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Unterrichtseinheit zum Thema Organtransplantation

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Renate Focke

Diese Einheit enthält 7 Teile:

1. Einleitung
2. Vorstellung der Unterrichtseinheit
3. Organspendeausweise
4. Alphabetisch geordnete Stichwortliste
5. Erfahrungsberichte
6. Stellungnahmen zur Organspende
7. Bücher- und Adressenlisten

Die Unterrichtseinheit darf kostenfrei verwendet werden.
Rückmeldungen, Verbesserungsvorschläge, Kritik bitte direkt an Renate Focke:
E-Post: renate.focke.kaoMeilzeichenkabelmail.de
 

1.

Einleitung

"Organspende rettet Leben." Diesen Satz hört man, wenn es darum geht, die Zahl der potenziellen Organspender zu erhöhen. "Leben retten" ist gut und richtig. Das muss doch nicht hinterfragt werden. Aber wer für Organspende ist, denkt dabei selten an den eigenen Tod. Und außerdem wird bei diesem Appell ausgespart, dass der "Organspender" ein Mensch ist, dessen Tod die Voraussetzung für die Lebensrettung anderer ist. Es geht also um Leben und Tod.

"Organspender" können nur Menschen sein, bei denen ein irreversibles Hirnversagen (Hirntod[1]) festgestellt wurde. Die entscheidenden Fragen, um die es bei diesem Thema vor allem geht, sind:

  • Sind "hirntote" Menschen tot, oder sind "hirntote" Menschen Sterbende?

  • Was ist wichtiger: Das Recht des "Organspenders" auf ein geschütztes Sterben und auf körperliche Unversehrtheit am Ende des Lebens, oder gibt es einen Anspruch des "Organempfängers" auf ein Spenderorgan?

  • Ist der Mensch ein Ersatzteillager oder eine untrennbare Einheit von Körper, Seele und Geist?

In dieser Unterrichtseinheit werden kontroverse Informationen, Stellungnahmen und Erfahrungsberichte genannt, die selten in der öffentlichen Diskussion auftauchen. Sie sollen den Jugendlichen dabei helfen, sich eine Meinung zu bilden.

Im alltäglichen Leben werden die Gedanken an Sterben und Tod verdrängt. Es überwiegen Unsicherheit und Uninformiertheit, wenn es um Organspende geht. Dem will diese Unterrichtseinheit entgegenwirken. Denn wenn keine Einwilligung zur Organspende vorliegt, müssen im Ernstfall die Angehörigen gefragt werden. Aber in einer solchen Schocksituation, wenn z.B. ein Familienmitglied einen schweren Unfall hatte, ist es schwer, eine Entscheidung zu treffen, die auch in Zukunft allen Zweifeln standhält. Dann ist die Gefahr groß, unreflektiert der Werbung für Organspende oder der Beeinflussung durch Ärzte zu erliegen. Deshalb ist es notwendig, sich rechtzeitig in der Familie darüber Gedanken zu machen. Es sind ja die Eltern, Ehepartner, Geschwister oder Kinder, die mit dieser Entscheidung weiterleben müssen.

[1] Anstelle von "Hirntod" ziehe ich "irreversibles Hirnversagen" vor, weil daraus hervorgeht, dass es um das Versagen eines wichtigen Organs geht, welches zum Tode führt, aber dass der Tod noch nicht eingetreten ist. Dennoch verwende ich "Hirntod", weil er zu einem stehenden Begriff geworden ist. Hirntod wird, wie alle anderen fett gedruckten Begriffe, in einer alphabetisch angeordneten Stichwortliste erklärt.

Wenn Menschen gezielt aufgefordert werden, einen Organspendeausweis auszufüllen, haben sie das Recht auf umfassende Informationen. Sie werden ja als Organspender und nicht als Organempfänger geworben. Sie haben Anspruch darauf, genau zu erfahren:

  • Was bedeutet "Hirntod"?

  • Wie wird der "Hirntod" festgestellt?

  • Wie wird der "hirntote" Patient auf die Organentnahme vorbereitet?

  • Was geschieht während einer Explantation mit dem "hirntoten" Patienten?

  • Welche Rolle haben die Angehörigen bei dem ganzen Geschehen?

Es gibt noch einen weiteren Grund dafür, sich mit dem Thema Organspende im Unterricht zu beschäftigen: Ab dem vollendeten 14. Lebensjahr können Jugendliche einer Organspende schriftlich widersprechen. Und ab dem vollendeten 16. Lebensjahr können Jugendliche im Organspendeausweis einer Organspende zustimmen.

Bei diesem Thema sind Gespräche in der Klasse und Gespräche der Jugendlichen mit den Eltern sehr wichtig. Daher sollten vor Beginn dieser Unterrichtseinheit die Eltern z.B. in einem Elternbrief über die Unterrichtseinheit informiert werden. Wenn Interesse besteht, kann anschließend ein Elternabend organisiert werden, bei dem die Jugendlichen den Eltern ihre Arbeitsergebnisse vorstellen. Möglich ist auch eine Podiumsdiskussion mit Befürwortern und Gegnern der Organspende.

Anmerkung: Diese Unterrichtseinheit beschränkt sich auf die Organspende von "hirntoten" Menschen. Für diesen Fall ist auch der Organspendeausweis gedacht.

Es gibt außerdem noch die Entnahme von Körperteilen nach dem irreversiblen Herz- und Kreislaufstillstand, die Lebendspende und die Organentnahme unmittelbar nach dem Herzstillstand. Über diese Arten der Organspende gibt es Informationen in der Bücher- und Adressenliste und bei den alternativen Organspendeausweisen.

2.

Vorstellung der Unterrichtseinheit

Die Unterrichtseinheit hat drei Schwerpunkte:

2.1. Sterben und Tod (bisherige Begegnungen damit, eigene Vorstellungen)

2.2. Informationen über die Maßnahmen vor und während der Organentnahme und über den Ablauf einer Implantation

2.2.1. Maßnahmen vor der Organentnahme
2.2.2. Welche Lebenszeichen sind vereinbar mit der Diagnose "Eingetretener Hirntod"?
2.2.3. Welche Organe und Gewebe können transplantiert werden?
2.2.4. Ablauf einer Explantation
2.2.5. Was ist mit den Angehörigen?
2.2.6. Ablauf einer Implantation (Schaubild)

2.3. Falldarstellung (mit Rollenübungen anhand von Erfahrungsberichten, Rollenspiel, Begründung der eigenen Entscheidung), Auseinandersetzung mit dem Organspendeausweis und Möglichkeiten des Abschieds von einem "hirntoten" Menschen

Zeitlicher Rahmen für die Unterrichtseinheit: sechs bis zehn Unterrichtsstunden


Vorschläge zum Ablauf und zur Gestaltung der Unterrichtseinheit:

2.1.

Sterben und Tod

2.1.1. Für den Einstieg bieten sich zwei Möglichkeiten an, um den Jugendlichen deutlich zu machen, dass das Thema unmittelbar mit ihnen zu tun hat:
  • Information darüber, dass Jugendliche ab dem vollendeten 16. Lebensjahr im Organspendeausweis ihre Zustimmung zur Organspende erklären können.

  • Man kann mit einer statistischen Aussage beginnen: "Beim Klassentreffen in 20 Jahren wird eine/r von euch fehlen, weil sie/er einen tödlichen Unfall gehabt hat."
2.1.2. Danach ist es sinnvoll, im Klassengespräch über die Erfahrungen mit Sterben und Tod zu sprechen. Es kann dabei um den Tod in Fernsehfilmen gehen, um Katastrophen oder auch den persönlich erlebten Tod in der Nachbarschaft oder Familie.

Die Aussagen und Beispiele sollten in Stichpunkten festgehalten werden.

Für das Klassengespräch sind die folgenden Fragen hilfreich, um die ganze Fülle des Themas zu erfassen.

Mögliche Denkanstöße:
  • Wie war das früher, wenn ein Familienmitglied starb? Wie ist das heute?

  • Wie ist es in anderen Kulturen?

  • Wie wird die Trauerfeier gestaltet?

  • Was steht in Todesanzeigen?

