Aktuell

Neues zum Thema Organspende, Transplantation und Hirntod

13.06.15

Offener Brief von KAO an die deutschen Bischöfe und Kardinäle zur Organspende

Sehr geehrte, hochwürdige Herren Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe,

am 06.06.2015 veröffentlichte das Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland, katholisch.de, im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz zum Tag der Organspende den Artikel: ""Nur" ein Stück Papier" (s. Anhang).

In dem sehr oberflächlichen Artikel beruft sich die Autorin, Gabriele Höfling, in ihren Ausführungen zum Hirntod auf Weihbischof Losinger. Dieser hat im Februar, nach der Stellungnahme des Ethikrates zum Hirntod, ein Interview bei Domradio gegeben. Domradio ist der Sender des Erzbistums Köln.

Aus medizinisch-naturwissenschaftlicher Sicht ist dieses Interview unhaltbar, da neue wissenschaftliche Erkenntnisse nicht berücksichtigt werden. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Hirntod nicht mit dem Tod gleichzusetzen ist. Es ist eine Tatsache, dass die Hirntoddiagnostik unsicher und nicht qualitätsgesichert ist. Von Experten wurde bei der Überprüfung von Hirntoddiagnosen eine Fehlerquote von 30% festgestellt. Es ist unverantwortlich, dass ein Erzbistum über seinen Sender falsche Informationen verbreitet, die Menschen dazu bringen sollen, sich zur Organspende bereit zu erklären. Organspender sterben auf dem Operationstisch durch die Organentnahme. Dieser Tatsache muss man sich stellen. Bei der Explantation handelt es sich zumindest um aktive Sterbehilfe.

In dem Interview bei katholisch de. äußert sich Weihbischof Losinger folgendermaßen zur Sterbebegleitung:

    "Mir wäre es lieber, wenn ich im Todesfall durch eine Transplantation Leben retten könnte, als dass die Angehörigen ein gemütliches Abschiednehmen haben"

Diese Formulierung ist zutiefst menschenverachtend und zynisch. Besonders schwerwiegend ist die Tatsache, dass der Artikel im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz geschrieben wurde. Vielleicht ist diese Äußerung der Tatsache zuzuschreiben, dass ein katholischer Würdenträger weder Frau noch Kinder hat und deshalb das Thema Transplantation nur aus der Sicht der Empfänger sieht. Bei fehlender Empathie wäre es aber besser zu schweigen, statt mit der Würde des Titels sich einseitig auf die Seite der Transplantationsmedizin zu stellen. Wenn er sich aber als potentiellen Spender sieht, sollte er sorgfältig bedenken, wie "gemütlich" das Abschiednehmen für seine Angehörigen wohl sein wird, so er denn welche hat.

Jeder Mensch hat das Recht darauf, in Würde zu sterben. Gott hat uns nicht als Ersatzteillager geschaffen. Ein Hirntoter ist nicht tot. Er ist ein möglicherweise Sterbender.

Im Katechismus der katholischen Kirche (Kompendium) steht auf Seite 171:
478: Welche Fürsorge schuldet man den Sterbenden?
"Sterbende haben ein Recht darauf, die letzten Momente ihres irdischen Daseins in Würde zu leben. Man soll ihnen vor allem durch das Gebet und die Sakramente beistehen, die auf eine Begegnung mit dem lebendigen Gott vorbereiten."

Ein gewaltsamer Tod auf dem Operationstisch entspricht dieser Forderung nicht.

Für die Angehörigen, die darunter leiden, dass sie einen geliebten Menschen in seinem Sterben allein gelassen haben, ist die Äußerung zutiefst verletzend. Die Tatsache , dass im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht wurde, ist besonders gravierend.

Wir fordern die Deutschen Bischöfe auf, diesen Sachverhalt richtig zu stellen.

Kempen, 13.06.2015

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Martin Stahnke
1. Vorsitzender KAO

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