KAO Aktuell

Wir wollen Wissen

Claudia Wiesemann : Annäherungen an den Tod

Das Wissen um die Vor­ge­schichte ist dabei uner­lässlich : Ist der Ausfall der Hirn­funk­tionen Folge einer schweren Hirn­schä­digung, etwa nach einem mas­siven Schlag­anfall, oder einer Tablet­ten­in­to­xi­kation ? Der into­xi­kierte Patient kann das Bild eines Hirntods zeigen, obwohl seine Hirn­funk­tionen nicht irrever­sibel erlo­schen sind und nach Abklingen der Medi­ka­men­ten­wirkung wie­der­her­stellbar sind. Deshalb weisen die Richt­linien der Bun­des­ärz­te­kammer auf die Gefahr einer Ver­wechslung von Hirntod und Into­xi­kation hin.

Doch wie oft kennen die Ärzte auf der Inten­siv­station tat­sächlich die Vor­ge­schichte des Pati­enten ? Wie oft sind sie aus­rei­chend skep­tisch, wenn ein Patient nach einem Ver­kehrs­unfall ein­ge­liefert wird ? Der Unfall kann Folge einer Medi­ka­men­ten­über­dosis sein.

Mehr noch : Ein Patient, der tat­sächlich einen Schlag­anfall hat, kann zugleich eine Medi­ka­men­ten­in­to­xi­kation auf­weisen, die aber durch die eher ins Auge fal­lenden Sym­ptome des Schlag­an­falls kaschiert wird. Erschwerend kommt schließlich hinzu, dass inten­siv­pflichtige Pati­enten mit beglei­tenden Herz-​Kreis­lauf­pro­blemen oft Leber- und Nie­ren­funk­ti­ons­stö­rungen haben. Medi­ka­mente, die einen Hirntod imi­tieren, werden dann sehr viel lang­samer abgebaut und aus­ge­schwemmt und wirken dadurch länger als üblich.

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Robert D. Truog, MD : Sollte eine informierte Zustimmung verpflichtend sein bei der Durchführung eines Apnoe-Tests bei Patienten, deren Hirntod vermutet wird ? – Ja

Ist es erfor­derlich, dass eine infor­mierte Zustimmung der Bevoll­mäch­tigten eines Pati­enten vor­liegen muss, wenn ein Apnoe-Test als Bestandteil der Hirntod-​Unter­su­chung durch­ge­führt wird ? Diese Frage stellt sich gerade jetzt, nicht nur weil die recht­lichen Ent­schei­dungen bei dieser Frage derzeit unter­schiedlich aus­fallen, sondern auch wegen einer Anzahl von Fällen, in denen die Familien die Hirntod-​Dia­gnose abge­lehnt haben, nachdem sie getroffen worden war, und die auch die Hirntod-​Unter­su­chung untersagt hätten, wenn man sie danach gefragt hätte.

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Der tödliche Apnoetest

Das Interview führte Silvia Mat­thies mit Pro­fessor Cicero Galli Coimbra, MD, PHD, Lehr­be­auf­tragter Pro­fessor für Neu­ro­logie und Neu­ro­wis­sen­schaften, Lan­des­uni­ver­sität Sao Paulo – UNIFESP, Bra­silien am Rande des Kon­gresses ”Signs of life”, der am 19. Februar 2009 in Rom statt fand. Wis­sen­schaftler aus aller Welt stellten das Hirn­tod­konzept in Frage.

Der Organ­spen­de­WI­DER­SPRUCH der Initiative KAO untersagt jeg­liche Hirn­tod­dia­gnostik : https://​initiative​-kao​.de/​i​n​f​o​s​e​r​v​i​c​e​/​i​n​f​o​d​o​w​n​l​o​a​d​/​p​d​f​ – ​k​a​o​ – ​o​r​g​a​n​s​p​e​n​d​e​w​i​derspruch/​

Wie das Leben von hirn­ver­letzten Pati­enten gerettet werden kann :
Deutsch : https://​archiv​.initiative​-kao​.de/​c​o​i​m​b​r​a​ – ​vortrag–0911-12-rettung-hirnverletzte.pdf

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KAO beim Kirchentag Berlin 2017

Bericht
vom Info-Stand beim Markt der Mög­lich­keiten in der Mes­se­halle 4 und
vom Auf­tritt von KAO auf dem Markt­platz in Halle 2 am 26.5.

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KAO fordert die Einhaltung des geltenden Rechts auch bei der Hirntoddiagnose

Eine ärzt­liche Handlung, wie z.B. eine Blut­ent­nahme oder die Anordnung einer Rönt­gen­un­ter­su­chung, wird primär als Kör­per­ver­letzung ange­sehen, die nur zulässig ist, wenn sie a) diesem Pati­enten nutzen soll und b) der Patient ihr zustimmt bzw. nicht wider­spricht, obwohl ihm das gut möglich wäre.

Die organ­schüt­zenden Maß­nahmen sowie die Hirn­tod­dia­gnostik auf­grund einer mög­lichen bevor­ste­henden Organ­ent­nahme werden jedoch im Hin­blick auf einen Dritten – den Organ­emp­fänger – durch­ge­führt. Der Tat­be­stand der Kör­per­ver­letzung ist hier somit nicht durch einen zu erwar­tenden Nutzen für den Pati­enten zu recht­fer­tigen, an dem die Dia­gnostik durch­ge­führt wird. Der Ein­griff ist fremd­nützig und dient in den meisten Fällen dem Organ­emp­fänger. Auch mit der Abwendung von Gefahr im Verzug (unauf­schiebbare Maß­nahme) kann nicht argu­men­tiert werden, da diese keinen Ein­griff recht­fertigt, der zum Nutzen einer anderen Person (Organ­emp­fänger) vor­ge­nommen wird.

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Dick Teresi : Spender mit schlagendem Herzen

Im Jahr 1968 trafen sich 13 Männer an der Harvard Medical School, um fak­tisch 5.000 Jahre der Beschäf­tigung mit dem Tod umzu­stoßen. Innerhalb von drei Monaten pro­du­zierte das Harvard-Komitee (unter der Bezeichnung : „the Ad Hoc Com­mittee of the Harvard Medical School to Examine the Defi­nition of Brain Death“) eine ein­fache Sammlung von Kri­terien, die es heute Ärzten erlauben, einen Men­schen in einem kür­zeren Zeitraum für tot zu erklären, als man für eine gründ­liche Augen-​Unter­su­chung benötigt. Man ver­wendete viele medi­zi­nische Fach­be­griffe, aber letzt­endlich bezogen sich die Kri­terien des Komitees nicht mehr auf bio­lo­gische Fakten, sondern auf phi­lo­so­phische Erwä­gungen. Nach wenigen Jahren wurde vom größten Teil des medi­zi­ni­schen Esta­blish­ments akzep­tiert, dass der Tod nicht dadurch defi­niert wurde, dass ein Herz nicht mehr zum Schlagen gebracht werden konnte oder dass die Lungen nicht mehr atmen konnten. Nein, man wurde für tot gehalten, wenn man unter einem Verlust der Per­sön­lichkeit litt.

Aber bevor wir erkennen, was es für reale Pati­enten bedeutet, wenn Phi­lo­sophie an Stelle von Wis­sen­schaft ein­ge­setzt wird, lassen Sie uns die Kri­terien betrachten, von denen die Autoren der Harvard Medical School glaubten, dass sie auf ein „dau­erhaft nicht funk­tio­nie­rendes Gehirn“ hin­wiesen :

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