor­geb­lich ging es ab jetzt um einen Dienst am Pati­en­ten –, um sei­ne Selbst­be­stim­mung und die medi­zi­ni­sche Rea­li­sie­rung sei­nes Wun­sches, als ‚Organ­spen­der‘ zur Ver­fü­gung ste­hen zu wollen.

5. Zwei­tes Gesetz zur Ände­rung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes – Ver­bes­se­rung der Zusam­men­ar­beit und der Struk­tu­ren bei der Organ­spen­de vom 22. März 2019[81]

Der erwünsch­te Effekt von bei­den Refor­men (2012) blieb nicht nur aus – im Gegen­teil: Wäh­rend noch bis 2010 ein Anstieg der Spen­der­zah­len mit einem jähr­li­chen Maxi­mum von etwa 1.200 zu ver­bu­chen war, sank die Quo­te seit 2012 bis 2017 auf ihren Tief­punkt mit 769 (vgl. Tabel­le Euro­trans­plant oben). [82] Die­ser Rück­gang erfolg­te ent­ge­gen allen poli­ti­schen Erwar­tun­gen, die an die neu in Kraft getre­te­nen Geset­ze geknüpft wor­den waren. Über­schat­tet von der Skan­da­li­sie­rung unter­schied­lich geführ­ter War­te­lis­ten und den an die Öffent­lich­keit gelang­ten falsch gestell­ten Hirn­tod­dia­gno­sen,[83] blieb eine Erhö­hung der Zahl von eigens erklär­ten Organ­spen­dern mit einer schrift­li­chen Ein­wil­li­gung aus.

Eben­so wenig trug das neu ein­ge­führ­te Sys­tem zur Über­wa­chung des inten­siv­me­di­zi­ni­schen Per­so­nals dazu bei, das beklag­te ‚Defi­zit‘ der Spen­der­mel­dun­gen auf­zu­he­ben: 2016 waren es immer noch 56 Pro­zent der Kli­ni­ken mit Inten­siv­sta­tio­nen, die kei­ne Mel­dun­gen von poten­zi­el­len ‚Organ­spen­dern‘ erstat­te­ten (2007: 54 Pro­zent).[84] Bis heu­te ist das soge­nann­te Mel­de­de­fi­zit in ganz bestimm­ten Kli­ni­ken am höchs­ten: Die DSO hat die in Deutsch­land 1.238 bestehen­den Kran­ken­häu­ser mit Inten­siv­sta­tio­nen (2019; 2020: 1248; 2021: 1.999) in drei Kate­go­rien ein­ge­teilt: Kate­go­rie A (drei Pro­zent) reprä­sen­tie­ren die Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken, wo auch die expe­ri­men­tel­le Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin und die Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren eta­bliert sind. Sie wei­sen von Anfang an pro­zen­tu­al die höchs­te Spen­der­mel­dungs­be­tei­li­gung auf; B‑Krankenhäuser mit Neu­ro­chir­ur­gie (zehn Pro­zent) und C‑Kliniken ohne Neu­ro­chir­ur­gie.[85] Die über­wie­gen­de Mehr­heit der ‚Ent­nah­me­kran­ken­häu­ser‘ gehö­ren der C‑Kategorie an (87 Pro­zent). Von die­sen Kli­ni­ken neh­men „nur 22 Pro­zent […] pro Jahr über­haupt Kon­takt zur DSO[86] auf, kri­ti­sier­te 2018 der Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­te Dr. Götz Ger­res­heim. Eben­so resü­mie­ren 2021 Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ner die­se unver­än­der­te Situa­ti­on im Deut­schen Ärz­te­blatt: „Die Mehr­zahl der Ent­nah­me­kran­ken­häu­ser erkennt und mel­det kei­nen ein­zi­gen Pati­en­ten mit mög­li­chem IHA [irrever­si­blen Hirn­funk­ti­ons­aus­fall].“[87]

2018 hat­te sich die Stän­di­ge Kom­mis­si­on Organ­trans­plan­ta­ti­on der Bun­des­ärz­te­kam­mer mit dem „nicht aus­ge­schöpf­ten Spen­der­po­ten­zi­al“ beschäf­tigt. Sie kam zu dem Ergeb­nis, „dass zwi­schen 2010 und 2015 die Zahl der poten­zi­el­len Organ­spen­der zwar um 13,9 Pro­zent gestie­gen, die Zahl der rea­li­sier­ten Organ­spen­den jedoch um 32,3 Pro­zent gesun­ken sei“[88]. Eine sol­che Bilanz sei auch der „herr­schen­den Skep­sis gegen­über der Organ­spen­de“ geschul­det, „erläu­ter­te Irm­traut Gür­kan, Kauf­män­ni­sche Direk­to­rin der Uni­ver­si­täts­kli­nik Hei­del­berg. Ins­be­son­de­re das Inten­siv­per­so­nal, das in engem Kon­takt zu den Pati­en­ten ste­he, erle­be vie­le Pro­ble­me“.[89]

Die hier ange­spro­che­nen Pro­ble­me sind inter­es­san­ter­wei­se mit einem „engen Kon­takt zu den Pati­en­ten“ in Ver­bin­dung gebracht. Ver­ge­gen­wär­ti­gen wir uns die eige­ne Bezie­hung des Inten­siv­per­so­nals zu koma­tö­sen Pati­en­ten, so wird das von Gür­kan ange­deu­te­te Kon­flikt­po­ten­zi­al plau­si­bel. Schließ­lich ist der sozia­le Umgang mit Koma­pa­ti­en­ten vor allem von einer empa­thi­schen, non­ver­ba­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form geprägt (z.B. Berüh­rung), die von der als „Spen­der­de­tek­ti­on“[90] bezeich­ne­ten Tätig­keit der Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten durch­kreuzt wird. Ein ‚kal­ter Blick‘ auf Inten­siv­pa­ti­en­ten unter dem Aspekt ihrer ‚nütz­li­chen Ver­wert­bar­keit‘ ist nur schwer mit dem ärzt­li­chen Grund­satz zu ver­ein­ba­ren, aus­schließ­lich dem Wohl des Pati­en­ten ver­pflich­tet zu sein und ihm nicht zu scha­den (‚pri­mum nihil noce­re‘). Denn soll­ten Inten­siv­ärz­te, wie es in der trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ni­schen Rhe­to­rik heißt, ein kon­se­quen­tes ‚Aus­schöp­fen des Spen­der­po­ten­zi­als‘ im Sinn haben, befin­den sie sich in einem ethi­schen, aber auch medi­zi­ni­schen Dilemma.

Grund­sätz­lich gibt es für Koma­pa­ti­en­ten mit einer infaus­ten Pro­gno­se infol­ge eines dro­hen­den Hirn­ver­sa­gens nur zwei dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setz­te The­ra­pie­for­men mit der Kon­se­quenz auf jeweils unter­schied­li­che Wei­se zu ster­ben: Ent­we­der sie wer­den unter der Maxi­me der ‚spen­de­zen­trier­ten‘ The­ra­pie als ‚Organ­spen­der‘ inten­siv­me­di­zi­nisch wei­ter­be­han­delt, um ihre Spen­de­be­reit­schaft rea­li­sie­ren zu kön­nen. Dann erlei­den sie wäh­rend der Organ­ent­nah­men einen chir­ur­gisch erzeug­ten Herz­tod auf dem Ope­ra­ti­ons­tisch. Oder aber man lässt ihnen die Mög­lich­keit, ihren Ster­be­pro­zess im Rah­men einer von Fremd­in­ter­es­sen abge­schirm­ten, pal­lia­tiv­me­di­zi­ni­schen Schmerz­be­hand­lung zu vollenden.

Die Eta­blie­rung der Pal­lia­tiv­me­di­zin auch auf Inten­siv­sta­tio­nen ist das Ergeb­nis eines seit Ende des 20. Jahr­hun­derts erfolg­ten Para­dig­men­wech­sels in der Behand­lung von ster­ben­den Pati­en­ten: Die inter­na­tio­na­le Hos­piz­be­we­gung ent­stand in den 1970er Jah­ren. Sie rich­te­te sich gegen den ein­sa­men Kran­ken­haus­tod und das Schre­ckens­sze­na­rio eines an Schläu­che und Moni­to­re ange­schlos­se­nen Men­schen, des­sen Ster­ben mit aller Macht inten­siv­me­di­zi­nisch ver­län­gert wird. Die­se Bewe­gung ent­wi­ckel­te eine neue Kul­tur der Sor­ge um Pati­en­ten am Ende ihres Lebens und bewirk­te auch in Deutsch­land neue Richt­li­ni­en für die Gren­zen zumut­ba­rer Behand­lun­gen von Ster­ben­den. Im Fal­le eines mit abseh­ba­rer Wahr­schein­lich­keit ein­tre­ten­den Todes wur­de die Umstel­lung von einer lebens­er­hal­ten­den in eine pal­lia­ti­ve The­ra­pie erlaubt. Die pal­lia­tiv-hos­piz­li­che Kul­tur umfasst einen für­sorg­li­chen, schüt­zen­den Umgang mit Men­schen an ihrem Lebens­en­de. Sie kon­zen­triert sich auf die beson­de­ren spi­ri­tu­el­len, phy­si­schen Bedürf­nis­se sowie psy­cho­so­zia­len Nöte von Ster­ben­den und auch ihren Ange­hö­ri­gen (lat. ‚pal­lia­re’: mit einem Man­tel umhül­len).[91]

1998 for­mu­lier­te die BÄK „Grund­sät­ze zur ärzt­li­chen Ster­be­be­glei­tung“. Dar­in wer­den Ärz­te dazu verpflichtet,

Ster­ben­den, d.h. Kran­ken oder Ver­letz­ten mit irrever­si­blem Ver­sa­gen einer oder meh­re­rer vita­ler Funk­tio­nen, bei denen der Ein­tritt des Todes in kur­zer Zeit zu erwar­ten ist, so zu hel­fen, daß sie in Wür­de zu ster­ben ver­mö­gen. […] Bei Ster­ben­den kann die Lin­de­rung des Lei­dens so im Vor­der­grund ste­hen, daß eine mög­li­cher­wei­se unver­meid­ba­re Lebens­ver­kür­zung hin­ge­nom­men wer­den darf. […] Bei Pati­en­ten mit infaus­ter Pro­gno­se, die sich noch nicht im Ster­ben befin­den, kommt eine Ände­rung des Behand­lungs­zie­les nur dann in Betracht, wenn die Krank­heit weit fort­ge­schrit­ten ist und eine lebens­er­hal­ten­de Behand­lung nur Lei­den ver­län­gert. An die Stel­le von Lebens­ver­län­ge­rung und Lebens­er­hal­tung tre­ten dann pal­lia­tiv-medi­zi­ni­sche und pfle­ge­ri­sche Maß­nah­men.“[92]

Für die Fra­ge nach dem Behand­lungs­mo­dus bei einem dro­hen­den ‚irrever­si­blen Hirn­ver­sa­gen‘, das hier mit jedem ande­ren Organ­ver­sa­gen gleich­ge­stellt ist, hat die­se Grund­satz­er­klä­rung schwer­wie­gen­de Kon­se­quen­zen: So darf die pal­lia­ti­ve The­ra­pie von Pati­en­ten mit einem abseh­ba­ren Hirn­ver­sa­gen in einem Sta­di­um begin­nen, in dem der ‚Hirn­tod‘ nicht durch eine sinn­lo­se, lebens­ver­län­gern­de Maxi­mal­the­ra­pie abge­war­tet wer­den muss. Der medi­zi­ni­sche Fokus des pal­lia­tiv betreu­ten Ster­bens liegt auf einer Behand­lung mit angst- und schmerz­lin­dern­den Medi­ka­men­ten (Anal­go­se­die­rung: z.B. Opio­ide, Ben­zo­dia­ze­pi­ne)[93], die poten­zi­el­len Organ­spen­dern in die­ser Pha­se des Ster­bens nicht ver­ab­reicht wer­den dür­fen, denn sie könn­ten die bevor­ste­hen­de Hirn­tod­dia­gnos­tik ver­fäl­schen. Inso­fern schließt eine pal­lia­ti­ve Behand­lung eine Organ­ent­nah­me rigo­ros aus.

Denn Pati­en­ten mit einer schwe­ren Hirn­schä­di­gung kom­men als Organ­spen­der erst unter einer Vor­aus­set­zung in Betracht: wenn die Inten­siv­the­ra­pie solan­ge wei­ter­ge­führt wor­den ist, bis der ‚Hirn­tod‘ ein­ge­tre­ten und alle Kri­te­ri­en für das Hirn­ver­sa­gen erfüllt sind. Auf die­sen sprin­gen­den Punkt mach­te auch die Deut­sche Inter­dis­zi­pli­nä­re Ver­ei­ni­gung für Inten­siv­me­di­zin- und Not­fall­me­di­zin (DIVI) anläss­lich der Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes­re­form von 2019 auf­merk­sam: „Die Ein­lei­tung einer pal­lia­tiv­me­di­zi­ni­schen Behand­lung wür­de die Rea­li­sie­rung einer Organ­spen­de ver­hin­dern.“[94]

Umge­kehrt bedeu­tet die­se Fest­stel­lung für Men­schen mit einem posi­tiv ange­kreuz­ten Organ­spen­de­aus­weis: Für sie darf in der prä­fi­na­len Pha­se eine Pal­lia­ti­on erst gar nicht in Betracht gezo­gen wer­den. Viel­mehr ist das Leben von ‚Organ­spen­dern‘ bis zum Ein­tritt des Hirn­ver­sa­gens durch eine ‚spen­de­zen­trier­te‘ The­ra­pie zu ver­län­gern. Der ‚Hirn­tod‘ ist somit kein Natur­er­eig­nis, son­dern inten­siv­me­di­zi­nisch her­stell­bar – ein „Arte­fakt“ (lat.: ‚künst­lich her­vor­ge­ru­fen’) – wie der Inter­nist und Chef­arzt der Medi­zi­ni­schen Kli­nik im Ket­te­ler Kran­ken­haus Offen­bach Prof. Dr. Ste­phan Sahm erklärt: denn „den Hirn­tod kann man machen.“[95] Um die­se Pro­ble­ma­tik zu ver­deut­li­chen, frag­ten Prof. Dr. Frank Erb­guth und Dr. Wen­ke Diet­rich von der Kli­nik für Neu­ro­lo­gie (Kli­ni­kum Nürn­berg) in ihrer Publi­ka­ti­on im Baye­ri­schen Ärz­te­blatt unter dem Titel: „The­ra­pie­ziel Hirn­tod? Soll ein poten­zi­el­ler Organ­spen­der mit aus­sichts­lo­ser Pro­gno­se zuguns­ten einer mög­li­chen Trans­plan­ta­ti­on lebens­ver­län­gernd behan­delt wer­den?“[96]

Doch wie die DIVI in ihrer Stel­lung­nah­me zur Reform des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes von 2019 ver­mu­tet, zie­hen Inten­siv­ärz­te im Dia­log mit den Ange­hö­ri­gen eher eine pal­lia­ti­ve Behand­lung ihrer ster­ben­den Pati­en­ten vor:

Die geleb­te Pra­xis in der Inten­siv­me­di­zin der letz­ten Jah­re hat den Organ­spen­de­wil­len im Zusam­men­hang mit Pati­en­ten­ver­fü­gun­gen und Pati­en­ten­au­to­no­mie ver­mut­lich in den Hin­ter­grund ver­drängt und dadurch unter Umstän­den unbe­wusst eine abneh­men­de Anzahl an Organ­spen­den zur Fol­ge gehabt.“[97]

Die­ser Hin­weis aus dem inten­siv­me­di­zi­ni­schen All­tag ruft erneut in Erin­ne­rung: Men­schen, die sich für eine Organ­spen­de ent­schei­den und eine schwe­re Hirn­schä­di­gung erlei­den, dür­fen auf einer Inten­siv­sta­ti­on bei Befol­gung ihres doku­men­tier­ten Wil­lens noch vor der Hirn­tod­fest­stel­lung der spe­zi­el­len lebens­ver­län­gern­den Behand­lung einer ‚spen­de­zen­trier­ten The­ra­pie‘ unter­zo­gen wer­den: Eine sol­che Behand­lung umfasst alle the­ra­peu­ti­schen Ver­su­che, Organ­spen­der auf einen bestimm­ten phy­si­schen Zustand zu trim­men (‚kon­di­tio­nie­ren‘), um eine hohe Qua­li­tät der zu gewin­nen­den Orga­ne zu garan­tie­ren. Neu­er­dings ist die­ses Voka­bu­lar durch die ent­mensch­li­chen­den Begrif­fe wie ‚Auf­recht­erhal­tung der Organ­funk­tio­nen‘, ‚organ­pro­tek­ti­ve Inten­siv­the­ra­pie‘, ‚spen­de­zen­trier­te The­ra­pie‘ sowie ‚Spen­der­ma­nage­ment‘ ersetzt worden.

Aber die zen­tra­le Fra­ge, ab wann und in wel­chem Umfang eine inten­siv­me­di­zi­ni­sche The­ra­pie in eine ‚organ­pro­tek­ti­ve‘, ‚spen­de­zen­trier­te‘ Behand­lungs­stra­te­gie umge­stellt wer­den darf, wur­de im Lau­fe der 2010er Jah­re unter­schied­lich beant­wor­tet. So the­ma­ti­sier­te 2013 die Bun­des­ärz­te­kam­mer in ihrem „Arbeits­pa­pier zum Ver­hält­nis von Pati­en­ten­ver­fü­gung und Organ­spen­de­er­klä­rung“[98] die­se Kern­fra­ge: Dür­fen Pati­en­ten mit einem doku­men­tier­ten Organ­spen­de­wunsch im Rah­men der lebens­ver­län­gern­den spen­de­zen­trier­ten The­ra­pie vor Ein­tritt des Hirn­ver­sa­gens medi­ka­men­tös, mecha­nisch und mit Strom­stö­ßen im Fal­le eines Herz­still­stands reani­miert wer­den, um die Explan­ta­ti­on wei­ter­hin rea­li­sie­ren zu kön­nen, auch wenn in der Pati­en­ten­ver­fü­gung eine Wie­der­be­le­bung unter­sagt ist? Die BÄK gab 2013 fol­gen­de Empfehlung:

Ein sol­ches Vor­ge­hen wäre ein erheb­li­cher Ein­griff, der nicht von der Organ­spen­de­er­klä­rung gedeckt ist, da völ­lig unge­wiss ist, ob der Hirn­tod als Vor­aus­set­zung für die vom Pati­en­ten gewünsch­te Organ­spen­de ein­tre­ten wird. Die Reani­ma­ti­on und Ein­lei­tung inten­siv­me­di­zi­ni­scher Maß­nah­men sind daher recht­lich unzu­läs­sig und ethisch nicht ver­tret­bar.“[99]

Doch die BÄK revi­dier­te die­se Posi­ti­on in ihren am 1. Sep­tem­ber 2020 in Kraft getre­te­nen und vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit zuge­stimm­ten Richt­li­ni­en zur „Spen­der­er­ken­nung“[100]. Grund­sätz­lich dür­fen „Maß­nah­men zur Wie­der­be­le­bung der Herz-Kreis­lauf­funk­ti­on“[101] vor dem ver­mu­te­ten Hirn­ver­sa­gen in Betracht gezo­gen und das Ster­ben von Inten­siv­pa­ti­en­ten mit einer schwe­ren Hirn­schä­di­gung, deren Herz vor der Hirn­tod­fest­stel­lung ver­sagt, rück­gän­gig gemacht wer­den: Ent­schei­dend für die Opti­on einer Reani­ma­ti­on vor der Hirn­tod­fest­stel­lung sei die zu tref­fen­de Abwä­gung „zwi­schen einem Organ­spen­de­wunsch und einem Wil­len zur The­ra­pie­be­gren­zung“[102].