  • Gibt es ein Leben nach dem Tod?
2.1.3. Bei der Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben sind Partnergespräche und Partnerübungen angebracht, da es um sehr persönliche Vorstellungen und Gefühle geht.

Die folgenden Fragen fordern zum Nachdenken auf:
  • Was macht mir Angst, wenn ich an mein Sterben denke?

  • Was hilft mir gegen die Angst vorm Tod?

  • Wie möchte ich sterben?
Diese drei Fragen können verbal, pantomimisch oder zeichnerisch bearbeitet werden. Die Gruppen tragen dann in der Klasse ihre Sichtweisen vor. Es muss aber auch gestattet sein, nur in Kurzform zu berichten, damit die Jugendlichen sich geschützt fühlen.

2.2.

Was passiert vor und während einer Organentnahme, wie ist der Ablauf einer Implantation?

2.2.1. Maßnahmen vor der Organentnahme
  • Der Transplantationsbeauftragte der Klinik mit Intensivstation meldet den potenziellen Organspender an das nächstgelegene Transplantationszentrum. Der Transplantationskoordinator gibt die Information weiter an Euro-Transplant. Es werden Gewebetests gemacht und Daten des Patienten weitergegeben. Die Angehörigen werden nicht gefragt oder darüber informiert.
  • Bei einem Verdacht auf irreversibles Hirnversagen erfolgt die erste Hirntodfeststellung durch einen Facharzt. Der "Hirntod" wird durch die klinische Diagnostik, also das Testen des Hirnstammreflexes, festgestellt.
  • Nach einer festgelegten Zeitdauer der Beobachtung folgt die zweite Hirntodfeststellung durch einen zweiten Facharzt, erneut durch klinische Diagnostik. Apparative Messungen wie die EEG-Messung, die Kontrastmitteldarstellung der Hirngefäße oder eine Ultraschalluntersuchung sind nur in Ausnahmefällen vorgeschrieben. Aber apparative Messungen können sofort nach der klinischen Diagnostik eingesetzt werden und somit die festgelegte Zeitdauer der Beobachtung außer Kraft setzen.
  • Dokumentation der Untersuchungsergebnisse (Hirntodprotokoll) und Ausstellen des Totenscheins
  • Die Angehörigen werden, wenn kein Organspendeausweis des Patienten vorliegt, um ihre Zustimmung gebeten (Erweiterte Zustimmungslösung).
  • Der "hirntote" Patient wird konditioniert für die Organentnahme, damit die Organe und Gewebe möglichst gut erhalten bleiben.
  • Weitere Gewebetests werden vorgenommen, unter anderem wird ein AIDS-Schnelltest gemacht.
2.2.2. Diese Lebenszeichen sind vereinbar mit der Diagnose "Eingetretener Hirntod":
  • "Hirntote" werden bis zur Organentnahme am Leben gehalten.
  • Sie müssen genährt und gepflegt werden.
  • Sie haben ein intaktes Stoffwechsel- und Immunsystem.
  • Mund- und Hautpflege sind notwendig, und sie bekommen regelmäßige Medikamentengaben.
  • Sie haben eine warme, durchblutete Haut, sie können frieren, schwitzen und Fieber bekommen.
  • Ihr Herz schlägt, und sie atmen mit technischer Unterstützung durch Beatmungsgeräte.
  • Wenn das Herz aufhört zu schlagen, können "Hirntote" sogar wiederbelebt werden.
  • Schwangere "hirntote" Frauen können Kinder gebären, "hirntote" Männer können Erektionen haben.
  • Hirnströme und Hormonproduktion der Hirnanhangdrüse sind möglich.
  • "Hirntote" zeigen Reaktionen auf äußere Reize, bei drei von vier "Hirntoten" sind Bewegungen der Arme und Beine möglich.
  • Beim Hautschnitt während der Explantation kommt es oft zu starkem Schwitzen, zu Hautrötung und Herzrhythmusstörungen.
2.2.3. Welche Organe und Gewebe können transplantiert werden?

Schaubild Verwertbare Körperteile

2.2.4. Ablauf einer Explantation (wie sie in der Regel vorgenommen wird; es gibt aber auch etwas andere Abläufe):
  • Der "hirntote" Patient wird in den OP gefahren.
  • Anästhesisten geben ihm eventuell Narkosemittel und Schmerzmittel - in Deutschland nicht vorgeschrieben - und Muskel entspannende Mittel.
  • Der "Hirntote" wird weiter beatmet.
  • Der Körper wird geöffnet. Bei einer vorliegenden Zustimmung zur Herzexplantation bzw. zur Herz- und Lungenentnahme wird das gesamte Brustbein durchtrennt. Der Oberkörper wird durch zwei Thoraxspanner offen gehalten. Der Bauch wird geöffnet und die Bauchdeckenlappen werden nach außen geklappt und fixiert, so dass eine Wanne entsteht.
  • Der "Hirntote" wird weiter beatmet und bekommt unter anderem Herz und Kreislauf stärkende Medikamente.
  • Explantationsteams aus den Transplantationszentren präparieren die Organe bei schlagendem Herzen frei.
  • Das Blut einzelner Organe wird durch kalte Spüllösungen ersetzt, die über die vorhandenen Blutgefäße in das Organ eingeleitet werden. Die Ärzte legen dafür Katheter, kleine Röhrchen und dünne Schläuche. Mit dieser Kühlflüssigkeit werden bei schlagendem Herzen und noch funktionierendem Kreislauf die zu entnehmenden Organe gespült, um sie zu konservieren. Das Herz wird, wenn es entnommen werden soll, erst nach der Entnahme der anderen Organe durchspült.
  • Der Bauch des "Hirntoten" wird auch mit großen Mengen an Kühlflüssigkeit gespült.
  • Durch den hohen Kaliumgehalt der Perfusionslösung kommt es zum Herzstillstand. Da auch die anderen Organe nicht mehr durchblutet werden, hören sie auf zu arbeiten. Der "Hirntote" ist tot.
  • Die Beatmung wird beendet. Die Anästhesisten verlassen den OP.
  • Nachdem die Chirurgenteams nacheinander die Organe entnommen haben, beenden sie die Feinpräparierung der einzelnen Organe an sterilen Instrumentiertischen und verlassen mit den Organen in Kühlboxen den OP.
  • Der Leichnam wird zugenäht und in den Leichenkeller gebracht.
2.2.5. Was ist mit den Angehörigen?
  • Die Angehörigen können den sterbenden Menschen nicht begleiten. Sie müssen von ihm nach der zweiten Hirntodfeststellung Abschied nehmen, während er noch beatmet wird und das Herz schlägt und die Haut warm ist.
  • Sie sehen ihn erst wieder nach der Organentnahme, als Leichnam.
  • Viele Ärzte raten den Angehörigen jedoch davon ab, sich den Leichnam anzusehen, weil der Anblick sie entsetzen könnte.
2.2.6. Schaubild: Ablauf einer Implantation

Schaubild Transplantationsablauf

2.2.6.1. Man kann den Jugendlichen das Schaubild als Folie zeigen oder als Abzug geben. Es ist auch möglich, mit der Lerngruppe gemeinsam ein Schaubild zu entwickeln. Die gemeinsame Entwicklung hat den Vorteil, dass viele Fragen dabei geklärt werden können, sie dauert aber länger.

2.2.6.2. Stichwortverzeichnis

Die Fachbegriffe sind im Stichwortverzeichnis alphabetisch angeordnet und in Kurzform erklärt. Die Jugendlichen wählen einen oder mehrere Begriffe aus und erarbeiten sie in Einzel- oder Gruppenarbeit.

Dann folgt die Information der Klasse in Form von Kurzvorträgen. Offen gebliebene Fragen sollten im Klassengespräch bearbeitet werden.

2.3.

Falldarstellung und Auseinandersetzung mit dem Organspendeausweis

2.3.1. Folgender Fall wird vorgetragen:

Ein 14jähriges Mädchen hat einen schweren Unfall gehabt. Bei ihr wird im Krankenhaus der "Hirntod" festgestellt. Die Eltern werden von den behandelnden Ärzten gefragt, ob sie einer Organspende ihrer Tochter zustimmen. Das Leben einiger schwerkranker Menschen könne dadurch gerettet werden.

