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Hirntod

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Zeichen des Lebens - ist der "Hirntod" noch Leben?

Internationale Konferenz in Rom beschließt weltweite Vernetzung der Hirntodkritiker

Am 19.2.2009 fand in Rom im Hotel Columbus - 100 m vom Petersplatz entfernt - ein internationaler Kongress statt. Thema: "Zeichen des Lebens - ist der 'Hirntod' noch Leben?"

Teilnehmer mit einem Redebeitrag waren:

  • Prof. Dr. John Andrew Armour, Neurokardiologe von der Universität Montreal
  • Dr. Rosangela Barcaro, Forscherin an der Rechtsfakultät der Univ. Genua; Mitglied des Nationalen Forschungsrates in Italien
  • Professor Paolo Becchi, Rechtsphilosoph an den Universitäten Genua und Luzern
  • Dr. Rainer Beckmann, Richter, Lehrbeauftragter für Medizinrecht an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Chefredakteur der "Zeitschrift für Lebensrecht"
  • Prof. Dr. Paul Byrne, Neonatologe an der Universität Toledo/Ohio, Direktor am St. Charles Mercy Hospital Oregon/Ohio
  • Prof. Roberto de Mattei, Historiker an der Europ. Universität Rom, Vizepräsident des Nationalen Forschungsrates in Italien
  • Prof. Dr. Cicero Coimbra, Neurologe an der Universität von Sao Paulo, Brasilien
  • Dr. Ari Joffe, Pädiater an der Universität von Alberta in Edmonton
  • Prof. Dr. Josef Seifert, Rektor der Internationalen Akademie für Philosophie Liechtenstein, Mitglied der "Päpstlichen Akademie für das Leben"
  • Prof. Dr. Joseph Verheijde, MayoKlinik, Professor an der Universität von Arizona

Veranstaltet und organisiert wurde die Konferenz auf Initiative von Prof. Dr. Byrne durch die "Assoziatione Famiglia Domani", unterstützt durch verschiedene Gruppen, vor allem aus den USA, und auch von "KAO - Kritische Aufklärung über Organtransplantation e. V." aus Deutschland.

Diese Veranstaltung war eine Antwort besonders von katholischen Wissenschaftlern auf die Rede des Papstes vom 7.11.2008, die von vielen als unzureichend, von anderen aber als klar angesehen wurde: Der Papst hatte auf einem Kongress zur Transplantationsmedizin gesagt, Organe dürften nur "ex cadavere" entnommen werden - nur von wirklich Toten. Das Prinzip der "Vorsicht" habe Vorrang vor dem Wunsch, möglichst viele Organe zu entnehmen.
Da der Papst sich jedoch nicht zum "Hirntod" geäußert hatte - die Definition also weiterhin den Medizinern überlässt - hatte z. B. die Deutsche Bischofskonferenz einen Freibrief zur Organentnahme herausgelesen.

Auf dieser Konferenz, die doppelt so viele Teilnehmer hatte als angenommen - etwa 200 - stellten die internationalen Experten fest, der "Hirntod" sei weder ein wissenschaftlich belegbarer Begriff, noch sei er wirklicher Tod. Die Definition nütze niemals dem Patienten, sondern immer nur anderen.
Der hippokratische Eid sei also "tödlich verletzt" (Prof. Seifert): "Das Argument der guten Konsequenzen kann niemals den Tod anderer rechtfertigen."

Dieser Gedanke wurde von Prof. Coimbra noch verstärkt. Er sagte: Die Behandlung von Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma sei meist falsch, weil auf Explantation gerichtet. Unterkühlung und die Gabe bestimmter lebenswichtiger Hormone seien oft lebensrettend, würden aber mit Rücksicht auf die Explantation unterlassen. Der immer angewandte Apnoetest - Aussetzung der künstlichen Beatmung - führe in 50% der Fälle zu dem Tod, der erst mittels des Tests festgestellt werden sollte.
Besonders aufrüttelnd: Ein als "hirntot" Erklärter darf nicht wieder aufwachen, weil die Ärzte sonst verklagt werden!

Der Neurokardiologe Prof. Armour näherte sich dem Thema vom Herzen aus: Wer behaupte, das Herz sei abhängig vom Gehirn, ignoriere die Forschungsergebnisse. Zum Herzen selbst gehörten etwa 20 000 Neuronen - "ein kleines Hirn", das zahlreiche Herzfunktionen direkt steuere. Also könne das Hirnversagen nicht mit dem Tod des Menschen gleichgesetzt werden.

An Hand zahlreicher Beispiele belegte Prof. Byrne, dass die Transplantationsmedizin noch Lebende zur Explantation bestimmt. Einige überlebten, weil die Angehörigen wachsam waren. Zusammenfassend sprach er von "Kannibalismus" der Mediziner, die hilflose Menschen der Sklaverei aussetzten, indem sie sie per "Hirntod"-Erklärung rechtlos und durch Medikamente willenlos machten.

Klar und eindrucksvoll widerlegte der Richter Dr. Beckmann aus Würzburg mit juristischer Argumentation die Behauptung, ein Mensch im Hirnversagen sei ein toter Mensch. Begründete Zweifel müssten dazu führen, "hirntote" Patienten als Lebende zu behandeln.

Zum Schluss zeigte der polnische Arzt Dr. Talar eindrucksvolle Fotos von Patienten, die mit schwerem Schädel-Hirntrauma in seine Klinik kamen und von denen etwa 80% - z.T. völlig - wiederhergestellt werden konnten. Da er sich durch seine Arbeit den Interessen der Transplantationsmedizin in den Weg stellte, hatte er große berufliche Probleme.

Im Anschluss an die Vorträge fand eine Podiumsveranstaltung statt, auf der auch Renate Greinert als Vertreterin von KAO teilnahm. Sie sprach von der Situation der Angehörigen, die in einer ausweglosen Lage ausgenutzt und belogen werden. Sie wünschte sich eine internationale Vernetzung der Hirntodkritiker.

Dies wird um Prof. Byrne herum stattfinden, der den internationalen Austausch koordinieren wird. Einzelpersonen, Gruppen und Vereinigungen wollen sich so gegenseitig informieren und unterstützen.
Vertreter aus folgenden Ländern sind am Anfang daran beteiligt: Italien, Deutschland, USA, Österreich, Großbritannien, Kanada, Brasilien, Australien.
Die Hoffnung geht dahin, dass der Kreis schnell größer wird.

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