Unge­klärt bleibt, wie die Bevöl­ke­rung an das vor­aus­ge­setz­te medi­zi­ni­sche Fach­wis­sen über eine mög­li­che Reani­ma­ti­on im Rah­men einer ‚Organ­spen­de‘ gelangt. Die BZgA jeden­falls unter­lässt es mit aller Kon­se­quenz, in ihren Wer­be­bro­schü­ren zur ‚Organ­spen­de‘, ein Pro­blem­be­wusst­sein für die kon­kre­te Ent­schei­dungs­si­tua­ti­on zu schaf­fen und das für eine Organ­spen­de­be­reit­schaft not­wen­di­ge Wis­sen ver­ständ­lich zu ver­mit­teln. Das Wis­sens­de­fi­zit in der Bevöl­ke­rung pro­ble­ma­ti­sier­te auch der Deut­sche Ethik­rat 2015 in sei­ner Exper­ti­se „Hirn­tod und Ent­schei­dung zur Organ­spen­de“ und emp­fahl: vor der Hirn­tod­fest­stel­lung soll­ten ‚organ­pro­tek­ti­ve Maß­nah­men‘ nur zuläs­sig sein, wenn Pati­en­ten der spen­de­zen­trier­ten The­ra­pie expli­zit ein­ge­wil­ligt haben. Der Ethik­rat for­der­te wie­der­um die Poli­tik zu einer gesetz­li­chen Rege­lung auf, die fest­legt, wer für sol­che Ent­schei­dun­gen zu auto­ri­sie­ren ist.[103]

Auch der Chef­arzt der Kli­nik für Neu­ro­lo­gie des Kli­ni­kums Nürn­berg, Prof. Dr. Frank Erb­guth und die lei­ten­de Ober­ärz­tin Dr. Wen­ke Diet­rich bekla­gen die Rechts­un­si­cher­heit in Ver­bin­dung mit den gro­ßen Wis­sens­lü­cken in der Bevöl­ke­rung und prä­zi­sie­ren die para­do­xe Ent­schei­dungs­la­ge vor Ein­tritt des Hirn­ver­sa­gens: „Nur eine aus­drück­li­che Ein­wil­li­gung des Pati­en­ten oder sei­nes Ver­tre­ters kann eine Indi­ka­ti­on für the­ra­peu­ti­sche Maß­nah­men zuguns­ten Drit­ter ent­ste­hen las­sen und recht­fer­ti­gen; ansons­ten erfüll­te sie den Tat­be­stand der Kör­per­ver­let­zung.“[104] Schließ­lich müs­sen bei poten­zi­el­len Organ­spen­dern vor der Hirn­tod­fest­stel­lung sämt­li­che Gaben von sedie­ren­den und schmerz­lin­dern­den Medi­ka­men­ten ein­ge­stellt wer­den. Denn die Wir­kung sol­cher Mit­tel könn­te die auf Schmerz- und Reiz­pro­vo­ka­tio­nen aus­ge­rich­te­te Hirn­tod­dia­gnos­tik ver­fäl­schen und selbst einen ‚Hirn­tod‘ vor­täu­schen. Inso­fern dür­fen die­se Pati­en­ten in der letz­ten Pha­se ihres Lebens poten­zi­ell Schmer­zen aus­ge­setzt wer­den.[105]

Auch nach der abge­schlos­se­nen Hirn­tod­fest­stel­lung ist die Inten­siv­the­ra­pie von Organ­spen­dern im Sin­ne einer Lebens­ver­län­ge­rung durch die spen­der­kon­di­tio­nie­ren­de Behand­lungs­stra­te­gie wei­ter­zu­füh­ren, um den beschei­nig­ten Organ­spen­de­wunsch rea­li­sie­ren zu kön­nen. So unter­strei­chen die 2020 her­aus­ge­ge­be­nen Richt­li­ni­en der Bun­des­ärz­te­kam­mer zur ‚Spen­der­er­ken­nung‘, dass „Maß­nah­men zur Wie­der­her­stel­lung der Herz-Kreis­lauf­funk­ti­on, Organ­er­satz­ver­fah­ren […] Herz­druck­mas­sa­ge“ dazu die­nen, „um dem Pati­en­ten­wil­len zur post­mor­ta­len Organ­spen­de zu ent­spre­chen“[106].

Mit aller Klar­heit bringt der Direk­tor der Kli­nik für Anäs­the­sio­lo­gie und Uni­ver­si­täts­me­di­zin Greifs­wald, Prof. Dr. Klaus Hah­nen­kamp, den ein­zi­gen Sinn der ‚organ­pro­tek­ti­ven The­ra­pie‘ auf den Punkt: „‘[…] alle inten­siv­me­di­zi­ni­schen Maß­nah­men die­nen […] nicht mehr dem Zweck der Gesun­dung des Pati­en­ten, son­dern einem Fremd­zweck – der Spen­de von Orga­nen‘.“[107] Er betont die hohe Bedeu­tung der bereits vor Ein­tritt des Hirn­ver­sa­gens zu begin­nen­den „Inten­siv­the­ra­pie im Sin­ne eines früh­zei­ti­gen Spen­der­ma­nage­ments“. So kön­ne der Beginn der ‚Spen­der­kon­di­tio­nie­rung‘ „sowohl die Zahl der trans­plan­tier­ba­ren Orga­ne als auch die Organ­qua­li­tät ver­bes­sern und damit den Trans­plan­ta­ti­ons­er­folg stei­gern“.[108] Wei­ter heißt es:

Die kon­se­quen­te organ­pro­tek­ti­ve Inten­siv­the­ra­pie beim Organ­spen­der ist […] der ers­te Schritt zur erfolg­rei­chen Behand­lung des zukünf­ti­gen Organ­emp­fän­gers. […] Die Anzahl der trans­plan­tier­ten Orga­ne pro Organ­spen­der kann gestei­gert und die Qua­li­tät der Trans­plan­tat­funk­ti­on durch eine organ­pro­tek­ti­ve Inten­siv­the­ra­pie ver­bes­sert wer­den.“[109]

Doch der Wider­spruch zwi­schen einer sol­chen ‚organ­pro­tek­ti­ven‘ Behand­lungs­stra­te­gie und den im Gen­fer Gelöb­nis ver­ab­schie­de­ten medi­zin­ethi­schen Grund­sät­zen bleibt bestehen und unauf­lös­bar. So unter­sagt die DIVI in ihrem Posi­ti­ons­pa­pier „Gren­zen der Sinn­haf­tig­keit von Inten­siv­me­di­zin“ (2016) eine maxi­mal­the­ra­peu­ti­sche Lebens­ver­län­ge­rung expli­zit als poten­zi­el­le Leid­zu­fü­gung. Sie räumt aller­dings eine Aus­nah­me ein: „In Ein­zel­fäl­len gibt es jedoch durch­aus Grün­de, eine für das Über­le­ben des Pati­en­ten sinn­lo­se inten­siv­me­di­zi­ni­sche Behand­lung begrenzt wei­ter­zu­füh­ren. Hier­zu zählt die Auf­recht­erhal­tung der Organ­funk­tio­nen bei einer vor­ge­se­he­nen Organ­spen­de“.[110] Auch ver­deut­licht die DIVI:

Die­se Maß­nah­men kön­nen im Ver­lauf deut­lich über die Wei­ter­füh­rung der bis­he­ri­gen inten­siv­me­di­zi­ni­schen Behand­lung hin­aus­ge­hen […]. Zu die­sen erwei­ter­ten Maß­nah­men zäh­len bei­spiels­wei­se die kar­dio­pul­mo­n­a­le Reani­ma­ti­on [Herz-Lun­gen-Wie­der­be­le­bung], eine Ein­lei­tung extra­kor­po­ra­ler Organ­er­satz­ver­fah­ren [bei Nie­ren­ver­sa­gen z.B. Dia­ly­se] oder eine Ope­ra­ti­on. […] Die Schwie­rig­kei­ten im Ent­schei­dungs­pro­zess über eine mög­li­che The­ra­pie­aus­wei­tung bestehen in der Abwä­gung zwi­schen den Erfor­der­nis­sen einer opti­ma­len Organ­pro­tek­ti­on und dem Bedürf­nis nach einer wür­de­vol­len Beglei­tung am Lebens­en­de. Was aus der einen Per­spek­ti­ve fach­lich gebo­ten ist, erscheint aus der ande­ren Per­spek­ti­ve als mensch­lich unzu­mut­bar. Die­ses Dilem­ma kann Unsi­cher­hei­ten und wider­sprüch­li­che Emo­tio­nen bei allen Betei­lig­ten aus­lö­sen.“[111]

Mit die­sem „Unsi­cher­hei­ten und wider­sprüch­li­che Emo­tio­nen“ aus­lö­sen­den Behand­lungs­sche­ma ver­lässt die Inten­siv­me­di­zin ihren eigent­li­chen Auf­trag: für das Wohl des Pati­en­ten Sor­ge zu tra­gen, „Lei­den zu lin­dern und Ster­ben­den bis zum Tod bei­zu­ste­hen“[112]. Doch die gesetz­li­che Grau­zo­ne erlaubt mit dem zugrun­de geleg­ten Ide­al des ‚selbst­be­stimm­ten Pati­en­ten‘ das ‚The­ra­pie­ziel Hirn­tod‘, soll­te eine Erklä­rung für die Organ­spen­de­be­reit­schaft vor­lie­gen. Damit ver­bin­det sich eine wei­te­re Gefahr: die ‚spen­de­zen­trier­te The­ra­pie‘ könn­te nicht in dem ange­streb­ten ‚Hirn­tod‘ als Vor­aus­set­zung für die Organ­spen­de mün­den, son­dern in ein apal­li­sches Syn­drom (Wach­ko­ma), „in dem der Pati­ent erneut selb­stän­dig atmen und schlu­cken kann, ohne sein Bewusst­sein zurück­zu­er­lan­gen“, gab 2015 der Deut­sche Ethik­rat hin­sicht­lich der im Vor­feld des Hirn­ver­sa­gens begin­nen­den ‚organ­pro­tek­ti­ven The­ra­pie’ zu beden­ken.[113]

Aber all die­se hoch­kom­ple­xen Zusam­men­hän­ge hat man in dem Gesetz „zur Ver­bes­se­rung der Zusam­men­ar­beit und der Struk­tu­ren bei der Organ­spen­de“ von 2019 bei­sei­te gelas­sen. Statt­des­sen leg­te der Deut­sche Bun­des­tag den Fokus auf ein ver­schärf­tes Kon­troll­sys­tem zur Über­wa­chung der Inten­siv­me­di­zin. Ein wei­te­res Mal wur­de mit einem weit­ge­hend par­tei­über­grei­fen­den Kon­sens das poli­ti­sche Ziel pro­kla­miert, „die Organ­spen­de­zah­len nach­hal­tig zu erhö­hen“.[114] Und so ist im Ent­wurf die­ses Geset­zes von einem „flä­chen­de­cken­den Bericht­sys­tem“ zur Über­wa­chung der gesam­ten deut­schen Inten­siv­me­di­zin die Rede. Es soll „eine Rück­schau ermög­lich­en, ob in den ein­zel­nen Ent­nah­me­kran­ken­häu­sern die Mög­lich­kei­ten für die Rea­li­sie­rung von Organ­spen­den aus­ge­schöpft wer­den“.[115]

In der Begrün­dung der Geset­zes­no­vel­le sind die anhal­tend nied­ri­gen Spen­der­zah­len allein auf struk­tu­rel­le Defi­zi­te in den Ent­nah­me­kran­ken­häu­sern zurück­ge­führt. Auf Basis die­ser sim­pli­fi­zie­ren­den ‚Ursa­chen­er­klä­rung‘ ist das Zeit­bud­get von Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten erwei­tert wor­den, damit sie „ihre wich­ti­ge Schlüs­sel­funk­ti­on bei der Erken­nung und Mel­dung von poten­ti­el­len Organ­spen­dern im kli­ni­schen All­tag mit dem not­wen­di­gen Frei­raum und der erfor­der­li­chen Durch­set­zungs­be­fug­nis wahr­neh­men kön­nen“.[116] Für den ein­ge­stan­de­nen „not­wen­di­gen Frei­raum“ hat das Par­la­ment eine höhe­re mone­tä­re Unter­stüt­zung durch die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen beschlos­sen: Das Bud­get für die Finan­zie­rung der Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten ist von jähr­lich 18 Mil­lio­nen Euro auf 42 Mil­lio­nen mehr als ver­dop­pelt wor­den.[117]

Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten ist für den spe­zi­el­len Zweck der „Spen­der­iden­ti­fi­zie­rung“[118] ein unein­ge­schränk­tes „Zugangs­recht zu den Inten­siv­sta­tio­nen des Ent­nah­me­kran­ken­hau­ses“[119] zu gewäh­ren (§ 9b Abs. 1 S. 5 Nr. 2 TPG). In ihrer Über­wa­chungs­funk­ti­on dür­fen sie jeder­zeit „den Stand der Organ­spen­de“[120] auf Inten­siv­sta­tio­nen ermit­teln. Alle „für die Aus­wer­tung des Spen­der­po­ten­ti­als erfor­der­li­chen Infor­ma­tio­nen“[121] sind ihnen vom Inten­siv­per­so­nal zur Ver­fü­gung“ (§ 9b Abs. 1 S. 5 Nr. 3 TPG) zu stel­len. Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­te müs­sen „hin­zu­ge­zo­gen [wer­den], wenn Pati­en­ten nach ärzt­li­cher Beur­tei­lung als Organ­spen­der in Betracht kom­men“ [122] (§ 9b Abs. 1 S. 5 Nr. 1 TPG). Inso­fern ist die zweck­ori­en­tier­te Wahr­neh­mung von Inten­siv­pa­ti­en­ten als poten­zi­el­le ‚Organ­spen­der‘ gesetz­lich vor­ge­schrie­ben. Dafür sind Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­te vor Ein­tritt des Hirn­ver­sa­gens in die Behand­lung von Pati­en­ten mit einer schwe­ren Hirn­schä­di­gung ein­zu­be­zie­hen – z.B. bei Schlag­an­fall, Hirn­tu­mor, Hirn­blu­tung oder ‑ver­let­zung.

Auch wur­de der DSO eine unmit­tel­ba­re Über­wa­chungs­funk­ti­on zuge­wie­sen: Alle (anony­mi­sier­ten) Daten von ver­stor­be­nen Pati­en­ten mit einer Hirn­schä­di­gung sind die­ser Stif­tung zu über­ge­ben: Die ‚Ent­nah­me­kran­ken­häu­ser‘ haben

sicher­zu­stel­len, dass alle Todes­fäl­le mit pri­mä­rer oder sekun­dä­rer Hirn­schä­di­gung sowie die Grün­de für eine nicht erfolg­te Fest­stel­lung oder für eine nicht erfolg­te Mel­dung […] oder ande­re der Organ­ent­nah­me ent­ge­gen­ste­hen­de Grün­de erfasst und die Daten der Koor­di­nie­rungs­stel­le [DSO] nach § 11 min­des­tens ein­mal jähr­lich anony­mi­siert über­mit­telt wer­den“[123] (§ 9a Abs. 2 S. 1 Nr. 6 TPG).

Der Gesetz­ge­ber hat sich tat­säch­lich das an Fremd­zwe­cke gebun­de­ne Ver­hält­nis des Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tems zur deut­schen Inten­siv­me­di­zin zu eigen gemacht und sich zur Über­wa­chung der Inten­siv­sta­tio­nen sowie der in dazu ernann­ten ‚Ent­nah­me­kran­ken­häu­sern‘ nicht durch­ge­führ­ten Hirn­tod­dia­gnos­ti­ken bewe­gen las­sen. Doch sind die recht­li­chen Kon­se­quen­zen bei ‚Nicht­aus­schöp­fung‘ des Organ­spen­der­po­ten­zi­als offen geblie­ben. Daher frag­te der Deut­sche Städ­te­tag in sei­ner Stel­lung­nah­me zum Gesetz­ent­wurf von 2018: „Unklar ist, ob ein Sank­ti­ons­sys­tem bestehen soll. Der Ent­wurf lässt durch­bli­cken, dass dies Sache der Lan­des­be­hör­den ist.“[124] Auch pro­ble­ma­ti­sier­te der Städ­te­tag die daten­schutz­recht­li­che Fra­ge: „Die Berech­ti­gung zur unein­ge­schränk­ten Ein­sicht in die Pati­en­ten­ak­ten hal­ten wir aus daten­schutz­recht­li­chen Aspek­ten ohne nach­ge­wie­se­ne Not­wen­dig­keit für pro­ble­ma­tisch.“[125]

Die Geset­zes­no­vel­lie­rung von 2019 droht jedoch nicht nur den Daten­schutz sowie die ärzt­li­che Schwei­ge- und Sorg­falts­pflicht zu ver­let­zen. Viel­mehr bie­tet sie, wie der Inter­nist Ste­phan Sahm erläu­tert, ein Lehr­stück für einen „medi­zin­ethi­schen Damm­bruch“[126].

Denn jetzt sol­len die bis­her mit der Abwick­lung einer Trans­plan­ta­ti­on nach Todes­fest­stel­lung in der Kli­nik beauf­trag­ten Ärz­te die noch leben­den Pati­en­ten auf den Inten­siv- und Not­fall­sta­tio­nen inspi­zie­ren. […] Die Suche nach poten­ti­el­len Organ­spen­dern schon zu Leb­zei­ten unter den Pati­en­ten auf den Inten­siv­sta­tio­nen bedeu­tet einen fun­da­men­ta­len Wan­del der Medi­zin­ethik. Bis­lang konn­ten Schwer­kran­ke damit rech­nen, dass ihre Ärz­te allein ihrem Wohl ver­pflich­tet sind. […] Das ist durch das neue Gesetz nicht mehr gewähr­leis­tet.“ [127]

6. Gesetz zur Stär­kung der Ent­schei­dungs­be­reit­schaft bei der Organ­spen­de vom 16. März 2020[128]

Die Mehr­heit des deut­schen Par­la­ments votier­te im Janu­ar 2020 für den von Anna­le­na Baer­bock (Bünd­nis 90/​Die Grü­nen) und ande­ren Abge­ord­ne­ten ein­ge­brach­ten frak­ti­ons­über­grei­fen­den Grup­pen­an­trag auf die Neu­re­ge­lung des Geset­zes zur „Stär­kung der Ent­schei­dungs­be­reit­schaft bei der Organ­spen­de“. Dar­in wur­de mit kei­nem Wort auf die seit 1968 bis heu­te inter­na­tio­nal umstrit­te­ne Hirn­tod­ver­ein­ba­rung ein­ge­gan­gen.[129] Auch blie­ben die im Vor­feld die­ser Geset­zes­no­vel­lie­rung von meh­re­ren Sei­ten erör­ter­ten medi­zin­ethi­schen und recht­li­chen Kon­flikt­po­ten­zia­le des ‚organ­pro­tek­ti­ven‘ Behand­lungs­kon­zepts vor der Hirn­tod­fest­stel­lung igno­riert.[130] Gegen die von dem dama­li­gen Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) und dem Gesund­heits­exper­ten Karl Lau­ter­bach (SPD) vor­ge­schla­ge­ne Wider­spruchs­lö­sung stimm­ten 379 Abge­ord­ne­te (292 dafür). Mit­un­ter spitz­ten Ver­tre­ter die­ser Rege­lung die Dis­kus­si­on auf stig­ma­ti­sie­ren­de Zuschrei­bun­gen von Men­schen zu, die eine ‚Organ­spen­de‘ ableh­nen und teil­ten die Gesell­schaft in zwei Lager: „auf sich selbst bezo­ge­ne, ego­is­ti­sche Indi­vi­du­en“ auf der einen Sei­te und wer­te­ori­en­tier­te, „hilfs­be­rei­te“, „soli­da­ri­sche Men­schen“ auf der ande­ren Sei­te.[131]

Als Alter­na­ti­ve zur Wider­spruchs­lö­sung ver­folg­te auch der von Anna­le­na Baer­bock und ande­ren Abge­ord­ne­ten ein­ge­brach­te Gesetz­ent­wurf ein ein­zi­ges Ziel: die ver­meint­lich pas­si­ve Organ­spen­de­be­reit­schaft in der Bevöl­ke­rung in die Tat umzu­set­zen und die Zahl von ‚Organ­spen­dern‘ zu erhö­hen. Für die­sen Zweck sieht die Reform die Ein­rich­tung einer bun­des­wei­ten Daten­bank „für Erklä­run­gen zur Organ- und Gewe­be­spen­de“ (§ 2a) beim Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel und Medi­zin­pro­duk­te vor, so dass die Organ- und Gewe­be­spen­de­be­reit­schaft mög­lichst jedes ein­zel­nen Bür­gers digi­tal abruf­bar wird. Aus­kunfts­be­rech­tig­te Ärz­te und Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­te erhal­ten nach der Fest­stel­lung des ‚Hirn­to­des‘ Ein­sicht in das Regis­ter. Der Titel des Geset­zes „Stär­kung der Ent­schei­dungs­be­reit­schaft“ kün­digt den Kern der Geset­zes­no­vel­lie­rung an: Die nächs­ten Ange­hö­ri­gen von Pati­en­ten mit einer schwe­ren Hirn­schä­di­gung sind für die Opti­on einer ‚Organ­spen­de‘ nur noch dann ein­zu­be­zie­hen, wenn kein Ein­trag zur Organ­spen­de­be­reit­schaft der betref­fen­den Per­son vorliegt.

