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In der Gegenwart des Bösen

Bernice Jones, USA

Vorbemerkung

Im folgenden Text berichtet die Mutter eines Organspenders aus den USA über ihre Erfahrungen mit der Organentnahme bei ihrem "hirntoten" Sohn.

"..Der Uniform Anatomical Gift Act (UAGA) von 1968 (1987 ergänzt und 2006 überarbeitet) legte fest, dass die Zustimmung eines Organspenders zur Organentnahme, dokumentiert auf einem Spenderausweis oder im Führerschein oder in einer Spenderdatei, gesetzlich ebenso bindend ist wie eine Patientenverfügung zur Behandlung am Lebensende.."
(www.citeulike.org/journal/bmcmedethics)

Aus diesem Grund erhalten Organisationen, die für Organgewinnung zuständig sind und die Verträge mit Krankenhäusern abgeschlossen haben, Zugang zu Patienten, bei denen die Diagnose "Hirntod" wahrscheinlich ist.



"Diese sechs Dinge hasst der Herr, diese sieben sind ihm ein Greuel: stolze Augen.." Sprüche des Salomo 6: 17

"Oh mein Gott, nein, nein! Schicke Scharen von Engeln zu seinem Schutz! Allmächtiger Gott, beschütze ihn, rette sein Leben!", schrie ich, während ich zu ihm hinrannte. Beim Spiel hatte sich mein Sohn mit einer kleinkalibrigen Handfeuerwaffe in den Kopf geschossen. Er war bewusstlos. Wir riefen die Notrufnummer 911 an.

Die Sirenen und das Warnlicht waren ausgeschaltet, als der Rettungswagen zu unserem Haus hochfuhr. "Jesus, ich bitte dich, verlass meinen Sohn nicht!" Ich stand da und sah die Leute an, als sie angekommen waren. Ich erinnere mich, dass sie ihre Köpfe zur Seite drehten, als ich Blickkontakt mit ihnen aufnehmen wollte. "Ist es wirklich wahr? Gott, ist es wirklich wahr?"

Die Sirenen und das Warnlicht waren ausgeschaltet, als der Rettungswagen langsam zum Krankenhaus fuhr. Ich durfte nicht im Rettungsfahrzeug mitfahren. Ich war in einem anderen Fahrzeug.

Er trug keine Sauerstoffmaske. "Er lebt!" Ich bat inständig darum, ihn zur Notaufnahme begleiten zu können, aber man verweigerte mir wieder, bei meinem Sohn zu sein.

Das Nächste, woran ich mich erinnere, war, dass ich mich irgendwo im Krankenhaus in einer Ecke auf dem Fußboden befand. Ich schluchzte und weiß noch, dass mir sehr, sehr kalt war. Man führte mich in einen kleinen Raum und die Tür wurde zugemacht. Ein Mann kam ins Zimmer und stellte sich als der Krankenhauspfarrer vor. Obwohl ich mich nicht erinnere, wann genau ich Freunde und meine Kirchengemeinde angerufen hatte, sagte ich ihm, dass mein Seelsorger käme. Ich kann nicht erklären, warum ich in seiner Gegenwart das Gefühl von etwas Bösem hatte.

Familie und Freunde kamen dazu.

Kurz nach der Ankunft im Krankenhaus verkündete der Arzt: "Ihr Sohn ist "hirntot". Es gibt nichts, was ich tun kann, um ihm zu helfen. Seit dem Unfall ist er "hirntot". Er kann nicht eigenständig atmen und ist an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Es gibt keine Hoffnung auf Besserung."

Mein Mann sprach ihn an, während er aufstand: "Tun Sie alles, was in Ihrer Macht steht, um meinem Sohn zu helfen!" Der Arzt sagte, er würde unseren Sohn operieren, damit wir wüssten, "..dass ich alles Menschenmögliche getan habe, um Ihren Sohn zu retten. Ich möchte, dass Sie wissen, dass es nach meiner persönlichen Auffassung aussichtslos ist, aber ich tue es für Sie."

