Organ­spen­de -

die ver­schwie­ge­ne Sei­te

Hirn­tod — der neue Tod bei leben­di­gem Leib

Seit der Har­vard Defi­ni­ti­on 1968 wird uns im Zusam­men­hang mit Organ­trans­plan­ta­ti­on ein neu­er Tod ver­ord­net. Schon beim Ver­sa­gen des Gehirns soll der Mensch tot sein, obwohl alle ande­ren Kör­per­funk­tio­nen noch erhal­ten sind. Die Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ner, die Bun­des­ärz­te­kam­mer, aber auch der Staat behaup­ten das. Kön­nen wir ihnen, die nicht mehr den ster­ben­den Men­schen, son­dern nur des­sen lebens­fri­sche Orga­ne sehen, trau­en? Tat­säch­lich müs­sen trans­plan­ta­ble Orga­ne lebens­frisch sein, also von einem Men­schen stam­men, der noch maschi­nell beat­met wird. Er wird gepflegt, sein Herz schlägt, er ist warm und kann Fie­ber haben. Er bewegt sich spon­tan und reagiert auf Berüh­rung. Beim Ein­schnitt des Chir­ur­gen in den Kör­per des Organ­spen­ders steigt in vie­len Fäl­len der Blut­druck rasant an. Des­halb bekom­men Spen­der bei der Organ­ent­nah­me immer mus­kel­ent­span­nen­de Mit­tel und Opi­ate. Oft sogar eine Voll­nar­ko­se. Es stellt sich die Fra­ge: wie tot sind „Hirn­to­te“, denen ihre Orga­ne ent­nom­men wer­den? Ganz­tot, halb­tot, schein­tot, ster­bend oder noch lebend?

Wenn wir die Gesell­schaft über die Organ­spen­de auf­klä­ren, bekom­men wir kei­ne Orga­ne mehr.

Prof. Rudolf Pichlmayr – 1987 Trans­plan­ta­ti­ons­me­di­zi­ner

INFORMIEREN SIE SICH

Wuss­ten Sie schon …?

Was bei “nor­ma­len” Ope­ra­tio­nen als Schmerz­reaktion des Pati­en­ten gewer­tet wird, wird beim Organ­spen­der wäh­rend der Organ­ent­nah­me als nicht rele­vant ange­se­hen. Denn der Organ­spen­der gilt als “tot”. Beim Auf­schnei­den sei­nes Kör­pers vom Hals bis zum Scham­bein­ kommt es jedoch in vie­len Fäl­len zu Blu­t­­druck-, Her­z­fre­quenz- und Adrenalin­anstieg. In Deutsch­land sind bei einer Organ­ent­nah­me nur mus­kel­ent­span­nen­de Prä­pa­ra­te vor­ge­schrie­ben, nicht aber Schmerz­mit­tel oder gar eine Voll­nar­ko­se.

Selbst ent­schei­den

In Sachen Organ­spen­de ver­langt der Gesetz­ge­ber von jedem Bür­ger eine Ent­schei­dung. Wer nicht selbst für sich ent­schei­det und dies auch doku­men­tiert, über den ent­schei­den ande­re, meist die Ange­hö­ri­gen.

Hirn­tod

Eine Hirn­tod­dia­gno­se ist kom­plex, weil es Umstän­de gibt, die einen Hirn­tod vor­täu­schen. Zum Bei­spiel eine Unter­küh­lung oder die vor­he­ri­ge Ein­nah­me von Schmerz- und Beru­hi­gungs­mit­teln. Insi­der for­dern des­we­gen schon lan­ge eine zer­ti­fi­zier­te Aus­bil­dung für die fol­gen­rei­che Hirn­tod­dia­gnos­tik. Nach der Hirn­tod­dia­gnos­tik wird der Toten­schein aus­ge­stellt. Denn der Mensch gilt juris­tisch als Lei­che. Die Kran­ken­kas­se stellt die Zah­lun­gen ein.

Organ­ent­nah­me

Was eine Organ­ent­nah­me für den­je­ni­gen bedeu­tet, des­sen Orga­ne explan­tiert wer­den, wis­sen die Wenigs­ten. Des­halb ist es uner­läss­lich sich im Detail mit den Abläu­fen vor und wäh­rend einer Organ­ent­nah­me zu befas­sen.

Der ver­ord­ne­te Tod

Der Hirn­tod ist eine recht­li­che Defi­ni­ti­on, nach der unge­straft Orga­ne ent­nom­men wer­den kön­nen. Men­schen, mit der Dia­gno­se Hirn­tod zei­gen kei­nes der siche­ren äuße­ren Zei­chen des Todes, dafür aber bis auf die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit alle Zei­chen des Lebens.

FRAGEN SIE SICH

Wol­len Sie das …?

