Süd­deut­sche Zei­tung

Annä­he­run­gen an den Tod

Das Wis­sen um die Vor­ge­schich­te ist dabei uner­läss­lich: Ist der Aus­fall der Hirn­funk­tio­nen Fol­ge einer schwe­ren Hirn­schä­di­gung, etwa nach einem mas­si­ven Schlag­an­fall, oder einer Tablet­ten­in­to­xi­ka­ti­on? Der into­xi­kier­te Pati­ent kann das Bild eines Hirn­tods zei­gen, obwohl sei­ne Hirn­funk­tio­nen nicht irrever­si­bel erlo­schen sind und nach Abklin­gen der Medi­ka­men­ten­wir­kung wie­der­her­stell­bar sind. Des­halb wei­sen die Richt­li­ni­en der Bun­des­ärz­te­kam­mer auf die Gefahr einer Ver­wechs­lung von Hirn­tod und Into­xi­ka­ti­on hin.

Doch wie oft ken­nen die Ärz­te auf der Inten­siv­sta­ti­on tat­säch­lich die Vor­ge­schich­te des Pati­en­ten? Wie oft sind sie aus­rei­chend skep­tisch, wenn ein Pati­ent nach einem Ver­kehrs­un­fall ein­ge­lie­fert wird? Der Unfall kann Fol­ge einer Medi­ka­men­ten­über­do­sis sein.

Mehr noch: Ein Pati­ent, der tat­säch­lich einen Schlag­an­fall hat, kann zugleich eine Medi­ka­men­ten­in­to­xi­ka­ti­on auf­wei­sen, die aber durch die eher ins Auge fal­len­den Sym­pto­me des Schlag­an­falls kaschiert wird. Erschwe­rend kommt schließ­lich hin­zu, dass inten­siv­pflich­ti­ge Pati­en­ten mit beglei­ten­den Herz-Kreis­lauf­pro­ble­men oft Leber- und Nie­ren­funk­ti­ons­stö­run­gen haben. Medi­ka­men­te, die einen Hirn­tod imi­tie­ren, wer­den dann sehr viel lang­sa­mer abge­baut und aus­ge­schwemmt und wir­ken dadurch län­ger als üblich.

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Todes­zeit­punkt und Organ­spen­de: Wie tot sind Hirn­to­te?

Hirn­to­te reagie­ren mög­li­cher­wei­se auf Schmerz

Erst der wis­sen­schaft­li­che Fort­schritt hat Ende der 1960er-Jah­re die Organ­trans­plan­ta­ti­on ermög­licht. Jetzt zei­gen wis­sen­schaft­li­che Befun­de, wozu ein angeb­lich “hirn­to­tes” Gehirn noch in der Lage — und wie wacke­lig das Kon­zept ist. Im Dezem­ber 2008 stell­te die “President’s Com­mis­si­on on Bio­ethics” der USA fest, dass ange­sichts neu­er For­schungs­er­geb­nis­se nicht sicher gesagt wer­den kön­ne, dass ein Hirn­to­ter tat­säch­lich tot sei. Sein Gehirn kön­ne noch die Tem­pe­ra­tur regu­lie­ren, auf Infek­tio­nen reagie­ren — etwa mit Fie­ber — oder mit dem Hor­mon ADH die Urin­aus­schei­dung regu­lie­ren. Mit fei­nen Mess­in­stru­men­ten auf­ge­nom­me­ne Mus­ter des “hirn­to­ten” Gehirns deu­te­ten gar dar­auf hin, dass es auf Schmerz reagiert.

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PDFKAO Organ­spende­WIDER­SPRUCH

In Deutsch­land ist wie in den meis­ten Län­dern Wider­spruch erfor­der­lich, wenn man kein Organ­spen­der sein will. Denn wer nicht selbst für sich ent­schei­det, über den ent­schei­den ande­re.

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