Der Arzt drehte sich um und ging. "Rettung..Rettung? Wird er sterben? O Gott, bitte nicht!"

Wir baten flehentlich darum, unseren Sohn zu sehen, aber man verweigerte uns das erneut.

Man brachte uns in einen Raum (seitdem bezeichne ich ihn als Raum, in dem wir von allem abgeschirmt wurden). Ich kann mich erinnern, wie wir den Flur entlanggingen. Wir wurden von einer Frau in einem blauen Kostüm geleitet. Jemand stützte meine Tochter, die zitterte und wimmerte. Ich musste mich anstrengen, um klar sehen zu können, es war, als ob ich durch eine lange, enge Röhre blickte. Alle schienen weit von mir entfernt zu sein. Ihre Gesichter ähnelten denen meiner Familie, aber sie schienen es nicht zu sein. Die Stimmen waren gedämpft. Mir war eisig kalt und ich zitterte unkontrollierbar.

Wir warteten. Wir beteten. Wir hofften, obwohl uns an diesem Ort keine Hoffnung gemacht wurde.

Als wir auf dem Flur standen, kam die Krankenschwester vorbei, die unseren Sohn betreute. Wir fragten sie, wie es unserem Sohn ging. "Gut." Sie sagte: "Abgesehen von etwas Flüssigkeit in seiner Lunge geht es ihm gut." Als sie unseren Gesichtsausdruck sah, ging sie schnell weg.

Die Frau im blauen Kostüm bot uns immer wieder zu trinken an. Sie schien nett zu sein. Jemand vom Krankenhauspersonal, vermutete ich. Sie war ständig da.

Der Vorhang des Todes

"..falsche Zunge.." Sprüche Salomos, 6: 17

Drei Stunden waren vergangen, seitdem unser Sohn in die Notaufnahme gekommen war, und wir hatten im Gebet auf das Ergebnis der Operation gewartet. Der Arzt kam ins Zimmer und teilte uns mit, dass nichts mehr für seine Rettung getan werden konnte. Er sagte, wir sollten Abschied nehmen, und während er uns zu dem Zimmer führte, in dem unser Sohn war, warnte er uns vor seinem Aussehen: "Nehmen Sie Ihren Mut zusammen, es ist ein schrecklicher Anblick." Als wir in das Zimmer kamen, in dem mein Sohn lag, hätte nichts meine Familie und mich auf das vorbereiten können, was wir sahen. Unser ältester Sohn schrie und brach zusammen, und wir eilten ihm zur Hilfe. Furcht ergriff uns. "Oh Gott, was haben sie mit ihm gemacht?!"

Der Arzt sagte: "Sehen Sie sich das an." Während er auf einen kleinen Kasten zeigte, erklärte er, dass der Druck im Gehirn unseres Sohnes sehr hoch war. "Sein Gehirn ist tot. Es gibt keine Hoffnung. Er stirbt."

Dann hörte ich dieses schreckliche Geräusch. Ich wusste nicht, was es war. Dann erkannte ich, dass es von mir kam, ganz tief aus meinem Inneren. Es war ein hässliches Geräusch und hörte nicht auf. Ich konnte es nicht zum Stillstand bringen. Und es erschreckte mich. Etwas zerbrach in mir. Ich denke, ich starb - ein Teil von mir starb. Jetzt bin ich zur Toilette. Jetzt stehe ich draußen. Ich möchte weglaufen. Ich schreie. Plötzlich ist meine Tochter da. Ich sehe ihr in die Augen. "Dies ist nicht wahr. Das kann nicht wahr sein!" Meine Tochter hält mich fest und sagt: "Es ist wahr." "Nein! Nein!" Ich hörte Schreie. War das meine Stimme? Es war, als sähe ich mich selbst von weitem.

Mein Leben war unwirklich. Das einzige, was ich spüren konnte, war eine durchdringende Kälte.