Vor­aus­set­zung für eine Organ­ent­nah­me ist die Hirn­tod-Dia­gno­se. Bevor die­se gestellt wird müs­sen Schmerz- und Beru­hi­gungs­mit­tel abge­setzt wer­den, da die­se die Dia­gno­se ver­fäl­schen kön­nen. Die Hirn­tod-Dia­gno­se ist ein Funk­ti­ons­test bei dem geprüft wird, in wie weit das Gehirn des Pati­en­ten Reak­tio­nen zeigt. Schmerz- und Beru­hi­gungs­mit­tel min­dern die­se Reak­ti­ons­fä­hig­keit. Das Pro­blem für den Pati­en­ten: bei Hirn­ver­let­zun­gen kön­nen Schmerz- und Beru­hi­gungs­mit­tel the­ra­peu­tisch bedeut­sam sein.

Spen­de­zen­trier­te Mass­nah­men?

Wol­len Sie schon vor der Hirn­tod­dia­gno­se unter Umstän­den belas­ten­de Unter­su­chun­gen und Behand­lun­gen über sich erge­hen las­sen — im Inter­es­se des spä­te­ren Emp­fän­gers? Die­se Maß­nah­men hei­ßen auch organ­pro­tek­ti­ve oder spen­de­zen­trier­te Maß­nah­men in der Fach­li­te­ra­tur meist Spen­der­kon­di­tio­nie­rung. Wenn Sie damit nicht ein­ver­stan­den sind, soll­ten Sie alle die­se Maß­nah­men in Ihrer Pati­en­ten­ver­fü­gung unter­sa­gen.

Wie­der­be­le­bung für Organ­ent­nah­me?

Wol­len Sie, wenn man Sie schon auf­ge­ge­ben hat, eine for­cier­te Inten­siv­me­di­zin über sich erge­hen las­sen? Even­tu­el­le auch eine Wie­der­be­le­bung nur zum Zwe­cke der Organ­ent­nah­me?

Inva­si­ve Mass­nah­men?

Wol­len Sie dass, wenn man Sie schon auf­ge­ge­ben hat, noch inva­si­ve Maß­nah­men durch­ge­führt wer­den? Oder zie­hen Sie es vor in Ruhe und bis zum letz­ten Atem­zug beglei­tet zu ster­ben?

Kein Kran­ken­schutz mehr?

Wol­len Sie, dass ihre Ange­hö­ri­gen die erheb­li­chen Behand­lungs­kos­ten selbst tra­gen müs­sen? Und zwar dann, wenn sie Zwei­fel an der Dia­gno­se Hirn­tod haben und mit dem sofor­ti­gen Abstel­len der maschi­nel­len Beat­mung nicht ein­ver­stan­den sind.

SCHÜTZEN SIE SICH UND IHRE ANGEHÖRIGEN

Wirk­sam wider­spre­chen …?

Wenn Sie kein Organ­spen­der sind und nicht als sol­cher behan­delt wer­den wol­len dann müs­sen Sie dies detail­liert in Ihrer Pati­en­ten­ver­fü­gung doku­men­tie­ren. Dazu soll­ten Sie fol­gen­des fest­le­gen: die Spen­der­kon­di­tio­nie­rung (auch organ­pro­tek­ti­ve oder spen­de­zen­trier­te Maß­nah­men) und die Hirn­tod­dia­gnos­tik sind in jedem Fall zu unter­las­sen. Auf Schmerz- und Beru­hi­gungs­mit­tel wol­len Sie auf kei­nen Fall ver­zich­ten. Ein Behand­lungs­ab­bruch ist auch ohne Hirn­tod­dia­gnos­tik nach Abspra­che mit dem Betreu­er juris­tisch mög­lich. Auf die­se Punk­te soll­ten Sie auch in ihrem Organ­spende­wider­spruch in Ihren Aus­weis­pa­pie­ren hin­wei­sen. Im Aus­land gilt fast über­all die Wider­spruchs­lö­sung. Das bedeu­tet Sie wer­den zur Organ­spen­de her­an­ge­zo­gen, wenn Sie nicht vor­her schrift­lich wider­spre­chen.

Wider­spruch erfor­der­lich

In fast allen ande­ren Euro­päi­schen Län­dern muss man vor­her einen doku­men­tier­ten Wider­spruch ein­le­gen, wenn man kein Organ­spen­der sein will. In Frank­reich und Öster­reich gibt es hier­zu ein Wider­spruchs­re­gis­ter.

Erwei­ter­te Ent­nah­me­kri­te­ri­en

In eini­gen Län­dern darf man nicht nur nach Hirn­tod­dia­gno­se, son­dern auch nach zwei- bis fünf­zehn­mi­nü­ti­gem Herz­still­stand (NHBD — non heart bea­ting donor) Orga­ne ent­neh­men. Fakt ist: selbst die Kri­te­ri­en für die Dia­gno­se des Hirn­to­des unter­schei­den sich von Land zu Land erheb­lich. Wenn Sie in einem Land tot sind, sind Sie es in einem ande­ren noch lan­ge nicht. Wer das nicht will soll­te sei­nen Wider­spruch doku­men­tie­ren.

Wider­spruch in Lan­des­spra­che

Ihr Wider­spruch zur Organ­spen­de muss in der jewei­li­gen Lan­des­spra­che aus­ge­stellt sein. Wer viel unter­wegs ist muss für alle Fäl­le gerüs­tet sein.