Die­se Reform trat zwar am 1. März 2022 in Kraft, doch ange­sichts der Coro­na-Pan­de­mie und der über­las­te­ten ‚Ent­nah­me­kran­ken­häu­ser‘ konn­te das Online-Regis­ter für ‚Erklä­run­gen zur Organ- und Gewe­be­spen­de‘ bis März 2023 nicht in Betrieb genom­men werden.

Das „Gesetz zur Stär­kung der Ent­schei­dungs­be­reit­schaft“ knüpft an den obli­ga­to­ri­schen Gang zur Aus­weis­stel­le von Min­der­jäh­ri­gen ab dem 16. voll­ende­ten Lebens­jahr bis hin zu Men­schen im Grei­sen­al­ter an: Die zustän­di­gen Stel­len des Bun­des und der Län­der haben bei der „Bean­tra­gung, Ver­län­ge­rung oder per­sön­li­chen Abho­lung von Per­so­nal­aus­wei­sen, Päs­sen oder Pass­ersatz­pa­pie­ren sowie eID-Kar­ten“ [Online-Aus­weis­funk­ti­on] sicher­zu­stel­len, „dass die Abga­be einer Erklä­rung zur Organ- und Gewe­be­spen­de vor Ort erfol­gen kann“[132] (§ 2 Abs. 1 S. 9 TPG). Auch sind die Aus­weis­stel­len ver­pflich­tet, Auf­klä­rungs­ma­te­ri­al und Organ­spen­de­aus­wei­se aus­zu­hän­di­gen bzw. bei einer elek­tro­ni­schen Antrag­stel­lung zu ver­sen­den. Aus­län­der­be­hör­den haben dafür zu sor­gen, dass „mehr­spra­chi­ge Organ­spen­de­aus­wei­se und […] Auf­klä­rungs­un­ter­la­gen von der Bun­des­zen­tra­le für gesund­heit­li­che Auf­klä­rung zur Ver­fü­gung ste­hen“[133] (§ 2 Abs. 1 S. 11 TPG).

Aber die von der BZgA ver­brei­te­ten ‚Auf­klä­rungs­un­ter­la­gen‘ sind eher in die Rubrik ‚Des­in­for­ma­ti­on‘ ein­zu­rei­hen. Sie tra­gen zu einer sys­te­ma­ti­schen „Ver­schleie­rung der letz­ten Din­ge“[134] bei, wie der Staats­recht­ler Prof. Dr. Wolf­ram Höf­ling und der Pal­lia­tiv­me­di­zi­ner Prof. Dr. Jür­gen in der Schmit­ten die unzu­rei­chen­de Auf­klä­rung der Bevöl­ke­rung über eine ‚Organ­spen­de‘ cha­rak­te­ri­sie­ren. Denn in den Novel­lie­run­gen der Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz­ge­bung (2019/2020) blieb die grund­le­gen­de Fra­ge aus­ge­klam­mert, wie im Rah­men einer aus­sichts­los gewor­de­nen Inten­siv­the­ra­pie zu ent­schei­den ist: wenn ein Mensch per Pati­en­ten­ver­fü­gung sich schrift­lich oder auch gegen­über sei­ner Fami­lie münd­lich gegen eine lebens­er­hal­ten­de Behand­lung bei einer infaus­ten Pro­gno­se aus­ge­spro­chen, gleich­zei­tig aber eine posi­ti­ve Ein­stel­lung zur Organ­spen­de geäu­ßert oder schrift­lich nie­der­ge­legt hat.

Soll­te in Pati­en­ten­ver­fü­gun­gen eine schmerz­lin­dern­de pal­lia­tiv­me­di­zi­nisch betreu­te Begren­zung der Inten­siv­the­ra­pie gewünscht und gleich­zei­tig die Bereit­schaft zur ‚Organ­spen­de‘ doku­men­tiert sein, lie­gen zwei wider­sprüch­li­che, mit­ein­an­der nicht zu ver­ein­ba­ren­de Wil­lens­be­kun­dun­gen vor. Die­ses häu­fi­ger auf­tre­ten­de Phä­no­men ist wie­der­um den seit Jahr­zehn­ten geführ­ten Wer­be­kam­pa­gnen geschul­det. Mit Bedacht ent­hal­ten sie kei­ne Auf­klä­rung über die kon­kre­ten und kom­ple­xen Bedin­gun­gen einer ‚Organ­spen­de‘. So pro­ble­ma­ti­sie­ren die Medi­zin­ethi­ke­rin Prof. Dr. Bet­ti­na Schö­ne-Sei­fert und ande­re Autoren, „dass wohl die meis­ten Spen­de­wil­li­gen […] rela­tiv wenig über die genaue­ren Zusam­men­hän­ge zwi­schen Organ­spen­de und Hirn­tod­dia­gnos­tik“[135] wis­sen. Ein beson­ders gro­ßes Infor­ma­ti­ons­de­fi­zit bestehe, wenn es um die Unter­schei­dung zwi­schen einer ‚pati­en­ten­zen­trier­ten‘ und einer ‚spen­de­zen­trier­ten‘ The­ra­pie geht.

Tat­säch­lich berück­sich­tig­te der Gesetz­ge­ber noch in der Novel­lie­rung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes (Ent­schei­dungs­lö­sung) von 2012 die­ses ethi­sche Minen­feld, das eine erklär­te Organ­spen­de­be­reit­schaft und eine Pati­en­ten­ver­fü­gung in sich ber­gen kann. Daher wur­den die BZgA sowie die Kran­ken­kas­sen gesetz­lich ver­pflich­tet, über die „Bedeu­tung einer zu Leb­zei­ten abge­ge­be­nen Erklä­rung zur Organ- und Gewe­be­spen­de, auch im Ver­hält­nis zu einer Pati­en­ten­ver­fü­gung“[136] (§ 2 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 TPG-2012) zu informieren.

Die­ser Ver­pflich­tung sind die Kran­ken­kas­sen nicht erkenn­bar nach­ge­kom­men. In der Regel erschöpft sich deren Bei­trag in der pos­ta­li­schen Ver­sen­dung meh­re­rer Organ­spen­de­aus­wei­se an ihre Mit­glie­der. Dar­auf ist die in die Irre füh­ren­de For­mu­lie­rung ankreuz­bar, dass sich die erklär­te Organ­spen­de­be­reit­schaft ein­zig und allein auf die Pha­se ‚nach mei­nem Tod‘ bezieht. Die gesam­te Pro­ble­ma­tik um die inten­siv­me­di­zi­ni­sche Lebens­ver­län­ge­rung für den Zweck der Organ­ge­win­nung bleibt im Dunkeln.

Auf der Web­sei­te der BZgA fin­det sich unter den zahl­rei­chen Bro­schü­ren zum The­ma ‚Organ­spen­de‘ ein Heft: „Mei­ne Erklä­rung zur Organ- und Gewe­be­spen­de. Mög­lich­kei­ten der Doku­men­ta­ti­on in Organ­spen­de­aus­weis und Pati­en­ten­ver­fü­gung.“[137] Nur eine drei­sei­ti­ge Pas­sa­ge behan­delt im letz­ten Drit­tel der Bro­schü­re die Fra­ge, ob es einen „Wider­spruch zwi­schen der Bereit­schaft, Orga­ne zu spen­den und dem Wunsch nach The­ra­pie­li­mi­tie­rung“[138] geben kann – aller­dings ohne ein Wort dar­über zu ver­lie­ren, dass die Alter­na­ti­ve zu einer ‚Organ­spen­de‘ und der damit ver­bun­de­nen lebens­er­hal­ten­den Inten­siv­be­hand­lung eine pal­lia­tiv­me­di­zi­nisch betreu­te Schmerz­the­ra­pie ist. Statt­des­sen ist die grund­le­gen­de Fra­ge im übli­chen trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ni­schen Fach­jar­gon kurz und bün­dig formuliert:

Soll die The­ra­pie ein­ge­stellt und damit die Fest­stel­lung des unum­kehr­ba­ren Aus­falls der gesam­ten Hirn­funk­tio­nen (Hirn­tod) und eine Organ­ent­nah­me aus­ge­schlos­sen wer­den oder soll die The­ra­pie fort­ge­setzt wer­den, damit die Hirn­tod-Dia­gnos­tik durch­ge­führt wer­den kann und bei einer Fest­stel­lung des unum­kehr­ba­ren Aus­falls der gesam­ten Hirn­funk­tio­nen (Hirn­tod) Orga­ne ent­nom­men wer­den kön­nen?“[139]

Die­se Fra­ge wie­der­um fokus­siert den Blick auf die Organ­spen­de­be­reit­schaft und abs­tra­hiert von der kon­kre­ten Situa­ti­on eines inten­siv­me­di­zi­nisch behan­del­ten Koma­pa­ti­en­ten. Wei­ter fin­det sich der für Lai­en unver­ständ­lich for­mu­lier­te Hin­weis: die Inten­siv­the­ra­pie kön­ne sich über einen län­ge­ren Zeit­raum hin­zie­hen oder der erwar­te­te ‚Hirn­tod‘ aus­blei­ben. Gleich­zei­tig ver­zich­tet die BZgA dar­auf, die Mög­lich­keit einer Reani­ma­ti­on zu nen­nen, die in die­ser Pha­se den end­gül­ti­gen Herz­tod ver­hin­dert und den Ster­be­pro­zess rück­gän­gig zu machen ver­sucht, soll­te der poten­zi­el­le Organ­spen­der ein Herz­ver­sa­gen erleiden.

Die Organ­ex­plan­ta­ti­on ist nun­mehr im Sin­ne der Pati­en­ten­au­to­no­mie auch gesetz­lich zu gewähr­leis­ten. Dazu schlägt die BZgA einen Text­bau­stein in einer trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­nisch for­mu­lier­ten Rhe­to­rik vor. Die Ein­wil­li­gung zur ‚Organ­spen­de‘ in Kom­bi­na­ti­on mit einer lebens­er­hal­ten­den Inten­siv­the­ra­pie bleibt für Lai­en zwar unver­ständ­lich. Doch aus juris­ti­scher Per­spek­ti­ve stellt sie recht­lich die kor­rek­ten Wei­chen für die Ver­ein­bar­keit einer Pati­en­ten­ver­fü­gung mit einer Organ­spen­de­er­klä­rung. Außer­dem wur­de die­ser Pas­sus nach Ver­ab­schie­dung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes von 2020 in der von der BZgA und der Bun­des­no­tar­kam­mer her­aus­ge­ge­be­nen Bro­schü­re „Organ­spen­de in der Pati­en­ten­ver­fü­gung“ abgedruckt.

Dar­in ist nun­mehr die büro­kra­ti­sier­te, digi­ta­li­sier­te Doku­men­ta­ti­on der Pati­en­ten­ver­fü­gung für den deutsch­land­wei­ten Zugriff durch Betreu­ungs­ge­rich­te im „Zen­tra­len Vor­sor­ge­re­gis­ter der Bun­des­no­tar­kam­mer“ empfohlen:

Es ist mir bewusst, dass Orga­ne nur nach Fest­stel­lung des unum­kehr­ba­ren Aus­falls der gesam­ten Hirn­funk­ti­on (Hirn­tod) bei auf­recht­erhal­ten­dem Kreis­lauf-Sys­tem und unter künst­li­cher Beatmung ent­nom­men wer­den kön­nen. Des­halb gestat­te ich aus­nahms­wei­se für den Fall, dass bei mir eine Organ­spen­de medi­zi­nisch infra­ge kommt, die kurz­fris­ti­ge (ca. 72 Stun­den) Durch­füh­rung inten­siv­me­di­zi­ni­scher Maß­nah­men zur Bestim­mung des Hirn­tods nach den Richt­li­ni­en der Bun­des­ärz­te­kam­mer und zur anschlie­ßen­den Ent­nah­me der Orga­ne. Außer­dem stim­me ich der Durch­füh­rung von inten­siv­me­di­zi­ni­schen Maß­nah­men zu, die zum Schutz der Orga­ne bis zu ihrer Ent­nah­me erfor­der­lich sind. Ent­spre­chen­des soll auch für den Fall gel­ten, dass zu erwar­ten ist, dass der unum­kehr­ba­re Aus­fall der gesam­ten Hirn­funk­tio­nen (Hirn­tod) in weni­gen Tagen ein­tre­ten wird.“[140]

Die Ant­wort auf die Fra­ge, ob „eines der bei­den Doku­men­te – Organ­spen­de­aus­weis bzw. Pati­en­ten­ver­fü­gung – Vor­rang vor dem ande­ren haben?“[141], ver­neint die BZgA. Wie­der­um wird die Ein­hal­tung des Selbst­be­stim­mungs­rechts ins Feld geführt und eine Pati­en­ten­ver­fü­gung mit einem Organ­spen­de­aus­weis recht­lich auf eine Ebe­ne gestellt:

Der Wil­le der Pati­en­tin bezie­hungs­wei­se des Pati­en­ten ist recht­lich und ethisch maß­geb­lich. Er ist von den Ärz­tin­nen und Ärz­ten zu beach­ten. Pati­en­ten­ver­fü­gung und Organ­spen­de­aus­weis sind jeweils Mit­tel, den Pati­en­ten­wil­len fest­zu­hal­ten. Sofern die Pati­en­tin bezie­hungs­wei­se der Pati­ent bei­de Erklä­run­gen ver­fasst hat, müs­sen die­se im Ein­zel­fall auch jeweils bei der Ermitt­lung des Pati­en­ten­wil­lens berück­sich­tigt wer­den. Ein gene­rel­ler Vor­rang eines der bei­den Doku­men­te zur Ermitt­lung des Pati­en­ten­wil­lens besteht daher nicht.“[142]

Die­se fri­vo­le Ver­eindeu­ti­gung[143] unter­schlägt wie­der­um die seit Jah­ren in Deutsch­land geführ­te Fach­dis­kus­si­on, in der die Gleich­wer­tig­keit bei­der Doku­men­te ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund des all­ge­mein herr­schen­den Wis­sens­de­fi­zits höchst umstrit­ten ist. So erklär­ten 2017 die Rechts­me­di­zi­ner Prof. Dr. Mar­kus Par­zel­ler, Bar­ba­ra Zed­ler und Prof. Dr. Mar­cel A. Ver­hoff vom Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum der Goe­the-Uni­ver­si­tät (Frank­furt am Main) unter dem Titel „Recht­li­che Grau­zo­ne“ im Deut­schen Ärzteblatt:

Ob ein Kreuz zur Organ­spen­de auf dem Organ­spen­de­aus­weis […] aus­reicht, eine mut­maß­li­che Ein­wil­li­gung des ster­ben­den (aber noch leben­den) oder des bereits ver­stor­be­nen ‚Hirn­to­ten‘ für die­se The­ra­pie abzu­lei­ten, ist als all­ge­mein­gül­ti­ge Aus­sa­ge eine nicht beleg­te Fik­ti­on und im Hin­blick auf die Recht­spre­chung zur Kon­kre­ti­sie­rung von Pati­en­ten­ver­fü­gun­gen mehr als frag­lich (BGH, 6. 7. 2016 – XII ZB 61/16 […]). Bei einer the­ra­pie­be­gren­zen­den Pati­en­ten­ver­fü­gung, die inten­siv­me­di­zi­ni­sche Maß­nah­men bei infaus­ter Pro­gno­se aus­schließt, kann dem Kreuz kaum ein Vor­rang unter­stellt wer­den. Trotz der mit der Ent­schei­dungs­lö­sung vor­ge­se­he­nen Auf­klä­rung der Bevöl­ke­rung nach § 2 TPG lässt sich den Infor­ma­ti­ons­bro­schü­ren der ein­schlä­gi­gen Orga­ni­sa­tio­nen zur organ­spe­zi­fi­schen The­ra­pie so gut wie nichts ent­neh­men. War­um wohl? Gut infor­mier­te Pati­en­ten wür­den ein sol­ches Pro­ze­de­re viel­leicht ableh­nen“.[144]

Da sich die Mehr­heit der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten dar­auf ein­ge­schwo­ren hat­te, mit die­ser Reform die Organ­spen­der­zah­len zu erhö­hen, blieb die recht­li­che Grau­zo­ne auf­recht­erhal­ten. Sei­tens des Gesetz­ge­bers gab es kei­ner­lei Ver­su­che, die BZgA sowie die Kran­ken­kas­sen zu einer für Lai­en ver­ständ­li­chen Auf­klä­rung des Wider­spruchs zwi­schen einer in Pati­en­ten­ver­fü­gun­gen häu­fig nie­der­ge­leg­ten Unter­sa­gung einer sinn­lo­sen lebens­ver­län­gern­den Inten­siv­the­ra­pie und der Organ­spen­de­be­reit­schaft zu verpflichten.

Für das poli­tisch gesteck­te Ziel ‚Erhö­hung von Organ­spen­der­zah­len‘ sieht das Gesetz ein bun­des­wei­tes Online-Regis­ter vor, das vom Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel- und Medi­zin­pro­duk­te (BfArM) anzu­le­gen ist. Dar­in sind neben der Organ- und Gewe­be­spen­de-Erklä­rung per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten wie „Vor­na­men, Fami­li­en­na­men, Geburts­da­tum und Geburts­ort, Anschrift und E‑Mail-Adres­se“ (§ 2a Abs. 3 S. 1 Nr. 1a TPG) digi­tal zu spei­chern.[145] Die im Regis­ter abruf­ba­ren Infor­ma­tio­nen über die Organ- und Gewe­be­spen­de­be­reit­schaft ein­zel­ner Per­so­nen dür­fen in den ent­schei­den­den Situa­tio­nen „an einen Arzt oder Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten“ wei­ter­ge­ge­ben wer­den, „der von einem Kran­ken­haus dem Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel- und Medi­zin­pro­duk­te als aus­kunfts­be­rech­tigt benannt wur­de“[146] (§ 2a Abs. 4 S. 1 TPG).

Aber wie der Titel die­ser Daten­bank ver­heißt, han­delt es sich auch um ein Regis­ter zum Abruf von ‚Gewe­be­spen­dern‘. Men­schen, die sich dazu bereit erklä­ren, müs­sen nicht zwangs­läu­fig ‚Organ­spen­der‘, also Inten­siv­pa­ti­en­ten mit einer schwe­ren Hirn­schä­di­gung, sein. So ist die Gewe­be­ge­win­nung nicht auf die sehr klei­ne Grup­pe von ‚hirn­to­ten’ Pati­en­ten ange­wie­sen. Wäh­rend der Anteil jener Men­schen, die noch vor dem Herz­tod ein Hirn­ver­sa­gen (‚Hirn­tod’) auf einer Inten­siv­sta­ti­on erlei­den, unter den Ver­stor­be­nen etwa nur bei etwa 0,3 Pro­zent liegt,[147] ist das Poten­zi­al von Gewe­be­spen­dern ungleich viel grö­ßer. Schließ­lich kom­men dafür etwa 80 Pro­zent der in Kran­ken­häu­sern ver­stor­be­nen Pati­en­ten in Betracht. Bei­spiels­wei­se stan­den 2018 in Deutsch­land 955 Organ­spen­der zur Ver­fü­gung,[148] im sel­ben Jahr 2.732 Gewe­be­spen­der, von denen nur etwa zehn Pro­zent Koma­pa­ti­en­ten mit einem Hirn­ver­sa­gen waren.[149] Auch im ‚Coro­na-Jahr‘ 2020 blieb die Zahl der Gewe­be­spen­der (2.764) im Ver­gleich zu Organ­spen­dern (913) drei­mal so hoch. Der pro­zen­tua­le Anteil (11,5) beweg­te sich auf einem ähn­li­chen Niveau wie in den Jah­ren zuvor.[150]

Die Gewe­be­ge­win­nung ist zwar ein urei­ge­ner Bereich der unter einem Han­dels­ver­bot ste­hen­den Organ­ver­pflan­zungs­me­di­zin. Inso­fern betrei­ben Trans­plan­ta­ti­ons­zen­tren auch eige­ne Gewe­be­ban­ken. Doch in den letz­ten Jahr­zehn­ten hat sich dar­aus ein eigen­stän­di­ger Zweig ent­wi­ckelt. 1997 grün­de­te die DSO ein Toch­ter­un­ter­neh­men: die Gemein­nüt­zi­ge Gesell­schaft für Gewe­be­trans­plan­ta­tio­nen (DSO‑G). Aber erst 2007, als in Deutsch­land ein neu­es Gewe­be­ge­setz ver­ab­schie­det wur­de, trenn­te sich die DSO‑G räum­lich sowie auch recht­lich von der DSO und grün­de­te die Deut­sche Gesell­schaft für Gewe­be­trans­plan­ta­ti­on mbH (DGFG). Eige­ne Koor­di­na­to­ren der DGFG orga­ni­sie­ren die Gewe­be­ent­nah­men und kom­men bei Ster­be­fäl­len in die Kran­ken­häu­ser, um vor Ort mit den Ange­hö­ri­gen „über die Mög­lich­keit der Gewe­be­spen­de [zu] spre­chen“[151], wie es auf dem Pres­se­por­tal die­ser gemein­nüt­zi­gen Gesell­schaft heißt. Aber allein bei der Gewe­be­ge­win­nung von ‚Organ­spen­dern‘ fin­det zwi­schen der DSO und der DGFG wei­ter­hin eine enge Koope­ra­ti­on statt.