Ich erinnere mich daran, dass ich wieder in diesem von allem abgeschirmten Raum war. Die Frau im blauen Kostüm stand an der Tür. Ich berichtete den Großeltern, was der Arzt gesagt hatte. Ich erinnere mich, dass ich mich fragte: "Ist das meine Stimme?" Es war, als ob jemand anders redete. Es hörte sich nicht nach mir an. Eine fremde Stimme war in mir und widerhallte, wenn ich sprach.

Ich bin wieder in dem Zimmer bei meinem Sohn. In der Ecke sind zwei Krankenschwestern. Sie sehen auf ein schwarzes Gerät. Ihre Köpfe sind nahe beieinander, und ihr Blick ist auf dieses Gerät gerichtet. Ich gehe zur linken Seite meines Sohnes und streiche über seine Hand, küsse sie. Ich rede mit ihm. Ich sage ihm, wie sehr ich ihn liebe. "Bitte stirb nicht, bitte nicht. Ich kann nicht ohne dich leben", sage ich ihm. Ich sehe einen Beutel an der Bettseite hängen. Es ist sein Urin. Der Beutel ist voll. Ich gehe zu seinem linken Fuß und massiere ihn. Ich spreche zu meinem Sohn. Ich weine - das weiß ich deshalb, weil meine Tränen auf seinen Fuß tropfen. Ich gehe um das Bettende herum zu seinem rechten Fuß, seiner rechten Hand. Unter dem Verband sehe ich den Rand eines Loches in seinem Kopf - ein großes Loch. Das war vorher nicht da. Ein Schlauch führt von diesem Loch zu einer Plastikschale auf seinem Kissen, worin sich Blut ansammelt. Seine Augen sind geschwollen und schwarz und blau. Sein Kopf ist um das Zwei- bis Dreifache angeschwollen. Ich erinnere mich, gesagt zu haben: "Sie haben versucht, ihn zu töten." Weinend umarme ich meinen Sohn und sage ihm: "Ich sehe dich im Himmel wieder. Ich werde dich immer lieben. Jesus sagt, dass du heute bei ihm im Paradies sein wirst." Ich bitte unseren Seelsorger, ihn zu segnen. Unser Seelsorger ist da, er spricht Worte, ich versuche, ihn zu hören, ihm zuzuhören, aber es gelingt mir nicht. Ich hebe die Plastikdecke hoch, mit der er bedeckt ist, und lege meine Hand auf seine Brust. Ich habe Angst. Jemand sagt, dass ich gehen muss; der Arzt muss einen Test durchführen. Ich sage zu meinem Sohn: "Wenn du nicht hier bist, hat dein Sonnenuntergang seinen Glanz verloren." Ich weiß nicht, warum ich das gesagt habe, doch mein Sohn liebte den Sonnenuntergang so sehr.

Ich drehe mich um und sehe die zwei Krankenschwestern, ihre Augen weit geöffnet. Die eine flüstert der anderen etwas zu. Sie starren auf das schwarze Gerät. Ich schaue auf den Fußboden, mein Augen folgen Drähten, die zu Arm, Finger und Brust meines Sohnes führen. Was? Ist es Angst, die ich in ihren Gesichtern sehe? Ja. Angst - sie scheinen über irgendetwas aufgeregt zu sein, das sie im schwarzen Gerät sehen. Das Gerät ist in ihre Richtung gedreht, außerhalb meines Blickwinkels. Vom anderen Gerät führt ein Draht bis zur Stirn meines Sohnes. Was sehen sie? "Sie müssen jetzt gehen." Ich will nicht gehen. Jemand zerrt mich weg. Ich kann ihre Gesichter nicht erkennen. Alles ist jetzt verschwommen.