2.3.2. Wie würdest du entscheiden?

Um diese Frage beantworten zu können, sollen sich die Jugendlichen in die Personen, die mit einer Transplantation zu tun haben, hineinversetzen und deren Standpunkt klären. Dabei sollten sie die Erfahrungsberichte und die Stellungnahmen aus dem Anhang verwenden, in denen unterschiedliche Standpunkte zu Wort kommen. Eine schriftliche Darstellung der Gedanken und Gefühle von allen, die an Transplantationen beteiligt sind, hilft dann zu verstehen, wie gegensätzlich die Interessen sind.

Am Schluss dieser Falldarstellung kann anschließend abgestimmt werden. Die eigene Entscheidung soll begründet werden.

Es ist auch möglich, statt einer Abstimmung ein Planspiel zu machen, bei dem die einzelnen Schritte einer Transplantation in Form von Rollenspielen sichtbar gemacht werden.

Eine Hausaufgabe sollte unbedingt gestellt werden: Sprich mit deinen Eltern über die Organspende. Frage sie, ob sie einer Organspende zustimmen könnten, wenn bei dir oder einem von ihnen der "Hirntod" festgestellt würde. Frage sie auch, ob sie im Falle einer schweren Erkrankung Organempfänger sein möchten.

2.3.3. Abschied von dem sterbenden "hirntoten" Menschen

Der Abschied der Familie von ihrem sterbenden "hirntoten" Angehörigen ist sehr unterschiedlich und abhängig von bestimmten Voraussetzungen:
  • Wenn eine Organentnahme aus medizinischen Gründen nicht in Frage kommt, z.B. wegen Sepsis oder einer Krebserkrankung, wird die Familie dazu ermutigt, den Sterbenden zu begleiten und im geschützten Rahmen Abschied vom Toten zu nehmen.
  • Wenn die Zustimmung zur Organentnahme vorliegt und eine Explantation durchgeführt wird, ist eine Sterbebegleitung ausgeschlossen.
  • Wenn die Angehörigen nach der Hirntodfeststellung einer Organentnahme widersprechen, wird der Sterbeprozess oft sehr schnell beendet durch Entfernen der künstlichen Beatmung. Denn diese und andere Maßnahmen sollten ja der Organerhaltung dienen. Ein würdevoller Abschied wird unter diesen Bedingungen erschwert.

3.

Organspendeausweise

Der Organspendeausweis der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wird als Folie gezeigt. Die einzelnen Möglichkeiten der Zustimmung (Multiorganentnahme, Zustimmung beschränkt auf einzelne Organe) oder des Widerspruchs werden geklärt.

Bevor die folgenden Erklärungen für oder gegen eine Organentnahme gezeigt werden, können die Jugendlichen eigene Ausweise entwerfen, in die sie die zusätzlich erworbenen Informationen einfügen. (Es gibt nämlich keinen gesetzlich vorgeschriebenen einheitlichen Organspendeausweis.)

Die Alternative Erklärung zur Organspende soll den potenziellen "Organspendern" und ihren Familien Mindestrechte im Falle der Zustimmung geben, auf die sie beim Organspendeausweis der BZgA verzichten müssen.

Aber bei jeder Zustimmung zur Organspende - auf welchem Formular auch immer - müssen die potenziellen Organspender auf entscheidende Rechte verzichten:
  • auf das Recht auf ein geschütztes Sterben
  • auf das Recht auf körperliche Unversehrtheit
  • auf das Recht auf Begleitung durch die Familie.
Der NICHT-ORGANSPENDEAUSWEIS dokumentiert ganz eindeutig die Ablehnung der Organspende.

Wie sich die Jugendlichen dann entscheiden, ob sie eine Erklärung für oder gegen die Organspende ausfüllen, liegt in ihrer Verantwortung. Auf jeden Fall trägt die intensive Arbeit an diesem Thema dazu bei, dass sie sich eine begründete eigene Meinung bilden können.

3.1.

Organspendeausweis der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Organspendeausweis der BZgA

3.2.

Alternative Erklärung zur Organspende

Alternativer Organspendeausweis 1 Alternativer Organspendeausweis 2

3.3.

NICHT-ORGANSPENDEAUSWEIS von KAO (Kritische Aufklärung über Organtransplantation, www.initiative-kao.de.)

Alternativer Organspendeausweis 3
Der Ausweis sollte, um der Aktualität Ihrer Entscheidung Ausdruck zu verleihen, alle 2 Jahre erneuert werden.

4.

Alphabetisch geordnete Stichwortliste

4.1.

Ablauf von Transplantationen

  • Spendermeldung
  • Hirntoddiagnostik
  • Zustimmung zur Organentnahme
  • Betreuung des Spenders
  • Immunologische und Infektions-Diagnostik
  • Kontakt zur Vermittlungsstelle Eurotransplant
  • Vorbereitung der Transplantation
  • Organisation der Organentnahme
  • Konservierung und Transport der Organe
  • Versorgung des Leichnams
  • Dank an die Angehörigen
Internet: (www.dso.de)

4.2.

Doppler-Sonographie (Ultraschall)

Dabei wird ein Stillstand des Blutkreislaufs im Gehirn mit Hilfe der Ultraschalltechnik festgestellt. (In Deutschland durch die Bundesärztekammer nicht zwingend vorgeschrieben.)

4.3.

EEG-Messung (Elektroenzephalographie)

Es handelt sich dabei um eine diagnostische Methode zur Registrierung von Hirnströmen. Ein Null-Linien-EEG wird über einen Zeitraum von 30 Minuten geschrieben. (In Deutschland nicht zwingend vorgeschrieben durch die Bundesärztekammer.)

4.4.

Eurotransplant und Vermittlung der Organe

Die Transplantationszentren, bei denen die Patienten auf die Warteliste gesetzt werden, geben die erforderlichen Patientendaten weiter an die Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET) in Leiden, Niederlande. Dort werden für jedes Organ gemeinsame Wartelisten der ET-Mitgliedsländer Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich, Slowenien und Deutschland geführt.

Internet: (www.dso.de)

4.5.

Hirntod

Der "Hirntod" wird im Transplantationsgesetz definiert als Zustand der irreversibel erloschenen Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstammes. Dabei wird durch kontrollierte Beatmung die Herz- und Kreislauffunktion noch künstlich aufrechterhalten.

Das Transplantationsgesetz setzt den "Hirntod" faktisch mit dem Tod des Menschen gleich. Es vermeidet aber festzulegen, dass der "Hirntod" der Tod des Menschen sei. "Hirntod" ist nur der Zeitpunkt, ab dem Organe entnommen werden dürfen, ohne bestraft zu werden.

Internet: (www.transplantation-information.de)

"Bei dem beatmeten Toten mit schlagendem Herzen handelt es sich also im biologischen Sinn nicht um eine Leiche, sondern um einen lebenden Menschen mit abgestorbenem Gehirn. Der Organtod des Gehirns ist genauso wie der Organtod der Leber ein Partialtod, seine Identifizierung mit dem totalen Tod ist unzulässig..."

(Kurd Stapenhorst, Unliebsame Betrachtungen zur Transplantationsmedizin, Vandenhoeck und Ruprecht, 1999)

4.6.

Hirntodfeststellung

Zwei qualifizierte Ärzte müssen die Diagnose "Hirntod" unabhängig voneinander feststellen. Sie dürfen mit der Organentnahme und -transplantation nichts zu tun haben.

Internet: (www.dso.de)

"Die Feststellung des Todes obliegt den hierfür kompetenten Ärzten. Ihre Aufgabe ist es, den eingetretenen Tod mit geeigneten Methoden nachzuweisen, die dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft entsprechen. Das Gesetz bestimmt zusätzlich als unverrückbare Grenze, dass eine Organentnahme unzulässig ist, wenn nicht vorher der Gesamthirntod ärztlich festgestellt worden ist. Auch damit definiert das Gesetz nicht den Tod, legt aber als Voraussetzung für eine Organentnahme fest, dass im Zusammenhang mit der Feststellung des Todes der eingetretene Gesamthirntod nachzuweisen ist."

(Wie ein neues Leben, BZgA, 51101 Köln)

4.7.

