Die Maß­nah­men zum Erhalt der Organe bei Ver­dacht auf Hirn­tod und die Fest­stel­lung des sog. Hirn­tods erfordern eine für den Patien­ten gefährliche Proze­dur – trotz­dem wer­den sie in der Regel ohne die notwendi­ge Ein­willi­gung durchge­führt. (Deutsch­er Ethikrat, Feb­ru­ar 2015). Das ist nach Überzeu­gung des Vere­ins KAO – Kri­tis­che Aufk­lärung über Organtrans­plan­ta­tion e.V. — rechtswidrig.

Eine ärztliche Hand­lung, wie z.B. eine Blu­tent­nahme oder die Anord­nung ein­er Rönt­ge­nun­ter­suchung, wird primär als Kör­per­ver­let­zung ange­se­hen, die nur zuläs­sig ist, wenn sie a) diesem Patien­ten nutzen soll und b) der Patient ihr zus­timmt bzw. nicht wider­spricht, obwohl ihm das gut möglich wäre.

Die organ­schützen­den Maß­nah­men sowie die Hirn­tod­di­ag­nos­tik auf­grund ein­er möglichen bevorste­hen­den Orga­nent­nahme wer­den jedoch im Hin­blick auf einen Drit­ten — den Organempfänger — durchge­führt. Der Tatbe­stand der Kör­per­ver­let­zung ist hier somit nicht durch einen zu erwartenden Nutzen für den Patien­ten zu recht­fer­ti­gen, an dem die Diag­nos­tik durchge­führt wird. Der Ein­griff ist fremd­nützig und dient in den meis­ten Fällen dem Organempfänger. Auch mit der Abwen­dung von Gefahr im Verzug (unauf­schieb­bare Maß­nahme) kann nicht argu­men­tiert wer­den, da diese keinen Ein­griff recht­fer­tigt, der zum Nutzen ein­er anderen Per­son (Organempfänger) vorgenom­men wird.

Liegt keine Ken­nt­nis zum Patien­ten­willen vor, muss von ein­er Hirn­tod­di­ag­nose Abstand genom­men wer­den, erst recht von fremd­nützi­gen Maß­nah­men, da auch hier der Grund­satz allen ärztlichen Han­delns — nicht zu schaden — gilt. Ein möglich­er Schaden kann auch nicht durch den Nutzen für eine andere/dritte Per­son (Organempfänger) aufge­wogen wer­den.

Auch der häu­fig vorge­brachte Ein­wand, dass vor ein­er Leichen­schau auch keine Ein­willi­gung einge­holt wer­den muss, ist unsin­nig:

Vor der Hirn­tod­di­ag­nos­tik gilt der Patient noch nicht als tot, selb­st wenn man den “Hirn­tod” als eine hin­re­ichende Bedin­gung für den Tod des Men­schen ansieht. Falls ein Arzt bei ein­er üblichen Todes­fest­stel­lung einen Herz­schlag fest­stellt, würde er die Leichen­schau sofort ein­stellen und dem Patien­ten helfen. Auch insofern sind Hirn­tod­di­ag­nos­tik und Todes­fest­stel­lung nicht miteinan­der zu ver­gle­ichen.

Dr. Stahnke stellt fest: “Für die inten­sivmedi­zinis­che Behand­lung bzw. den Behand­lungsab­bruch ist die Hirn­tod­di­ag­nos­tik nicht notwendig. Dafür reicht es aus, dass die behan­del­nden Ärzte zu der Ein­schätzung gelan­gen, dass die Prog­nose für den Patien­ten aus­sicht­s­los ist und er nicht mehr von ein­er weit­eren Ther­a­pie prof­i­tiert. Dann ist in Absprache mit den Ange­höri­gen ein Behand­lungsab­bruch möglich. die Hirn­tod­di­ag­nos­tik muss bei einem noch leben­den Men­schen nur zum Zweck der Orga­nent­nahme durchge­führt wer­den.“

Dazu wird Dr. Thomas Brei­den­bach, Geschäfts­führen­der Arzt der DSO Bay­ern, wie fol­gt zitiert:
„Nur bei ein­er Orga­nent­nahme muß der Hirn­tod fest­gestellt wer­den. Im “Nor­mal­fall” erfol­gt keine Hirn­tod­di­ag­nos­tik.”
Mythen und Fak­ten, med­scape, 7. Mai  2015

Diese Pressemit­teilung wurde am 02.06.2017 veröf­fentlicht auf https://www.openpr.de/news/953665/KAO-fordert-die-Einhaltung-des-geltenden-Rechts-auch-bei-der-Hirntoddiagnose.html