Ich gehe den Flur entlang. Wir werden zum abgeschirmten Raum geführt. Ich bin vor Furcht erstarrt - ein unbegreiflicher Zustand der Qual und des Entsetzens. Es gibt keine Worte, die diesen Seelenzustand auch nur annähernd beschreiben könnten. War dies die Hölle? Wimmernd und würgend sehe ich in die Augen meiner Familie. Etwas Böses ist anwesend - ein Geist ist unter uns - ich spüre etwas Dunkles. Mir ist kalt, eiskalt. Ist dies der Tod? Ist es das, was Tod bedeutet? "Werde ich verrückt - das ist es! Ich werde wahnsinnig!" Mein Verstand - ist es das, was ich höre?!

Belogen

"Hände, die unschuldig Blut vergießen, Herz, das mit böser Tücke umgeht, Füße, die behend sind, Schaden zu tun.." Sprüche Salomos 6: 17,18

Fünfeinhalb Stunden, nachdem mein Sohn in die Notaufnahme gebracht worden war, sagte man uns, wir sollten auf den Arzt warten, der uns die Testergebnisse mitteilen würde.

Der Arzt kommt ins Zimmer. Er sagt, er habe einen Test durchgeführt. Er stellte dabei die künstliche Beatmung aus, erklärte er uns, und unser Sohn atmete nicht von allein. "Er ist tot."

Mein Mann und ich wollten unseren Sohn sehen, aber der Arzt sagte uns, es wäre Zeit für uns nach Hause zu gehen. "Ihr Sohn ist tot." Die Frau im blauen Kostüm stand neben dem Arzt. Der Arzt stellte sie uns vor und sagte, sie sei eine Transplantations-Koordinatorin und dass sie mit uns reden wolle.

Die Frau fing an: "Sogar im Tod könnte Ihr Sohn anderen helfen. Er mochte die Menschen und war hilfsbereit, nicht wahr?" Meine Familie und ich waren außer uns vor Qual und Entsetzen. Man hörte nur Schluchzen, Würgen und Ächzen. Ich stolperte aus dem Zimmer.

Der Seelsorger und meine Tochter folgten mir auf den Flur. Ich erklärte ihnen beiden, dass ich die Gegenwart von etwas Bösem spürte. Ich bat den Seelsorger, zurückzugehen und bei meinem Mann und meinem Sohn zu bleiben. Ich bat ihn, dieser Frau Einhalt zu gebieten. Minuten später versuchten wir, wieder durch die Flurtüren zu gehen, durch die wir rausgegangen waren, aber sie waren verschlossen. Minutenlang klopften wir immer wieder und versuchten, jemanden auf uns aufmerksam zu machen. Schließlich ließ uns eine Krankenschwester ein.

Als wir ins Zimmer zurückkamen, war nur meine Familie da. Eine Krankenschwester sagte uns, es sei an der Zeit, nach Hause zu gehen.

Mein Mann und mein Sohn wurden genötigt zu unterschreiben. Aber später sagte mir mein Mann, dass er mir nicht sagen könne, was sie unterschreiben hätten. Sie waren durch die redegewandte Art überzeugt worden, mit der sie sagte: "Dieser Akt der Nächstenliebe würde das Leben von anderen retten und diesem tragischen Tod Sinn und Zweck verleihen. Das ist es, was er gewollt hätte - anderen Menschen weiterhin zu helfen, nicht wahr?"

"Dies ist ein entsetzlicher Alptraum - das kann nicht wahr sein!"

Ich erinnere mich nicht, dass ich das Krankenhaus verließ, und nicht an den Heimweg.

Diese Nacht verbrachte ich betend, auf meinen Knien, an die Wand gelehnt. Ich stand nur auf, um von einem Mitglied meiner Familie zum anderen zu gehen, wenn sie durch ihre eigenen Schreie aus dem Schlaf gerissen wurden. Ich konnte nichts tun, um ihren Schmerz zu lindern. Ich rief zu Gott: "Ich habe dir vertraut, Herr! Ich habe dir vertraut, dass du meinen Sohn nicht sterben lassen würdest!"

