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Organ­spen­de: Wie gehe ich mit der “Ent­schei­dungs­lö­sung” um?

Am 1. Novem­ber 2012 trat die “Ent­schei­dungs­lö­sung” bei Organ­spen­den in Kraft

Das bedeu­tet, alle Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ab 16 Jah­ren erhal­ten in regel­mä­ßi­gen Abstän­den Schrei­ben von ihrer Kran­ken­kas­se mit der Auf­for­de­rung, sich mög­lichst schrift­lich zu erklä­ren, ob sie “nach ihrem Tod” Organ­spen­der sein wol­len oder nicht. Gemeint ist damit der “Hirn­tod”. Da unser Grund­ge­setz einen Zwang zur Ent­schei­dung nicht zulässt, ist es mög­lich, die­ses Schrei­ben zu igno­rie­ren oder es – even­tu­ell auch ohne Absen­der – zurück­zu­sen­den als kla­ren Hin­weis dar­auf, dass eine der­art per­sön­li­che Ent­schei­dung, die jeder­zeit geän­dert wer­den kann, die Kran­ken­kas­se nichts angeht und auch nicht auf der Ver­si­cher­ten­kar­te gespei­chert wer­den soll.
 

Bei einer Ent­schei­dung GEGEN Organ­spen­de:

Wer einer Organ­ent­nah­me nicht zustimmt,

  • soll­te das auf jeden Fall in sei­ner Pati­en­ten­ver­fü­gung fest­hal­ten einen
  • einen unter­zeich­ne­ten Nicht­or­gan­spen­de­aus­weis mit sich füh­ren
  • sei­ne Ange­hö­ri­gen dar­über infor­mie­ren.

Es emp­fihlt sich zusätz­lich eine Vor­sor­ge­voll­macht bei sich tra­gen mit dem Namen eines/​einer Bevoll­mäch­tig­ten. Diese/​r ist in dem Fall, dass man sel­ber nicht mehr ent­schei­dungs­fä­hig ist, sofort zu benach­rich­ti­gen.

BESONDERS WICHTIG

Man soll­te in sei­ner Pati­en­ten­ver­fü­gung der Hirn­tod-Dia­gnos­tik und dem Apnoe­test wider­spre­chen, um zu ver­hin­dern, dass man nach der Dia­gno­se “Hirn­tod” juris­tisch den Sta­tus einer Lei­che erhält.
 

Der Apnoe­test, der über­prü­fen soll, ob ein Mensch noch selbst­stän­dig atmen kann, ist für den Pati­en­ten gefähr­lich und kann den Hirn­tod über­haupt erst her­bei­füh­ren.
 

Auch wenn kei­ne Hirn­tod­dia­gnos­tik durch­ge­führt wird, kön­nen und dür­fen die behan­deln­den Ärz­te eine sinn­los gewor­de­ne The­ra­pie been­den, und der Pati­ent stirbt dem natür­li­chen Ver­lauf ent­spre­chend. Dabei ist eine Ster­be­be­glei­tung mög­lich.
 

Nach­fol­gend fin­den Sie eine mög­li­che For­mu­lie­rungs­hil­fe zur Ergän­zung in einer Pati­en­ten­ver­fü­gung, für den Fall, dass Sie einer Organ­ent­nah­me wider­spre­chen wol­len:

Für den Fall einer infaus­ten Pro­gno­se, d.h. wenn eine The­ra­pie zu mei­nen Guns­ten nicht mehr erfolg­ver­spre­chend ist, leh­ne ich alle sog. “spen­de­zen­trier­ten” Maß­nah­men ab, die auf eine mög­li­che Organ­ent­nah­me hin­zie­len: z.B. Reani­ma­ti­on, Trans­fu­sio­nen, Blut­wä­sche, Katecho­lami­ne etc. Außer­dem ver­wah­re ich mich gegen jeg­li­che Qua­li­täts­kon­trol­le mei­ner Orga­ne wie z. B. Koro­na­r­an­gio­gra­phie, Rönt­gen­dar­stel­lun­gen der Gefä­ße etc, Nie­ren­an­gio­gra­phie etc. Die­se Maß­nah­men akzep­tie­re ich nur, solan­ge sie zu mei­nem Nut­zen und nicht fremd­nüt­zig ein­ge­setzt wer­den. Auch eine Hirn­tod­dia­gnos­tik soll bei mir nicht durch­ge­führt wer­den.

Ich möch­te in mei­ner Ster­be­pha­se nur pati­en­ten­zen­triert behan­delt wer­den. Das heißt, ich möch­te, dass even­tu­ell vor­han­de­ne Schmer­zen gelin­dert wer­den, auch auf die Gefahr hin, dass dadurch ein Atem­still­stand her­vor­ge­ru­fen wird. Eine Reani­ma­ti­on leh­ne ich auch für die­sen Fall ab. Ich möch­te so in Ruhe und, wenn mög­lich, beglei­tet ster­ben.

Die­se Ver­fü­gung ist bei einem Rechts­an­walt hin­ter­legt.

Bei einer Ent­schei­dung FÜR Organ­spen­de:

Wer einer Organ­ent­nah­me zustim­men will, soll­te fol­gen­de Bedin­gun­gen stel­len:

  • die zwei erfor­der­li­chen Hirn­tod­un­ter­su­chun­gen nur unter Ein­satz von bild­ge­ben­den Ver­fah­ren
     
  • Voll­nar­ko­se bei der mehr­stün­di­gen Ope­ra­ti­on zur Organ­ent­nah­me
     
  • die Angehörigen/​Bevollmächtigten schrift­lich beauf­tra­gen, die Kran­ken­ak­ten, die Auf­zeich­nun­gen von der Hirn­tod-Dia­gnos­tik und der Organ­ent­nah­me ein­zu­for­dern
     
  • die Angehörigen/​Bevollmächtigten schrift­lich beauf­tra­gen, ent­we­der selbst oder durch einen neu­tra­len Drit­ten zu über­prü­fen, ob sich die Ent­nah­me­teams an die Ein­schrän­kun­gen auf dem Aus­weis gehal­ten haben
     

WICHTIG

Falls kei­ne schrift­li­che Erklä­rung vor­liegt, gilt wei­ter­hin die Erwei­ter­te Zustim­mungs­lö­sung. Das heißt, die Fami­li­en­mit­glie­der wer­den nach dem mut­maß­li­chen Wil­len ihres Ange­hö­ri­gen im Hirn­ver­sa­gen befragt – z. B. “Hat der Ver­stor­be­ne gern ande­ren gehol­fen?” – und sol­len stell­ver­tre­tend ent­schei­den. Die­se Rege­lung gilt auch wie bis­her, wenn Kin­der unter 16 Jah­ren betrof­fen sind.

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