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Richard Fuchs: ORGANSPENDE - Die verschwiegene Wahrheit

Start oder Fehlstart?
1. Nov. 2012: Gesetzlich geregelte Entscheidungslösung zur Organspende

Buchcover2012 ist das Jahr der Novellierung des Transplantationsgesetzes (TPG) von 1997. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt erschüttern Skandale die Transplantationsmedizin. Da stellen sich erneut Fragen: Mit welchen Änderungen muss mit in Krafttreten der Gesetzesnovelle gerechnet werden? Wird die Politik laut Frank-Walter Steinmeier (SPD) den Menschen mehr "auf die Pelle rücken"? Können sich Bürgerinnen und Bürger dem Drängen entziehen, sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden? Kann die Nachfrage nach dem knappen Angebot an Organ-"Spenden" durch noch mehr Werbemillionen befriedigt werden?

Ist das Hirntod-Konzept noch zu halten, nachdem über Fehldiagnosen berichtet wurde? Wie sicher ist das komplizierte Transplantationssystem der Selbstverwaltung? Wie hoch ist das Inkasso der an dem System beteiligten Akteure und Institutionen? Wie hoch sind die Zielvorgaben der Kliniken, der ständige wirtschaftliche Druck und die Versuchung, u. U. ohne Rücksicht auf die Qualität eines Ersatzorgans, die Zahl der Transplantationen zu erhöhen?

Das aktuelle Sachbuch "Organspende - Die verschwiegene Wahrheit" von Richard Fuchs gibt Antworten, die in aller Regel von offizieller Seite nicht, verkürzt oder auch irreführend gegeben werden. Auf Zahlen und Fakten gestützt, informiert es Leserinnen und Leser erstmalig umfassend über die kommerziellen Hintergründe des weitestgehend abgeschotteten Transplantationssystems. Als aktuelles Nachschlagewerk ist das Buch unverzichtbar für Ärzte, Pflegepersonal, Sozialarbeiter, Theologen, Verantwortliche in Politik, Gesundheitswesen, in der Pädagogik, Erwachsenenbildung, für Journalisten und nicht zuletzt für alle, die vor der Frage stehen: "Soll ich einen Organspendeausweis unterschreiben oder nicht?" Denn redliche Informationen sind wichtig, bevor ein Organ- und Gewebespende-Ausweis unterschrieben und damit stillschweigend auch in eine Hirntoddiagnostik eingewilligt wird.

Das Transplantationsgesetz (TPG) von 1997, mit schweren Geburtsfehlern behaftet, installierte ein nicht leicht durchschaubares Transplantationssystem mit privaten Stiftungen, einem nicht rechtsfähigen Verein und diversen weiteren Akteuren, das bis heute unter Kontrolldefiziten leidet. Daran hat sich mit der Novelle in diesem Jahr wenig geändert. Die mutmaßlichen Manipulationsfälle von Labordaten in Göttingen, Regensburg, inzwischen auch in München wie auch die Fälle von Bestechlichkeit, Nötigung, Betrug und Steuerhinterziehung in Essen, lassen darauf schließen, dass die handelnden Personen nicht damit rechnen mussten, entdeckt zu werden.

Die Gesetzesnovelle hatte zum Ziel, die Bereitschaft zur Organspende zu fördern. Mit Inkrafttreten dieser Novelle entwickelt sich jetzt die Realisierung allerdings zum Fehlstart. Denn auch die flächendeckende Einführung der elektronischen Gesundheitskarte, die das Ja oder Nein zur Organspende dokumentieren soll, gilt bis auf weiteres als gescheitert. Die eine oder andere Krankenkasse, darunter die AOK, hat den Versand von Info-Briefen und Ausweisen zur Organspende an Versicherte wegen der Organspende-Skandale vorläufig gestoppt. Geplant hatte die AOK zunächst, ihre Versicherten ab September regelmäßig über die Organspende zu informieren. Die Skandale hatten aber in der Bevölkerung zu großen Irritationen geführt.

Richard Fuchs
ORGANSPENDE - Die verschwiegene Wahrheit
emu-Verlag, 1. Auflage (Oktober 2012)
220 Seiten, gebunden, 19,80 Euro
ISBN 978-3-89189-202-2

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