Klinische Diagnostik

Bei der klinischen Diagnostik geht es darum, ein tiefes Koma (Bewusstlosigkeit) nachzuweisen. Die Pupillen sollen nicht mehr auf Licht reagieren, die Augen einen starren Blick beibehalten, wenn der Kopf heftig hin- und hergeruckt wird. Reaktionen auf Schmerzreize müssen ausbleiben, wenn mit einer Nadel in die Nasenscheidewand gestochen wird. Husten-, Würg- und Schluckreiz müssen ausbleiben, wenn Rachenraum und Luftröhre gereizt werden. Die eigene Atmung darf nicht von allein einsetzen, wenn der potenzielle "Hirntote" kurzzeitig nicht maschinell beatmet wird.

Wenn der potenzielle "Hirntote" nicht auf diese äußeren Reize - unter anderem Kneifen, Stechen, Eiswasserspülungen im Ohr, heftiger Druck auf die Augäpfel - reagiert, wird die Diagnose "Eingetretener Hirntod" gestellt.

(Sinngemäß aus "Organspende...in Frage gestellt". BioSkop-Forum zur Beobachtung der Biowissenschaften e.V. Essen)

4.8.

Konditionierung

Aufrechterhalten eines relativ konstanten inneren Gleichgewichts (Homöostase) zur Unterstützung der Regelkreise zwischen Hypothalamus (Teil des Zwischenhirns), Hormon- und Nervensystem; elementare Regelprozesse steuern z.B. Körpertemperatur, Säure Basen-Haushalt, Wasser- und Elektrolythaushalt.

(Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, S. 723)

Bei der Konditionierung eines "Hirntoten" geht es darum, die gestörten Regelkreise durch Medikamente zu unterstützen bzw. durch maschinelle Beatmung Sauerstoff zuzuführen.

Ziele der Konditionierung sind:
  • Aufrechterhaltung der Homöostase
  • Aufrechterhaltung des Kreislaufs
  • Aufrechterhaltung der Beatmung

4.9.

Kontrastmitteldarstellung der Hirngefäße (Angiographie)

Dabei wird ein Stillstand des Blutkreislaufs im Gehirn mit Hilfe eines Kontrastmittels festgestellt. (In Deutschland nicht zwingend vorgeschrieben durch die Bundesärztekammer.)

4.10.

Organempfänger

"Nicht alle Patienten, die ein neues Organ benötigen, können auf eine Warteliste aufgenommen werden. Ist das Risiko der Transplantation und ihrer Nachbehandlung zu hoch und sind die Erfolgsaussichten schlecht, so wird der Eingriff nicht in Erwägung gezogen. Nach dem Transplantationsgesetz sind die Ärzte verpflichtet, Gründe für oder gegen die Aufnahme auf die Warteliste zu dokumentieren und dem Patienten mitzuteilen.

Dabei sind sie verpflichtet, den Richtlinien der Bundesärztekammer zur Aufnahme in die Warteliste zu folgen."

Internet: (www.dso.de)

4.11.

Organentnahme nach dem Herzstillstand

Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer zur "Organentnahme nach Herzstillstand" (Stand 11.12.1998):

"Ein Herz- und Kreislaufstillstand von 10 Minuten ist bisher nicht als sicheres "Äquivalent zum Hirntod" nachgewiesen und kann deshalb nicht die Todesfeststellung durch Nachweis von sicheren Todeszeichen ersetzen."

4.12.

Organspender

Wer kommt als Organspender in Frage?

"Ein hohes Lebensalter des Spenders spricht nicht unbedingt gegen die Entnahme und Übertragung von Organen. Entscheidend ist nicht das kalendarische Alter, sondern der Funktionszustand der Organe."

Internet: (www.dso.de)

"In deutschen Krankenhäusern sterben jährlich rund 400.000 Menschen, von denen bei vielleicht 1 % der Hirntod vor dem Herzstillstand eintritt und eine Organspende in Frage kommt ....Für eine erfolgreiche Organspende ist es natürlich wesentlich, dass gespendete Organe gesund und funktionsfähig sind. Deshalb werden im Falle eines Einverständnisses in die Organspende unmittelbar vor der Entnahme des Organs verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um die Funktionsfähigkeit der Organe zu überprüfen."

Internet: (www.bzga.de)

4.13.

Pharmaindustrie

Um eine Abstoßung des fremden Organs zu verhindern, müssen lebenslang Immunsuppressiva gegeben werden. Dadurch und durch die ärztliche Behandlung entstehen jährliche Kosten von etwa 10 000 € je Patient nach Nierentransplantationen.

(Wie ein zweites Leben. Broschüre der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung, 51101 Köln)

4.14.

Transplantationsbeauftragte

"In Ausführungsgesetzen können zudem die Zulassung von Transplantationszentren geregelt werden sowie die Zusammenarbeit der Krankenhäuser und die Bestellung von Transplantationsbeauftragten ... Krankenhäuser mit Intensivbetten sind verpflichtet, einen Transplantationsbeauftragten zu bestellen."

(siehe Transplantationsgesetz. Ausführungsgesetze der Länder)

Die Ausführungsgesetze der einzelnen Bundesländer sind unterschiedlich. Gemeinsam gilt aber für alle Transplantationsbeauftragten, dass sie für die hausinterne Koordination und für die Zusammenarbeit mit den Transplantationszentren, mit den mobilen Hirntoddiagnostik-Teams, mit den Koordinationsstellen und den Entnahmeteams zuständig sind.
  • Laut Landesgesetz von Mecklenburg-Vorpommern unterliegen die Transplantationsbeauftragten bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben keinen Weisungen. Sie sind berechtigt, jederzeit Stationen mit Intensivtherapiebetten zu betreten und sich dort zu informieren.

  • Jeder potenzielle "Hirntote" soll gemeldet werden. Daten des Patienten werden weitergegeben. Indirekt werden die Intensivmediziner dazu aufgefordert, sofort mit der "adäquaten Spenderbetreuung" zu beginnen, obwohl das Transplantationsgesetz bestimmt, dass damit erst nach der Hirntodfeststellung und der Einwilligung in eine Organspende begonnen werden darf. (siehe "Informationen zur Organspende" für die Kliniken mit Intensivstation vom Transplantationszentrum Heidelberg im Juni 1999)

4.15.

Transplantationsgesetz

Seit dem 1. Dezember 1997 ist das neue Transplantationsgesetz in Kraft. Es sieht die sogenannte Erweiterte Zustimmungslösung vor. Einem Menschen, dessen "Hirntod" festgestellt wurde, dürfen Organe entnommen werden unter folgenden Bedingungen:
  • wenn im Organspendeausweis die Zustimmung zur Organspende dokumentiert ist
  • oder wenn die Angehörigen nach dem geäußerten oder mutmaßlichen Willen des hirntoten Menschen befragt werden und einer Organspende zustimmen.
(Der Wortlaut des Transplantationsgesetzes ist zu finden bei www.bzga.de)

4.16.

Transplantations-Koordinator

Die Koordinatoren organisieren den gesamten Ablauf und auch den Transport der Organe. Auf Wunsch beteiligt sich der Koordinator der Deutschen Stiftung Organtransplantation an dem Gespräch mit den Angehörigen, wenn keine Zustimmung zur Organentnahme vorliegt.

Zu den Aufgaben der Koordinatoren gehört es auch, schwer erreichbare Angehörige zu ermitteln und mit ihnen Kontakt aufzunehmen. In einem Brief bedankt sich der Koordinator bei den Angehörigen und teilt ihnen mit, welche Organe transplantiert werden konnten. In einem weiteren Brief dankt der Koordinator Ärzten, Pflegekräften und dem OP-Team des Krankenhauses für ihre Mitarbeit.

Internet: (www.dso.de)

4.17.

Welche Organe und Gewebeteile können gespendet und transplantiert werden?

"Gespendet und transplantiert werden Nieren, Leber, Herz, Lunge, Pankreas und Dünndarm, außerdem Gewebe wie z.B. Hornhaut und Knochen."

Internet: (www.dso.de)

"Organtransplantationen in Deutschland: Herz, Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse, Niere ..... Die Anzahl der verpflanzten Augenhornhäute und anderer Gewebe wird nicht statistisch erfasst."