Obwohl in der Wer­bung um Gewe­be­spen­de obli­ga­to­risch her­vor­ge­ho­ben wird, sie sei frei von kom­mer­zi­el­len Inter­es­sen, sind die Gren­zen zwi­schen dem nicht indus­tri­ell und kom­mer­zi­ell ver­ar­bei­te­ten Gewe­be flie­ßend geblie­ben.[152] Denn Gewe­be unter­liegt dem Arz­nei­mit­tel­ge­setz, und die­ser Sta­tus hebt das für Orga­ne gel­ten­de Han­dels­ver­bot wie­der­um auf.[153] Schon das ers­te Toch­ter­un­ter­neh­men der DSO, die DSO‑G, arbei­te­te von vorn­her­ein mit einer Fir­ma zusam­men. Bereits in den 1990er Jah­ren wur­den die Umsät­ze der Gewe­be­ge­win­nung auf Mil­li­ar­den­hö­he geschätzt.[154] Seit­her ist die­se gewinn­träch­ti­ge Wei­ter­ver­ar­bei­tung von mensch­li­chem Gewe­be kon­ti­nu­ier­lich expandiert.

Unter der Über­schrift „Bewusst Gewe­be spen­den: DGFG för­dert öffent­li­che Auf­klä­rung“ wird auf die Unter­stüt­zung der auch für die Wer­be­kam­pa­gnen für ‚Organ­spen­de‘ zustän­di­gen BZgA hin­ge­wie­sen. In Deutsch­land ver­buch­te die DGFG bis 2020 einen Höchst­wert mit 2.816 Gewe­be­spen­dern, deren Ent­nah­me in über 100 deut­schen Kran­ken­häu­sern rea­li­siert wur­den.[155] Und wie die Rechts­wis­sen­schaft­le­rin Anne Fröh­lich berich­tet, „konn­te“ schon in den 2000er Jah­ren „ein Ver­stor­be­ner bis zu 60 Pati­en­ten mit Gewe­be­er­satz ver­sor­gen“.[156]

Vor dem Hin­ter­grund der stän­dig stei­gen­den Nach­fra­ge von mensch­li­chem Gewe­be könn­te das neue Online-Regis­ter für Erklä­run­gen zur Organ- und Gewe­be­spen­de einen Bei­trag für eine wei­te­re Erhö­hung der Zahl von Gewe­be­spen­dern leis­ten. Aber der DGFG ist bis jetzt der Zugriff auf die­se Daten­bank ver­wehrt. So beklagt der Geschäfts­füh­rer Mar­tin Bör­gel die im Deut­schen Bun­des­tag herr­schen­de „Unkennt­nis über die Pro­zes­se der Gewe­be­spen­de“[157]. Denn das neue Gesetz erlaubt aus­schließ­lich den bevoll­mäch­tig­ten Kli­nik­an­ge­stell­ten mit einem elek­tro­ni­schen Heil­be­ru­fe-Aus­weis die Ein­sicht in das Gewe­be­spen­de­re­gis­ter. Doch die DGFG pocht ein­dring­lich dar­auf, die Zugriffs­be­schrän­kung noch recht­zei­tig vor Inbe­trieb­nah­me des Online­re­gis­ters auf­zu­he­ben. Ansons­ten gefähr­de die­se gesetz­li­che Rege­lung „die Pati­en­ten­ver­sor­gung erheb­lich“ und füh­re „zu einem Aus­brem­sen unse­rer Arbeit der Gewe­be­spen­de“ [158].

Soll­te sich der Gesetz­ge­ber zu einer Ände­rung der Zugriffs­be­rech­ti­gung auf das Online-Regis­ter für Organ- und Gewe­be­spen­der hin­rei­ßen las­sen, könn­ten die Zahl der Gewe­be­spen­der dras­tisch erhöht und der Gang von Gewe­be­spen­de­ko­or­di­na­to­ren in die Kli­ni­ken für die Ange­hö­ri­gen­ge­sprä­che redu­ziert wer­den. Men­schen, die sich auf Bür­ger­äm­tern in die Daten­bank ohne Ein­schrän­kung als Spen­der ein­tra­gen las­sen, wären unab­hän­gig von ihrer Organ­spen­de­be­reit­schaft gleich­sam poten­zi­el­le Gewe­be­spen­der. Nach ihrem Tod dür­fen bis ins hohe Alter Kno­chen (Becken­kamm, Röh­ren­kno­chen, gan­ze Gelen­ke etc.), Haut, Bän­der, Mus­keln, Rip­pen­knor­pel, Blut­ge­fä­ße (Arte­ri­en, Venen), Weich­teil­ge­we­be (Seh­nen, Bin­de­ge­we­be), Augen­horn­häute oder Herz­klap­pen ent­nom­men wer­den.[159]

Außer­dem sieht die Geset­zes­no­vel­le eine Ver­an­ke­rung der Organ- und Gewe­be­spen­de in der ärzt­li­chen Aus­bil­dung durch eine Ände­rung der Appro­ba­ti­ons­ord­nung für Ärz­te vor. Die medi­zi­ni­schen, recht­li­chen sowie ethi­schen Vor­aus­set­zun­gen der Organ- und Gewe­be­trans­plan­ta­ti­on sind zum obli­ga­to­ri­schen Bestand­teil der medi­zi­ni­schen Aus­bil­dung zu machen (Arti­kel 3).[160] Ent­spre­chend sol­len auch Haus­ärz­te mit einem Ver­gü­tungs­an­spruch (alle zwei Jah­re) für ein etwa fünf­mi­nü­ti­ges Gespräch „ihre Pati­en­ten regel­mä­ßig dar­auf hin­wei­sen, dass sie mit Voll­endung des 16. Lebens­jah­res eine Erklä­rung zur Organ- und Gewe­be­spen­de abge­ben, ändern und wider­spre­chen […] kön­nen“[161] (Arti­kel 1 § 2 Abs. 1a S. 1 TPG).

Zugleich schreibt die Reform eine Ände­rung der Fahr­erlaub­nis-Ver­ord­nung vor, so dass beim Erwerb des Füh­rer­scheins ein „Grund­wis­sen zur Organ- und Gewe­be­spen­de, ein­schließ­lich der Mög­lich­kei­ten, die Ent­schei­dung über die per­sön­li­che Spen­den­be­reit­schaft zu doku­men­tie­ren“[162] ist (Arti­kel 4 Gesetz zur Stär­kung der Ent­schei­dungs­be­reit­schaft bei der Organ­spen­de und § 19 Abs. 1 Fahr­erlaub­nis Ver­ord­nung vom 23. Dezem­ber 2019).

Wur­de im „Gesetz zur Ver­bes­se­rung der Zusam­men­ar­beit und der Struk­tu­ren bei der Organ­spen­de“ von 2019 die viel­fach ange­mahn­te Rechts­un­si­cher­heit nicht zu klä­ren ver­sucht, so leg­te im Gegen­satz dazu das „Gesetz zur Stär­kung der Ent­schei­dungs­be­reit­schaft bei der Organ­spen­de“ von 2020 eines prä­zi­se fest: den Zeit­punkt der von Ärz­ten und Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten zu gewäh­ren­den Ein­sicht­nah­me in das Regis­ter für Erklä­run­gen zur Organ- und Gewe­be­spen­de. Ohne Inter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum ist vor­ge­schrie­ben, dass der Zugriff auf das Online-Regis­ter aus­schließ­lich nach der Hirn­tod­dia­gnos­tik gestat­tet ist:

Ein als aus­kunfts­be­rech­tigt bekann­ter Arzt oder Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ter darf eine Aus­kunft zu einem mög­li­chen Organ- oder Gewe­be­spen­der erst erfra­gen, wenn der Tod des mög­li­chen Organ- oder Gewe­be­spen­ders […] fest­ge­stellt wor­den ist.“[163] (§ 2a Abs. 4 S. 2 TPG-2020)

Neben der DGFG leg­ten wei­te­re Kol­le­gen vom Fach ihre Veto ein, das sich wie­der­um auf die in der Poli­tik herr­schen­de Unwis­sen­heit über den Organ­spen­de­pro­zess bezieht: Prof. Dr. Uwe Jans­sens – zwi­schen 2019 und 2020 Prä­si­dent der DIVI sowie Chef­arzt der Kli­nik für Inne­re Medi­zin und Inter­nis­ti­sche Inten­siv­me­di­zin am St.-Antonius Hos­pi­tal in Esch­wei­ler – und Prof. Dr. Klaus Hah­nen­kamp, Spre­cher der Sek­ti­on Organ­spen­de und Organ­trans­plan­ta­ti­on der DIVI, erho­ben unmit­tel­bar nach der par­la­men­ta­ri­schen Beschluss­fas­sung im Janu­ar 2020 gegen die zeit­li­che Fixie­rung der Abfra­ge Einspruch.

Unter der Über­schrift „Der Zeit­punkt der Ein­sicht­nah­me in das Regis­ter muss ver­än­dert wer­den“[164] for­der­te Jans­sens nach­drück­lich eine Kor­rek­tur die­ses Geset­zes. Schließ­lich stün­den die Prä­mis­sen der Pati­en­ten­au­to­no­mie bei der Ent­schei­dung ent­we­der für ein pal­lia­tiv­me­di­zi­nisch betreu­tes Ster­ben oder für die spe­zi­el­le ‚spen­de­zen­trier­te‘ Wei­ter­be­hand­lung von poten­zi­el­len ‚Organ­spen­dern‘ auf dem Spiel. Doch her­vor­zu­he­ben ist: Im Gegen­satz zu einer pal­lia­ti­ven Behand­lung eines ster­ben­den Men­schen ist die ‚organ­pro­tek­ti­ve Inten­siv­the­ra­pie‘ allein durch den letz­ten Wil­len, als Organ­spen­der die­nen zu wol­len, unter dem Aspekt der Selbst­be­stim­mung gerecht­fer­tigt, nicht aber medi­zi­nisch begründbar.

Vor die­sem Hin­ter­grund bekräf­tig­te auch Klaus Hah­nen­kamp: „Die Ein­sicht­nah­me in ein zukünf­ti­ges Regis­ter erst NACH Fest­stel­lung eines irr­rever­si­blen Hirn­funk­ti­ons­aus­falls (IHA) ist nicht prak­ti­ka­bel und wider­spricht der geleb­ten Pra­xis der Pati­en­ten­au­to­no­mie“.[165] Er beton­te die hohe Bedeu­tung der Pha­se vor der Hirn­tod­fest­stel­lung für den Beginn des ‚Organ­spen­de­pro­zes­ses‘ durch die zweck­ori­en­tier­te ‚organ­pro­tek­ti­ve‘ Behand­lungs­stra­te­gie: „Die­ser Zeit­raum VOR Fest­stel­lung des IHA erscheint uns wesent­lich […] ent­schei­den­der für die Ver­wirk­li­chung von Organ­spen­den.“ [166] Hah­nen­kamp ver­an­schau­lich­te die Entscheidungssituation:

‘Ergibt aber die Ein­sicht­nah­me in das geplan­te Regis­ter, dass der Pati­ent eine Organ­spen­de ablehnt, wür­den die inten­siv­me­di­zi­ni­schen Maß­nah­men an die­sem Punkt been­det und ein pal­lia­ti­ves Kon­zept mit Ster­be­be­glei­tung umge­setzt wer­den‘“[167].

Soll­te die doku­men­tier­te Organ­spen­de­be­reit­schaft von Pati­en­ten erst nach Abschluss der Hirn­tod­dia­gnos­tik abge­fragt wer­den kön­nen, wäre eine Organ­spen­de durch ein zuvor pal­lia­tiv betreu­tes Ster­ben ent­we­der hin­fäl­lig oder umge­kehrt: die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ne Maxi­mie­rung der Spen­der­zah­len gewährt gleich­sam einen sehr viel grö­ße­ren Spiel­raum als bis­her. Bei allen Per­so­nen mit einem abseh­ba­ren Hirn­ver­sa­gen dürf­te das ‚The­ra­pie­ziel Hirn­tod‘ zum Zuge kom­men. Men­schen, die in einer Pati­en­ten­ver­fü­gung im Fal­le ihres Ster­bens eine sinn­los gewor­de­ne inten­siv­me­di­zi­ni­sche ableh­nen, könn­ten je nach Prio­ri­sie­rung des Geset­zes (BGB ver­sus TPG) gegen ihren Wil­len bis zur abge­schlos­se­nen Hirn­tod­dia­gnos­tik inten­siv­me­di­zi­nisch län­ger am Leben erhal­ten wer­den, um erst nach dem Hirn­ver­sa­gen das Organ­spen­de­re­gis­ter abfra­gen zu kön­nen[168] – eine Maß­nah­me, die bei einer abge­lehn­ten Organ­spen­de als schwe­re Kör­per­ver­let­zung aus­leg­bar ist.

7. Ände­rung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes durch Arti­kel 10 und 15d des Geset­zes zur Wei­ter­ent­wick­lung der Gesund­heits­ver­sor­gung (Gesund­heits­ver­sor­gungs­wei­ter­ent­wick­lungs­ge­setz – GVWG) vom 11. Juli 2021

Wäh­rend die Reform der Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz­ge­bung vom deut­schen Par­la­ment im Janu­ar 2020 rund zwei Stun­den öffent­lich­keits­wirk­sam dis­ku­tiert wur­de, erfolg­te still und lei­se eine wei­te­re Novel­lie­rung im Rah­men der Ver­ab­schie­dung des 49 Sei­ten umfas­sen­den Geset­zes zur Wei­ter­ent­wick­lung der Gesund­heits­ver­sor­gung (GVWG). Dabei ging es in ers­ter Linie um die anläss­lich der Coro­na-Kri­se in Angriff genom­me­ne Pfle­ge­re­form und deren Finan­zie­rung. Am 11. Juni 2021 beschloss der Deut­sche Bun­des­tag in einer halb­stün­di­gen Debat­te die­ses soge­nann­te Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz.

Es ent­hält zwei Ände­run­gen der Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz­ge­bung: Zum einen wur­de eine Novel­lie­rung des ‚Geset­zes zur Stär­kung der Ent­schei­dungs­be­reit­schaft‘ bei der Organ­spen­de (2020) durch Arti­kel 10 vor­ge­nom­men,[169] zum ande­ren eine Abwand­lung des ‚Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes‘ durch Arti­kel 15d GVWG ohne par­la­men­ta­ri­sche Debat­te ganz am Ende auf ein­ein­halb Sei­ten ein­ge­pflegt.[170]

Die Neu­re­ge­lun­gen erfolg­ten ver­mut­lich als Reak­ti­on auf die von Ver­tre­tern der DIVI ver­lang­ten Ein­sicht­nah­me in das Organ­spen­de­re­gis­ter vor der Hirn­tod­dia­gnos­tik. So räum­te der Gesetz­ge­ber in Arti­kel 10 (GVWG) den Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten und aus­kunfts­be­rech­tig­ten Ärz­ten die Regis­ter­in­for­ma­ti­on bereits vor Ein­tritt des ‚Hirn­to­des‘ ein (§ 2a Abs. 4 S. 2 Nr. 2 TPG-2021). [171] Außer­dem wur­de in Arti­kel 15d (GVWG) die Aus­kunfts­pflicht gegen­über der organ­ent­neh­men­den Sei­te zeit­lich vor­ver­legt. Dadurch dür­fen auch in die Organ­ge­win­nung invol­vier­te Ärz­te schon vor der Hirn­tod­fest­stel­lung ein­be­zo­gen werden: 

Die Aus­kunft […] darf […] in Behand­lungs­si­tua­tio­nen, in denen der nicht beheb­ba­re Aus­fall der Gesamt­funk­ti­on des Groß­hirns, des Klein­hirns und des Hirn­stamms des möglichen Organ-oder Gewe­be­spen­ders unmit­tel­bar bevor­steht oder als bereits ein­ge­tre­ten ver­mu­tet wird, von Ärzten, die den möglichen Organ- oder Gewe­be­spen­der behan­deln, ein­ge­holt wer­den.“[172] (§ 7 Abs. 3 S. 3 TPG-2021).

Da der Zeit­raum zwi­schen dem erwar­te­ten und dem nach­weis­ba­ren Hirn­ver­sa­gen nicht wirk­lich vor­aus­seh­bar ist, kann sich die Ster­be­pha­se von poten­zi­el­len ‚Organ­spen­dern‘ in die Län­ge zie­hen und ist fle­xi­bel. In dem oben zitier­ten Text­bau­stein der BZgA sind „weni­ge Tage“ oder „ca. 72 Stun­den“ genannt. Nun­mehr dür­fen exter­ne Medi­zi­ner, die jenes trans­plan­ta­ti­ons­ori­en­tier­te ‚Spen­der­ma­nage­ment‘ pro­fes­sio­nell durch­füh­ren, vor dem dia­gnos­ti­zier­ten Hirn­ver­sa­gen in die dra­ma­ti­sche Behand­lungs­si­tua­ti­on und The­ra­pie der betref­fen­den Pati­en­ten invol­viert wer­den. Folg­lich hat man das in allen bis­he­ri­gen Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz­ge­bun­gen bei­be­hal­te­ne Prin­zip auf­ge­ge­ben, die Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin von der Inten­siv­the­ra­pie eines noch leben­den Pati­en­ten mit einer schwe­ren Hirn­schä­di­gung per­so­nell zu tren­nen und somit vor Fremd­in­ter­es­sen zu schützen.

Ent­spre­chend darf auch die DSO an dem Pro­ze­de­re der Hirn­tod­dia­gnos­tik einen Part übernehmen:

Soll­te „ein Ent­nah­me­kran­ken­haus nicht über Ärz­te, die für die Fest­stel­lung des end­gül­ti­gen, nicht beheb­ba­ren Aus­falls der Gesamt­funk­ti­on des Groß­hirns, des Klein­hirns und des Hirn­stamms bei einem Pati­en­ten qua­li­fi­ziert sein, […], ver­mit­telt die Koor­di­na­ti­ons­stel­le […] auf Anfra­ge hier­für qua­li­fi­zier­te Ärz­te“[173] (§ 9a Abs. 2 S. 2 TPG-2021).

Par­al­lel dazu ist es unter dem Schlei­er der Pati­en­ten­au­to­no­mie erlaubt, die Ange­hö­ri­gen von Inten­siv­pa­ti­en­ten mit einem dro­hen­den Hirn­ver­sa­gen so weit als mög­lich aus­zu­schlie­ßen. Denn das geän­der­te Trans­plan­ta­tions­ge­setz schreibt vor: Der nächs­te Ange­hö­ri­ge ist zu der Organ­spen­de­be­reit­schaft sei­nes Fami­li­en­mit­glieds erst dann zu befra­gen, wenn die nach der Hirn­tod­fest­stel­lung zu gewäh­ren­de Ein­sicht in das Regis­ter für Erklä­run­gen zur Organ- und Gewe­be­spen­de ergibt, dass sich der betref­fen­de Pati­ent weder für noch gegen eine ‚Organ­spen­de‘ offi­zi­ell erklärt hat (§ 4 Abs. 1 S. 1 TPG-2021).[174] Die­se Geset­zes­än­de­rung kann so aus­ge­legt wer­den, dass die Fami­lie von poten­zi­el­len ‚Organ­spen­dern‘ in der Pha­se vor der Hirn­tod­fest­stel­lung nicht mehr in die Ent­schei­dung für eine pal­lia­ti­ve Behand­lung bzw. dazu alter­na­tiv für eine auf die Organ­ge­win­nung ori­en­tier­te, lebens­ver­län­gern­de Inten­siv­the­ra­pie ein­zu­be­zie­hen ist.