Am nächsten Tag kamen weitere Familienmitglieder. Das kleine Haus meiner Mutter war voll von Menschen. Mein Mann und mein Vater riefen viele Freunde an und teilten ihnen mit, dass unser Sohn gestorben war. Ich sagte zu meiner Familie, dass ich lieber sterben würde, als diesen Schmerz ertragen zu müssen.

"..wenn es sich aber bekehrte zu dem Herrn, so würde die Decke abgetan.." Sprüche Salomos 6: 17, 18

Vierundzwanzig Stunden nach dem Unfall meines Sohnes sprach Gott zu mir.

Ich stand mitten im Zimmer: "Mein Sohn lebt! Gott sprach zu mir! Bringt mich ins Krankenhaus! Er lebt!" Meine Familie umringte mich, während mein Mann mich hielt und sagte: "Nein, nein. Er ist nicht im Krankenhaus. Er lebt nicht mehr. Er ist jetzt im Bestattungsinstitut." Ich befreie mich aus der Umarmung meines Mannes. Ich flehte ihn an, mir zuzuhören. Ich bat ihn, mich zum Krankenhaus zu bringen, sonst würde ich zu Fuß hingehen.

Meine Familie dachte, ich sei wahnsinnig geworden.

Am nächsten Morgen in der Frühe brach meine Mutter zusammen. Beim Fallen war ihre Nase aufgerissen, sie war blutüberströmt. Diese großartige Großmutter hatte einen Schlaganfall erlitten. Im Krankenhaus blieb ich die ganze Zeit über bei ihr. Der Herr über das Leben war an unserer Seite.

An jenem Tag schaute ich im Krankenzimmer meine Familie an. Ich saß schluchzend da, meine Mutter saß in ihrem Stuhl, ihr Gesicht war verletzt, ihre Nase mit Stichen vernäht. Gebrochen und verletzt, so kämpfte meine Familie im wahrsten Sinne des Wortes ums Überleben. Mein Herz war schwer, und ich fühlte einen Schmerz aus der Tiefe meiner Seele.

Die Qual

Meine Familie machte sich von Tag zu Tag mehr Sorgen um mich. Meine Tochter - das erfuhr ich später - hatte Angst, ich könnte an zerbrochenem Herzen sterben. Sie gestand mir, dass sie mit meinem Tod gerechnet hatte.

Ich machte meiner Familie zusätzlichen Kummer, als ich anfing, ihnen von den Dingen zu erzählen, auf die ich von Gott hingewiesen wurde. Ich konnte meinen Sohn im Krankenhaus sehen und sah Dinge, die ich unmöglich wissen konnte. Ich konnte nicht schlafen, weil ich unseren Sohn im Krankenhaus sah, wie er schrie und nach mir rief. Immer wieder wachte ich auf, nach Atem ringend und mit rasendem Herzschlag. Mein Mann wusste von diesen heftigen körperlichen Anfällen. Ich konnte weder essen noch schlafen. Nach einiger Zeit hatte ich Visionen und hörte die Stimme meines Sohnes aus dem Krankenhaus schreien. Zu wissen, dass ich meinen Sohn seinem Tod überlassen hatte, quälte mich. Mein Mann vermutete, dass ich einfach unter Alpträumen litt. Er versuchte mich zu trösten, doch das war nicht möglich. Er flehte mich an, nicht zu sterben. "Ich kann es nicht ertragen, dich auch noch zu verlieren", sagte er, während er mich in seinen Armen hielt.

Als ich meine Familie darüber informierte, dass ich die erforderlichen Unterlagen eingereicht hatte, um Einsicht in die Krankenhausakten meines Sohnes und in die Berichte von Notfallwagen und Feuerwehr zu erhalten, kann man sich vielleicht vorstellen, was sie dachten.