(Wie ein zweites Leben. Broschüre der BZgA, 51101 Köln)

"Wenn keine medizinischen Einschränkungen vorliegen, kann eine Multiorganentnahme erfolgen, wobei Hornhäute, Innenohrknöchel, Kieferknochen, Herz, Lungen, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Magen, Knochen, Bänder und Knorpel, Haut, Adern und Knochenmark entnommen werden können."

Internet: (www.transplantation-information.de)

4.18.

Zustimmungsregelungen

4.18.1. Erweiterte Zustimmungslösung

Bei Vorliegen eines Organspendeausweises können Körperteile entnommen werden. Aber auch Angehörige können einer Entnahme von Körperteilen zustimmen, wenn kein Spenderausweis vorliegt. Haben SpenderInnen oder die Angehörigen keine Einschränkungen vorgenommen, kann eine Multiorganentnahme erfolgen.

(in Deutschland gültig)

4.18.2. Enge Zustimmungslösung

Körperteile dürfen nur entnommen werden, wenn zu Lebzeiten ausdrücklich eingewilligt wurde. Angehörige haben kein Mitspracherecht.

(in Japan gültig)

4.18.3. Informationslösung

PatientInnen, die keine schriftliche Ablehnung einer Organspende bei sich tragen, können automatisch als OrganspenderInnen angesehen werden. Allerdings müssen die Angehörigen informiert werden und sie haben ein Einspruchsrecht gegen die Organentnahme.

(in Frankreich gültig)

4.18.4. Widerspruchslösung

Patienten, die keine schriftliche Ablehnung einer Organspende bei sich tragen, können automatisch als OrganspenderInnen angesehen werden, wenn der "Hirntod" festgestellt wird.

(in Österreich gültig)

Wichtig: In Österreich gibt es ein Widerspruchsregister, in das man sich auch als Tourist eintragen lassen muss, wenn man nicht nach festgestelltem "Hirntod" als Organspender angesehen werden will.

Hinweise dazu unter: Aktion Leben e.V., Postfach 61, D-69518 Abtsteinach; e-mail: post@aktion-leben.de;
zum Herunterladen der Widerspruchsformulare: www.aktion-leben.de

4.18.5. Erweiterte Widerspruchslösung

Patienten, die keine schriftliche Ablehnung einer Organspende bei sich tragen, können automatisch als OrganspenderInnen angesehen werden, wenn der "Hirntod" festgestellt wird. Angehörige werden allenfalls als "Boten eines vom Verstorbenen zu Lebzeiten erklärten Willens" akzeptiert.

(in Russland gültig)

4.18.6. Notstandslösung

Eine Organentnahme ist immer - selbst bei Vorliegen eines Widerspruchs - zulässig.

(in Bulgarien gültig)

Internet: (www.transplantation-information.de)

4.19.

Zeitdauer der Beobachtung

Die Irreversibilität des Hirnfunktionsausfalls und damit der Hirntod ist erst dann nachgewiesen, wenn die klinischen Ausfallsymptome bei Erwachsenen und bei Kindern ab dem dritten Lebensjahr
  • mit primärer (d.h. direkter) Hirnschädigung nach mindestens 12 Stunden
  • mit sekundärer (d.h. indirekter) Hirnschädigung nach mindestens 3 Tagen
erneut übereinstimmend nachgewiesen worden ist.

Ergänzende apparative Untersuchungen können eine weitere Beobachtungszeit ersetzen.

Bei Kindern unter 2 Jahren und Neugeborenen muss eine ergänzende apparative Untersuchung durchgeführt werden. Diese kann nicht die festgelegte Zeitdauer der Beobachtung (bei Kindern unter 2 Jahren 24 Stunden, bei Neugeborenen 72 Stunden) ersetzen.

Genauere Informationen unter: (www.bundesaerztekammer.de Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes)

5.

Erfahrungsberichte

5.1. Pflegekräfte
5.2. Arzt
5.3. Organempfänger und Fachleute
5.4. Arzt über Konflikte von Organempfängern
5.5. Angehörige von Organspendern
5.6. Verwaiste Eltern

5.1.

Pflegekräfte

5.1.1. Pflegekraft über ihre Wahrnehmung während einer Organentnahme:
Pflegekraft A: Eigentlich lebt er ja noch, so seh' ich das, ne. Sichtbar lebt er noch, also EKG und alles funktioniert, und in dem Moment ist das noch ganz normal. Es ist nur dann, im Laufe der OP, wenn denn so langsam...alles rausgenommen wird. Und ...das Blut, denn es ist kein Blut mehr im... Patienten...und das wird ja alles rausgelassen.

R. Rotondo: Wie funktioniert das?

Pflegekraft A: Ja, dann wird, werden die Gefäße. Zum Beispiel jetzt beim Herzen werden die, wird die Aorta und, und die anderen Gefäße werden dann durchtrennt und der Sauger ...reingehalten. Bis blutleer is', ne... Und denn wird ...das Herz wird ja immer zum Schluss rausgenommen, vorher werden die anderen Organe rausgenommen. Und dann ist eigentlich immer so der Zeitpunkt, wo ich denke, nu is' vorbei. Weil dann ist, Herz ist draußen, und das ist alles ganz leer im Bauch und dann steht man da und ...denkt nur, kann nich' sein, ne. Dann wird der auch, wird das nur zugenäht, so grob...

Internet: (www.transplantation-information.de)

5.1.2. OP-Schwester über das "Erlebnis ihrer ersten Multiorganexplantation"

"...Christine (ihre Kollegin) will den vom Ausleger herunterfallenden Arm der Patientin wieder ordentlich lagern, als sie einer der Chirurgen anblafft: "Was soll das, hm? Sie ist doch schon tot! Hey, die lagert einer Toten den Arm!" Lachen. Blöde Witze folgen en masse.

Wir blicken uns an. Unverständnis und Kopfschütteln, ihrerseits die Geste mit der bewegten Hand vor dem Gesicht, die andeutet, dass diese Menschen nicht ganz normal sein können. Ich spüre, wie ich mich innerlich zurückziehe, Nischen in mir suche, um dort meine Verletztheit und Traurigkeit für ein andermal, wenn ich Zeit habe, abzulegen.

Mir fehlt der Ausdruck von Dankbarkeit gegenüber der Patientin, des Respekts gegenüber ihrer Entscheidung, das Deutlichmachen der Erkenntnis, dass hier etwas geschieht, das auf keinen Fall als selbstverständlich genommen werden darf, das letzte Geschenk eines Menschen, der jetzt schon tot ist, aus der Motivation, anderen zu helfen. Nichts davon ist zu spüren. Den Chirurgen wird in der Öffentlichkeit gerne zugestanden, dass sie sich innere Distanz schaffen müssen zu dem, was sie tun, aber ist jegliche Respektlosigkeit, jeglicher Verlust eines ethisch akzeptablen Benehmens mit dieser Motivation gerechtfertigt?...

Keiner von uns wurde supervisioniert, jeder blieb allein mit sich und es wird auch heute noch so gehandhabt. Wir wurden dahingehend nicht geschult und auch nicht darauf vorbereitet. Müssen wir, die Helfer, wirklich durch alles einfach durch, uns ins kalte Wasser werfen lassen, im Namen des Helfens, weil es eben dazugehört? ...

Nicht jeder Zweck heiligt jedes Mittel."

Internet: (www.transplantation-information.de)

5.2.

Arzt (Prof. Raimund Margreiter, Leiter der Klinischen Abteilung für Transplantationschirurgie an der Universitätsklinik für Chirurgie in Innsbruck):

"Ich gebe zu, dass es am Anfang ein etwas beklemmender Anblick war, zum Beispiel im Rahmen einer Herz-Lungen-Transplantation den völlig leeren Brustkorb zu sehen oder aber im Rahmen einer Multiviszeraltransplantation (Entnahme mehrerer Organe aus dem Bauchraum) nach Entfernung der eigenen Organe mit dem völlig leeren Bauchraum konfrontiert zu sein..."

Auch gegen eine vollständige Entnahme der Haut sträubt sich Prof. Margreiter:

"Gegen die Hautentnahme wehre ich mich, außer sie wird in Ausnahmefällen nur an rückwärtigen Körperpartien entnommen."

Internet: (www.transplantation-information.de)

5.3.