Beglau­big­te Unter­schrift

In man­chen Län­dern muss ihre Unter­schrift auf dem Wider­spruch von einer Behör­de beglau­bigt wer­den. In Grie­chen­land sogar nota­ri­ell.

IM SCHOCK ÜBERRUMPELT

Ange­hö­ri­ge als wei­te­re Opfer

Im Zeit­druck, unter Schock und unin­for­miert stim­men vie­le Ange­hö­ri­ge einer Organ­spen­de zu. Die Hoff­nung, dass aus dem Schlim­men etwas Gutes wird, erfüllt sich meist nicht. Statt­des­sen pla­gen sich vie­le mit Schuld­ge­füh­len, weil sie ihren Ange­hö­ri­gen in sei­nen letz­ten Stun­den allei­ne gelas­sen haben.

Organ­ent­nah­me aus Sicht der “Spen­der” und ihrer Ange­hö­ri­gen

HIRNTOD - TOD BEI LEBENDIGEM LEIB Die frag­wür­di­ge Hirn­tod­dia­gno­se und Organ­ent­nah­me bei Lorenz Mey­er

ORGANSPENDEDIE SCHATTENSEITE Inter­view mit Rena­te Grei­nert zur Organ­ent­nah­me bei ihrem Sohn Chris­ti­an

HIRNTOD UND ORGANSPENDEDIE VERSCHWIEGENE SEITE Ein Film­bei­trag über die Organ­ent­nah­me bei Arnd Focke. Der Fall zeigt exem­pla­risch die Pro­ble­ma­tik der Organ­spen­de.

ORGANSPENDE ? — NEIN. ER BRAUCHT SEINE ORGANE SELBER Die ret­ten­de Ant­wort auf eine unzu­mut­ba­re Fra­ge

Wei­te­re Vide­os

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KAO ist eine Initia­ti­ve gegrün­det von Eltern, die ihre ver­un­glück­ten Kin­der zur Organ­spen­de frei­ge­ge­ben haben, ohne die Hin­ter­grün­de zu die­sem Zeit­punkt genau genug zu ken­nen. Erst nach­dem ihre Kin­der beer­digt waren, haben sie begrif­fen, wozu sie ja gesagt hat­ten. Sie haben begrif­fen, dass leben­de Orga­ne nicht von Men­schen ent­nom­men wer­den kön­nen, die so tot sind, wie sie es sich vor­ge­stellt hat­ten. Ihre Ent­schei­dung haben sie daher bit­ter bereut. Durch ihre Zustim­mung waren ihre Kin­der in ihrem Ster­be­pro­zess, in dem sie ihrer beson­de­ren Lie­be bedurf­ten, unge­schützt allein gelas­sen und einer Organ­ent­nah­me über­ant­wor­tet, die hin­ter­her wie das Aus­schlach­ten eines Auto­wracks erschien. In die­ser Situa­ti­on haben sie sich ent­schlos­sen, durch Auf­klä­rung dazu bei­zu­tra­gen, dass ande­re Eltern unter ähn­li­chen Umstän­den davor bewahrt wer­den, unvor­be­rei­tet wie sie mit der Fra­ge der Organ­spen­de kon­fron­tiert zu wer­den.

Was wir for­dern

VON UNS ALLEN

  • sich im Detail zu infor­mie­ren und für sich selbst zu ent­schei­den
  • die eige­ne Sterb­lich­keit zu akzep­tie­ren
  • sich abzu­wen­den von einer Medi­zin, die das Ster­ben des einen Pati­en­ten zum ver­meint­li­chen Wohl eines ande­ren benutzt

VON POLITIK UND JUSTIZ

  • die enge Zustim­mungs­lö­sung ein­zu­füh­ren, nur so sind Organ­ent­nah­men trag­bar
  • den sen­si­blen Bereich Organ­ent­nah­me effek­tiv zu kon­trol­lie­ren
  • jeden Ver­such zu bekämp­fen, mensch­li­ches Leben als Ver­fü­gungs­mas­se zu behan­deln

VON DER MEDIZIN

  • anzu­er­ken­nen, dass der “Hirn­tod” kei­ne wis­sen­schaft­li­che, son­dern eine juris­ti­sche Defi­ni­ti­on ist, um straf­frei Orga­ne ent­neh­men zu kön­nen
  • auch Risi­ken und Miss­er­fol­ge von Trans­plan­ta­tio­nen dar­zu­le­gen
  • inten­siv auf­zu­klä­ren über die nie­ren­schä­di­gen­de Wir­kung von frei­ver­käuf­li­chen Schmerz­mit­tel bei unsach­ge­mä­ßer Anwen­dung (ins­be­son­de­re Dosie­rung und Dau­er)

VON DEN KIRCHEN

  • nicht mit zwei­er­lei Maß zu mes­sen und den Pati­en­ten im Hirn­ver­sa­gen die glei­che Zuwen­dung zu geben wie ande­ren Ster­ben­den
  • kei­ne Nütz­lich­keits­er­wä­gun­gen zu unter­stüt­zen
  • Men­schen nicht ihr Mensch­sein abzu­spre­chen und sie damit zum Recy­cling­gut zu degra­die­ren

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