"So verlieren wir nicht unser Herz. Obwohl unser Äußeres vergeht, wird unser Inneres Tag für Tag erneuert." 2. Korinther 4:6

Ich konnte weder das Gefühl von etwas Bösem abschütteln, noch konnte ich das, was Gott zu mir gesagt hatte, verleugnen. Ich fragte ständig jeden nach allem, was geschehen war. Ich hatte angerufen, um zu versuchen, ein Treffen mit der Organspende-Organisation zu vereinbaren, die mit unserem Sohn zu tun hatte. Denn mein Mann erinnerte sich nicht, was gesagt wurde, was geschah oder was unterschrieben wurde. Er konnte sich nicht erinnern, irgendetwas unterschrieben zu haben. Ich forderte die Aufzeichnungen darüber von ihnen. Dies verursachte erneutes Leid bei meiner Familie.

Zu diesem Zeitpunkt gab meine Mutter zu, dass sie versucht hatte, das Unterzeichnen der Spenderpapiere zu verhindern. Sie war abgestoßen von dem, was sie gehört hatte. Da mein Mann und mein Sohn wegen des offensichtlichen Schockzustands und Schmerzes nicht in der Lage waren zu begreifen, worum es ging, gab sie der Transplantations-Koordinatorin zu verstehen, sie solle aufhören. Sie bat darum, dass ich gefragt werden müsste: "Unterschreibt nichts, bevor seine Mutter dies gesehen hat." Die Transplantations-Koordinatorin starrte meine Mutter wütend an, als sie den Vorschlag machte, zuerst mit mir zu sprechen. "Ich fühlte etwas Böses bei all diesem", sagte sie.

Die überraschende Wendung

"Denn wir kämpfen nicht gegen Feinde von Fleisch und Blut, sondern gegen die Herrscher, gegen die Autoritäten, gegen die kosmischen Kräfte dieser gegenwärtigen Dunkelheit, gegen die spirituellen Kräfte des Bösen in den himmlischen Orten." Epheser 6:12

Mein Mann ging zur Röntgenabteilung des Krankenhauses, um die Aufzeichnungen und die Röntgenaufnahmen unsres Sohnes mitzunehmen. Die Frau am Empfang nahm die Röntgenaufnahmen aus dem großen Umschlag und sagte: "Oh, wenigstens ist er wieder gesund, nicht wahr?" Mein Mann war geschockt und entgegnete ihr: "Nein - um die Wahrheit zu sagen - mein Sohn starb hier in diesem Krankenhaus." Die Augen der Frau weiteten sich, sie ließ die Röntgenaufnahmen fallen, trat zurück vom Schalter und ging weg. Mein Mann musste selbst die Aufnahmen hochheben, die sie für ihn zusammengesucht hatte.

Die Aufzeichnungen des Rettungswagens und des Krankenhauses ergaben völlig unterschiedliche Darstellungen dessen, was sich an jenem dunklen Tag zugetragen hatte.

Im Rettungsfahrzeug war unser Sohn bei Bewusstsein und "machte eine gezielte Bewegung mit seinem linken Arm." Man gab ihm dann Medikamente zur Beruhigung und zur Erhöhung der Herzfrequenz. Die Unterlagen besagen, dass er einen Würgreflex hatte.

In den Krankenhausunterlagen gab es keinen Hinweis auf die Medikamente, die man ihm im Rettungsfahrzeug verabreicht hatte. In der Notaufnahme reagierte er auf Schmerzreize, atmete selbstständig und zeigte weiterhin Würgreflexe.

Laienhaft ausgedrückt: Er hatte die klinischen Kriterien für "Hirntod" nicht erfüllt.

Bei dem Versuch, ihn zu beatmen, gab man ihm Schmerzmedikamente und wiederholte Gaben eines muskellähmenden Medikaments - siebenmal. Mein Sohn kämpfte ums Überleben gegen diejenigen, die ihn zu benutzen versuchten. Wie sehr unser Sohn gequält wurde!

