Info-Stand beim Markt der Möglichkeiten in der Messehalle 4

Bestimmte Dinge sind inzwischen Routine, dazu gehören besonders der Transport des Materials sowie Aufbau und Abbau des Standes. Besonders bedanken möchte ich mich bei Oliver Dom und den Mitarbeitern, die uns Wasser zur Verfügung stellten und die schweren Standmaterialien anlieferten und wieder abholten.

Der Aufbau mit sechs Personen gelang ohne Schwierigkeiten; auch deshalb, weil Martin Stahnke eine neue Platte für unseren Standtisch angefertigt hatte.

Von Donnerstag bis Samstag folgten wie immer drei anstrengende und arbeitsreiche Tage mit vielen und teilweise langen Gesprächen.

Viele Menschen, die zu uns an den Stand kamen, waren skeptisch gegenüber dieser Medizin, besonders, wenn sie aus dem pflegerischen oder seelsorgerlichen Bereich kamen. Hier liefen die Gespräche auf eine gegenseitige Bestätigung hinaus. Deutlich anders verliefen Begegnungen mit Menschen, die wenige Informationen hatten bzw. die als überzeugte Organspender kamen. Beide Gruppen hatten die Werbung der DSO im Kopf und damit die Seite der Empfänger. Angesprochen waren sie aber als Organgeber. Hier war eine Perspektiv-Umkehr nötig: „Wie möchtest du sterben?“ ist dabei die relevante Frage. Interessant war, dass besonders junge Leute den Sterbeprozess und ihr Opfer bei der Organentnahme gering achteten. Ergebnis der langen Gespräche waren aber fast immer Nachdenklichkeit und ein Dank.

Im Folgenden einige Beobachtungen von anderen Mitgliedern am Stand:

Liliana Stahnke: Die meisten Gespräche verliefen zustimmend für KAO e.V.Da ich auch auf christliche Werte für Menschen achte, ist mir diesmal bewusst geworden, warum so viele Christen sich für Organspende aussprechen. Einige sind davon überzeugt, dass die Seele mit dem Körper verwest und erst am “Jüngsten Tag” Auferstehung hat – nach dem Motto: Wer früher stirbt, ist länger tot.” Diese Menschen wollen deswegen den Körper so lange wie möglich erhalten, auch mit den Organen von anderen Menschen. Dass der Mensch für die Organentnahme getötet wird, wird verdrängt mit der Aussage, der Tod würde ja eintreten, wenn die Maschine ausgestellt wird, und das wird schon als erfolgt betrachtet, auch wenn die Maschine erst nach der Organentnahme abgestellt wird. Dass Maschinen kein Leben geben, sondern nur das regeln, was vorhanden ist, und ein verstorbener Körper auch mit bester Geräteaufwartung kein Leben zeigt, wird überrascht zur Kenntnis genommen. “Du sollst nicht töten” wird mit der Umdeutung des Todes juristisch auch für Gott bindend vertreten.

Nun die Jugendlichen: Sie kommen als Helden an unseren Info-Stand und sind überzeugte Lebensretter mit wechselnder Rolle. Sie stellen sich als Fürsprecher für Spender und Empfänger dar. Ein Kommentar, der auswendig gelernt wird, ist: „Ich möchte nicht mehr leben, wenn mein Gehirn ausgefallen ist.” Ich argumentiere, dass es legitim ist, einen Menschen mit schwerer Hirnschädigung, der selber nicht mehr atmen kann und dessen Hirnschädigung als irreversibel diagnostiziert wurde, selbstverständlich zu Ende sterben zu lassen. Er kann dann, begleitet von seiner Familie, behütet seinen Sterbeprozess beenden. Mit Jobst Meyer wurde bereits diskutiert, wie man Jugendliche anspricht, die so eine Art Heldentum in der Organspende sehen, dabei aber ihr Leben und das der Anderen ab Hirnausfall für wertlos oder gering erachten. “Wer an mich glaubt, wird leben, selbst wenn er stirbt” (Jesus Christus). Helfen wir die Sterbenden zu schützen.

Renate Greinert: Ich fand es erschreckend, wie die Transplantationsmedizin die Jugendlichen über den Tisch zieht, ihnen einen Organspendeausweis in die Hand drückt und suggeriert, dass Aufklärung heißt, über die Bedürfnisse der Empfänger orientiert zu sein. Die Jugendlichen werfen mit Begeisterung und leuchtenden Augen ihr Sterben weg, weil sie sich mitten im Leben für unsterblich halten, weil sie selber noch nichts vom Sterben erfahren haben. Dass es bei der Organspende um das eigene Sterben geht, erzeugte Nachdenklichkeit.

Renate Focke: Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen gab es hier ein sehr aufmerksames Zuhören; die Gesprächspartner konnten unsere Erfahrungen und Argumente stehen lassen und reagierten mit viel Nachdenklichkeit. Potenzielle Organempfänger kamen in eine ethisches Dilemma, und noch ein weiteres Dilemma wurde sichtbar: „Wenn mein Kind an Organversagen litte, würde ich auch auf ein Organ hoffen!“

Danken möchte ich allen Aktiven am Stand, ob sie nur zeitweise oder dauernd dabei waren. Es waren Gertrud Dom, Renate Focke, Renate Greinert, Regine Kratzer, Gisela Meier zu Biesen, Liliana Stahnke, Sibylle Thoma, Jobst Meyer und Martin Stahnke. Nur eine möglichst große Zahl von MitarbeiterInnen gibt uns diese Bedeutung!

Auftritt von KAO auf dem Marktplatz in Halle 2 am 26.5.

Unsere Veranstaltung hatte den Obertitel:
ORGANSPENDE – wenn ein lebender Mensch zur Sache wird

Es gab drei Redebeiträge:

Gebhard Focke:
Was bedeutet es für mich, wenn ich der Organspende zustimme?

Renate Focke:
Falsche Entscheidung im Schock! Bericht einer Mutter

Dr. Martin Stahnke:
Tot oder lebendig? „Hirntod“ in der Kritik

Die Sitzplätze waren gut gefüllt, die Zuhörer waren aufmerksam, am Schluss gab es am Rande noch lebhafte Diskussionen.

Bremen, 4.6.2017

Gebhard Focke

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