Gleich­wohl steht eine sol­che Vor­ge­hens­wei­se im Wider­spruch zu der im BGB medi­zin­recht­lich ver­an­ker­ten Pflicht der behan­deln­den Ärz­te gegen­über eines noch leben­den Pati­en­ten. Für jeden medi­zi­ni­schen Ein­griff in den Kör­per müs­sen sie ein Ein­ver­ständ­nis des betref­fen­den Men­schen oder eben im Fal­le sei­ner Nicht­ein­wil­li­gungs­fä­hig­keit der dazu berech­tig­ten Per­son ein­ho­len (§ 630d Abs. 1 S. 1 und 2 BGB). Nur eine Pati­en­ten­ver­fü­gung mit einer ent­spre­chen­den Organ­spen­de­er­klä­rung oder die Zustim­mung eines dazu auto­ri­sier­ten Men­schen (gesund­heits­be­voll­mäch­tig­te Per­son, der nächs­te Ange­hö­ri­ge) gestat­ten unter der Bedin­gung einer vor­aus­ge­gan­ge­nen ärzt­li­chen Auf­klä­rung (§ 630d Abs. 2 S. 1) [175] eine inva­si­ve Inten­siv­the­ra­pie, erst recht wenn es sich bei einer infaus­ten Pro­gno­se um eine fremd­nüt­zi­ge, ‚spen­de­zen­trier­te‘ Behand­lungs­stra­te­gie vor der Hirn­tod­fest­stel­lung im Sta­tus eines leben­den Men­schen han­delt (z.B. künst­li­che Beatmung, Herz-Lun­gen-Wie­der­be­le­bung, ope­ra­ti­ve Ein­grif­fe, Ver­ab­rei­chung gefäß­ak­ti­ver Medikamente).

Doch die mehr­fach beklag­te recht­li­che Grau­zo­ne konn­te oder woll­te der Gesetz­ge­ber nicht schlie­ßen. Denn alle im BGB ver­an­ker­ten Geset­ze zur Durch­füh­rung medi­zi­ni­scher Ein­grif­fe auch im Fall der Nicht­ein­wil­li­gungs­fä­hig­keit am Lebens­en­de und die sich damit ver­bin­den­den Pro­blem­fel­der einer ‚Organ­spen­de‘ (TPG) erschei­nen wie zwei von­ein­an­der getrenn­te juris­ti­sche Berei­che und grei­fen nicht inein­an­der.[176] Die­se kaf­ka­esk anmu­ten­de Rechts­si­tua­ti­on ist nicht nur für Lai­en, son­dern ver­mut­lich auch für Poli­ti­ker, ja selbst für Medi­zin­recht­ler, Nota­re und Ärz­te nicht leicht durchschaubar.

Fazit

Im Gegen­satz zu einem pal­lia­tiv betreu­ten, ster­ben­den Men­schen in einem geschütz­ten Raum und im Bei­sein der Ange­hö­ri­gen umfasst die unter Ein­hal­tung des Selbst­be­stim­mungs­rechts von Pati­en­ten durch­zu­füh­ren­de Organ- und Gewe­be­spen­de bis zu vier spe­zi­el­le medi­zi­ni­sche Behand­lungs­for­men. Dabei wird die sich vom Pati­en­ten abwen­den­de ‚organ­pro­tek­ti­ve The­ra­pie‘ etwa seit den 2010er Jah­ren in zwei unter­schied­lich defi­nier­te Pha­sen des Lebens (‚prä­fi­nal‘) und des Todes (ab der Hirn­tod­fest­stel­lung) auf­ge­teilt und unter dem Begriff ‚Organ­spen­de­pro­zess‘ wie­der zusam­men­ge­fügt. Die­ser ‚Pro­zess‘ setzt mit der seit 2012 auf­ge­nom­me­nen ‚spen­der­de­tek­ti­ven‘ Tätig­keit von Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten in ‚Ent­nah­me­kran­ken­häu­sern‘ vor der Hirn­tod­fest­stel­lung ein. Und seit 2021 ist die mit dem trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ni­schen Know­how und Behand­lungs­kon­zept durch­zu­füh­ren­de The­ra­pie von poten­zi­el­len Organ­spen­dern noch zu Leb­zei­ten erlaubt. Der ‚Organ­spen­de­pro­zess‘ endet mit den Explan­ta­tio­nen im Ope­ra­ti­ons­saal und bei umfang­rei­chen Gewe­be­ent­nah­men gege­be­nen­falls im Sektionsraum.

Für die gesetz­li­che Rah­mung der Organ­ge­win­nung sind die fol­gen­den Schrit­te im Ablauf des ‚Organ­spen­de­pro­zes­ses‘ von zen­tra­ler Bedeutung:

  • Ers­tens die im leben­den Zustand ein­set­zen­de ‚spen­de­zen­trier­te‘ Inten­siv­be­hand­lung, die laut Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz­ge­bun­gen bis 2021 erst nach der ‚Todes­fest­stel­lung‘ begin­nen durf­te. Sie war aber bereits lan­ge zuvor Pra­xis und beweg­te sich in einer gesetz­li­chen Grauzone.
  • Zwei­tens die Fest­stel­lung des Hirn­ver­sa­gens (‚Hirn­tod‘), die mit dem Zeit­punkt des Todes­ein­tritts gleich­ge­setzt wird und den Frei­brief für die anäs­the­sio­lo­gisch betreu­te, chir­ur­gi­sche Organ­ge­win­nung aus dem ‚leben­den Kör­per‘ einer ‚toten Per­son‘ gibt.
  • Drit­tens die wäh­rend der Ent­nah­men wei­ter­hin unter der Lei­tung von Trans­plan­ta­ti­ons­ärz­ten durch­ge­führ­te ‚organ­pro­tek­ti­ve Inten­siv­the­ra­pie’ einer sich nun­mehr im Rechts­sta­tus befin­den­den Lei­che, deren Herz­ver­sa­gen bis zu den Organ­ex­plan­ta­ti­onen mit allen zur Ver­fü­gung ste­hen­den inten­siv­me­di­zi­ni­schen Behand­lungs­me­tho­den unter­drückt oder rück­gän­gig gemacht wer­den darf.
  • Vier­tens die Gewe­be­ent­nah­men nach Umwand­lung eines ‚Organ­spen­ders‘ in eine Lei­che. Je nach Umfang müs­sen sie nicht unbe­dingt im Ope­ra­ti­ons­saal durch­ge­führt, son­dern kön­nen auch in den Sek­ti­ons­räu­men der ana­to­mi­schen, patho­lo­gi­schen oder gerichts­me­di­zi­ni­schen Insti­tu­te der jewei­li­gen Kli­ni­ken vor­ge­nom­men wer­den, denn sie sind nicht not­ge­drun­gen an eine ‚Organ­spen­de‘ gebunden.

Die Ände­rung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes vom 11. Juli 2021 lega­li­siert unter der Prä­mis­se der Pati­en­ten­au­to­no­mie das ‚The­ra­pie­ziel Hirn­tod‘ für alle Men­schen, die sich zu ‚Organ­spen­dern‘ schrift­lich erklärt haben. Wie uner­bitt­lich das Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tem auf ein maxi­ma­les ‚Aus­schöp­fen‘ vor­han­de­ner ‚Organ­res­sour­cen‘ erpicht ist, wur­de auch in der Coro­na-Pan­de­mie offen­bar. Denn die inter­na­tio­na­le Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin scheu­te nicht davor zurück, auf Inten­siv­sta­tio­nen selbst nach poten­zi­el­len ‚Organ­spen­dern‘ unter Coro­na­kran­ken und an ECMO-Gerä­ten ange­schlos­se­nen Pati­en­ten Aus­schau zu hal­ten (ECMO: extra­kor­po­ra­le Mem­bran­oxy­ge­nie­rung: den Kör­per mit Sau­er­stoff ver­sor­gen­de Maschi­ne).[177] So berich­tet das Deut­sche Ärz­te­blatt, eine SARS-CoV‑2 Infek­ti­on von ‚hirn­to­ten‘ Pati­en­ten stel­le kei­nes­falls ein Hin­der­nis für die Ver­pflan­zung ihrer Orga­ne dar.

Ange­sichts des durch Coro­na neu hin­zu­ge­kom­me­nen Eng­pas­ses, der das ver­pflan­zungs­me­di­zi­ni­sche ‚Organknappheits‘-Dilemma ver­stärk­te, fühl­te sich auch die deut­sche Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin her­aus­ge­for­dert, hin­sicht­lich alt­her­ge­brach­ter Aus­schluss­kri­te­ri­en für Explan­ta­tio­nen umzu­den­ken. Und dies, obwohl aus den USA bekannt wur­de, dass meh­re­re Organ­emp­fän­ger durch eine Lun­gen­trans­plan­ta­ti­on mit Coro­na infi­ziert wor­den waren.[178] Den­noch: „Wir müs­sen ler­nen, mit […] SARS-CoV-2-posi­ti­ven poten­zi­el­len Spen­de­rin­nen und Spen­dern umzu­ge­hen“,[179] erklär­te der medi­zi­ni­sche Vor­stand der DSO und ehe­ma­li­ger medi­zi­ni­scher Direk­tor von Euro­trans­plant (2005 – 2014) Axel Rah­mel: „Ein posi­ti­ver SARS-CoV-2-Test bei einem poten­zi­el­len Spen­der schließt eine Mel­dung an die DSO nicht aus.“[180]

Sol­che Ver­su­che, die Spen­der­zah­len zu erhö­hen, sind dem Man­gel an Orga­nen geschul­det, denn zwi­schen dem Bedarf und ‚Organ­an­ge­bot‘ klafft eine gro­ße Lücke. Doch der welt­weit von Ver­pflan­zungs­me­di­zi­nern beklag­te ‚Organ­man­gel‘ scheint ein nicht auf­lös­ba­res, struk­tu­rel­les Pro­blem des Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tems ins­ge­samt zu sein. Zum einen erzeugt es imma­nent einen immer grö­ße­ren Bedarf an Orga­nen – z.B. durch die Indi­ka­ti­ons­er­wei­te­rung für die Ver­pflan­zung von ‚mar­gi­na­len Orga­nen‘ (z.B. Fett­le­bern, Rau­cher­lun­gen)[181]; außer­dem durch Absto­ßun­gen oder Schä­di­gun­gen ande­rer Orga­ne von Emp­fän­gern infol­ge der immun­un­ter­drü­cken­den Medi­ka­men­te. Zum ande­ren ist die Gefahr, einen ‚Hirn­tod‘ zu erlei­den, sehr gering. Daher bleibt das poli­tisch gesteck­te Ziel einer ‚lee­ren War­te­lis­te‘, wie der ehe­ma­li­ge Chef­arzt der Medi­zi­ni­schen Kli­nik in Glad­beck Linus Geis­ler erklär­te, „immer eine Illu­si­on“.[182] Aber ange­sichts der gro­ßen Dis­kre­panz zwi­schen den ver­füg­ba­ren Orga­nen und dem Spen­der­be­darf wer­den immer wie­der neue Kon­zep­te zur Ver­meh­rung von ‚Organ­res­sour­cen‘ ent­wi­ckelt. Dazu zäh­len auch die in eini­gen ET-Ver­bund­län­dern bereits lega­li­sier­te Kom­bi­na­ti­on von akti­ver Ster­be­hil­fe mit einer ‚Organ­spen­de‘ – so in Bel­gi­en, den Nie­der­lan­den, eben­so in Spa­ni­en und Kana­da – oder die noch radi­ka­le­re For­de­rung nach Ein­füh­rung der „Organ­spen­de-Eutha­na­sie“ („Organ Dona­ti­on Eutha­na­sia”)[183].

Und egal, ob die Organ­be­schaf­fung durch die erwei­ter­te Zustimmungs‑, Ent­schei­dungs- oder Wider­spruchs­lö­sung gere­gelt ist: In allen Län­dern mit einem eta­blier­ten Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tem herrscht Unwis­sen­heit über die Bedin­gun­gen, unter denen ‚Organ­spen­der‘ ster­ben. Nur erüb­rigt die Wider­spruchs­re­ge­lung kost­spie­li­ge ‚Aufklärungs‘-Kampagnen und ein auf­wän­dig zu orga­ni­sie­ren­des Online­re­gis­ter. Gleich­zei­tig aber machen nicht alle Inten­siv­sta­tio­nen den Weg frei für eine radi­ka­le ‚Aus­schöp­fung des Spen­der­po­ten­zi­als‘. Daher bleibt die Fra­ge offen, wie­viel Sand im Getrie­be des Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tems noch steckt und ob ein ideo­lo­gie­frei­es Ster­ben von Pati­en­ten mit einer schwe­ren Hirn­schä­di­gung tat­säch­lich zu einer Sel­ten­heit gemacht wer­den kann.

Anmer­kun­gen

  1. Vgl. A Defi­ni­ti­on of Irrever­si­ble Coma. Report of the Ad Hoc Com­mit­tee of the Har­vard Medi­cal School to Exami­ne the Defi­ni­ti­on of Brain Death. In: Jour­nal of the Ame­ri­can Medi­cal Asso­zia­ti­on 205 (1968), H. 6, S. 337- 340.

  2. Vgl. z. B. in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land: Ger­lach, Joa­chim: Gehirn­tod und tota­ler Tod. In: Mün­che­ner medi­zi­ni­sche Wochen­schrift 111 (1969), S. 732 – 736. Als Phi­lo­soph for­der­te Hans Jonas (1903 – 1993) anläss­lich der Har­vard ‚Hirntod‘-Vereinbarung (1968) eine „maxi­ma­le ‚Defi­ni­ti­on’” des Todes. Alles ande­re hie­ße, sich „ein Wis­sen anma­ßen, das wir […] nicht haben kön­nen. […] Wer kann wis­sen, wann jetzt das Sezier­mes­ser zu schnei­den beginnt, ob nicht ein Schock, ein letz­tes Trau­ma einem nicht­zere­bra­len, dif­fus aus­ge­brei­te­ten Emp­fin­den zuge­fügt wird, das noch lei­dens­fä­hig ist […]? Kein Dekret der Defi­ni­ti­on kann die­se Fra­ge ent­schei­den.“ Er ord­ne­te das dem Hirn­tod­kon­zept zugrun­de geleg­te Men­schen­bild dem Car­te­sia­nis­mus des 17. Jahr­hun­derts zu und gab die Gefahr sei­ner vivi­sek­to­ri­schen Kon­se­quenz zu beden­ken: „Nur eine car­te­sia­ni­sche Ansicht von der ‚Tier­ma­schi­ne’, die ich hier irgend­wie noch geis­tern sehe, könn­te uns da beru­hi­gen – wie sie es tat­säch­lich zu ihrer Zeit (17. Jhdt.) will­kom­me­ner­wei­se in Sachen tie­ri­scher Vivi­sek­ti­on tat. Doch ihre Wahr­heit ist sicher nicht durch die Macht der Defi­ni­ti­on zu sta­tu­ie­ren.“ Jonas, Hans: Tech­nik, Medi­zin und Ethik. Zur Pra­xis des Prin­zips Ver­ant­wor­tung. Frank­furt am Main 1987, S. 221, 222, Anm. 6, S. 240. Vgl. zur inter­na­tio­na­len Ent­wick­lung des Hirn­tod­kon­zepts: Lin­de­mann, Gesa: Beun­ru­hi­gen­de Sicher­hei­ten. Zur Gene­se des Hirn­tod­kon­zepts. Kon­stanz 2003; Berg­mann, Anna: Der ent­seel­te Pati­ent. Die moder­ne Medi­zin und der Tod. Stutt­gart 2019, S. 265 – 280.

  3. Vgl. Bader, Mathis: Organ­man­gel und Organ­ver­tei­lung. Tübin­gen 2010, S. 196 – 200.

  4. Bader 2010, S. 199 (Her­vor­he­bung Mathis Bader).

  5. Vgl. So ver­warf die deut­sche Zen­tra­le Ethik­kom­mis­si­on bei der Bun­des­ärz­te­kam­mer die Organ­ent­nah­me an sol­chen Pati­en­ten expli­zit als Tötung. Vgl. Erklä­rung der Zen­tra­len Ethik­kom­mis­si­on bei der Bun­des­ärz­te­kam­mer: Tötung durch Organ­ent­nah­me wider­spricht ärzt­li­cher Ethik. Abge­dr. in: Deut­sches Ärz­te­blatt 94 (1997), H. 28/29, S. A1963; vgl. Deut­scher Ethik­rat: Hirn­tod und Ent­schei­dung zur Organ­spen­de. Stel­lung­nah­me. Ber­lin 2015, S. 113 – 117; Hei­de, W.: „Non-heart-bea­ting donors“ sind nicht geeig­net. In: Ner­ven­arzt 87 (2016), S. 161 – 168.

  6. Euro­trans­plant Liver/​Pankreas Report. Archiv Anna Berg­mann (AAB).

  7. Vgl. Feu­er­stein Gün­ther: Das Trans­plan­ta­ti­ons­sys­tem. Dyna­mik, Kon­flik­te und ethisch-mora­li­sche Grenz­gän­ge. Weinheim/​München 1995, S. 121 – 178.

  8. Ver­ord­nung über die Durch­füh­rung von Organ­trans­plan­ta­tio­nen vom 4. Juli 1975, Gesetz­blatt der DDR 1995 I, S. 597, II. Abschnitt, § 4.

  9. Vgl. Wolfs­last, Gabrie­le: Trans­plan­ta­ti­ons­recht im euro­päi­schen Ver­gleich. In: Zeit­schrift für Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin 1(1989), S. 43 – 48.

  10. Vgl. Leach, Gerald: Medi­zin ohne Gewis­sen? Macht und Ohn­macht der Ärz­te. Aus dem Eng­li­schen von Gre­te Fel­ten. Mün­chen – Zürich 1973 (Ori­gi­nal: New York 1970), S. 295 – 340. In der BRD pro­ble­ma­ti­sier­te bei­spiels­wei­se im Janu­ar 1968 der Düs­sel­dor­fer Pro­fes­sor für Chir­ur­gie und Nobel­preis­trä­ger Wer­ner Forß­mann (1904 – 1979) die Kap­stad­ter Herz­trans­plan­ta­ti­ons­ver­su­che. Er stell­te die von dem süd­afri­ka­ni­schen Chir­ur­gen Chris­tia­an Bar­nard (1922 – 2001) durch­ge­führ­ten Herz­ver­pflan­zun­gen in den Zusam­men­hang mit den in dem Frau­en-Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ravens­brück unter­nom­me­nen Kno­chen­trans­plan­ta­ti­ons­expe­ri­men­ten und sah die Grund­sät­ze der medi­zi­ni­schen Ethik bedroht, auf die sich die Ärz­te­schaft mit dem Nürn­ber­ger Kodex ver­pflich­tet hat­te. Vgl. Forß­mann, Wer­ner: War­ten auf den Tod eines Organ-Spen­ders. Pro­fes­sor Forß­mann über Kon­se­quen­zen der Herz­trans­plan­ta­ti­on – Ver­lust an sitt­li­cher Sub­stanz. Abge­dr. in: Der Tages­spie­gel, Nr. 6784 vom 4. Janu­ar 1968, S. 9.

  11. Vgl. Feu­er­stein 1995, S. 125.

  12. Vgl. World Medi­cal Asso­cia­ti­on. Decla­ra­ti­on of Gen­e­va (Sep­tem­ber 1948): https://www.wma.net/wp-content/uploads/2018/07/Decl-of-Geneva-v1948‑1.pdf (20.04.2023)In sei­ner Neu­fas­sung von 2017 wur­de das Gen­fer Gelöb­nis um den ärzt­li­chen Respekt vor der Auto­no­mie und Wür­de der Pati­en­ten ergänzt. Vgl. https://​www​.wma​.net/​p​o​l​i​c​i​e​s​-​p​o​s​t​/​w​m​a​-​d​e​c​l​a​r​a​t​i​o​n​-​o​f​-​g​e​neva/ (20.04.2023)

  13. Auf­trag­ge­ber der Deut­schen Stif­tung Organ­trans­plan­ta­ti­on (DSO) sind die Bun­des­ärz­te­kam­mer (BÄK), die Deut­sche Kran­ken­haus­ge­sell­schaft, und der GKV-Spit­zen­ver­band. Vgl. zur Struk­tur der DSO: Sieg­mund-Schult­ze, Nico­la: Kern­auf­ga­ben im Kran­ken­haus. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 112 (2015), H. 15, S. A 662‑A 665, hier S. A 664.

  14. Vgl. Bader 2010, S. 83.

  15. Bei­spiels­wei­se betrug 2010 mit einem Höchst­wert der deut­schen Organ­spen­der­quo­ten der Anteil von ins­ge­samt acht ET-Ver­bund­län­dern 58, 12 Pro­zent (1271 von ins­ge­samt 2187 Organ­spen­dern). 2017 – im Jahr mit der nied­rigs­ten Organ­spen­der­zahl in Deutsch­land – waren es immer noch 39,6 Pro­zent (769 von 1942).