Organempfänger

Ein Mann, der ein fremdes Herz erhalten hatte, fasste einmal seine Gedanken im Nachhinein so zusammen: "Alle Schmerzen, aller Aufwand haben sich gelohnt! Auch wenn meine Lebenserwartung durch die Nebenwirkungen der lebenslangen Medikation eingeschränkt ist, habe ich doch eine gute Lebensqualität. Wertigkeiten in der Lebensplanung verschieben sich; ich lebe intensiver."

(Wie ein zweites Leben, BZgA, 511001 Köln)

"Neben Cyclosporin A (Immunsuppressionsmittel) gehört auch Kortison zur Dauermedikation bei transplantierten Patienten. Erhöhter Blutdruck, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, Veränderungen des Blutzuckerspiegels, Schädigung der Knochen, Gelenke, Augen, Haut sowie eine Zunahme des Gewichts gelten als weitverbreitete Nebenwirkungen des Kortisons, wenn es auf Dauer genommen wird."

......"Organempfänger werden aufgrund der vielen Nebenwirkungen infolge der Immunsuppression nie wieder volle Gesundheit erlangen und bleiben der Transplantationsmedizin als Patienten bis an ihr Lebensende erhalten ...Man vermutet eine hohe Dunkelziffer von psychischen Erkrankungen nach einer Organtransplantation, da viele der Patienten wegen ihrer besonderen Verpflichtung zur Dankbarkeit eine Scheu davor haben, ihre mit vielen Tabus und Schuldgefühlen verbundenen Konflikte offen zu legen."

(Baureithel/ Bergmann. Herzloser Tod. Klett-Cotta, 1999, S. 211, S. 216)

5.4.

Arzt über Konflikte von Organempfängern (Prof. Dr. med. Hubert Seidel, Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Kiel)

"Organtransplantationen ziehen eine Kategorie von Problemen nach sich, über die die Patienten selten von sich aus sprechen, die sie aber sehr beschäftigen. Sie müssen schon vor der Transplantation auf den Tod eines anderen Menschen hoffen und sich gegen die Freude über Katastrophen anderer wehren.

Ihr Überlebensinteresse steht somit in denkbar größtem Widerspruch zu ihrem Gewissen, und sie fühlen sich, wenn sie feiner organisiert sind, evtl. schon vor der Operation schuldig. Diese Problematik verschärft sich, wenn sie sich dessen gewahr werden, dass tatsächlich ihretwegen jemand sterben musste. Das Gefühl, einem unfreiwilligen Spender ein Organ gestohlen, gar, diesen verletzt und getötet zu haben, verfolgt viele."

Internet: (www.transplantation-information.de)

5.5.

Angehörige

Ein Mann entscheidet sich, als bei seiner Frau der "Hirntod" festgestellt wird, für die Organspende. ".....Die Kinder und ich waren hin- und hergerissen zwischen Verzweiflung, Entsetzen, Elend und Jammer. Wir überlegten so gut wir konnten, was zu tun sei. Was hätte Irene gewollt? Dasselbe wie ich, nämlich aus der Situation das Beste zu machen? Isa fand, wenigstens könne jemand anders weiterleben, wenn schon ihre Mutter sterben müsse. Stefan glaubte auch, dass seine Mutter bestimmt dafür gewesen wäre, ihre Organe zu spenden. Und ich? Ich war derselben Meinung und bin es bis heute. Ich möchte jetzt nicht weiter darauf eingehen.

Am nächsten Tag sagten wir Dr. Stadler, dass wir der Klinik erlaubten, Herz, Nieren, Leber, Lunge und auch die Hornhaut bei Irene zu entnehmen, um damit anderen Menschen zu helfen.

Irenes Mutter reagierte im ersten Moment ablehnend. Wir erklärten ihr, warum wir und vermutlich auch Irene für die Organspende waren. Sie fragte sich dann, wie es wohl für jemand sein müsse, dessen Angehöriger auch so jung wie Irene sterben muss, weil niemand bereit ist, Organe zu spenden. Sie sagte, Irene habe immerhin einen Tod ohne Leiden gehabt. Dies sei ihr in allem Schmerz ein kleiner Trost. In diesem Moment waren wir uns alle sehr nah."

(Wie ein zweites Leben, Broschüre der BZgA, 51101 Köln)

5.6.

Verwaiste Eltern in der "Initiative für kritische Aufklärung über Organtransplantation" - KAO (Jürgen und Gisela Meyer)

Eltern, denen ein Kind gestorben ist, erleben eine absolute Katastrophe. Obwohl nichts grundlegend hilft, weil nichts unser Kind zurückbringt, gibt es doch vieles, was die Katastrophe verschlimmern kann, und einiges, was den Schmerz - manchmal erst viel später - etwas lindern kann.

Von ganz besonderer Wichtigkeit ist der Umgang mit dem Kind unmittelbar vor und nach dem Tod. Gerade bei plötzlichem Tod haben Eltern kaum echte Möglichkeiten diesen Umgang zu beeinflussen, denn sie funktionieren, wenn überhaupt, nur äußerlich. Innerlich sind sie leblos und unter Schock. Sie tun meist alles, was Freunde, Angehörige, Pfarrer, Ärzte, Bestatter sagen, auch wenn sie als Eltern in ihrem tiefsten Herzen spüren, dass es eigentlich nicht gut ist.

So ergibt sich aus vielen Berichten Verwaister Eltern, wie ungeheuer heilsam es ist, wenn sie ihr Kind wenigstens im Sterben begleiten konnten und genügend Zeit zum Abschied vom toten Kind hatten. Viele kennen den unguten "Rat", dass sie doch das Kind so in Erinnerung behalten sollten, wie es gelebt habe. Statt dessen wäre es dringend notwendig gewesen, den Eltern den Abschied von ihrem verstorbenen Kind zu ermöglichen, sie zu ermutigen, es noch einmal zu sehen, es zu waschen und anzuziehen, es nach Hause zu holen und es dort aufzubahren. Andernfalls leiden die Eltern ein Leben lang unter dem fehlenden Abschied und dem versäumten letzten Liebesdienst.

Viele Eltern, die hören, dass ihr Kind wegen einer schweren Kopfverletzung die nächsten Tage nicht überleben wird, werden immer häufiger mit Fragen nach einer Organspende bedrängt. Ihnen wird eingeredet, dass beim Hirnversagen das Kind tot sei, was neuerdings auch unter Medizinern immer mehr in Frage gestellt wird. Statt auf die Bedürfnisse des Sterbenden und seiner Angehörigen, die ihr Kind als lebenden Menschen wahrnehmen, Rücksicht zu nehmen, werden Eltern mit der Verantwortung für einen kranken, völlig unbekannten Dritten belastet. Das alles geschieht in der oben beschriebenen Schocksituation, in der die Eltern eigentlich entscheidungsunfähig sind und immer noch auf eine Wende zum Guten hoffen. Die unreflektierte Angst der schockierten Eltern, nur nicht an noch mehr Leid schuld zu sein, wird kühl ausgenutzt. Manchmal werden die Organe des noch lebenden Menschen - unter dem Deckmantel der Nächstenliebe - regelrecht eingefordert. Ärzte, die für diese Angehörigengespräche mit dem Ziel der Organfreigabe besonders geschult wurden, sagen häufig, es hülfe den Eltern in ihrer Trauer, wenn die Organe des Kindes in einem anderen Menschen weiterleben würden. Das mögen die Ärzte denken, die bereits ihre Fürsorge vom Sterbenden, der nur noch wegen seiner Organe behandelt wird, abgewendet und auf einen unbekannten Dritten gerichtet haben. Aber was wissen die Ärzte schon darüber, was für Eltern in dieser Situation gut ist? Tatsächlich ist für die meisten Eltern der Gedanke überhaupt nicht tröstlich, sondern abstoßend und unerträglich, dass die Integrität des Körpers zerstört wird und Teile davon in verschiedenen Menschen weiter existieren.