Röntgenaufnahmen wurden gemacht, die Befunde wurden jedoch nicht im Krankenbericht festgehalten, erst viel später, nachdem er schon zum "Spender" und für "hirntot" erklärt worden war und nach der Entnahmeoperation. Die Aufzeichnungen, die darin gemacht wurden, vermerkten keine schwerwiegende Schädigung des größten Teils seines Gehirns. Diese Feststellung wurde in den Krankenunterlagen mehr als einmal festgehalten.

Er hatte, daran gab es keinen Zweifel, eine Kopfverletzung, die einer intensiven Behandlung bedurfte. Was er stattdessen erhielt, war das Todesurteil, da er sofort als Organspender behandelt wurde. In den Aufnahmepapieren für die Notaufnahme steht: "hirntot", "tödliche Hirnverletzung" und "Spender".

Die Swan-Ganz-Methode wurde angewendet, wobei der Organismus mit Flüssigkeit durchtränkt wird, und alle anderen Verfahren, die für die Vorbehandlung zum Zerlegen bei lebendigem Leib notwendig sind. Das ist die Standard-Behandlung für Organspender - eine Behandlung, die sofort durchgeführt wurde. Wir alle wussten nicht, dass er, während er bei Bewusstsein war und um sein Leben kämpfte, konditioniert wurde, um zweckvoll getötet zu werden.

Einmal? zweimal? Dreimal? für tot erklärt? Dann getötet!

"Sorge dafür, dass niemand dich mittels Philosophie und leerer Versprechungen gefangen nimmt, im Namen der menschlichen Tradition und im Namen des elementaren Geists des Universums, und nicht im Namen Christi." Kolosser 2:8

In der Notaufnahme für "hirntot" erklärt und ein "Spender", wird er, der offensichtlich lebt, noch dreimal für tot erklärt!!

Der erste Tod - ein zweckmäßiger Tod - wurde erfunden, um den wirklichen Todeseintritt planen und regulieren zu können. Man sagte uns fünf Stunden nach seiner Ankunft in der Notaufnahme, dass er tot sei. Die Krankenhausunterlagen bestätigen diesen Zeitpunkt und stellen fest, dass der "Hirntod" eingetreten war nach Durchführung des Apnoe-Tests. Offensichtlich waren die Organe meines Sohnes schon an den höchsten Bieter verkauft worden - er erhielt das Todesurteil, und trotz seines Kampfes ums Überleben war er zum Tode verurteilt worden. Trotz der Tatsache, dass er wegen der Medikamente zur Ruhigstellung nicht reagieren konnte, wurde der "Hirntod" festgestellt.

Der zweite Tod - der "Tod auf dem Papier" - der Totenschein. Das lässt darauf schließen, dass er eineinhalb Stunden vor dem Apnoe-Test starb, indem man ihn als "hirntot" bezeichnete!

Der dritte Tod - der richtige körperliche Tod - nachdem sie ihre Rituale beendet hatten, wurde unser Sohn bei lebendigem Leib zerteilt und dadurch ermordet. In der Krankenakte steht, dass man unseren Sohn narkotisierte, neunzehn Stunden nach seinem vermuteten Todeseintritt. Man gab ihm zwei Medikamente - eins gegen die Schmerzen und ein muskelentspannendes Mittel, um Bewegungen zu verhindern vor der tödlichen Zerteilung - doch während der Organentnahme wurden die Schmerzmedikamente abgesetzt. Es dauerte dreieinhalb Stunden, bis sein schlagendes Herz und andere lebenswichtige Organe herausgeschnitten waren.

Die Ärzte und Mitarbeiter dieses Krankenhauses hatten viele verschiedene Todeszeitpunkte aufgeführt. Verwandte, die im Krankenhaus angerufen hatten, um sich nach dem Befinden unseres Sohne zu erkundigen, bezeugen, man habe ihnen gesagt, er sei tot - zweieinhalb Stunden vor dem Apnoe-Test und eineinhalb Stunden vor der Ausstellung des Totenscheins. Das Krankenhaus berichtete einer Zeitung, er sei am folgenden Morgen gestorben. Es gab so viel unterschiedliche Angaben, dass es für viele Menschen offensichtlich wurde, welche schwerwiegenden Probleme die Hirntod-Erklärung mit sich bringt.

