Renate Focke

Operation Explantation: ein unbarmherziger Tod

Im Nachhinein frage ich mich, warum das so ablaufen konnte: Mein Mann und ich haben jeden Tag, bis spät in die Nacht, an Arnds Bett gesessen – abgesehen von den Zeiten, zu denen wir aus der Intensivstation geschickt wurden. Wir haben geredet, von früher erzählt und nicht ein einziges Mal das Gefühl gehabt, er sei tot. Sein Gesicht und seine Hände waren warm, sein Brustkorb hob und senkte sich und wir sahen seinen Herzschlag auf dem Monitor. Wir hielten seine Hände, fassten uns über seine Bettdecke hin an und waren eine Einheit. Ich wusste im Inneren, dass er sterben würde, und empfand diese letzte Zeit mit ihm als kostbar und begrenzt. Den Gedanken an Organentnahme ließ ich nicht zu, denn er passte nicht zu meinem Erleben.

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