Eltern leben vielmehr schlecht mit der Erfahrung, ihr Kind im schwächsten Moment auch noch im Stich gelassen, die Sterbebegleitung den Chirurgen überlassen und geglaubt zu haben, "Hirntod" sei der Tod des Menschen. Sie sind erschüttert, wenn ihnen bewusst wird, dass der Hirntod ein Konstrukt der "modernen Medizin" zur Organbeschaffung ist, dass Körper, Geist und Seele in Wirklichkeit eine Einheit bilden, dass Sterben ein Prozess und der Mensch mit ausgefallenen Hirnfunktionen ein Sterbender ist.

Eltern leben schlecht mit dem Wissen, dass die Organe nicht nach dem Abstellen der Apparate entnommen werden, wie sie vielleicht ursprünglich gedacht hatten, sondern dass dies bei Aufrechterhaltung der Beatmung geschieht. Sie sind erschüttert zu hören, dass der Blutkreislauf funktionieren muss, weil nur durchblutete lebensfrische Organe verwertbar ("transplantabel") sind, dass der "Hirntote" narkotisiert wird und Schmerzmittel erhält, dass er auf Berührungen reagiert, dass er schwitzt und der Blutdruck beim Schnitt mit dem Skalpell ansteigt.

Eltern leben schlecht, wenn sie erfahren, was bei einer Multiorganentnahme alles entnommen wird, wenn sie begründete oder unbegründete Zweifel haben, ob nicht auch verweigerte Organe entnommen wurden, wenn sie lesen, dass auch Fehldiagnosen vorkommen.

Als Verwaiste Eltern wissen wir, wie groß die Not der Menschen sein muss, die trotz aller Probleme auf ein fremdes Organ hoffen, die sich zur Rettung oder Besserung der Lebensqualität sogar den Tod eines Menschen mit guten Organen wünschen müssen. Trotzdem darf das Leid der Eltern, die ein Kind verlieren, nicht vergrößert werden. Es ist unendlich traurig, nach einem Unfall zu spät zu kommen, so dass nur noch der Abschied vom bereits Verstorbenen bleibt. Wie wichtig ist es dann, dass wir ermutigt werden, ein sterbendes Kind nicht zu verlassen, ihm die Hand zu halten, einfach da zu sein bis zum letzten Atemzug und darüber hinaus.

Gerade wir Verwaisten Eltern können helfen, diese Ermutigung zu verbreiten, auch wenn wir uns damit der allseits propagierten Forderung nach mehr Spenderorganen entgegenstellen. Stehen wir nicht oft mit unseren Gefühlen und Erkenntnissen allein? Wir können mit unseren Erfahrungen für die Schwachen, Wehrlosen, die Für-tot-Erklärten und deren Angehörige eintreten.

Internet: (www.initiative-kao.de)

6.

Stellungnahmen zur Organspende von "Hirntoten"

6.1. Stellungnahme der Kirchen
6.2. Kommentare von Befürwortern und Gegnern der Organentnahme bei "Hirntoten"
6.3. Kommentare zur "Hirntod"-Definition

6.1.

Stellungnahme der Kirchen

In der gemeinsamen Erklärung der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz und der Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland von 1990 heißt es unter anderem: "Nach christlichem Verständnis ist das Leben und damit der Leib ein Geschenk des Schöpfers, über das der Mensch nicht nach Belieben verfügen kann, das er aber nach sorgfältiger Gewissensprüfung aus Liebe zum Nächsten einsetzen darf."

Beide Kirchen haben die Verabschiedung des Transplantationsgesetzes 1997 begrüßt und nochmals betont, dass die Organspende ein Akt der Menschenliebe sein kann.

(Wie ein zweites Leben. Broschüre der BZgA, 51 101 Köln)

Es gibt auch Gegenbewegungen in der Evangelischen Kirche, die sich von der Erweiterten Zustimmungslösung, die in Deutschland gültig ist, distanzieren. So gibt es die "Berliner Erklärung für die Zustimmungslösung". (zu beziehen über die Theologische Fakultät der Humboldt-Universität, Waisenstr. 28, 10179 Berlin)

In der Stellungnahme des Kirchenamtes der EKD vom 19.6.1995 werden zu den Erklärungen von 1989 und 1990 folgende Berichtigungen vorgenommen:
  • "Hirntod" als Tod des Menschen wird nicht mehr aufrechterhalten (nur als Zeitpunkt für eine zulässige Organentnahme)
  • Sterben ist ein Prozess.
  • Das Schutzrecht auf einen unversehrten Körper wiegt schwerer als alle Anspruchsrechte.
Auch Papst Johannes Paul II hat sich mehrfach kritisch zur Organentnahme bei "Hirntoten" geäußert, so beim Kongress der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften vom 14.Dezember 1989 und im Evangelium vitae, Enzyklika Frohbotschaft des Lebens, Christianan-Verlag, Stein am Rhein, 1995, S. 79.

6.2.

Kommentare von Befürwortern und Gegnern der Organentnahme bei "Hirntoten"

6.2.1. Die Befürworter sagen: "Hirntote" Menschen sind tot.

In der Erklärung Deutscher Wissenschaftlicher Gesellschaften zum Tod durch völligen und endgültigen Hirnausfall heißt es:

"Ein Mensch, dessen Gehirn abgestorben ist, kann nichts mehr aus seinem Inneren und aus seiner Umgebung empfinden, wahrnehmen, beobachten und beantworten, nichts mehr denken, nichts mehr entscheiden.

Mit dem völligen und endgültigen Ausfall der Fähigkeit seines Gehirns hat der betroffene Mensch aufgehört, ein Lebewesen in körperlich-geistiger oder in leiblich-seelischer Einheit zu sein. Deshalb ist ein Mensch tot, dessen Gehirn völlig und endgültig ausgefallen ist."

(Organspende...in Frage gestellt. Hrsg.: Bioskop - Forum zur Beobachtung der Biowissenschaften e.V.)

6.2.2. Die Gegner sagen: "Hirntote" Menschen sind Sterbende.

"Hirntote" Menschen sind sinnlich nicht als Tote erfahrbar, da die sicheren Todeszeichen, z.B. Totenflecken oder Leichenstarre, vollständig fehlen ....Ihr Herz schlägt, und sie atmen mit technischer Unterstützung durch Beatmungsgeräte. Sie fühlen sich nicht wie Tote an, der Stoffwechsel funktioniert, "hirntote" Frauen können Kinder austragen, "hirntote" Männer können Erektionen haben ....

Nach Angaben der DSO sind in drei von vier Fällen Bewegungen der Arme und Beine möglich. Um diese Reaktionen während der Organentnahme zu vermeiden, muss ein "hirntoter" Mensch auf dem OP-Tisch festgeschnallt und zusätzlich durch Medikamente ruhiggestellt werden. Zum Beispiel erhalten "Hirntote" muskel-entspannende Medikamente und werden narkotisiert. Beim Einschnitt in den Körper des "Hirntoten" kann es zu Blutdruck-, Herzfrequenz- und Adrenalinanstieg kommen. Bei anderen Operationen gelten diese Zeichen als Hinweise auf Stress bzw. Schmerz. Der Herzschlag setzt erst während oder nach der Entnahme einzelner Organe aus."

(Organspende...in Frage gestellt- Hrsg.: BioSkop - Forum zur Beobachtung der Biowissenschaften e.V.)

6.3.

Kommentar zur Hirntoddefinition

6.3.1. Prof. Dr. Klaus-Peter Jörns kommentiert die Hirntoddefinition:

"Ich behaupte nun, dass niemand diese Gleichsetzung von "Hirntod" und Tod braucht und auch niemand auf den Gedanken kommt, derart wegwerfend über sterbendes menschliches Leben zu reden, der von den Interessen des Sterbenden ausgeht. Jene Gleichsetzung ist ausschließlich fremdbegründet und als solche suspekt, denn sie wendet sich prinzipiell gegen die Interessen des Menschen, bei dem der Ausfall aller messbaren Hirnfunktionen diagnostiziert worden ist bzw. wird, und gegen Wahrnehmungen und Gefühle der Angehörigen.

Die mittlerweile den Transplantationskoordinatoren antrainierten Strategien, mit denen diese jene Wahrnehmungen auszuschalten versuchen, um an die Organe zu kommen, stellen nach meinem Verständnis von Seelsorge psychische Gewaltanwendung gegen Menschen in einer Schocksituation dar, auch wenn sie mittlerweile zynischerweise als "Trauerhilfe" umdeklariert werden. Die Tatsache, dass viele Angehörige ihre in der Schockphase gegebene Zustimmung später bereuen, mahnt zu größter Skepsis nicht nur gegenüber dieser Praxis."