  16. https://​sta​tis​tics​.euro​trans​plant​.org/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​s​e​a​r​c​h​_​t​y​p​e​=​d​o​n​o​r​s​+​d​e​c​e​a​s​e​d​&​s​e​a​r​c​h​_​o​r​g​a​n​=​a​l​l​+​o​r​g​a​n​s​&​s​e​a​r​c​h​_​r​e​g​i​o​n​=​b​y​+​c​o​u​n​t​r​y​&​s​e​a​r​c​h​_​p​e​r​i​o​d​=​b​y​+​y​e​a​r​+​c​h​a​r​t​&​s​e​a​r​c​h​_​c​h​a​r​a​c​t​e​r​i​s​t​i​c​=​&​s​e​a​r​c​h​_​t​e​x​t​=​&​s​e​a​r​c​h​_​c​o​l​l​e​ction (21.02.2023)

  17. Arbeits­kreis Organ­spen­de: Organ­spen­de ret­tet Leben! Ant­wor­ten auf Fra­gen. Neu-Isen­burg o. J., S. 8.

  18. Vgl. https://​www​.akos​.de/ (20.02.2023)

  19. BÄK: För­de­rung der Organ­trans­plan­ta­ti­on. Auf­ruf der Bun­des­ärz­te­kam­mer an alle Ärz­te. In: Deut­sches Ärz­te­blatt vom 25. Janu­ar 1979, H. 4, S. 188.

  20. Vgl. Augs­berg, Stef­fen: Die Bun­des­ärz­te­kam­mer im Sys­tem der Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin. In: Höf­ling, Wolf­ram (Hg.): Die Regu­lie­rung der Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin in Deutsch­land. Tübin­gen 2008, S. 45 – 59; vgl. auch: Ders.: 10 Jah­re Trans­plan­ta­tions­ge­setz – eine kri­ti­sche Zwi­schen­bi­lanz. Tübin­gen 2008, S. 3 – 7.

  21. Vgl. BÄK: Gesetz­li­che Rege­lung einer Organ­ent­nah­me. Beschluß des Vor­stan­des der Bun­des­ärz­te­kam­mer. In: Deut­sches Ärz­te­blatt vom 25. Janu­ar 1979, H. 4, S. 188 – 189, hier S. 188.

  22. BÄK: Wis­sen­schaft­li­cher Bei­rat der Bun­des­ärz­te­kam­mer: Organ­spen­de – Kurz­in­for­ma­ti­on für den Arzt. In: Deut­sches Ärz­te­blatt vom 25. Janu­ar 1979, H. 4, S. 190 – 191.

  23. Stein­be­reit­h­ner, Karl: Grenz­ge­bie­te zwi­schen Leben und Tod – Anäs­the­sio­lo­gi­sche Pro­ble­me. In: Wie­ner kli­ni­sche Wochen­schrift 81 (1969), H. 29/30, S. 530 – 533, hier S. 530.

  24. BÄK: Wis­sen­schaft­li­cher Bei­rat 1979, S. 190.

  25. Ebd.

  26. Vgl. ebd.

  27. Vgl. Arbeits­kreis Organ­spen­de (Hg.): Organ­spen­de – eine gemein­sa­me Auf­ga­be. Neu-Isen­burg o.J., S. 30; vgl. Erklä­rung der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz und des Rates der EKD. Bonn/​Hannover 1990. https://​www​.dbk​.de/​f​i​l​e​a​d​m​i​n​/​r​e​d​a​k​t​i​o​n​/​v​e​r​o​e​f​f​e​n​t​l​i​c​h​u​n​g​e​n​/​g​e​m​-​t​e​x​t​e​/​G​T​_​0​1.pdf (20.02.2023)

  28. So z.B. Prof. Dr. Heinz Angst­wurm (Neu­ro­lo­ge), Prof. Dr. Fried­rich Wil­helm Eig­ler (Chir­urg), Prof. Dr. Rudolf Pichl­mayr (Chir­urg).

  29. Zit.n. Arbeits­kreis Organ­spen­de (Hg.): Organ­spen­de – eine gemein­sa­me Auf­ga­be. Neu-Isen­burg o.J., S. 30.

  30. Zit.n. Höf­ling, Wolf­ram; Todes­ver­ständ­nis­se und Ver­fas­sungs­recht. In: Bon­dol­fi, Alberto/​Kostka, Ulrike/​Seelmann, Kurt (Hg.): Ethik und Recht. Bd. 1: Hirn­tod und Organ­spen­de, Tübin­gen /​Basel 2004, S. 81 – 88, hier Anm. 20, S. 87. Man­fred Kock in: Geiß, Karl­mann (Hg.): Ster­be­hil­fe – Ster­be­be­glei­tung. Recht­li­che und ethi­sche Fra­gen, Hei­del­berg 2001, S. 15 (= Juris­ti­sche Stu­di­en­ge­sell­schaft Karls­ru­he, 247).

  31. Vgl. z. B.: Jörns, Klaus-Peter: Organ­ent­nah­me: Ein­griff ins Ster­be­ge­sche­hen. Ein Dis­kus­si­ons­bei­trag aus theo­lo­gi­scher Sicht. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 89 (1992), H. 28/29, A1-2444 – A1-2447.

  32. Pół­taws­ka, Wan­da: Vor­wort. Wir sind doch kei­ne Kanin­chen! In: Ramm, Wal­ter (Hg.): Organ­spen­de. Letz­ter Lie­bes­dienst oder Eutha­na­sie. 2. über­arb. Auf­la­ge. Abstein­ach 1995, S. 3 – 6, hier S. 5.

  33. Vgl. Gesetz über die Spen­de, Ent­nah­me und Über­tra­gung von Orga­nen (Trans­plan­ta­tions­ge­setz – TPG) vom 5. Novem­ber 1997. Abge­dr. in: Bun­des­ge­setz­blatt 1997, Teil I, Nr. 74, S. 2631 – 2676.

  34. Vgl. Bau­reit­hel, Ulrike/​Bergmann, Anna: Herz­lo­ser Tod. Das Dilem­ma der Organ­spen­de. Stutt­gart 1999, S. 91 f.

  35. Vgl. Haupt, Wal­ter F./Höfling, Wolf­gang: Die Dia­gno­se des Hirn­to­des: Medi­zi­ni­sche und juris­ti­sche Aspek­te unter Berück­sich­ti­gung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes (TPG) der BRD. In: Fort­schrit­te der Neu­ro­lo­gie – Psych­ia­trie, 70 (2002), S. 583 – 590.

  36. Vgl. TPG 1997, § 2 Abs.2, S. 2631, § 4, S. 2632.

  37. Höf­ling 2004, S. 81.

  38. Vgl. ebd., S. 85 f.; ders.: Tot oder leben­dig – ter­ti­um non datur. Eine ver­fas­sungs­recht­li­che Kri­tik der Hirn­tod­kon­zep­ti­on. In: Zeit­schrift für medi­zi­ni­sche Ethik 58 (2012), S. 163 – 172.

  39. Vgl. so z.B. Rede­bei­trä­ge von Prof. Dr. Pichl­mayr, Prof. Dr. Haverich, Prof. Dr. Neu­haus, Prof. Dr. Angst­wurm, Dr. Kars­ten Vil­mar in der öffent­li­chen Anhö­rung vor dem Gesund­heits­aus­schuss: Aus­schuß (Auss.) für Gesund­heit, Deut­scher Bun­des­tag, 13. Wahl­pe­ri­ode., 14. Auss., Pro­to­koll Nr. 17, Sit­zung v. 28.6.1995, S. 73, 69 f., 57, 61, 32 f.

  40. TPG 1997, S. 2632.

  41. Ebd. Vgl. zur recht­li­chen Pro­ble­ma­tik des Todes­kri­te­ri­ums in Bezie­hung zur ‚Hirntod‘-Definition: Höf­ling 2004; ders. 2012; Beck­mann, Rai­ner: Das unbe­grün­de­te „Hirntod“-Konzept. In Juris­ti­sche Zei­tung 78 (2023), H. 21, S. 947 – 957.

  42. BÄK, Auf­ruf 1979, S. 188.

  43. BÄK: Bekannt­ma­chung der Bun­des­ärz­te­kam­mer. Kri­te­ri­en des Hirn­to­des. Ent­schei­dungs­hil­fen zur Fest­stel­lung des Hirn­to­des. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 79 (1982), H. 14, S. 45 – 55, hier S. 45.

  44. Vgl. BÄK: Stel­lung­nah­me des Wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats der Bun­des­ärz­te­kam­mer. Kri­te­ri­en des Hirn­to­des. Ent­schei­dungs­hil­fen zur Fest­stel­lung des Hirn­to­des. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 94 (1997), H. 19, S. A‑1296-A-1303, hier. S. A‑1296.

  45. Die Infor­ma­ti­ons­pflicht des Arz­tes ist im Pati­en­ten­rechts­ge­setz des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches seit 2013 ver­an­kert und an eine Ein­wil­li­gungs­er­klä­rung gebun­den (vgl. §§ 630c, 630d, 630e BGB).

  46. Vgl. Hal­be, Bernd: Rechts­si­cher­heit für Ärz­te und Pati­en­ten. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 114 (2017), H. 17, S. A 858-A859.

  47. Maio, Gio­van­ni: Organ­spen­de: Von der Gabe zur Bür­ger­pflicht?. In: Uni­ver­si­tas 67 (2012), H.794, S. 58 – 68, hier S. 60.

  48. Vgl. z.B. die Stu­die zum nied­ri­gen Infor­ma­ti­ons­ni­veau hin­sicht­lich der Bezie­hungs­ebe­nen von ‚Hirntod‘-Definition und der ‚organ­pro­tek­ti­ven‘ Inten­siv­be­hand­lung von Organ­spen­dern nach der Hirn­tod­fest­stel­lung im Ver­hält­nis zu einer Pati­en­ten­ver­fü­gung: Wag­ner, Elias/​Marckmann, Georg/​Jox, R. J.: Koin­zi­denz von Pati­en­ten­ver­fü­gung und Zustim­mung zur Organ­spen­de: Was wün­schen die Betrof­fe­nen? Eine Befra­gung deut­scher Senio­ren. Stuttgart/​New York 2019. Online Publi­ka­ti­on. DOI https://doi.org/10.1055/a‑0837 – 0882 (20.02.2023)

  49. Vgl. Neit­zke, Gerald et al.: Ent­schei­dungs­hil­fe bei erwei­ter­tem inten­siv­me­di­zi­ni­schem Behand­lungs­be­darf auf dem Weg zur Organ­spen­de. Posi­ti­ons­pa­pier der Sek­ti­on Ethik und der Sek­ti­on Organ­spen­de und ‑trans­plan­ta­ti­on der Deut­schen Inter­dis­zi­pli­nä­ren Ver­ei­ni­gung für Inten­siv- und Not­fall­me­di­zin (DIVI) unter Mit­ar­beit der Sek­ti­on Ethik der Deut­schen Gesell­schaft für Inter­nis­ti­sche Inten­siv­me­di­zin und Not­fall­me­di­zin (DGI­IN). In: Medi­zi­ni­sche Kli­nik – Inten­siv­me­di­zin und Not­fall­me­di­zin 114 (2019), S. 319 – 326. Online­pu­bli­ka­ti­on: 11. April 2019, S. 4f. https://doi.org/10.1007/s00063-019‑0578‑3 (20.02.2023); BÄK: Richt­li­nie gemäß § 16 Abs. 1 S. 1 Nr. 3 TPG zur ärzt­li­chen Beur­tei­lung nach § 9a Abs. 2 Nr. 1 TPG (RL BÄK Spen­der­er­ken­nung) vom 01. Juli 2020. Abge­dr. in: Deut­sches Ärz­te­blatt, S. A1-A12, S. A4.

  50. Vgl. Baureithel/​Bergmann 1999, S. 152 ff.; Eng­l­b­recht, Jan Sön­ke et al.: Peri­ope­ra­ti­ves Manage­ment der post­mor­ta­len Organ­spen­de. Anäs­the­sie zwi­schen Ethik und Evi­denz. In: Der Anaes­the­sist 2 (2022), S. 384 – 391, hier S. 388 f.

  51. Vgl. zur ärzt­li­chen Auf­klä­rungs­pflicht von Min­der­jäh­ri­gen: Gai­b­ler, Ton­ja: Regeln für dif­fi­zi­le Kon­stel­la­tio­nen. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 109 (2012), H. 10, S. A 476 – 478.

  52. Vgl. BZgA: Wis­sen kom­pakt. Das Unter­richts­heft. Organ­spen­de – die Ent­schei­dung zählt. Köln 2022 (Auf­la­ge 3.15.10.22) https://​shop​.bzga​.de/​p​d​f​/​6​0​2​8​5​1​3​6.pdf

  53. TPG 1997, S. 2634.

  54. BÄK: Wis­sen­schaft­li­cher Bei­rat 1979, S. 190.

  55. Ebd., S. 191.

  56. Vgl. Hebe­rer, G./Köle, W./Tscherne, H.: Chir­ur­gie. Lehr­buch für Stu­die­ren­de der Medi­zin und Ärz­te. 5. Neu bearb, und erwei­ter­te Aufl. Berlin/​Heidelberg 1986, S. 168; Mol­zahn, Martin/​Tuffs, Annette/​Vollmann, Jochen: Organ­trans­plan­ta­ti­on und Organ­spen­de. Her­aus­ge­ge­ben vom Robert Koch-Insti­tut. Gesund­heits­be­richt­erstat­tung des Bun­des. Heft 17, Ber­lin 2003, S. 21.

  57. TPG 1997, S. 2634.

  58. Mau­er, Diet­mar er al.: Organ­spen­de. Der Schlüs­sel liegt im Kran­ken­haus. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 102 (2005), H. 5, S. B 212‑B 214, hier B 213.

  59. Gesetz zur Ände­rung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes vom 21. Juli 2012 (TPG­ÄndG). Abge­dr. in: Bun­des­ge­setz­blatt 2012, Teil 1, Nr. 35, S. 1601 – 1612.

  60. Vgl. Malzahn/​Tuffs/​Vollmann 2003, S. 21; Früh­auf 2006, S. 26; Bader 2010, S. 15.

  61. Mau­er 2005, S. B 212.

  62. Vgl. zur unter­schied­li­chen Betei­li­gung der Kran­ken­häu­ser bis zum Jahr 2007: Deut­scher Bun­des­tag (DB): Bericht zur Situa­ti­on der Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin in Deutsch­land zehn Jah­re nach Inkraft­tre­ten des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes. 16. Wahl­per., Drucks. 16/13740 vom 30. Juni 2009, S. 44, 618.

  63. AAB, Inter­view Dr. Ben­no Fol­tin (Pseud­onym) am 03. März 2020.

  64. Ebd.

  65. Ebd.

  66. Bader 2010, S. 15.

  67. Vgl. ebd.; Schul­te, Kevin et al.: Rück­gang der Organ­spen­den in Deutsch­land. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 113 (2018), H. 27 – 28, S. 463 – 468.

  68. Wort­bei­trag Prof. Dr. Gün­ter Kirs­te. Abge­dr. in: Wort­bei­trag Prof. Dr. Gün­ter Kirs­te. Abge­dr. in: DB: Enquete-Kom­mis­si­on. Ethik und Recht in der moder­nen Medi­zin. 15. Wahl­per., Pro­to­koll. Wort­pro­to­koll 15/33 der 33. Sitzg. vom 14. März 2005, S. 1 – 98, hier S. 28.

  69. Vgl. TPG­ÄndG 2012, S. 1602 f. (§ 9b).

  70. DB: Ent­wurf eines Geset­zes zur Rege­lung der Ent­schei­dung im Trans­plan­ta­tions­ge­setz, Drucks. 17/9030 vom 21.03.2012, S. 14.

  71. Vgl. TGPÄndG 2012, S. 1602 f: § 9a, § 9b.

  72. Gesetz zur Rege­lung der Ent­schei­dungs­lö­sung im Trans­plan­ta­tions­ge­setz vom 12. Juli 2012. Abge­dr. in: Bun­des­ge­setz­blatt 2012 (TPGEnt­LÄndfG). Abge­dr. in: Bun­des­ge­setz­blatt 2012, Teil 1, Nr. 33, S. 1504 – 1506. Aus­ge­ge­ben am 18. Juli 2012.

  73. TPGEnt­LÄndfG 2012, S. 1504.

  74. Vgl. z.B. Truog, Robert D./Miller, Frank­lin G: The Dead Donoar Rule and Organ Trans­plan­ta­ti­on. In: The New Eng­land Jour­nal of Medi­ci­ne 359 (2008), H. 7, S. 669 – 675; Truog, Robert D./Miller, Frank­lin G: Rethin­king the Ethics of Vital Organ Dona­ti­ons. In: Has­tings Report 38 (2008), H. 6, S. 38 – 46; Stoe­cker, Ralf: Ein Plä­doy­er für die Reani­ma­ti­on der Hirn­tod­de­bat­te in Deutsch­land. In: Dirk/​Knoepffler, Nikolaus/​Kodalle, Klaus‑M. (Hg.), Kör­per­tei­le – Kör­per tei­len. Kri­ti­sches Jahr­buch der Phi­lo­so­phie. Würz­burg 2009, S. 41 – 59; Mül­ler, Sabi­ne: Revi­val der Hirn­tod-Debat­te: Funk­tio­nel­le Bild­ge­bung für die Hirn­tod-Dia­gnos­tik. In: Ethik in der Medi­zin 22 (2010) 6, S. 973 – 984.

  75. Vgl. DSO: Organ­spen­de und Trans­plan­ta­ti­on in Deutsch­land. Jah­res­be­richt 2012. Frank­furt am Main 2013, S. 14.

  76. TPGEnt­LÄndfG 2012, S. 1504.

  77. Vgl. DB, Gesetz­ent­wurf 2012 , S. 14.

  78. Inter­view mit Prof. Dr. Ulrich Frei am 12. Juli 2012 im Deutsch­land­ra­dio. Zit.n. Berg­mann Anna: Das töd­li­che Dilem­ma der Organ­spen­de. In: raum & zeit 37 (2018), N. 216, S.74 – 79, hier S. 78; vgl. auch zu die­sem Argu­men­ta­ti­ons­zu­sam­men­hang im Gesetz­ent­wurf 2012, S. 14.

  79. Inter­view mit Prof. Dr. Ulrich Frei am 12. Juli 2012 im Deutsch­land­ra­dio. http://​www​.dra​dio​.de/​a​o​d​f​l​a​s​h​/​p​l​a​y​e​r​.​p​h​p​?​s​t​a​t​i​o​n​=​1​&​s​t​r​e​a​m=1&/ (21.07.2012) (Her­vor­he­bung A.B).

  80. Vgl. Feu­er­stein, Gün­ter: Bio­po­li­ti­sche Para­do­xien der Pati­en­ten­au­to­no­mie. In: Wie­se­mann, Claudia/​Simon, Alfred (Hg.): Pati­en­ten­au­to­no­mie. Theo­re­ti­sche Grund­la­gen – Prak­ti­sche Anwen­dun­gen. Müns­ter 2013, S. 250 – 262.

  81. Zwei­tes Gesetz zur Ände­rung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes – Ver­bes­se­rung der Zusam­men­ar­beit und der Struk­tu­ren bei der Organ­spen­de vom 22. März 2019. In: Bun­des­ge­setz­blatt 2019, Teil I Nr. 9, S. 352 – 356.

  82. Vgl. Schul­te et al. 2018, S. 463 – 468.

  83. Vgl. Beck­mann, Rai­ner: Fal­sche „Hirntod“-Feststellung in Deutsch­land. In: Medi­zin­recht 41 (2023), S. 863 – 868.

  84. Vgl. Brau­er, Mar­tin et al.: Wie vie­le Organ­spen­der gibt es wirk­lich? Retro­spek­ti­ve Ana­ly­se zu nicht­er­folg­ter Dia­gnos­tik des irrever­si­blen Hirn­funk­ti­ons­aus­falls bei ver­stor­be­nen Pati­en­ten mit rele­van­ter Hirn­schä­di­gung. In: Der Anäs­the­sist 68 (2019), H. 1, S. 22 – 29, hier S. 27.

  85. Vgl. DSO: Organ­spen­de und Trans­plan­ta­ti­on in Deutsch­land. Jah­res­be­richt 2020. Frank­furt am Main 2021, S. 96, 98.

