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Gedanken zur Organspende
Gedanken zur Organspende - Will ich meine Organe spenden?

Orga­ne spen­den

Die­ser Bei­trag ist der 2. von 6 Bei­trä­gen in der Rei­he Gedan­ken zur Organ­trans­plan­ta­ti­on von Hil­de­gard Fuhr­berg

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Für den Fall, dass ich bereit bin Orga­ne zu „spen­den“, bin ich mir fol­gen­der Tat­sa­chen bewusst und mit allen damit ver­bund­nen Fol­gen für mich, ein­ver­stan­den:

Im Fal­le einer schwe­ren, lebens­be­droh­li­chen Erkran­kung mit unmit­tel­bar dro­hen­dem töd­li­chen Aus­gang, stim­me ich einer Hirn­tod­dia­gnos­tik bei mir, zu. Dies ist die Vor­aus­set­zung für eine spä­te­re Organ­ent­nah­me. Mir ist bewusst, dass die Hirn­tod­dia­gnos­tik sehr schmerz­haft sein kann und mich mög­lich­wei­se im Ster­be­pro­zess behin­dert.[1] Mir ist bekannt, dass die Stra­pa­zen der Hirn­tod­dia­gnos­tik das Ergeb­nis „Hirn­tod“, über­haupt erst her­vor­ru­fen kön­nen. Danach wäre die Bahn frei für eine Organ­ent­nah­me. Mir ist bekannt, dass Hirn­to­te bereits nach­weis­lich wie­der zu Bewusst­sein gekom­men sind und dass „Hirn­tod“ eine sehr will­kür­lich fest­ge­leg­te, kon­tro­vers dis­ku­tier­te, rein juris­ti­sche Fest­le­gung ist. Nach­ge­wie­sen Hirn­to­te, sind nicht tot. Das ist mir bekannt. Sie kön­nen zeu­gen und Schwan­ger­schaf­ten aus­tra­gen. Sie kön­nen vie­le leben­di­ge Reak­tio­nen zei­gen. Mir ist bekannt, dass Hirn­to­te Leben­de sind. Brauch­ba­re Orga­ne kön­nen nur Leben­den ent­nom­men wer­den. Orga­ne Ver­stor­be­ner sind zur Trans­plan­ta­ti­on unbrauch­bar. Ich weiß, dass ich des­we­gen mög­li­cher­wei­se wie­der­be­lebt wer­de, soll­te ich vor einer erfolg­ten Organ­ent­nah­me verster­ben. Nur Leben­de sind für eine Organ­ent­nah­me nütz­lich.

Ich stim­me des­halb mei­ner Tötung zum Zweck der Organ­ent­nah­me für einen mir unbe­kann­ten Men­schen zu. Medi­zi­ni­sche Fach­kräf­te nen­nen die­sen Vor­gang auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne: „jus­ti­fied kil­ling“, also „berech­tig­te Tötung“.[2]

Das tue ich im Wis­sen dar­um, dass die­se Men­schen mit mei­nen Orga­nen auch einen Teil mei­ner Lebens­kraft erhal­ten. Wenn Orga­ne von mir noch leben­dig sind, ist mein voll­stän­di­ges Ster­ben und ein voll­stän­di­ger Tod unmög­lich und fried­lich nicht erreich­bar. Wel­che Kon­se­quen­zen dar­aus für mich und mein mög­li­ches, nacht­od­li­ches See­len­le­ben ent­ste­hen könn­ten, ist mir nicht bekannt. Das kann mir kein Mensch mit Sicher­heit sagen. Da ist alles offen und alles mög­lich. Die­ses beacht­li­che Risi­ko neh­me ich bewusst zur Kennt­nis. Ich weiß auch, dass trans­plan­tier­te Orga­ne oft abge­sto­ßen wer­den oder die Immun­me­di­ka­men­te oft zu Krebs bei den Über­le­ben­den führt. Den­noch stim­me ich einer Organ­ent­nah­me und mei­ner dazu not­wen­di­gen Tötung zu.

  • Ich weiß, dass kein Mensch bewei­sen kann, dass nach mei­nem Tod alles zu Ende ist und mei­ne Orga­ne dann nur noch nütz­li­cher Abfall sind.
  • Ich bin bereit das erheb­li­che Risi­ko mei­nes mög­li­cher­wei­se gestör­ten Ster­be­pro­zess für eine Organ­ent­nah­me bei mir, ein­zu­ge­hen.
Ort, Datum
Unter­schrift

LITERATURHINWEISE


  1. Kri­ti­sche Auf­klä­rung über Organ­trans­plan­ta­ti­on e.V, auf: https://​initia​ti​ve​-kao​.de/​d​i​e​-​k​o​n​s​e​q​u​e​n​z​-​a​u​s​-​m​o​e​g​l​i​c​h​e​r​-​w​i​d​e​r​s​p​r​u​c​h​s​r​e​g​e​l​u​n​g​-​u​n​d​-gzso (13.01.2020), Auf­ge­ru­fen am 11.08.2020
  2. Robert D. Truog/​Franklin G. Mil­ler, Rethin­king the Ethics of Vital Organ Dona­ti­ons, in: Has­tings Cen­ter Report, 38(2008) 6, S. 41ff.
Heil­prak­ti­ke­rin

Hil­de­gard Fuhr­berg, Ham­burg
Sie ist gebo­ren 1952, ver­hei­ra­tet, Mut­ter von zwei erwach­se­nen Kin­dern und Groß­mutter.
Sie hat Jura stu­diert, wech­sel­te aber zur Heil­pra­xis, da die Erfah­run­gen, die sie schon als Kind in der Arzt­pra­xis ihres Vaters mach­te, letz­ten Endes für sie inter­es­san­ter und über­zeu­gen­der waren. Sie ist als Heil­prak­ti­ke­rin seit 40 Jah­ren berufs­tä­tig. Gebo­ren wur­de auf der Schwä­bi­schen Alb, mit­ten hin­ein in ein Umfeld von noch exis­tie­ren­den, alten Heil­ri­tua­len, von alten Frau­en, die anders „sahen“ und ande­re Din­ge hör­ten. Sie saß als Kind neben den Bet­ten von Ster­ben­den, und lausch­te ihren letz­ten Geschich­ten.
Mit einem sehr ana­ly­ti­schen Ver­stand aus­ge­stat­tet, hat sie ver­sucht, alle ihre Erfah­run­gen unter einen Hut zu brin­gen, was ihr auch gelun­gen ist. Ihr Wis­sen wird von vie­len Men­schen geschätzt, von ihren Schü­le­rin­nen, die sie seit 30 Jah­ren in alter scha­ma­ni­scher Heil­kun­de unter­rich­tet, vom Fach­be­reich Psych­ia­trie der Uni­ver­si­tät Ham­burg, denen sie einen ande­ren Zugang zum Bei­spiel zur Schi­zo­phre­nie öff­nen kann. Sie ist in der Welt her­um­ge­reist, hat sich ande­re Kul­tu­ren gestellt, und die­se z.T. sehr beein­dru­cken­den Infor­ma­tio­nen in unse­re Kul­tur trans­po­niert.
Hil­de­gard Fuhr­berg bie­tet Semi­na­re an und ver­an­stal­tet Kon­gres­se wo sie ihr Wis­sen wei­ter­gibt.

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Written by Hildegard Fuhrberg

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