Internet: (www.initiative-kao.de)

6.3.2. Prof. Dr. phil. Dr. rer. nat. Gerhard Roth, Universität Bremen, Institut für Hirnforschung, zur Hirntoddefinition:

"...Ich will mich hier nur mal kurz mit zwei Aussagen der Befürworter "Hirntod gleich Gesamttod" auseinandersetzen...

Erste Aussage bekanntlich: Der Tod eines Menschen sei dann eingetreten, wenn seine gesamten Hirnfunktionen irreversibel ausgefallen sind. Der hirntote Patient sei demnach eine Leiche. Diese Aussage ist aus physiologischer Sicht nicht haltbar. Tod ist nicht einfach etwas Mystisches oder Philosophisches, sondern ist wissenschaftlich definiert als das Erlöschen des Stoffwechsels im Körpergewebe. Es gibt, davon war die Rede, sehr wohl die Möglichkeit, dass ein hirntoter Patient im biologischen Sinne lebt, nämlich dann, wenn der Ausfall vitaler Hirnfunktionen, das heißt im Wesentlichen die Steuerung der Atmung durch Teile des sogenannten niederen Hirnstamms, durch Apparate kompensiert wird und damit der Körperstoffwechsel aufrechterhalten bleiben kann.

Richtig ist zwar, dass der Ausfall dieser vitalen Hirnfunktionen den Tod eines Menschen unweigerlich und relativ schnell nach sich zieht, sofern nicht diese Funktionen durch Apparate übernommen werden. Geschieht dies aber und zeigt der Körper des hirntoten Menschen Atmung und Kreislaufaktivität seiner Organe - natürlich mit Ausnahme des Gehirns - dann ist dieser Körper lebendig. Es widerspricht dem biologischen und physiologischen Verständnis von Leben und erst recht dem alltäglichen Empfinden, wenn ein solcher menschlicher Körper als Leiche bezeichnet wird. Er darf auch dann nicht zur Leiche erklärt werden, wenn Organe dringend benötigt werden, um andere Leben zu retten. Das Gehirn darf nicht als Obersteuerorgan und als ganzmachendes Organ mystifiziert werden, das sage ich ausdrücklich als Hirnforscher.

Das Gehirn, speziell der Gehirnstamm, ist im Hinblick auf die Aufrechterhaltung des Lebens ein Organ wie andere Organe auch und kann wie diese zumindest teilweise ersetzt werden. Ebenso darf die Tatsache, dass der Hirntod den Gesamttod unweigerlich nach sich zieht, nicht als Besonderheit des Gehirns bewertet werden. Das Versagen der Nieren führt genauso unweigerlich zum Tod eines Menschen wie der Ausfall des Hirnstamms, sofern man nicht ihre Funktion ersetzt hat. Niemand wird aber beim Ausfall der Nierenfunktion von einem toten Menschen sprechen, einer Leiche. Dass das Gehirn Empfindungen und Bewusstsein hervorbringt, die Niere aber nicht, ist in diesem Zusammenhang aber völlig unerheblich. Die Gleichsetzung von Hirntod und Gesamttod des Menschen ist daher abzulehnen...

Es wird behauptet, das ist der zweite Punkt, dass der Ausfall der gesamten Hirnfunktion mit den heute angewandten Verfahren mit völliger Sicherheit festgestellt werden könne. Diese Aussage ist falsch. Der Hirntod ist nicht völlig eindeutig diagnostizierbar. Weder Atemstillstand noch Ausfall der tiefen Hirnstammreflexe noch neurophysiologische Registrierverfahren noch Dopplersonographie erfassen mit völliger Sicherheit alle Hirnfunktionen. Dies ist entgegen vieler Verlautbarungen der Fachwelt seit langem bekannt..."

(aus seinem Vortrag bei der Anhörung vor dem Ausschuss für Gesundheit am Mittwoch, dem 28.6.1995;

Internet: (www.transplantation-information.de)

7.

Bücher- und Adressenliste

Für eine vertiefende Bearbeitung im Unterricht in der gymnasialen Oberstufe sind die nachfolgenden Dokumentationen des Deutschen Bundestages aus der Bundestagsdebatte zur Verabschiedung des Transplantationsgesetzes besonders geeignet, um die unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen zur Transplantation deutlich zu machen. (Die Dateien aus dem Bundestag sind als PDF-Dateien gespeichert. Zum Lesen dieser Dateien wird das Programm Adobe-Reader benötigt, das aus dem Internet www.adobe.de kostenlos herunter geladen werden kann. Bitte für die Download-Zeiten der Bundestagsinformationen die Dateigrößen beachten!):

Protokoll der Bundestagsdebatte am 25. Juni 1997:

Bundestag 1997-06-25.pdf (15.111 KB)

Drucksachen der Bundestagsdebatte zum Transplantationsgesetz am 25. Juni 1997:

Drucksache 13/4355: BAD13-4355.pdf (4.788 KB)

Drucksache 13/2926: BAD13-2926.pdf (2.535 KB)

Drucksache 13/4114: BAD13-4114.pdf ( 243 KB)

Drucksache 13/4368: BAD13-4368.pdf ( 552 KB)

Drucksache 13/6591: BAD13-6591.pdf ( 378 KB)

Drucksache 13/8017: BAD13-8017.pdf (5.898 KB)

Transplantationsgesetz vom 5.9.1997:

Drucksache 635/97: Transplantationsgesetz.pdf


Es ist auch möglich, die folgenden Broschüren einzusetzen:
  • Wie ein zweites Leben. (Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung : BZgA. 51101 Köln) Es ist kostenlos zu erhalten.

  • "Organspende"...in Frage gestellt (Hrsg.: BioSkop - Forum zur Beobachtung der Biowissenschaften e.V., Bochumer Landstraße 144a, 45276 Essen). Es kostet pro Einzelheft 2,50 €, bei Mehrfach-Bestellung gibt es gestaffelte Preise.

Weitere Informationen bei:

1. KAO (Kritische Aufklärung über Organtransplantation)

Internet:www.initiative-kao.de

2. BioSkop e. V. (Forum zur Beobachtung der Biowissenschaften und ihrer Technologien)

Internet: www.bioskop-forum.de

3. Roberto Rotondo (Krankenpfleger und Psychologe)

Internet: www.transplantation-information.de

4. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Internet: www.bzga.de

5. Deutsche Stiftung Organtransplantation

Internet: www.dso.de

6. Richard Fuchs:

Tod bei Bedarf. Das Mordsgeschäft mit Organtransplantationen. Ullstein Report, 1996

7. Ulrike Baureithel/ Anna Bergmann:

Herzloser Tod. Das Dilemma der Organspende. Klett-Cotta 1999

8. Anna Bergmann:

Der entseelte Patient. Die moderne Medizin und der Tod. Aufbau-Verlag, 2004

9. Johannes Hoff/ Jürgen in der Schmitten (Hrsg.):

Wann ist der Mensch tot? Organverpflanzung und Hirntodkriterium. Rowohlt, Erweiterte Auflage 1995

10. Hans W. Striebel/ Jürgen Link (Hrsg.):

Ich pflege Tote. Die andere Seite der Transplantationsmedizin. Recom 1991

11. Elisabeth Wellendorf:

Mit dem Herzen eines anderen leben? Die seelischen Folgen der Organtransplantation. Kreuz Verlag 1993

12. Kurd Stapenhorst:

Unliebsame Betrachtungen zur Transplantationsmedizin. Vandenhoeck und Ruprecht, 1999

13. Renate Greinert:

Organspende - Nie wieder. EMU Verlag, 2000

14. Renate Greinert, Gisela Wuttke (Hrsg.):

Organspende - Kritische Ansichten zur Transplantationsmedizin. Lamuv Verlag, 1993

15. Vera Kalitzkus:

Leben durch den Tod. Campus Verlag

16. Gisela Lermann:

Ungeteilt sterben. Kritische Stimmen zur Transplantationsmedizin. Politik und Praxis bei Lermann/ Mainz

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