Eine wahre Hölle

Wir wussten nicht, dass unser Sohn, während er lebte und um sein Leben rang, gequält und gefoltert wurde. Ich muss mit diesem Wissen leben, und es bedeutet eine tägliche Auseinandersetzung damit. Ich weiß heute, dass mein Sohn auf meine Berührung und auf meine Stimme reagierte. Der "Kasten", auf den diese zwei Krankenschwestern blickten, zeichnete die vitalen Lebenszeichen meines Sohnes auf. Ich habe keinen Zweifel daran, dass sein Blutdruck und sein Puls anstiegen, wenn ich bei ihm war. Ich habe auch keinen Zweifel daran, dass der "Kasten" deshalb aus meinem und dem Blickfeld meiner Familie gedreht worden war, um seine Lebenszeichen vor uns zu verbergen - Herzschlag, Atmung und Blutdruck. Ich habe Jesus unzählige Mal darum gebeten, mir mein Unwissen zu verzeihen und dass ich meinen Sohn diesen Dämonen ausgeliefert habe. Ich habe ihn gebeten, meinen Sohn zu segnen. Ich hatte ihm gesagt, dass Jesus ihn "heute" im Himmel sehen würde - als ob sein Tod unmittelbar bevorstünde - und ich weiß, dass er mich hörte. Ich kann mir sein Entsetzen nur ausmalen. Ich überließ ihn dem Tod! Ich verließ ihn und ging weg. Gott sei mir gnädig!

Ich bin überzeugt, dass mein Sohn noch am Leben wäre, wenn man mich nicht belogen hätte. Die zwei Arztberichte bestätigen diese Tatsache. Ich glaube von ganzem Herzen, dass der Herr des Lebens meine Gebete gehört hat. Hätte ich nicht darum gebeten, dass er in ein Spezialkrankenhaus gebracht worden wäre, in dem Organentnahmen in großer Hast durchgeführt werden, dann wäre er wegen seiner Verletzung behandelt worden. Heute verstehe ich den Konflikt, in den die Feuerwehrleute und die Mannschaft des Rettungswagens gerieten, als ich sie darum bat, ihn in dieses Spezialkrankenhaus zu bringen. Sie wussten von dem verborgenen Bösen. Ihr Schweigen war tödlich.

Der Preis für Irreführung und mangelndes Wissen ist hoch. Die Auswirkungen davon beeinflussen mein ganzes Leben, wie ich bezeugen kann. Organspende und meine Unkenntnis darüber waren die notwendigen Hilfsmittel und das Werkzeug für das Transplantationsteam, um ihren sadistischen Plan durchführen zu können.

Ich muss mit dieser Schändlichkeit leben und warten, bis ich meinen Sohn wiedersehe. Dieser Schmerz - diese unglaubliche Leere - ist schwer zu ertragen. Ich kann nicht seine Fotos ansehen und mich über Erinnerungen freuen an dieses schöne Wesen, das Gott geschaffen hat, indem er mich mit seiner Geburt und seinem Leben gesegnet hat. Es quält mich die Wahrheit dessen, was ich herausgefunden habe, und das Aufdecken seiner Folter bis zum Tod. Dass ich so fahrlässig war und ihn in seiner Naivität mit einer Waffe habe spielen lassen, ist eine zusätzliche Belastung. Eine ganz andere Last für mich ist es, zugelassen zu haben, dass man ihn indoktrinierte. Damit hatte man die Möglichkeit geschaffen, um ihm bei allen denkbaren medizinischen Anlässen, die in seinem Leben auftreten konnten, das Leben nehmen zu können. Denn es ist so, er hatte "Organspender" in seinen Führerschein eintragen lassen. Zu diesem Zeitpunkt schon begannen die Vorbereitungen für das zeremonielle Opfer.

"Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."

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