  86. Zit.n. Rich­ter-Kuhl­mann, Eva: Wege aus der Kri­se. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 115 (2018), S. A 1312 – 1314, hier, S. 1314; vgl. zur Betei­li­gung der C‑Krankenhäuser 2019: DSO 2021, S. 96.

  87. Tra­bitzsch, Anna et al.: Auto­ma­ti­sier­tes elek­tro­ni­sches Scree­ning­tool (DETECT) zur Erken­nung des poten­zi­ell irrever­si­blen Hirn­funk­ti­ons­aus­falls. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 118 (2021), H. 41, S. 683 – 690, hier S. 684.

  88. Rich­ter-Kuhl­mann 2018, S. A 1314; vgl. die Ori­gi­nal­stu­die: Schul­te et al. 2018 S. 463 – 468; vgl. auch Brau­er u.a. 2019, S. 22 – 28.

  89. Zit.n. Rich­ter-Kuhl­mann 2018, S. A 1314.

  90. BÄK (Hg.): Cur­ri­cu­lum. Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ter Arzt. Ber­lin 2015, S. 3.

  91. Vgl. Hel­ler, Andreas/​Knipping, Cor­ne­lia: Pal­lia­ti­ve Care – Hal­tun­gen und Ori­en­tie­run­gen. In: Knip­ping, Cor­ne­lia (Hg.): Lehr­buch Pal­lia­ti­ve Care. Bern 2006, S. 39 ‑47; Hel­ler, Andre­as et al.: Geschich­te der Hos­piz­be­we­gung in Deutsch­land. Ess­lin­gen 2012 (2. über­arb. Aufl.); Gro­ne­mey­er, Reimer/​Heller, Andre­as: In Ruhe ster­ben. Was wir uns wün­schen und was die moder­ne Medi­zin nicht leis­ten kann. Mün­chen 2014; vgl. zur The­ra­pie­be­gren­zung in der Inten­siv­me­di­zin z.B.: Schef­fold, Nor­bert et al.: Kon­zept zur The­ra­pie­be­gren­zung in der Inten­siv­me­di­zin. In: Inten­siv­me­di­zin und Not­fall­me­di­zin 47 (2010) H. 2, S. 124 – 129; Mül­ler-Busch, Hans Chris­tof: Pal­lia­tiv­me­di­zin und Ster­ben auf der Inten­siv­sta­ti­on – kein Wider­spruch. In: DIVI 4 (2013), H. 1, S. 22 – 27; Nauck, Frie­de­mann: Behand­lungs­stra­te­gien in der Pal­lia­tiv­me­di­zin. In: Aktu­el­les Wis­sen für Anäs­the­sis­ten. Refres­her Cour­se Nr. 39 (2013), S. 113 – 120; Sahm, Ste­phan: An der Sei­te des Lebens. Ethi­sche Her­aus­for­de­run­gen in Pal­lia­tiv­me­di­zin und ‑pfle­ge. Würz­burg 2021.

  92. BÄK: Grund­sät­ze der Bun­des­ärz­te­kam­mer zur ärzt­li­chen Ster­be­be­glei­tung. Abge­dr. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 95 (1998), H. 39, S. A 2366‑A 2367, hier S. A‑2366 f. (Her­vor­he­bung A.B.).

  93. Vgl. Nauck 2013, S. 117 f.

  94. DIVI: Offe­ner Brief vom 16. Okto­ber 2019 an Rudolf Hen­ke, MdB, Stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Gesund­heits­aus­schus­ses im Deut­schen Bun­des­tag, Betreff Reform der Organ­spen­de, S. 3. In: https://​www​.divi​.de/​s​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​n​/​p​u​b​l​i​k​a​t​i​o​n​e​n​/​s​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​n​/​a​n​s​c​h​r​e​i​b​e​n​-​m​d​b​-​r​u​d​o​l​f​-​h​e​n​k​e​-​o​r​g​a​n​s​pende (10.07.2021)

  95. Sahm, Ste­phan: Hirn­tod und Organ­spen­de. Die Leer­stel­le in Spahns Debat­te. Wer mehr Organ­spen­den möch­te, muss die Spen­der zu Leb­zei­ten aus­wäh­len und län­ger künst­lich am Leben hal­ten – Stun­den, Tage oder Wochen. Wol­len die Spen­den­wil­li­gen das? In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 30.10.2018. https://​www​.faz​.net/​a​k​t​u​e​l​l​/​f​e​u​i​l​l​e​t​o​n​/​d​e​b​a​t​t​e​n​/​l​e​e​r​s​t​e​l​l​e​-​i​n​-​s​p​a​h​n​s​-​d​e​b​a​t​t​e​-​h​i​r​n​t​o​d​-​u​n​d​-​o​r​g​a​n​s​p​e​n​d​e​-​1​5​8​6​3​1​8​0​/​d​i​e​-​b​e​h​a​n​d​l​u​n​g​e​n​-​i​n​-​d​e​n​-​1​5​8​6​4​0​2​3​.html (01.02.2019).Sahm 2018.

  96. Erb­guth, Frank/​Dietrich, Wen­ke: The­ra­pie­ziel Hirn­tod. Soll ein poten­zi­el­ler Organ­spen­der mit aus­sichts­lo­ser Pro­gno­se zuguns­ten einer mög­li­chen Trans­plan­ta­ti­on lebens­ver­län­gernd behan­delt wer­den? In: Baye­ri­sches Ärz­te­blatt (2014), H. 3, S. 116 – 119, hier S. 116.

  97. DIVI, Brief vom 16. Okto­ber 2019, S. 3.

  98. BÄK: Arbeits­pa­pier zum Ver­hält­nis von Pati­en­ten­ver­fü­gung und Organ­spen­de­er­klä­rung. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 110 (2013), H. 12, S. A 572‑A 574.

  99. Ebd., S. A 573.

  100. BÄK: Richt­li­nie gemäß § 16 Abs. 1 S. 1 Nr. 3 TPG zur ärzt­li­chen Beur­tei­lung nach § 9a Abs. 2 Nr. 1 TPG (RL BÄK Spen­der­er­ken­nung) vom 01. Juli 2020. Abge­dr. in: Deut­sches Ärz­te­blatt, S. A1-A12. https://​www​.bun​des​aerz​te​kam​mer​.de/​f​i​l​e​a​d​m​i​n​/​u​s​e​r​_​u​p​l​o​a​d​/​_​o​l​d​-​f​i​l​e​s​/​d​o​w​n​l​o​a​d​s​/​p​d​f​-​O​r​d​n​e​r​/​R​L​/​R​i​l​i​S​p​e​n​d​e​r​e​r​k​e​n​n​u​n​g​_​2​0​20-09 – 01.pdf (20.04.2023)

  101. Ebd., S. A 3.

  102. Ebd.

  103. Vgl. Deut­scher Ethik­rat: Hirn­tod und Ent­schei­dung zur Organ­spen­de. Stel­lung­nah­me. Ber­lin 2015, S. 171.

  104. Erbguth/​Dietrich 2014, S. 118.

  105. Vgl. Sahm, Ste­phan: Der Über­ei­fer vor dem Tod. In: FAZ vom 25.02.2019. https://​www​.faz​.net/​a​k​t​u​e​l​l​/​f​e​u​i​l​l​e​t​o​n​/​d​e​b​a​t​t​e​n​/​n​e​u​e​s​-​g​e​s​e​t​z​-​f​u​e​r​-​o​r​g​a​n​s​p​e​n​d​e​-​d​e​r​-​u​e​b​e​r​e​i​f​e​r​-​v​o​r​-​d​e​m​-​t​o​d​-​1​6​0​5​7​9​1​1​.html.(20.04.2023)

  106. BÄK 2020, S. A 4, A 8.

  107. DIVI: Aktu­el­le Mel­dun­gen – Neu­es Gesetz zur Organ­spen­de: „Der Zeit­punkt der Ein­sicht­nah­me in das Regis­ter muss ver­än­dert wer­den!“ vom 28. Janu­ar 2020. In: https://​www​.divi​.de/​a​k​t​u​e​l​l​e​-​m​e​l​d​u​n​g​e​n​-​i​n​t​e​n​s​i​v​m​e​d​i​z​i​n​/​n​e​u​e​s​-​g​e​s​e​t​z​-​z​u​r​-​o​r​g​a​n​-​u​n​d​-​g​e​w​e​b​e​s​p​e​n​d​e​-​d​e​r​-​z​e​i​t​p​u​n​k​t​-​d​e​r​-​e​i​n​s​i​c​h​t​n​a​h​m​e​-​i​n​-​d​a​s​-​r​e​g​i​s​t​e​r​-​m​u​s​s​-​v​e​r​a​e​n​d​e​r​t​-​w​erden (26.05.2022)

  108. Hah­nen­kamp, Klaus et al.: Organ­pro­tek­ti­ve Inten­siv­the­ra­pie beim Organ­spen­der. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 113 (2016), H. 33 – 34, S. 552 – 558, hier S. 552 (Her­vor­he­bung A.B.). Vgl. auch ders.: Erken­nen eines poten­ti­el­len Spen­ders. In: Ders. et al. (Hg.): Pra­xis­leit­fa­den Organ­spen­de. Umset­zung der BÄK-Richt­li­nie „Spen­der­er­ken­nung“ in der Pra­xis. Ber­lin 2021, S. 7 – 31.

  109. Hah­nen­kamp 2016, S. 552.

  110. Neit­zke, Gerald et al.: Gren­zen der Sinn­haf­tig­keit der Inten­siv­me­di­zin. Posi­ti­ons­pa­pier Sek­ti­on Ethik der DIVI. In. In: Medi­zi­ni­sche Kli­nik – Inten­siv­me­di­zin und Not­fall­me­di­zin 111 (2016), H. 6, S. 486 – 492, hier S. 490.

  111. Neit­zke et al 2019, S. 320.

  112. BÄK, Grund­sät­ze 1998, S. A‑2366 f.

  113. Deut­scher Ethik­rat 2015, S. 27; vgl. Schö­ne-Sei­fert et al.: Behand­lung poten­zi­el­ler Organ­spen­der im Prä­fi­nal­sta­di­um. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 108 (2011), H. 40, S. A 2080‑A 2086, hier S. A 2084; Mer­s­mann, Jan et al.: Hand­rei­chung zum Vor­ge­hen bei erwach­se­nen Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten mit schwers­ter Hirn­schä­di­gung bei zu erwar­ten­dem Hirn­tod und Organ­spen­de­wunsch. In: Anäs­the­sio­lo­gie und Inten­siv­me­di­zin 59 (2018), S. 90 – 98, hier S. 93.

  114. DB: Ent­wurf eines zwei­ten Geset­zes zur Ände­rung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes – Ver­bes­se­run­gen der Zusam­men­ar­beit und der Struk­tu­ren bei der Organ­spen­de. Bun­des­rat. Druck­sa­che 547/18 vom 02.11.2018, S. 2 (Her­vor­he­bung A.B.).

  115. DB: Ent­wurf eines zwei­ten Geset­zes zur Ände­rung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes – Ver­bes­se­run­gen der Zusam­men­ar­beit und der Struk­tu­ren bei der Organ­spen­de. 19. Wahl­per., Drucks. 19/6915 vom 08.01.2019, S. 27.

  116. Ebd., S. 14.

  117. Vgl. ebd., S. 19.

  118. DB: Refe­ren­ten­ent­wurf des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Gesund­heit. Ent­wurf eines Geset­zes für bes­se­re Zusam­men­ar­beit und bes­se­re Struk­tu­ren bei der Organ­spen­de (GZSO) 2018, S. 7, S. 37, 38. https://​www​.bun​des​ge​sund​heits​mi​nis​te​ri​um​.de/​f​i​l​e​a​d​m​i​n​/​D​a​t​e​i​e​n​/​3​_​D​o​w​n​l​o​a​d​s​/​G​e​s​e​t​z​e​_​u​n​d​_​V​e​r​o​r​d​n​u​n​g​e​n​/​G​u​V​/​O​/​G​Z​S​O​_​R​e​f​E.PDF

  119. Zwei­tes Gesetz zur Ände­rung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes vom 22. März 2019, S. 353.

  120. DB, Drucks. 547/18 vom 02.11.2018, S. 11

  121. DB, Drucks. 19/6915 vom 08.01.2019, S. 2, 29, 40.

  122. Zwei­tes Gesetz zur Ände­rung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes vom 22. März 2019, S. 353.

  123. Ebd., S.352.

  124. Deut­scher Städ­te­tag: Ent­wurf eines Geset­zes für bes­se­re Zusam­men­ar­beit und bes­se­re Struk­tu­ren bei der Organ­spen­de (GZSO). Schrei­ben vom 19.09.2018. In: Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit. Stel­lung­nah­men zum Refe­ren­ten­ent­wurf GZSO, S. 4. https://​www​.bun​des​ge​sund​heits​mi​nis​te​ri​um​.de/​f​i​l​e​a​d​m​i​n​/​D​a​t​e​i​e​n​/​3​_​D​o​w​n​l​o​a​d​s​/​G​e​s​e​t​z​e​_​u​n​d​_​V​e​r​o​r​d​n​u​n​g​e​n​/​S​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​n​_​W​P​1​9​/​G​Z​S​O​/​D​e​u​t​s​c​h​e​r​_​S​t​a​e​d​t​e​t​a​g​_​B​M​G​_​S​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​_​O​r​g​a​n​s​p​e​n​d​e.pdf (20.04.2023)

  125. Ebd., S. 4.

  126. Sahm, Ste­phan: Der Über­ei­fer vor dem Tod. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 25.02.2019.

  127. Ebd.

  128. Gesetz zur Stär­kung der Ent­schei­dungs­be­reit­schaft bei der Organ­spen­de (Org­SpEG) vom 16. März 2020. Abge­dr. in: Bun­des­ge­setz­blatt 2020, Teil 1, Nr. 13, S. 497 – 500.

  129. Vgl. z.B. Shew­mon, Alan D.: State­ment in Sup­port of Revi­sing the Uni­form Deter­mi­na­ti­on of Death Act and in Oppo­si­ti­on to a Pro­po­sed Revi­si­on. In: The Jour­nal of Medi­ci­ne and Phi­lo­so­phy: A Forum for Bio­e­thics and Phi­lo­so­phy of Medi­ci­ne 48 (2023), H. 5, S. 453 – 477. Vgl. hier Anm. 74; vgl. außer­dem z.B. zur medi­zi­ni­schen, theo­lo­gi­schen, sozi­al und rechts­wis­sen­schaft­li­chen Hirn­tod­kri­tik im deutsch­spra­chi­gen Raum seit den 1990er Jah­ren: Hoff, Johannes/​Schmitten in der, Jür­gen: Kri­tik der “Hirntod”-Konzeption. Plä­doy­er für ein men­schen­wür­di­ges Ster­ben. In: Dies. (Hg.): Wann ist der Mensch tot? Organ­ver­pflan­zung und Hirn­tod­kri­te­ri­um. Rein­bek bei Ham­burg 1994, S. 153 – 252; Bal­ken­ohl, Man­fred: Der umstrit­te­ne Hirn­tod. In: Ramm, Wal­ter (Hg.): Organ­spen­de. Letz­ter Lie­bes­dienst oder Eutha­na­sie. Mit einem Vor­wort von Wan­da Pół­taws­ka. 2. über­arb. Aufl. Abt­stein­ach 1995, S. 9 – 35; Sta­pen­horst, Kurd: Über die bio­lo­gisch-natur­wis­sen­schaft­lich unzu­läs­si­ge Gleich­set­zung von Hirn­tod und Indi­vi­du­al­tod und ihre Fol­gen für die Medi­zin. In: Ethik in der Medi­zin 8 (1996), S. 79 – 89; Zie­ger, Andre­as: Per­son­sein, Kör­pe­riden­ti­tät und Bezie­hungs­ethik. Erfah­run­gen zum Dia­log­auf­bau mit Men­schen im Koma und Wach­ko­ma aus bezie­hungs­me­di­zi­ni­scher Sicht. In: Stras­ser, Peter/​Starz, Edgar (Hg.): Per­son­sein aus bio­ethi­scher Sicht. Stutt­gart 1997, S. 154 – 171; Stoe­cker, Ralf: Der Hirn­tod. Ein medi­zin­ethi­sches Pro­blem und sei­ne moral­phi­lo­so­phi­sche Trans­for­ma­ti­on. Freiburg/​Br. – Mün­chen 1999; Bäu­mer, Remigius/​Stockhausen, Alma von (Hg.): Zur Pro­ble­ma­tik von Hirn­tod und Trans­plan­ta­ti­on. Weilheim/​Bierbronnen 1998; Haupt/​Höfling 2002, S. 583 – 590; Lin­de­mann 2003; Höf­ling 2004, S. 81 – 88; Kalitz­kus, Vera: Dein Tod, mein Leben. War­um wir Organ­spen­den rich­tig fin­den und trotz­dem davor zurück­schre­cken. Frankfurt/​M. 2009; Schnei­der, Wer­ner: „So tot wie nötig – so leben­dig wie mög­lich!” Ster­ben und Tod in der fort­ge­schrit­te­nen Moder­ne. Eine Dis­kurs­ana­ly­se der öffent­li­chen Dis­kus­si­on um den Hirn­tod in Deutsch­land. Müns­ter 1999; Geis­ler, Linus S.: Die Leben­den und die Toten. In: Uni­ver­si­tas, 65 (2010), H. 763, S. 4 – 13; Sahm, Ste­phan: Ist die Organ­spen­de noch zu ret­ten? In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung, Nr. 213 vom 14. Sep­tem­ber 2010, S. 33; Höf­ling, Wolf­ram: Tot oder leben­dig – ter­ti­um non datur. Eine ver­fas­sungs­recht­li­che Kri­tik der Hirn­tod­kon­zep­ti­on. In: Zeit­schrift für medi­zi­ni­sche Ethik 58 (2012), S. 163 – 172; Man­zei, Alex­an­dra: Der Tod als Kon­ven­ti­on. Die (neue) Kon­tro­ver­se um Hirn­tod und Organ­trans­plan­ta­ti­on. In: Ander­hei­den, Michael/​Eckart, Wolf­gang U. (Hg.): Hand­buch Ster­ben und Men­schen­wür­de. Bd. 1. Berlin/​Boston 2012; S. 137 – 174; Deut­scher Ethik­rat (Hg.): Hirn­tod und Ent­schei­dung zur Organ­spen­de. Stel­lung­nah­me. Ber­lin 2015, S. 84 – 85; Bau­er, Axel W.: Nor­ma­ti­ve Ent­gren­zung, The­men und Dilem­ma­ta der Medi­zin- und Bio­ethik in Deutsch­land. Wies­ba­den 2017; Pra­xis Pal­lia­tive­Ca­re 44 (2019): Die pal­lia­ti­ve Sei­te der Organ­trans­plan­ta­ti­on; Beck­mann, Rai­ner: Der „Hirn­tod“ – kein über­zeu­gen­des Todes­kri­te­ri­um. In: Neue Jus­tiz. Zeit­schrift für anwalts- und Gerichts­pra­xis (7/2020), S. 298 – 303; ders.: Das unbe­grün­de­te „Hirntod“-Konzept. In Juris­ti­sche Zei­tung 78 (2023), H. 21, S. 947 – 957.

  130. Vgl. Höf­ling, Wolf­ram: Organ­spen­de oder Organ­ge­win­nung? Zur Neu­aus­rich­tung der Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin in Deutsch­land. In: Zeit­schrift für Rechts­po­li­tik 52 (2019) H. 1, S. 1 – 5, hier S. 3 f.; Beck­mann, Rai­ner: Der „Hirn­tod“ – kein über­zeu­gen­des Todes­kri­te­ri­um. In: Neue Jus­tiz. Zeit­schrift für anwalts- und Gerichts­pra­xis (7/2020), S. 298 – 303.

  131. Vgl. DB: Sten.Ber., 19. Wahl­per., 140. Sitzg. vom 16. Janu­ar 2020, Ple­nar­pro­to­koll 19/140 vom 16. Janu­ar 2020, S. 17429 – 17468, hier S. 17441.

  132. Org­SpEG vom 16. März 2020, S. 497.

  133. Ebd..

  134. Höf­ling, Wolfram/​Schmitten in der, Jür­gen: Die Ver­schleie­rung der letz­ten Din­ge. Weiß ein Spen­der, was mit ihm geschieht? Um wel­chen Preis wird für mehr Organ­spen­den gewor­ben? Die Kri­tik an der Gleich­set­zung von als „hirn­tot“ Dia­gnos­ti­zier­ten mit Lei­chen hat gute Grün­de. Ein Gast­bei­trag. In: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung vom 15.01.2019. https://​www​.faz​.net/​a​k​t​u​e​l​l​/​f​e​u​i​l​l​e​t​o​n​/​d​e​b​a​t​t​e​n​/​o​r​g​a​n​s​p​e​n​d​e​-​d​e​b​a​t​t​e​-​d​i​e​-​v​e​r​s​c​h​l​e​i​e​r​u​n​g​-​d​e​r​-​l​e​t​z​t​e​n​-​d​i​n​g​e​-​1​5​9​8​8​4​5​3​.html.

  135. Schö­ne-Sei­fert et al. 2011, S. A 2082.

  136. TPGEnt­LÄndfG 2012, S. 1504.

  137. Vgl. Bun­des­zen­tra­le für gesund­heit­li­che Auf­klä­rung: Mei­ne Erklä­rung zur Organ- und Gewe­be­spen­de. Mög­lich­kei­ten der Doku­men­ta­ti­on in Organ­spen­de­aus­weis und Pati­en­ten­ver­fü­gung. Köln 2018.

  138. Ebd., S. 55.

  139. Ebd.

  140. Bun­des­zen­tra­le für gesund­heit­li­che Aufklärung/​Bundesnotarkammer (Hg.): Organ­spen­de in der Pati­en­ten­ver­fü­gung. Wün­sche ein­deu­tig doku­men­tie­ren. Köln/​Berlin o.J., S. 14 (Her­vor­he­bung A.B.); BZgA: Mei­ne Erklä­rung zur Organ- und Gewe­be­spen­de. Mög­lich­kei­ten der Doku­men­ta­ti­on in Organ­spen­de­aus­weis und Pati­en­ten­ver­fü­gung. Köln 2018, S. 57; vgl. auch BÄK: Arbeits­pa­pier zum Ver­hält­nis von Pati­en­ten­ver­fü­gung und Organ­spen­de­er­klä­rung. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 110 (2013), H. 12, S. A 572‑A 574, hier S. A 574.

  141. BZgA 2018, S. 57

  142. Ebd., S. 56.

  143. Die Bun­des­ärz­te­kam­mer hat­te 2013 in ihrem Arbeits­pa­pier zum Ver­hält­nis von Pati­en­ten­ver­fü­gung und Organ­spen­de erklärt und aber auch gefor­dert, dass über die­se Zusam­men­hän­ge die Bevöl­ke­rung genau auf­zu­klä­ren ist: „Der in der Pati­en­ten­ver­fü­gung aus­ge­drück­te Wunsch nach The­ra­pie­be­gren­zung ist mit der Bereit­schaft zur Organ­spen­de und der dafür erfor­der­li­chen kurz­zei­ti­gen Auf­recht­erhal­tung der Vital­funk­tio­nen ver­ein­bar.“ BÄK 2013, S. A 573.

  144. Par­zel­ler, Markus/​Zedler, Barbara/​Verhoff, Mar­cel A.: Recht­li­che Grau­zo­ne. Zu dem Bei­trag: Organ­pro­tek­ti­ve Inten­siv­the­ra­pie beim Organ­spen­der. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 114 (2017), H. 8, S. 137; vgl. z.B. außer­dem genau­so: Ethik­rat 2015, S. 43 – 46; Ethik­rat Katho­li­scher Trä­ger 2019, S. 25; Erbguth/​Dietrich 2014; zur weit­rei­chen­den Unei­nig­keit vgl. Dutt­ge, Gunnar/​Neitzke, Gerald: Zum Span­nungs­feld zwi­schen Inten­siv­the­ra­pie und Organ­trans­plan­ta­ti­on. In: DIVI. Mit­glie­der­zeit­schrift der Deut­schen Inter­dis­zi­pli­nä­ren Ver­ei­ni­gung für Inten­siv- und Not­fall­me­di­zin 6 (4/2015), S. 144 – 149, hier S. 145.

  145. Gesetz zur Stär­kung der Ent­schei­dungs­be­reit­schaft 2020, S. 498 f.

  146. Ebd., S. 499.

  147. So gab es 2021 in Deutsch­land ins­ge­samt 1.023687 Ster­be­fäl­le. Bei 1133 ver­stor­be­nen Men­schen wur­den Hirn­tod­fest­stel­lun­gen durch­ge­führt und abge­rech­net (etwa 0,15 Pro­zent). Vgl. Beck­mann, Rai­ner: Das unbe­grün­de­te „Hirntod“-Konzept. In Juris­ti­sche Zei­tung 78 (2023), S. 947 – 957, hier S. 948.

  148. Vgl. DSO: Organ­spen­de und Trans­plan­ta­ti­on in Deutsch­land. Jah­res­be­richt 2018. Frank­furt am Main 2019, S. 63.

  149. Jeder von uns kann schwer­kran­ken Men­schen hel­fen – bis zu 72 Stun­den nach dem Tod. Deut­sche Gesell­schaft für Gewe­be­trans­plan­ta­ti­on ver­öf­fent­licht Jah­res­be­richt 2018. https://​gewe​be​netz​werk​.de/​d​g​f​g​-​j​a​h​r​e​s​b​e​r​i​c​h​t​-​2​0​1​8​-​g​e​w​e​b​e​s​p​e​n​d​e​/​#​_​f​t​nref1 (20.03.2023)

  150. Vgl. Deut­sche Gesell­schaft für Gewe­be­spen­de: Jah­res­be­richt 2020. Han­no­ver 2021, S. 9.

  151. Deut­sche Gesell­schaft für Gewe­be­trans­plan­ta­ti­on: Mehr Men­schen spen­den Gewe­be auch unter Coro­na. Pres­se­mit­tei­lung vom 17.06.2021. In: https://​www​.pres​se​por​tal​.de/​n​r​/​1​34908 (27.03.2022);

  152. Vgl. Fröh­lich, Anne: Die Kom­mer­zia­li­sie­rung von mensch­li­chem Gewe­be: Eine Unter­su­chung des Gewe­be­ge­set­zes und der ver­fas­sungs- und euro­pa­recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen. Ham­burg 2012, S. 3 – 31.

  153. Vgl. ebd.; Böhn­ke, Ocka Anna: Die Kom­mer­zia­li­sie­rung der Gewe­be­spen­de. Eine Erör­te­rung des Res­sour­cen­man­gels in der Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zin unter beson­de­rer Berück­sich­ti­gung der Wider­spruchs­lö­sung. Frank­furt am Main u. a. 2010, S. 72 – 76; Z.B. heißt es im deut­schen Trans­plan­ta­tions­ge­setz von 1997 unter § 17 Absatz 1 Nr. 2 unter dem Titel: „Ver­bot des Organ­han­dels“: „(1) Es ist ver­bo­ten, mit Orga­nen, die einer Heil­be­hand­lung zu die­nen bestimmt sind, Han­del zu trei­ben. Satz 1 gilt nicht für […] Arz­nei­mit­tel, die aus oder unter Ver­wen­dung von Orga­nen her­ge­stellt sind und den Vor­schrif­ten des Arz­nei­mit­tel­ge­set­zes über die Zulas­sung oder Regis­trie­rung unter­lie­gen oder durch Rechts­ver­ord­nung von der Zulas­sung oder Regis­trie­rung frei­ge­stellt sind.“ § 17 Abs. 1, Nr. 2 TPG-1997, S. 2637.

  154. Vgl. Rie­ser, Sabi­ne: Ein Herz für Ände­rungs­wün­sche. In: Deut­sches Ärz­te­blatt 1004 (2007), H. 23, S. A 1623 – 1624, hier S. A 1623; Fröh­lich 2012, S. 4.

  155. Vgl. Deut­sche Gesell­schaft für Gewe­be­trans­plan­ta­ti­on vom 17.06.2021. In: https://​www​.pres​se​por​tal​.de/​n​r​/​1​34908 (27.03.2022); vgl. Deut­sche Gesell­schaft für Gewe­be­trans­plan­ta­ti­on: Zah­len zur Gewe­be­spen­de im Netz­werk der DGFG 2019, S. 1. https://gewebenetzwerk.de/wp-content/uploads/2019/12/PI_Fast‑3.000-Menschen-sagen-Ja-zur-Gewebespende_Jahreszahlen-2019-der-DGFG.pdf (20.04.2023)

  156. Fröh­lich 2012, S. 24. Anne Fröh­lich bezieht sich auf den Arti­kel Jut­ta vom Hofe: Nur tote Mate­rie? Men­schen – das Maga­zin vom 11.09.2007.

  157. Zit. n. Pres­se­er­klä­rung vom 01.01.2023; Deut­sche Gesell­schaft für Gewe­be­spen­de: Man­gel an Herz­klap­pen immer grö­ßer. https://​gewe​be​netz​werk​.de/​m​a​n​g​e​l​-​a​n​-​h​e​r​z​k​l​a​p​p​e​n​-​a​u​s​-​d​e​r​-​g​e​w​e​b​e​s​p​ende/ (27.03.23)

  158. Ebd.

  159. Vgl. Fröh­lich 2012, S. 12 – 24; vgl. außer­dem zur Gewe­be­ent­nah­me: Kel­ler, Mar­ti­na: Aus­ge­schlach­tet: Die mensch­li­che Lei­che als Roh­stoff. Ber­lin 2008; Schrei­ber, Hans-Lud­wig: Recht­li­che Aspek­te der Organ­trans­plan­ta­ti­on. In: Beckmann/​Kirste/​Schreiber 2008, S. 64 – 92, hier S. 67 f.; Böhn­ke 2010.

  160. Gesetz zur Stär­kung der Ent­schei­dungs­be­reit­schaft 2020, S. 500.

  161. Ebd., S. 498. Vgl. zum Ver­gü­tungs­an­spruch alle zwei Jah­re pro Pati­ent: ebd., S. 500.

  162. Ebd., S. 500.

  163. Ebd., S. 499 (Her­vor­he­bung A.B.).

  164. DIVI: Neu­es Gesetz zur Organ- und Gewe­be­spen­de: „Der Zeit­punkt der Ein­sicht­nah­me in das Regis­ter muss ver­än­dert wer­den.“ Aktu­el­le Mel­dun­gen vom 28. Janu­ar 2020. In: https://​www​.divi​.de/​a​k​t​u​e​l​l​e​-​m​e​l​d​u​n​g​e​n​-​i​n​t​e​n​s​i​v​m​e​d​i​z​i​n​/​n​e​u​e​s​-​g​e​s​e​t​z​-​z​u​r​-​o​r​g​a​n​-​u​n​d​-​g​e​w​e​b​e​s​p​e​n​d​e​-​d​e​r​-​z​e​i​t​p​u​n​k​t​-​d​e​r​-​e​i​n​s​i​c​h​t​n​a​h​m​e​-​i​n​-​d​a​s​-​r​e​g​i​s​t​e​r​-​m​u​s​s​-​v​e​r​a​e​n​d​e​r​t​-​w​erden

  165. Zit.n. ebd.; vgl. auch: Inten­siv­me­di­zi­ner wol­len Ände­run­gen am Gesetz zur Organ- und Gewe­be­spen­de. In: aerz​te​blatt​.de vom 22. Janu­ar 2020. https://​www​.aerz​te​blatt​.de/​n​a​c​h​r​i​c​h​t​e​n​/​1​0​8​8​1​9​/​I​n​t​e​n​s​i​v​m​e​d​i​z​i​n​e​r​-​w​o​l​l​e​n​-​A​e​n​d​e​r​u​n​g​e​n​-​a​m​-​G​e​s​e​t​z​-​z​u​r​-​O​r​g​a​n​-​u​n​d​-​G​e​w​e​b​e​s​pende. (20.04.2023)

  166. Zit.n. ebd.

  167. Zit.n. ebd.

  168. So schreibt z.B. der Autor des von der DSO in Auf­trag gege­be­nen For­schungs­gut­ach­tens Dr. Karl Blum: „bei Pro­gno­se infaust nicht sofor­ti­ge The­ra­pie­li­mi­tie­rung, son­dern pri­mär organ­er­hal­ten­de The­ra­pie, neu­ro­lo­gi­sche Pro­gre­di­enz [zuneh­men­de Ver­schlim­me­rung einer Krank­heit] zulas­sen“. Blum, Karl: Inhouse­ko­or­di­na­ti­on bei Organ­spen­den. Abschluss­be­richt. For­schungs­gut­ach­ten im Auf­trag der Deut­schen Stif­tung Organ­trans­plan­ta­ti­on (DSO). Hrsg. von dem Deut­schen Kran­ken­haus­in­sti­tut. Düs­sel­dorf 2012, S. 71. Die­se Instruk­ti­on erklärt den ‚Hirn­tod‘ zu einem the­ra­peu­ti­schen Ziel, um die Spen­der­zah­len zu erhö­hen.

  169. Vgl. Ände­rung des Geset­zes zur Stär­kung der Ent­schei­dungs­be­reit­schaft bei der Organ­spen­de (Org­SpEG) durch Arti­kel 10 des Geset­zes zur Wei­ter­ent­wick­lung der Gesund­heits­ver­sor­gung vom 11. Juli 2021. In: Bun­des­ge­setz­blatt 2021 Teil I Nr. 44, S. 2793 – 2794.

  170. Arti­kel 15d: Ände­rung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes, S. 2802 – 2803. In: Gesetz zur Wei­ter­ent­wick­lung der Gesund­heits­ver­sor­gung (Gesund­heits­ver­sor­gungs­wei­ter­ent­wick­lungs­ge­setz – GVWG) vom 11. Juli 2021. In: Bun­des­ge­setz­blatt 2021 Teil I Nr. 44, S. 2764 – 2803. Vgl. zur par­la­men­ta­ri­schen Dis­kus­si­on des GVWG und sei­ne Ver­ab­schie­dung: Deut­scher Bun­des­tag, Ste­no­gra­fi­scher Bericht, 234. Sitzg. vom 11. Juni 2021, S. 30343 – 30351.

  171. Vgl. GVWG Arti­kel 10 2021:Änderung des Geset­zes zur Stär­kung der Ent­schei­dungs­be­reit­schaft bei der Organ­spen­de, S. 2793.

  172. GVWG Arti­kel 15d: Ände­rung des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes 2021, S. 2802.

  173. Ebd.

  174. Vgl. ebd., S. 2802. So wur­de das Wort „Liegt“ durch fol­gen­den Satz (kur­siv) ersetzt: „Hat die Aus­kunft aus dem Regis­ter für Erklä­run­gen zur Organ- und Gewe­be­spen­de nach § 2a Absatz 4 erge­ben, dass der mög­li­che Organ- und Gewe­be­spen­der kei­ne Erklä­rung zur Organ- und Gewe­be­spen­de abge­ge­ben hat, und liegt dem Arzt, der die Organ- und Gewe­be­ent­nah­me vor­neh­men oder unter des­sen Ver­ant­wor­tung die Gewe­be­ent­nah­me nach § 3 Abs. 1 Satz 2 vor­ge­nom­men wer­den soll, weder eine schrift­li­che Ein­wil­li­gung noch ein schrift­li­cher Wider­spruch des mög­li­chen Organ- und Gewe­be­spen­ders vor, ist des­sen Ange­hö­ri­ger zu befra­gen“.

  175. Vgl. Gesetz zur Ver­bes­se­rung der Rech­te von Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten: § 630d Abs. 1 Satz 1 und2, § 630d Abs. 2 Satz 1 BGB. In BGBl I vom 04.05.2021, S. 882.

  176. Vgl. so auch Duttke/​Neitzke 2015, S. 148.

  177. Vgl. BÄK: Richt­li­nie gemäß § 16 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 TPG für die Regeln zur Fest­stel­lung des Todes nach § 3 Abs. 1 S. 1Nr. 2 TPG und die Ver­fah­rens­re­gel zur Fest­stel­lung des end­gül­ti­gen, nicht beheb­ba­ren Aus­falls der Gesamt­funk­ti­on des Groß­hirns, des Klein­hirns und des Hirn­stamms nach § 3 Abs. 2 Nr. 2 TPG. Fünf­te Fort­schrei­bung. In: Deut­sches Ärz­te­blatt vom 8. Juli 2022, S. 1 – 31; BÄK: Richt­li­nie gemäß § 16 Abs. 1 S. 1 Nr. 3 TPG zur ärzt­li­chen Beur­tei­lung nach § 9a Abs. 2 Nr. 1 TPG (RL BÄK Spen­der­er­ken­nung) vom 01. Juli 2020. Abge­dr. in: Deut­sches Ärz­te­blatt, S. A1-A12. https://​www​.bun​des​aerz​te​kam​mer​.de/​f​i​l​e​a​d​m​i​n​/​u​s​e​r​_​u​p​l​o​a​d​/​_​o​l​d​-​f​i​l​e​s​/​d​o​w​n​l​o​a​d​s​/​p​d​f​-​O​r​d​n​e​r​/​R​L​/​R​i​l​i​S​p​e​n​d​e​r​e​r​k​e​n​n​u​n​g​_​2​0​20-09 – 01.pdf (20.03.2023); BÄK: Emp­feh­lun­gen der Bun­des­ärz­te­kam­mer zur Organ­spen­de bei posi­ti­vem SARS-CoV‑2 Befund des poten­zi­el­len Spen­ders. Beschluss des Vor­stands der Bun­des­ärz­te­kam­mer vom 22.04.2022. https://​www​.bun​des​aerz​te​kam​mer​.de/​f​i​l​e​a​d​m​i​n​/​u​s​e​r​_​u​p​l​o​a​d​/​d​o​w​n​l​o​a​d​s​/​p​d​f​-​O​r​d​n​e​r​/​E​m​p​f​e​h​l​u​n​g​e​n​/​E​m​p​f​_​S​A​R​S​-​C​o​V​-​2​-​p​o​s​i​t​i​v​e​-​O​r​g​a​n​s​p​e​n​d​e​r.pdf.(20.04.2023)

  178. Vgl. BÄK Emp­feh­lun­gen vom 22.04.2022, S. 1.

  179. Zit. n. Rich­ter-Kuhl­mann, Eva: Organ­spen­de: Neben­dia­gno­se Coro­na. In Deut­sches Ärz­te­blatt 119 (2022), H. 20, S. A 914 – 915, hier S. A 914.

  180. Zit. n. ebd.

  181. Vgl. Berg­mann 2019, S. 291 – 296.

  182. Geis­ler, Linus: Der Mensch der Zukunft − aus der Per­spek­ti­ve der Medi­zin, Fest­vor­trag am 19.03.2005, S. 1 – 22, hier S. 8. http://​www​.linus​-geis​ler​.de/​v​o​r​t​r​a​e​g​e​/​0​5​0​3​g​o​l​d​e​n​e​_​e​u​l​e​.html (27.03.2023)

  183. Wil­kin­son, Dominic/​Savulescu, Juli­an: Should we allow Organ Dona­ti­on Eutha­na­sia? Alter­na­ti­ves for Maxi­mi­zing the Num­ber and Qua­li­ty of Organs for Trans­plan­ta­ti­on. In: Bio­e­thics 26 (2012), H. 1, S. 32 – 48; Ely, E. Wes­ley: Death by organ dona­ti­on: eutha­ni­zing pati­ents for their organs gains frigh­tening trac­tion. In: Inten­si­ve Care medi­ci­ne 45 (2019). Online­pu­bli­ka­ti­on: https://​doi​.org/​1​0​.​1​0​0​7​/​s​0​0​1​3​4-019 – 05702‑1 (27.03.2023); Muld­er, Johannes/​Sonneveld, Hans: Organ Dona­ti­on after Eutha­na­sia start­ing with anaes­the­sia at home is legal in the Net­her­lands, Bel­gi­um, Cana­da and Spain. In: BMC Medi­cal Ethics 24 (2023), H. 34. Online­pu­bli­ka­ti­on: https://​doi​.org/​1​0​.​1​1​8​6​/​s​1​2​9​1​0-023 – 00906‑z (27 – 03.2023);Tajaâte, Najat et al.: Organ Dona­ti­on after Eutha­na­sia start­ing at home in a Pati­ent with Mul­ti­ple Sys­tem Ath­ro­py. In: BMC Medi­cal Ethics 22 (2021), H. 120. Online­pu­bli­ka­ti­on: https://​doi​.org/​1​0​.​1​1​8​6​/​s​1​2​9​1​0-021 – 00686‑4 (27.03.2023); Bol­len, Jan A.M. et al: Organ dona­ti­on after eutha­na­sia in child­ren: Bel­gi­an and Dutch per­spec­ti­ves. In: Bri­tish Medi­cal Jour­nal 104 (2018), H. 9. Online­pu­bli­ka­ti­on: http://​dx​.doi​.org/​1​0​.​1​1​3​6​/​a​r​c​h​d​i​s​c​h​i​l​d​-2018 – 315560 (27.03.2023)

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